Menschen kommen nicht zufällig in Dein Leben

Auf unserem Lebensweg begegnen wir unendlich vielen Menschen. Einige bleiben in unserer Erinnerung haften, andere weniger, viele bemerken wir kaum oder gar nicht. Nun, das ist eben einfach das Leben, wird sich mancher sager. Sicher. Aber ich denke, es ist viel mehr, als dass wir es einfach so als gegeben hinnehmen sollten.

Gestern fiel mir ein nur wenige Minuten langes Video zu diesem Thema in die Hände: „Das Universum schickt keinen Menschen zufällig in dein Leben.“ Ich sah diesen Clip und ich nahm zu diesem Augenblick nur wahr, dass der von schlechter Qualität war, nicht gut gemacht und dass ich derartig Nachlässiges niemals in die Welt schicken würde und so weiter.

Spät am Abend ergab sich ein Gespräch zum Thema Facebook, über sogenannte Freundschaften, über dieses ganze Gedöns und so.

Als ich heute am Morgen wach wurde, nervte mich die Uhr mit ihrem rhythmischen leisen tack, tack, tack … Es gelang mir nicht, wieder einzuschlafen. Mein Kopf begann sein Tageswerk und erinnerte mich an diese zwei Begebenheiten. Mir wurde sehr bewusst, wie überheblich ich über diesen Video-Clip dachte. Der Verursacher wollte uns eine Botschaft senden. Aus seiner Sicht hat er wahrscheinlich eine gute Qualität abgeliefert. Jedoch ist das vollkommen sekundär. Der Inhalt des Videos ist es wert gehört zu werden.

Und ich dachte an dieses Gespräch über Social Media, das ebenso überheblich angehaucht war. Wir vergessen oftmals, dass hinter jedem Namen, jedem Profil ein Mensch steht. Ein Mensch, den wir wahrscheinlich im realen Leben niemals getroffen hätten. Aus vielen dieser virtuellen Begegnungen werden oftmals ganz reale Begegnungen und manches Mal auch gute Freundschaften.

Hast Du schon einmal Deinen Lebensweg zurückgespult und an all die Menschen gedacht, die Deinen Weg gekreuzt haben? Ich kann es Dir nur empfehlen, zu tun. Denke an alle und überlege, welchen Einfluss sie auf Dein Leben hatten. Du wirst erstaunt sein.

Ich habe das getan. Und es ist wirklich unglaublich, wieviel Einfluss diese Menschen, die vermeintlich zufällig in Dein Leben treten, auf die eigene Entwicklung haben.

Ganz gleich, ob es die Schulfreundin mit ihren Eltern und Großeltern waren, die meine Liebe zu den Tieren in eine gesunde Richtung lenkten, die  Mädels und Jungs, die ich später traf, die mir zeigten, dass es zwischen Frank Schöbel, Rote Gitarren, Jiri Korn und Puhdys viel, viel mehr gab. Ob es die Frau in einem Praktikum war, die mich an einem kalten Wintertag zu sich nach Hause einlud und mir bei einem heißen Kakao zeigte, dass ich ein wertvoller Mensch bin, mir selbst vertrauen und die vielen Ängste ablegen darf.  Sina. Meine erste Katze erhielt ihren Namen. Ihren Vornamen verwende ich bis heute in etlichen Texten. Es war eine kurze Begegnung, nur eine Woche verbrachte ich mit dieser Frau. Sie trat zu einem ganz wichtigen Augenblick in mein Leben. Sie erledigte ihren „Job“ und ging.

Es trat ein Mensch in mein Leben, der mir zeigte, was bedingungslose Liebe ist, der mir zeigte, was Berührug, Nähe und Offenheit zu anderen Menschen bedeutet. Er gab mir Schutz und lehrte mich, zu vertrauen. Nach vielen Jahren ging er. Das Leben sorgte dafür, dass ich lernen musste, stark zu werden, mich selbst durchzubeißen, zu verstehen, dass die Verantwortung für mich selbst nur bei mir selbst liegt. Er lehrte mich damit, den Unterschied zwischen Vertrauen und Gutgläubigkeit zu erkennen. Es traten Menschen in mein Leben, die mir tatsächlich verdammt harte Lektionen erteilten. Es machte mich stärker, aber auch dünnhäutig.

Es begegneten mir Menschen, die mir Mut machten. Es kamen Energieräuber, Menschen, die mich in eine ständige Habachtposition zwangen, wo es mir nie wieder gelang, diese beiseitezuschieben. Es kreuzten Menschen mein Leben, die mich seit vielen, vielen Jahren begleiten. Diese Menschen sind für mich immer da und ich für sie, auch wenn die Entfernungen so groß sind und der Kontakt nur in großzügigen Abständen erfolgen kann. Es kreuzten Menschen mein Leben, die mir klar und deutlich zeigten, was ich auf keinen Fall will und mich somit wieder auf eine gerade Strecke stellten …

Ich traf auf viele Menschen im realen Leben, wie auch im virtuell-realen Leben. Denn die Menschen, mit denen ich eine freundschaftliche Bindung habe und viele Tausend Kilometer entfernt leben, traf ich via Video-Chat. Diese Freundschaften lehrten mich einen weiten globalen Blick zu entwickeln. Es sind Menschen, die ich ohne der heutigen technischen Möglichkeiten nie in meinem Leben hätte.

