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Gedankenbogen über ein gesticktes Monogramm

Ich bin eines der Nachkriegskinder und gehöre zu den in den Fünfzigern Geborenen, den sogenannten Baby-Boomern. „Welch ein blödes Wort!“, denke ich. Waren es doch einst die Jahrgänge, die gemeinsam mit der Generation ihrer Eltern dieses in Schutt und Asche gekloppte Land wieder auf die Beine brachten. So sind es heute die, die dem Staat zur Last fallen. Also die, die dem Land angeblich die Haare vom Kopf fressen. Es sind die, die der Z-Generation im Wege stehen und diesen Chilligen auf den Keks gehen. Zum Glück liegt zwischen der Nachkriegs- und der  Z-Generation unser eigener Nachwuchs und deren Kinder, die   X- und Y-Generaton, die eine große Portion unseres Denkens, Fühlens und Handelns in sich trägt und lebt. Manche schaffen es, dieses an ihre Kinder weiterzugeben, viel zu viele leider nicht.

Als ich heute am Morgen ein altes Handtuch aus dem Schrank nahm, um es in das Katzenkörbchen zu legen, fiel mir das gestickte Monogramm „PK“ ins Auge.

Es ist das letzte Handtuch von vielen mit einem bestickten Monogramm, die ich besaß. Diese Handtücher bekam ich zu meiner Jugendweihe, als ich vierzehn Jahre alt war und bis zu meinem sechszehnten Lebensjahr zu Geburtstagen geschenkt. Es nannte sich Aussteuer. Meine Eltern nahmen die Dinge an sich und bewahrten das auf, bis ich das Elternhaus verließ. In diesen Jahren wurde ich außerdem mit einer Steppdecke, einem Schlafsack und ähnlichem „beglückt“. Ich erinere mich noch ziemlich gut daran. Denn als Vierzehn-, Fünfzehn- oder Sechszehnjährige konnte ich mit diesen Geschenken nichts anfangen. Meine Freundinnen und Klassenkameradinnen bekamen ganz persönliche Dinge geschenkt, an denen sie in der augenblicklichen Lebensphase Freude hatten, wie ein Kofferradio, Kassentengerät, modische Dinge oder schöne Kosmetika. Meine Eltern planten für mich ins Irgendwann mit praktischen Haushaltsdingen.

Damals war ich wahnsinnig enttäuscht. Heute habe ich Verständnis für die Generation, die in der Kriegszeit mit fast nichts aufwuchs und heute die Experten in der Vorratshaltung sind. „Ganz sicher haben sie es gut gemeint, mich mit Dingen für meinen zukünftigen Hausstand auszustatten.“, rede ich mir ein. „Nur mussten derartige Sachen zu den einzigen Gelegenheiten sein, an denen wir Mädchen etwas geschenkt bekamen?“, knirsche ich ein wenig.

Schenken bedeutet für mich, einem anderen einen Wunsch zu erfüllen, eine Freude zu bereiten, ganz gleich, ob ich es immer gut finde. Wer das nicht kann, sollte es lassen. Alle anderen Gaben können gern an den vielen anderen Tagen des Jahres gereicht werden. Wie schön ist es doch, eine zusätzliche Freude zu bereiten.

Auf dem Bild seht Ihr also das einzig verbliebene Handtuch, das über fünfzig Jahre alt ist und inzwischen den Kätz als Kuschelunterlage auf ihren Schlafplätzen dient.

Schon damals, 1972, war das Thema Aussteuer antiquiert. Ich persönlich kannte kein Mädchen, das Derartiges erhielt.

Ich schiebe das auf die Kriegserfahrung, die meine Eltern machen mussten. Denn bis heute, mit fast neunzig Jahren, können sie sich von keinen Gegenständen trennen. Sie klammern an den unnötigsten Dingen fest, als sei es ein großer Besitz und sie können es nicht loslassen. – Was man hat, hat man.

Ich denke, jeder von uns hat noch immer einen Bezug zu der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Ganz gleich, zu welcher Generation wir uns zählen. Hoffentlich werden wir zu der ersten gehören, die niemals einen Krieg erleben muss.

Ach übrigens, meine Oma lehrte mich die Monogrammstickerei. Sollte das wieder trendy werden, bin ich vollkommen up to date 😉

Ich muss lächeln, welch einen Gedankenbogen ein gesticktes Monogramm schlagen kann und schicke Euch

sonnige Grüße ins Wochenende.

Herzlich, Eure Petra Kolossa

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