Heißer Sommer

„Die erste Hitzewelle in diesem Jahr rollt auf uns zu“, so konnten wir es vor etwa zwei Wochen in den Medien hören. Ich sah dunkelroten Wetterkarten und den ermahnenden Finger. Es wurden Temperaturen bis zu zweiunddreißig Grad angekündigt. Und ich dachte: „Na und? Es ist Sommer!“

Nun, ich bin Kind einer Zeit, in der in den Schulen noch große Thermometer hingen und wir Schüler dieses in den Wochen vor den Sommerferien ganz genau beobachteten. Denn wir lauerten auf ein Hitzefrei nach der vierten Unterrichtsstunde. Es war immer die Zeit im Juni. Denn der gesamte Monat Juli und August waren Sommerferien. Damals war es noch ganz einfach. Wir hatten den gesamten Monat Februar Winterferien und Weihnachtsferien, ich glaube eine Woche zuvor. Im Oktober gab es eine Woche Herbstferien. Die eher praktischer Natur war. Wir gingen in die Landwirtschaft am Rande der Stadt, um auf den Feldern die Kartoffeln zu lesen, die die Erntemaschinen nicht erfassten oder in den Obstplantagen zu helfen. Heute würde man wahrscheinlich „Kinderarbeit“ schreien. Wir haben das gern gemacht und wir waren stolz zu helfen. Aber das soll ein anderes Mal Thema sein. 

Aber zurück zu dem riesengroßen Thermometer in der Schule. Dieses Ding hing in der ersten Etage unmittelbar in der Nähe des Lehrerzimmers. In jeder Pause gingen wir gucken, ob die Temperatur endlich die 28 Grad erreicht hat und wir waren hippelig, nach der vierten Stunde das besondere Klingezeichen für Hitzefrei zu hören, um dann johlend schnell den Schulkram in den Ranzen zu verstauen und aus dem Schulgebäude zu fliehen.  Es ging das Gerücht umher, dass der alte Lehrer Mehlhorn gern vor der Pause mit einem dicken nassen Tafelschwamm das Thermometer kurz vor der Pause herunterkühlte. Einmal erwischten wir ihn dabei. Die Kinder protestierten lautstark. Aber wenn ich mich an sein verschmitztes Gesicht erinnere, denke ich, dass er nur Spaß dabei hatte und er uns zeigte, dass er von diesem Gerücht wusste.

Nun, die Temperaturen in den Sommerferien waren in der Regel um die 32 bis 38 Grad. Unerträglich war es dann bei 42 Grad. Dann gab es heftige Sommergewitter und warmen starken Landregen, der in den Wasserlachen auf der Straße Blasen schlug. Es machte uns Spaß, unter dem gleichmäßigen Regen barfuß herumzutoben und uns zu erfrischen. – Es war normal. Es war einfach nur Sommer. Und das war der Grund, weshalb  die Sommerferien in diese Zeit gelegt wurden. Das Lernen in großer Hitze ist einfach uneffektiv.

Was erleben wir jetzt? Die Sommerferien sind in jedem Land anders geregelt. Zum Teil beginnen diese sehr zeitig und die Kinder gehen mitten im Sommer wieder in die Schule, oder umgekehrt. Diese Regelungen sind nicht im Sinne der Kinder, sondern im Sinne des egoistischen Reisewahns der Erwachsenen. Damit die Blechlawinen irgendwie von hier nach da durch die Straßen geschleust werden können, wurde für den Tourismus und der entsprechenden Wirtschaft entschieden.

Zu den hohen Sommertemperaturen gesellt sich nun noch ein erheblicher Gestank dieser Fahrzeuge und macht die Luftqualität unerträglich. Als ich noch zur Schule ging, hatte nicht jeder Haushalt ein Auto. Wir lösten noch einen Fahrschein auf dem Bahnhof und fuhren mit der Bahn. Dieses Ticket war preiswert und fraß keinem die Haare vom Kopf. Heute ist es ein Luxus, mit der Bahn zu verreisen und so mancher überlegt es sich, so viel Geld dafür ausgeben zu können oder zu wollen. Bitte jetzt keinen Aufschrei, dass man günstig reisen könne wenn man plane und so. Ich weiß das, aber ich will das nicht. Ich möchte heute spontan ein Ticket lösen und losfahren können, ohne dafür mein Konto plündern zu müssen und damit die Tickets der Frühbucher zu sponsern.

In den letzten Tagen sah ich etliche Fotos von alten Tageszeitungen, die eine Hitzewelle in Deutschland beschrieben. 1957 waren es sogar fast fünfzig Grad Celsius und in den Siebzigern um die vierzig, zum Beispiel.