Mir ist bewusst, dass es etliche Leute gibt, die dieses Internet verdammen. Jedoch bin ich fest davon überzeugt, dass es uns in unserer Entwicklung weit voran gebracht hat. Hätten wir diese Möglichkeit nicht, würden wir in der Regel in unserem regionalen Dunstkreis verbleiben. Der Julius, der einst der Dorftrottel war, würde es immer sein. Der Sohn des Arztes würde immer der Sohn des Arztes sein. Die Tochter der …  Ihr wisst, was ich sagen will. Oftmals haben solche Menschen ihre eigene Region verlassen, um ein neues Leben zu beginnen. Dorthin zu gehen, wo sie keiner kennt. Mancher kam viel später erfolgreich zurück und erfuhr erst dann endlich Anerkennung.

Das Internet macht es vielen Menschen möglich, Gleichgeinnte zu treffen oder ihren Horizont zu erweitern. Social Media ist Fluch und Segen. Der Segen überwiegt.

Jeder Mensch, der in mein Leben eintrat, ganz gleich mit welcher Intensität, war auf seine Art ein kleines Bauklötzchen dessen, was ich heute bin. Und eines ist Fakt: Jeder Einzelne kam immer dann, wenn es für mich richtig und wichtig war. Auch, wenn ich es zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht einordnen konnte und nicht wusste, welche „Aufgabe“ ich zu lösen hatte.

Man sagt, das Gesetz der Resonanz zieht immer zum passenden Augenblick den richtigen Menschen in Dein Leben.

Von welchen Erfahrungen kannst Du berichten? Schreibe es einfach unten ins Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

Aber nun erst einmal ein Käffchen …

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Unfreiwillig, freiwillig gelauscht

Mit Kater Benny auf dem Schoß saß ich in diesem Raum und wartete und wartete. Ich kraulte ihm selbstvergessen seinen Pelz und hoffte, bald in den Behandlungsraum gebeten zu werden.

Kam man früher, so vor fast zwei Jahren, in diesen Warteräumen sofort mit anderen ins Gespräch und plapperte über die tierischen Lieblinge sowie Gott und die Welt, hat sich das vollkommen geändert. Der große Sicherheitsabstand zwischen den Menschen durch weiträumig gestellte Sitzgelegenheiten und die verdeckten Gesichter hinter den Masken verleitet die Leute dazu, sich dahinter zu verkriechen.

Vor fast zwei Jahren waren noch keine Glasscheiben auf dem Tresen, hinter dem in der Regel zwei Sprechstundenhelferinnen arbeiten. Im Warteraum konnte man dennoch kein Wort verstehen, was sie dort mit den Kunden besprachen. Jetzt sitzen sie hinter hohen Glaswänden, die sie vor dem unmittelbaren Kontakt zu den Menschen schützen sollen. Ich sitze also in diesem Raum mit den anderen Wartenden. Kein Gemurmel, kein Geschwätz, einfach Stille. Jedes Wort, das an der Theke besprochen wird, kann ich verstehen. Vereinbarte Termine für eine Operation, die Befindlichkeiten der Tiere, die Diskussionen über Rechnungen, das Erklären von Medikamenten und so weiter und so fort.

Alle Kunden, die in großem Abstand am Tresen warteten wurden bedient. Mit einem Mal ist absolute Ruhe im Raum. Schade, denke ich. Es war doch irgendwie unterhaltsam. Eine der Mitarbeiterinnen greift zum Telefon. Sie spricht leise und glaubt wahrscheinlich, dass es keiner hinter dieser hohen großen Glaswand hören kann. Ich muss unweigerlich zuhören. Mein kleines Unterhaltungsprogramm während der langen Wartezeit …

… „Mama, nein!“, flüstert sie irgendwie laut in den Hörer. „Du musst kein gutes Make up auflegen! …

Nein, du musst nicht zum Friseur gehen. Bringe einfach alle drei mit! … Ja, das wäre gut.  … Wieso geht das nicht? … Dann bringe eben zwei mit. … Wie jetzt, dann ist einer allein, das geht nicht? … Mein Gott, dann bringst du eben wenigstens einen mit. … Mama, reg‘ mich nicht auf! … Wir brauchen dich hier. … Nein! Du kannst nicht allein kommen! … Mama, höre doch mal zu! … Was sollen wir ohne deiner Kleinen? Die brauchen wir hier. … Ja, natürlich brauchen wir die und auch dich. … Gut, dann bringe alle drei mit. Ums so besser. … Nein, verdammt! Du brauchst kein besonderes Make up. Wir spielen doch nur den Warteraum nach für unsere neue Webseite! Da ist das Make up wirklich unwichtig. … Mein Gott, mach was du willst. Wenn du noch einen Termin bekommst beim Friseur, dann mache das. … Ja, von mir aus, nimm ein Make up, alles gut! … Ja, super! Danke Mama! …“

Sie legte auf und ließ die Luft aus ihren aufgeblasenen Backen und fiel in die Lehne ihres Stuhles.

Ich amüsiere mich köstlich und das Lachen sitzt in meinem Gesicht.

„Frau Kolossa und Benny bitte!“

… ahhh, wir sind dran. Ich muss Euch jetzt allein lassen und gehen.

