Vom Fischen und so

„Fischen ist entspannend. Es wird Dir gefallen“, sagt Ulf. „Du kommst völlig runter. Lauschst rein in die Natur. Nimmst alles ganz genau wahr, das kleinste Geräusch, jedes Knirschen. Wenn du die Ohren spitzt, hörst du die Schnecken trampeln.“ Ulf lacht und hält mir einen fetten Regenwurm entgegen. „Das ist nicht dein Ernst! Du erwartest, dass ich dieses arme Würstchen auf den brutalen Haken pieke?“ Ein Grinsen macht sich in seinem Gesicht breit, so ein ‚verstehe schon‘. Routiniert schiebt er den Haken durch den Wurm, reicht mir die Angel und deutet mir mit einer Handbewegung, mich hinzusetzen und die Klappe zu halten. Ich füge mich.

So hocke ich auf solch einem minimalistischen Angler-Dreibein. Die kühle Feuchtigkeit des frühen Morgens kriecht durch das Leinen. Mich fröstelt. Mein Hinterteil wird allmählich kalt und gefühllos. Es ist gruselig still. Der Kanal liegt ruhig, dunkel und schwer in seinem Bett. Wir sitzen im Schilf, halten die Ruten und glotzen ins Wasser. Es riecht erdig und moderig.

„Ist das nicht herrlich!“, höre ich Ulf flüstern. „Dieser Morgen, so unberührt, die weichen Nebelschwaden gleichen den Waldfeen“, schwärmt er. Unweigerlich zieht es mir die Augenbrauen hoch. Ich werfe einen kurzen Seitenblick auf ihn. Er sitzt breitbeinig, zufrieden und entspannt.

Oh Mist, denke ich. Meine Angel scheint sich verhakt zu haben. Ich zerre daran herum und versuche, diese aus dem Nass zu bekommen. „Hör auf damit! Da hat einer gebissen!“, weist mich Ulf zurecht. „Und was soll ich jetzt machen? Die Rute hängt fest!“ „Anfängerglück!“, brummt Ulf. „Das ist mir doch egal!“, fauche ich zurück. „Gib her!“ Ulf reißt mir die Rute aus der Hand und holt den zappelnden Fisch aus dem Wasser. „Hier! Hast einen Barsch erwischt. Mache ihn ab. Der ist zu klein. Den werfen wir wieder ins Wasser.“ Oh nein! ich kann es kaum ertragen. Der Widerhaken hat sich durch die Unterlippe geschoben und diese verletzt. Wie soll ich den Haken herausziehen, ohne das Mäulchen zu zerreißen?

„Na komm! Mach hin!“, drängelt Ulf. „Ich kann nicht!“, sage ich. Ulf starrt mich an. Offensichtlich bemüht, die Contenance zu wahren. Ich halte ihm die Angel hin. Er nimmt sie wortlos ab, zieht den Haken aus dem Maul. Wirft mit seiner Rechten den Fisch ins Wasser, ohne seinen bohrenden Blick von mir zu nehmen.

„Hast du schon einmal Walfängern bei ihrer Arbeit zugeschaut?“, frage ich Ulf. „Nein, jedoch sah ich eine Doku. Walfang, ein umstrittenes Thema. Es scheint nicht kontrollierbar. Warum fragst du?“ Ich suche nach Worten. Sicher ist es albern, Wale mit einem kleinen Barsch zu vergleichen, wie einen Liebhaberangler mit einem Walfänger, ein kleines von einem Widerhaken zerfetztes Barschmäulchen mit einem brutal von Harpunen gequälten und dann in Stücke zerlegten großen Wal, wie einen Walfänger, der mit seiner Hände Arbeit den Unterhalt seiner Familie erwirtschaftet, mit einem Hobbyfischer. Mit einer schnellen Handbewegung wische ich meine Gedanken samt Ulfs Frage beiseite.

Ich schaue ihn an und frage: „Warum musst du Fische angeln, die unweigerlich verletzt werden, wenn du sie doch nicht essen wirst? Du magst die Natur am Morgen. Genieße sie einfach ohne deinen Angelhaken!“

Ulf guckt mich verständnislos an. Schüttelt den Kopf und meint: „Komm, lass uns einpacken. Das wird nix mit uns.“

Mit freundlicher Genehmigung: – Foto: Kerstin Spiegelberg

Dieser fantastische Urlaubsschnappschuß, den mir mein Schwesterherz sandte, animierte mich für obigen Text.

Ich denke so darüber nach und stelle für mich fest, dass ich keine Frau kenne, die angelt oder fischt. Woran mag das wohl liegen 🤔

Überall dort, wo Angeln ins Wasser geworfen werden, stehen nur Männger aufgereiht am Ufer… Ich werde dieser Sache irgendwann einmal auf den Grund gehen. Oder kannst Du mir eine Antwort darauf geben? Schreibe es einfach unten in das Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

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Aber nun genug!

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Ein Gedanke zu “Vom Fischen und so

  1. Ich kann jedenfalls versuchen, das zu beantworten. Als Katzenmama weißt du sicher, dass auch Katzen, die gut gefüttert werden, Mäuse oder Vögel jagen. Ich denke, aus dem selben Grund stehen übergewichtige, vollgefressene Männer am Ufer der Seen und Weiher, um Fische zu fangen, die sie nicht essen. Das tun die wohlgenährten Katzen auch nicht. Sie legen die Maus oder den Vogel vor die Haustür, um dir ihre Beute zu zeigen und damit anzugeben. Genau so verhält sich der Angler auch. Der Grund ist wohl, dass der Jagdtrieb trotzdem vorhanden ist, auch wenn der Bauch jeden Augenblick zu bersten droht. Beim Menschen ist dieser Jagdtrieb beim Mann wohl stärker ausgeprägt als bei der Frau, weil der Mann evolutionsgeschichtlich für die Nahrungsbeschaffung verantwortlich ist. Nun, dass sich ein Lebewesen vom anderen ernährt, ist keine perfide Idee des Menschen, sondern ein Prinzip der Evolution, das sich offensichtlich seit Jahrmillionen bewährt hat. Trotzdem sollten wir uns überlegen, ob wir berechtigt sind, Tiere zum Spaß zu quälen und zu töten. Ich denke, da sollten wir von dem leichten Plus an Gehirn, das wir der Katze voraus haben (sofern es denn wirklich so ist), Gebrauch machen.

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