Für Euch habe ich einen Trailer des alten Spielfilms „Heißer Sommer“ mit Chris Doerk und Frank Schöbel aus dem Jahr 1967 herausgesucht. Dieser war damals sehr beliebt. Und ich sah den gern, wahrscheinlich auch, weil einige meiner Schulfreundinnen mitspieleten. Sie waren Mitglied in der Tanzgruppe, die für den Film engagiert wurde.  –  Klickt einfach unten auf den Link, um es zu sehen.

„Heißer Sommer“ – ein DEFA-Film aus dem Jahr 1967.

Heute wird alles unter dem Deckmäntelchen Klimawandel abgetan. Nun,  an den Sommertemperaturen hat sich wahrscheinlich nicht viel geändert. An der Qualität unseres natürlichen Lebensraumes jedoch sicher. Und es hat nichts damit zu tun, ob wir ein Fahrzeug mit einem Verbrennermotor fahren oder ein Elektroauto. Die Armortisierung dieses Teils ist sehr fraglich. Ich spreche hier allumfassend von der Herstellung bis zur Entsorgung. Es beginnt irgendwo tausende Kilometer entfernt auf dieser Erde und wird in das territorial klitzekleine Deutschland geschifft oder geflogen, um das abgewrackte Teil wieder dorthin zu bringen. Das betrifft übrigens die breite Wirtschaft. Wir bringen unseren Müll irgendwohin nach Afrika zum Beispiel. Mögen die dort damit klarkommen. Wir machen unsere Augen zu und es ist uns egal, wie sie es entsorgen und damit fertig werden. Schließlich bezahlen wir dafür. Wir hier haben etwas Gutes getan für das sogenannte Klimaziel, so glauben wir. Das blöde ist nur, dass es kein deutsches oder europäisches  Klima gibt. Das lässt sich nicht mal fix an der Grenze aufhalten oder mit einem Einreiseverbot wegschicken. 

Nö, das ist aus meiner Sicht nicht der Weg.  Fangen wir doch klein bei uns selbst an. Müssen wir mehrmals im Jahr in den Urlaub weit weg reisen?  Müssen wir Reisen auf diesen Monsterschiffen buchen, um in einer simulierten Luxuswelt mit ein paar mal Landgang, auf dem Wasser herumzugurken? Müssen wir unbedingt alle, ob jung oder alt, ob mit oder ohne Schulkinder, im Sommer verreisen? … und so weiter und so fort.

Es ist unser Anspruchsdenken. Es ist dieses „jeder hat“ und „jeder macht“ und dieses „es steht mir zu“, „es ist mein Recht“. Meine Zeilen beziehen sich heute nur auf den Sommer, diese sogenannte Hitzewelle.

Natürlich ist es unsere freie Entscheidung. Und diese sollte auf keinen Fall mittels irgendwelcher politischer Dogmen reguliert und eingeschränkt werden. Jedoch ist es auch unsere freie Entscheidung nachzudenken und Schlussfolgerungen für unser eigenes Handeln zu ziehen.

Es ist einfach nur Sommer. Genießt die Zeit mit allem Drum und Dran!

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

2 Gedanken zu “Heißer Sommer

  1. Liebe Petra, du schreibst mir von der Seele. Es ist warm, weil Sommer ist. Das war früher auch schon so, nur war es damals noch nichts Schlimmes. Wir haben wohl vergessen, dass wir vor drei Wochen noch beinahe erfroren und ersoffen wären. Wir sollten also froh sein, daß es jetzt endlich warm ist und deswegen nicht in Panik verfallen. Schmuddelwetter haben wir dann wieder lange genug.
    Und meine Meinung zur Mobilität :
    Solange ich ein 3 Tonnen Monstrum brauche, nur um meinen A……. von A nach B zu bugsieren, ist es völlig egal, wie dieses angetrieben wird. Umweltfreundlich ist das auf keinen Fall.

  2. du hast das so gut beschrieben. Ich erinnere mich auch noch genau an die hitzefreien Tage und besonders an den Sommer 1958, als es wochenlang heiß war und alle Kinder durften ins Strandbad, nur ich nicht. Meine Eltern haben es nicht erlaubt, weil sie Angst hatten, es könnte etwas passieren und selbst fehlte ihnen die Zeit. Es gibt dazu eine Geschichte https://lebensrueckblick.wordpress.com/2009/09/17/noch-mal-kalk-und-die-folgen/
    Liebe Grüße

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