Wünsche Euch allen einen schönen Tag ☀️

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

PS: Hast Du schon einmal meinen Podcast, das Hör-Café, eingeschaltet? Nein? Das kannst Du mit dem Link auf dieser Webseite auf der linken Seite tun. Es sind bereits sechszig Folgen aufgezeichnet. Habe viel Spaß beim hineinhören 😊

Wer will schon ein Esel sein?

„Der Esel nennt sich immer zuerst.“ Ein Satz, den ich in früher Kindheit geimpft bekam. Wer will schon ein Esel sein? Also achtete ich peinlich darauf, mich nie als erste zu nennen. Es waren also immer die anderen, die viel wichtiger waren, als ich.  Somit war ich immer ein „und“. Sabine, Ellen, Micha und ich, zum Beispiel.  Man nimmt sich bescheiden zurück und bleibt im Hintergrund, wurde ich belehrt. Wenn Erwachsene sprechen, halten Kinder den Mund. Jüngere akzeptieren die Meinung von Älteren und diskutieren nicht. Beim Essen wird nicht gesprochen. Und so weiter und so weiter.

Ganz sicher bin ich nicht die Einzige, die mit diesen Reglements aufgewachsen ist. Dieses Kleinhalten des Selbstbewusstseins hinterließ seine Spuren. In der Schule bekam ich keinen einzigen Ton beim Singen vor der Klasse heraus. Das Gedichteaufsagen oder Vortragen von irgendwelchen Dingen begleitete mich mit einem rasenden Puls und komplett ausgeschalteter Wahrnehmung meines Umfelds. Wurde ich von Erwachsenen oder Älteren angesprochen und um Erklärungen gebeten, konnte ich nur herumstottern und nicht antworten. Ich wusste nicht, was sie hören wollten und wie ich ihnen gerecht werden konnte.  Selbst hatte ich keine Meinung, weil ich das nie lernte. Das sind nur ein paar Beispiele. Es sollten noch viele, viele Jahre vergehen, meine Angst zu überwinden und vor allem,  mich selbst als einen wertvollen Menschen wahrzunehmen.

Bis zum heutigen Tag wird man mich nie erleben, dass ich mich selbst zuerst vor anderen nenne. Auch nicht dann, wenn der Löwenanteil am Geschehen, dem Ergebnis oder was auch immer, bei mir selbst liegt. Ich werde immer ein „und“ sein. Nur ist es so, dass ich heute überhaupt kein Problem damit habe. Mein Selbstbewusstsein ist inzwischen groß genug, dass ich mich gern als Teil des Ganzen, als ein „und“ benennen kann.

Eine ganze Weile beobachtete ich die Sprache bei anderen Menschen. Mich interessierte, wie sie dieses „Ich“ verwenden. Dabei fiel mir tatsächlich auf, dass es in der deutschen Sprache in der Regel üblich zu sein scheint, dass sich der Esel nicht zuerst nennt. Je jünger die Menschen werden, desto stärker beginnt es, sich zu mischen und das „Ich“ steht häufig vor den anderen Beteiligten an einer Situation.

In meiner Korrespondenz mit Menschen in anderen Ländern fiel mir auf, dass es dort selbstverständlich zu sein scheint, dass der Erzählende sich selbst zuerst nennt.  Zum Beispiel: Ich und meine Mama … oder Ich und meine Freunde X, Y und Z  …

Selbst jetzt, während ich das notiere, bemerke ich, wie falsch es sich für mich anfühlt. Es ist für mich auch so etwas wie Wertschätzung dem anderen gegenüber. Meine Mama und ich …  oder meine Freunde und ich …  Nur so kann ich es formulieren und aussprechen.

Im Englischen schreiben wir das „Ich“ immer groß, jedoch kein anderes Personalpronomen. Und ich denke, es hat eine wichtige psychologische Auswirkung. Denn nur, wenn ich mich selbst als einen wichtigen Menschen wahrnehme, wenn ich mich selbst wertschätze, wenn es mir selbst gut geht, nur dann kann ich für andere Menschen ein wertvoller Teil des Ganzen sein.  Menschen mit einem mangelnden Selbstbewusstsein, die ängstlich durchs Leben gehen, deren Meinung wankelmütig ist, die beeinflussbar sind, die mitlaufen, die sich am wohlsten dort fühlen, wo sie nicht auffallen, also in der Masse, diese Menschen sind für andere in der Regel keine wirkliche Stütze.

Aus meiner heutigen Sicht sollte diesem kleinen großen Wort „Ich“ tatsächlich mehr Beachtung geschenkt werden. Es ist viel, viel mehr, als nur ein Wort. Es ist das komplexe „Ich“.

Mir fiel auf, dass in anderen Kontinenten, zum Beispiel in Afrika, die Menschen sich selbst zum Geburtstag gratulieren. Das wirkte auf mich sehr befremdlich und unbescheiden. Damit wurde das gesamte Umfeld daran erinnert und zum Gratulieren aufgefordert. Wir Deutschen ticken da sehr zurückhaltend. Wir erwarten, dass der andere daran denkt, dass wir Gebrutstag haben und wir sind enttäuscht, wenn das einer vergisst. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Was hat mich zu diesem Text überhaupt bewogen? Es war ein kurzer Satz, der mir im ersten Moment aufstieß und mich zum Nachdenken anregte: „Ich und Petra wünschen Euch … “ Dieser Satz beinhaltet gleich drei Fauxpas. Zum einen das besagte „Ich“   vor der zweiten Person, zum zweiten formulierte diese Zeile ein Mann. Aus meiner altmodischen Höflichkeitsvorstellung ist das unmöglich. Eine Frau sollte einfach vor dem Mann genannt werden. In diesem Fall ist der Mann über dreißig Jahre jünger als ich. Das wäre dann noch der dritte Punkt, der eine respektvolle, höfliche Haltung verlangt.

Und nun frage ich: Wie wichtig sind heute derartige Umgangsregeln? Spielen diese überhaupt noch eine Rolle? Sollten diese im Zuge der multikulturellen Vermischung unseres Landes einfach aufgegeben werden? Wie wichtig sind derartige sprachliche Ausdrucksformen im Rahmen der Vergenderung und Verkrüppelung unserer Sprache? Sind diese Formen des Respektes und der Höflichkeit noch wichtig, wenn das Geschlecht eines Menschen in unserem Land bedeutungslos zu einem Sternchen oder zu künstlichen kaum aussprechbaren Auswüchsen mutiert? Oder ist das alles tatsächlich nur noch altmodischer Gedankenkram, den kein Mensch braucht?

Eure Meinung interessiert mich sehr. Scheut Euch nicht und schreibt es einfach unten in das Kommentarfeld.

Herzlich, Eure heute etwas nachdenkliche

Petra Kolossa.

Erzähle doch mal was Lustiges

„Welches Thema wird Dein Hör-Café zum Wochenende haben?“, werde ich gefragt. „Ich weiß es noch nicht. Einige meiner Freunde meinen, ich solle unbedingt wieder was Lustiges machen. Hm, mir fällt grad nix Lustiges ein. Die globale Situation gibt’s irgendwie nicht her.“ Er grinst. „Was Luschtiges also. So lasse uns doch ein Brainstorming machen. Mal sehen, was daraus wird.“

Gesagt getan. Wir warfen uns Begriffe zu.

Shot, booster, lockdown …  Begriffe, die die Deutschen mit einer Selbstverständlichkeit verwenden, als wäre es deutsches Sprachgut. Es klingt englisch ausgesprochen wahrscheinlich etwas sympathischer, zeitgemäß und total angesagt. Schuss, Verstärker, eingesperrt. Diese deutschen Worte sind doch sehr eindeutig. Klingt nicht so toll. Für lockdown findet man inzwischen als erstes Wort im digitalen Übersetzer: abgeriegelt. Vor ein paar Monaten stand dort noch das Wort „Sperre“. Abgeriegelt klingt etwas hübscher.

„Verdenglischen ist ein lustiges Thema!“, sagt er und lacht. Ich ziehe meine Augenbrauen hoch. „Nö, das wird nix. Zu diesem Thema ist alles gesagt. Und es ist wirklich nicht lustig.“

Äpfel, rote, gelbe, grüne, reif, saftig, lecker, Apfelplantagen, Bodensee, Ernte … purzeln die nächsten Wörter. „Glaubst du, dass die hier keine Herpizide oder so’n Zeug verwenden? Dass das alles so ganz ohne geht?“, denkt er laut. „Hast du schon einen Apfel von hier gegessen, in dem dich eine Made begrüßt hat?“, frage ich zurück. Nun zieht er die Augenbrauen hoch und sagt: „Nein. Kein lustiges Thema. Also weiter!“

Eine Wildbiene kreist in der Sonne. „Wow, eine Biene!“ Und schon fallen die nächsten Worte. Bienen, Sonne, Honig, Pollen, Waben, Sonnenblumen … „Es ist schon merkwürdig“, sage ich. „Man nimmt eine Biene inzwischen als eine Rarität wahr. Ich denke, sie sind es inzwischen auch.“ „Stimmt. Hast du bemerkt, dass es kaum Mücken in diesem Jahr gab? Es gab Perioden, an denen es so sehr heiß und dann feucht war. Wir haben mit diesen Mücken gerechnet. Sie blieben fern.“, wundert er sich. „Stimmt. Ich sah auch bloß zwei, die sich im Hausflur verirrt hatten.“ Wir sinnieren kurz. „Kein lustiges Thema. Komm, lass uns weiter überlegen“, schubst er mich.

„Morgen ist Wahlsonntag“, stellt er nebenbei fest. … Wahlurne, Stimme abgeben … „Auf keinen Fall! Ich brauche meine Stimme noch!“, lache ich. „Gehst du nicht wählen?“, fragt er erstaunt. Ich gucke ihn todernst an. „Wie soll ich meinen Podcast sprechen und meinen Job machen, wenn ich meine Stimme abgebe? Dann ist sie weg. Total begraben in dieser Urne. Nun, und was dann?“  Uns überkommt ein Lachkoller. „Kein lustiges Thema, lass uns weiter überlegen!“ …

Das könnte noch viele Stunden so weitergehen.

Mein Blog und mein Podcast werden weiterhin ein Spiegel meines Herzens sein. Ich nehme Euch ein Stück mit auf die Reise meines Schaffens und meiner Gedanken, immer reflektiert ins Jetzt.

Erzähle mal etwas Lustiges ist etwa so, wenn mir jemand sagt: Das Bild ist schön, aber können Sie es für mich in Blau malen? Nein. Das kann und will ich nicht. Dieses Bild entstand zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel in Pink. Es war genau der Zeitpunkt, an dem es in Pink aus meinem Herzen wuchs 😉

In diesem Sinne:

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Lieblingsmonat September

Schon immer liebe ich den September. Es mag verrückt klingen, selbst als Kind, war ich immer froh, nach den Sommerferien endlich wieder in die Schule gehen zu dürfen. Die startete damals noch im September.  Später verlegte ich, soweit es mir möglich war, meinen Urlaub in den September.

Dieser Monat ist faszinierend. Er birgt noch den Sommer und schon den Herbst. Der Boden ist noch schön warm, die Temperaturen liegen in einem moderaten Bereich und die spätsommerliche Sonne gibt mir ein wohliges Befinden.

Die Abende werden langsam kürzer und etwas kühler. Ich liebe es, mich einzukuscheln und etwas mehr Kleidung zu tragen. Ich weiß, die meisten Menschen mögen es, weniger Stoffe am Körper zu haben. Das kann ich von mir überhaupt nicht sagen. Irgendwie zeigt es sich auch in meinem Kleiderschrank. Das Verhältnis ist ziemlich ungleich zwischen der Bekleidung für die warme und die kalte Jahreszeit.

Der Herbst klopft an die Tür. Ich liebe den Morgennebel, der sich behutsam über die Natur legt. Es wirkt beschützend und unendlich beruhigend.

Diese Aufnahmen machte ich am Morgen vor unserer Haustür, bevor die Sonne die herbstlichen Nebelschwaden auftaute und dem Spätsommer das Feld überließ.

Es sind Momente, die mein Herz erfreuen und ich gern mit Euch teile.

Welcher Monat ist Dein Lieblingsmonat und was fasziniert Dich an diesem? Schreibe es einfach unten in das Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

Habt einen schönen September 🍂🍁☀️

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Manchmal muss es einfach raus

Heute verbrachte ich am Nachmittag temporär immer wieder Phasen im Auto. Zeiten, in denen sich irgendwelche Radiosender mit schrecklicher Musikauswahl, entsprechend der regionalen Sendefähigkeit zuschalteten. Es war mir heute egal, da ich sowieso bald wieder parken werde, um Termine wahrzunehmen. Also möge es tun, was es will, dachte ich. Ich dachte das solange, bis ich die Nachrichten serviert bekam. Einmal, in einer halben Stunde wieder und mich überkam das Gefühl, als warte dieses Radio nur solange, bis ich wieder einsteige, um mir wiederum diese Informationen um die Ohren zu hauen.

Der Kampf der Bewerber um eines der wichtigsten Ämter unseres Landes. Der eine verstrickt im dicksten Finanzsumpf, aber es scheint keinen zu stören. Und dieser tut so, als gäbe es keine äußerst fragwürdigen Umtriebe seinerseits und hätte zu gern dieses Amt inne.  Der andere wird blasser und blasser. Auch das scheint keinen zu stören.

Ein Mann fühlte sich in einer Tankstelle von einem anderen verbal angegriffen, weil er von ihm verlangte, eine Maske zu tragen und erschoss diesen kurzerhand. So konnte ich hören. Diese Tat ist wahnsinnig tragisch und unakzeptabel, ohne Frage. Und es sind selbstverständlich Konsequenzen zu ziehen. Dringend.

Die Bewerberin auf dieses wichtige Amt unseres Landes schlussfolgerte laut daraus, den Querdenkern müsse nun endgültig der Kampf angesagt werden. Auf den Unterschied von „Querdenker“ und „Querulanten“ will ich hier nicht weiter eingehen. Schon das Verbiegen dieses Wortes entbehrt jeglicher Grundlage. Jedoch: Ein einzelner Mensch begeht eine  Straftat unter irgendeinem Vorwand und die Frau Kandidatin schlussfolgert für eine riesengroße Gruppe von Menschen. In unserem Land gab es in der Vergangenheit mehrfach derartige Vorfälle. Es wurden gar Politiker angegriffen, getötet und verletzt. Einer sitzt bis heute im Rollstuhl. Jedoch wurde niemals von einem Täter, also von einer einzelnen Person mit einer irren, kranken Vision auf eine Gruppe von vielen Menschen gespiegelt. Welch ein Kleingeist steckt in dieser Frau. Aber es stört keinen.

Vor nicht allzulanger Zeit war ich in einem Supermarkt einkaufen. Dort gibt es drei Kassen. Ein Mann betritt den Markt. Eine der Kassiererinnen bittet diesen sehr höflich, einen Einkaufswagen zu nehmen, bevor er den Markt betritt. Der rastet aus und brüllt die Mitarbeiterin in deutlich gebrochenem Deutsch an: „Du Nazi! Du Nazi, Nazi!“  Er begann laut zu lachen, machte eine Geste mit seinen Fingern und betrat den Laden ohne Einkaufswagen. Keiner der vielen Leute in diesem Markt, kein Mann, niemannd sagte einen einzigen Ton zu dieser Situation. Alle! ließen diesen Menschen gewähren. Warum? Weil alle Angst haben, in einen Topf geschmissen zu werden. Mir steht es nicht zu, zu sagen, dass dieser Mann wahrscheinlich einen Migrationshintergrund hat und den Eindruck hinterließ, aus dem arabischen Raum zu stammen. Denn mit dieser Äußerung werde ich als  ausländerfeindlich abgestempelt. Was ich absolut nicht bin. Aber diese Kanzlerkandidatin tut es pauschal. Sie schmeißt einen FDP-Politiker, der von den Thüringern gewählt wurde in einen Topf der Nazis. Sie stellt alle die, die anders denken als das, was ihr Non plus Ultra ist, unter Generalverdacht, nennt diese Querdenker, die zu bekämpfen seien. Es ist eigentlich ganz simpel geworden in unserem Land. Hier sind die, die aus Angst das tun, was angesagt ist. Angst vor beschriebenen und heraufbeschworenen Szenarien, Angst vor Ausgrenzung, Angst vor Bestrafung, Angst vor Beschneidung der geglaubten Freiheit. Nun, und da sind die anderen, die hinterfragen und nicht bereit sind, die mit Honig beschmierte Kröte zu schlucken. Und damit es alle in diesem Land auch wirklich verstehen, nennen wir diese andere Gruppe mal Querdenker. Und wenn wir das den ganzen Tag in den Medien hoch und runter reiten, ist doch alles klar. Diese Menschen gehören nicht mehr zu dieser Gesellschaft, sind unsolidarisch. Es gibt Politiker die das gar öffentlich äußern dürfen. Das Beste sei, diese Menschen in einer separaten Stadt einzusperren, also zu internieren. So seien sie unter sich.  Aber auch das interessiert keinen. Wenn einer etwas dazu sagen würde, würde er sich als Querdenker outen. Das will ja schließlich keiner sein.

Zwischen den Nachrichten hörte ich einen Teil eines Interviews mit einem mexikanischen Mann, der sich selbst als Migrant bezeichnete. Der sagte, dass er niemals die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen würde. Er sei als Migrant in einer besonders glücklichen Situation. Er müsse überhaupt nichts. Er meinte er könne eklektisch handeln und leben. Er nehme sich aus verschiedenen Nationen das, was zu ihm passe und baue sich sein Leben. Es sei eine priviligierte Situation in diesem Land.

Ich schaltete das Radio aus.

In der Regel höre ich ein einziges Mal am Tag die Nachrichten. Tue ich es mehrmals, scheint mein Kopf zu explodieren. Ich gehöre zu den Menschen, die zuhören und das Gesagte verdauen. Und ich frage mich, wie das die Menschen aushalten, die Tag für Tag von früh bis spät sich das Fernsehen und Radio antun. Wie sehr müssen diese Menschen abstumpfen.

Unser öffentlich rechtliches gebührenfinanziertes Fernsehen und Radio unterliegt einem Bildungsauftrag. Jeder Zuschauer und Zuhörer unterwirft sich freiwillig der täglichen politischen Bildung (und Formung), ganz nach dem Sinne der jeweils aktuell regierenden politischen Strömung. Ob das wirklich jedem von uns bewusst ist?

Heute habe ich nur mal laut gedacht. Vielleicht für den einen zu laut, für den anderen nicht laut genug …

Es gibt Tage, an denen es schwerfällt, alles in sich hineinzufressen und die Klappe zu halten. Also scheue Dich nicht, und schreibe auch Du gern Deine Meinung unten in die Kommentare.

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… ist schon bissle zum Haareraufen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Aus meinem Atelier direkt zu Dir

So oft wurde ich gefragt, ob ich einen Online-Shop für meine Kunstwerke habe. Kleinaut sagte ich, dass ich seit etwa einem Jahr einen besitze. Und noch leiser musste ich eingestehen, dass ich diesen nicht gut pflegte. Ich stellte damals drei Produkte aus meiner Serie „homepART“ ein, verkaufte dort eins und danach scheute ich den Aufwand. Denn es hatte mich wirklich sehr viel Zeit gekostet, diesen digitalen Shop zu starten.

In den letzten Tagen setzte ich mich intensiver damit auseinander. Ich nahm mir einige Werke zur Hand, machte Detailaufnahmen davon und stellte es in meinem Shop ein. … Haha, und siehe an! So, wie mit allen Dingen, ist es auch damit. Mit dem Tun entsteht Sicherheit im Umgang mit dieser Plattform. Es begann, mir Spaß zu machen.

www.petra-kolossa.shop

So werde ich meinen Shop jetzt mit Freude für Euch weiter befüllen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Last zur Lust wird 😊 Zu jedem Kunstwerk schrieb ich einen kurzen Text, der das Werk näher beschreibt. Wenn Ihr mehr wissen möchtet, so nehmt einfach mit mir Kontakt auf. Ihr dürft mich gern löchern.

Ein noch schöneres Gefühl ist es, meine Werke in Liebhaberhände zu geben. Denn jedes einzelne Stück ist ein Unikat, ein Stück Kunst, das aus meinem Herzen gewachsen ist.

Hier gelangst Du direkt zu meinem Shop. Wenn Du ihn magst, freue ich mich, wenn Du ihm dort ein Herz hinterlässt. Vielleicht magst Du auch eines meiner ausgestellten Stücke. Auf jeden Fall soll er Dir und Euch allen Freude machen – ganz gleich, ob als einen kleinen Galeriebesuch oder als ein Kunst-Einkaufserlebnis.

Vielen Dank 💝

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Wie lange dauert schnell?

Nur noch schnell Dieses und Jenes, und ach ja, das auch noch. Ich handele und meine Gedanken sind schon wieder zehn Schritte weiter. De frisch gepresste Holundersaft ist im Topf. Der Gelierzucker eingerührt und der Herd eingeschaltet. Schnell in den Keller sausen und ein paar Gläschen holen, um das Gelee später einfüllen zu können. Die Waschmaschine im Keller hat ihre Arbeit getan. Schnell die Wäsche in den Trockner geben und die Waschmaschine neu starten. Es sind Routinen, schnell erledigt. Die Gläschen auswählen und fix nach oben bringen.

Ich betrete die Küche und erstarre. Der Topf gibt blubbernd aufgeschäumte schwarzrote klebrige schwerflüssige Masse frei, die sich auf dem Ceranfeld des Herdes über den Backofen und die weißen Küchenmöbel bis auf den Boden verteilt. – Shit! Schöne Schweinerei …

Vor dreißig Jahren wäre ich wie ein Rumpelstilzchen herumgesprungen, hätte mich wahnsinnig aufgeregt und versucht, Schadensbeschränkung zu betreiben. Inzwischen ist es so, dass ich in kritischen Momenten extrem ruhig und konzentriert werde. Ich habe das Drama beseitigt und gut. Nun, nicht so ganz gut. Denn etwas später, als ich zur Ruhe kam, fiel ich in eine Erschöpfung. Ich dachte über die Situation nach und wusste, dass es ein kleines Lehrstück war, so ein kleines Ausrufezeichen. Denn ich befand mich in den letzten Tagen und Wochen in einer angespannten und etwas stressigen Zeit. Ich weiß, dass so etwas eine zeitlang funktionieren mag, jedoch nicht auf Dauer.

Sämtliche meiner Knochenbrüche entstanden in derartigen Situationen. Zeiten, in denen meine Gedanken mit Sorgen getrieben waren. Zeiten, in denen ich mich antreiben ließ. Zeiten, in denen ich versuchte, es anderen recht zu machen. Zeiten, in denen meine Seele, das Herz und mein Kopf nicht im Einklang waren. Das Leben verhalf mir zu Nachdenkzeiten. Es nahm mich regelrecht  zeitweise beiseite und stellte mich ruhig.

Und nein. Es ist nicht die gebohnerte vom Regen nasse Treppe schuld. Es ist nicht der abschüssige Weg mit den kleinen Splittsteinen schuld. Es ist nicht der Parkplatz mit den schlecht verlegten Platten schuld. Es ist nicht …  Es ist meine Unachtsamkeit, mein fehlender Fokus auf die Situation, auf diesen Moment, denn meine Gedanken waren nicht bei der Sache. Ich handelte nebenbei, wie so oft.

Inzwischen spüre ich solche Situationen ganz genau. Und ich weiß, dass nichts auf der Welt wichtiger ist, als mich selbst zu ordnen. Ich zwinkere meinem Schutzengel zu und flüstere: „Alles gut. Gib mir bloß keine längere Auszeit. Das kann ich grad nicht gebrauchen. Ich passe auf mich auf.“

Ich weiß, dass es einen Leser gibt, der über meine Zeilen lächeln wird. Denn er war der Auslöser für den heutigen Blog. Vor wenigen Tagen bekam ich seine Nachricht, dass er die Treppe herab gestürzt sei. Ein Ordner, den er dort abstellte, war Schuld. Er hatte diesen übersehen.

Ihr ahnt es schon. Nein, es war nicht dieser Ordner. Es ist die Unkonzentriertheit, wenn wir mit unseren Gedanken nicht im Reinen sind, unzufrieden, enttäuscht, oder vor Situationen gestellt, die wir im Augenblick eigentlich nicht wollen, nach Lösungen suchen und nicht den richtigen Ansatz finden und so weiter und so weiter.  Nun, er bekam „nur“ einen heftigen Fingerzeig mit einer guten Auszeit und darf seine geprellten Blessuren auskurieren. Wichtig ist dabei, diese Zeit ins Selbst zu erkennen und zu nutzen.

Habt alle einen schönen, ruhigen, entspannten Sonntag. Passt gut auf Euch auf und gönnt Euch ein wenig Zeit nur für Euch ganz allein. Es ist unendlich wertvoll und wichtig.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Hast auch Du ähnliche Erfahrungen sammeln dürfen? Schreibe es einfach im Kommentarfeld.

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Gefangen im System

Es ist sehr spät geworden. Ich sitze im Auto und habe noch etwa fünfzig Kilometer zu fahren. Meine Gedanken sind noch bei meinem letzten Gespräch, das ich bis soeben hatte. Meine Erinnerung treibt mich einige Jahrzehnte zurück, rund vierzig Jahre. Es versetzt mich auch in eine andere Gesellschaftsform. Ich denke an meine Rolle als Mutter zweier Kinder, als Frau, als Ehefrau eines nebenbei studierenden Mannes, als emanzipierte Vollzeit berufstätige Frau. Ich denke daran, wie ich täglich fünf Uhr am Morgen aufgestanden bin, meine Kinder sechs Uhr langsam, behutsam und mühevoll aufweckte. Es tat mir in der Seele weh. Wir frühstückten und verließen sieben Uhr das Haus. Ich gab sie im Kindergarten ab. Fuhr dann über eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, um sie am Abend siebzehn Uhr nach einem harten und konzentrierten Arbeitstag, der Fahrt stehend in der überfüllen Bahn und dem mit Menschen vollgestopften Bus wieder abzuholen.

Wir trollten nach Hause. Und mein Tag wechselte die Aufgaben. Für die Kinder ein wenig Zeit am Abend finden, gemeinsam Abendessen, Sandmännchen schauen, die Kinder ins Bett bringen. Dann begann der nächste Teil meines Tages. Hausarbeit, Aufräumen, den nächsten Morgen und den komenden Arbeitstag vorbereiten.  Es war ganz normal, dass wir Mütter voll arbeiteten. Die Gesellschaft brauchte auch uns Frauen. Das lernten bereits die Kinder im Kindergarten. Mitternacht kam ich dann zur Ruhe. Die Wochenenden und die achtzehn Tage Jahresurlaub gehörten prinzipiell der Familie. Fand ich Zeit für mich? Irgendwie zwischendurch immer mal ein paar Minuten. Dennoch habe ich nie etwas vermisst. Es war für mich normal. Ich bin in diese Welt hineingeboren worden. Ich kannte nichts anderes. Die Gesellschaft hat meine Gedankenwelt und mein Leben geformt. Ich lebte es so, wie es von mir erwartet wurde, ohne es zu hinterfragen. Hätte man mich damals gefragt, ob ich denke, eine wertvolle Rolle in der Gesellschaft innezuhaben, hätte ich sicher geantwortet: Ja, naklar. Ich gebe meine Leistung und meine Kraft im Beruf und leiste einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft. Hätte man mich gefragt, ob ich denke, dass ich ausreichend Zeit für mich finde, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich im Augenblick nicht mehr brauche. Es sei so in Ordnung, wie es ist.

Ich erinnere mich an Gespräche, die ich erst vor wenigen Monaten mit jungen Frauen hatte. Es war ein Sprung ins Jetzt, in die aktuell geltende Gesesellschaftsordnung. Ich sprach mit jungen Müttern eines oder zweier Kinder, in dreijähriger Erziehungszeit, oder die sich entschieden Hausfrau zu sein. Mütter, die nie Zeit haben, die sich ständig überfordert fühlen mit den vielen anfallenden Aufgaben mit den Kindern und dem Haushalt. Frauen, die zu wenig Zeit für sich selbst finden und sich gestresst fühlen. Fragte ich sie, ob sie denken eine wertvolle Rolle in der Gesellschaft inne zu haben, antworteten sie sehr verwundert: Was für eine Rolle in der Gesellschaft? Ich bin zu Hause, was soll ich da für eine Rolle haben? Fragte ich sie, wie es mit der work life balance aussehe, mussten sie lachen. „Sie haben keine Ahnung! Ich habe Kinder. Da bleibt kaum Zeit.“

Heute stellte ich diese Frage auch. Der Dolmetscher übersetzte die Worte der Frau aus dem Arabischen. Ich tauchte also wieder in eine andere Gesellschaftsform. „Ja natürlich habe ich eine sehr große Rolle in der Gesellschaft. Ich bin Hausfrau. Fünf Kinder habe ich großgezogen. Alle haben sie ein Abitur mit einem Durchschnitt von 1,4 bis 1,6. Es ist meine Leistung, dass sie werden konnten, was sie sind. Ich kümmere mich um die Eltern meines Mannes und um meine Eltern. Ich kümmere mich um das Obst um das Gemüse und die Kräuter in dem kleinen Garten. Ich sorge für einen ziemlich perfekten Haushalt. Ich kümmere mich darum, dass mein Mann, am Abend in ein ruhiges und erholsames Zuhause kommt. Denn meine Aufgabe ist hier. Seine Aufgabe ist dort, in der Firma.“ Ich fragte, ob sie ausreichend Zeit für sich habe. Sie sagte: „Ich weiß, was sie damit meinen. Aber so kann ich das nicht beantworten. Mein Blick auf die Dinge ist anders. Ich koche zum Beispiel. Das mache ich wahnsinnig gern. Es ist keine Belastung für mich. Es ist meine Aufgabe, aber es ist auch meine Freizeit. Es tut mir gut. Das Gleiche gilt für meinen kleinen Garten und viele andere Dinge auch. Das kann ich so nicht beantworten.“

Ich fahre routiniert die mir bekannte Strecke. Es ist dunkel und die Straßen sind frei. Ich denke darüber nach, inwieweit wir Einfluss auf unsere Rolle in der Gesellschaft haben. Denn wir alle werden in ein Gesellschaftssystem hineingeboren, in dem wir zu dieser Zeit leben.  Von klein an wird es uns vorgelebt. Wir wachsen in diese Situation hinein. Es ist für uns so gegeben, wie es ist und es scheint für uns so in Ordnung. Wir kennen nichts anderes. Erst viel später, wenn wir selbst reifer werden, beginnen wir viele Dinge zu hinterfragen. Wir haben im Laufe der Jahre über den Tellerrand geschaut. Dank der uns inzwischen zur Verfügung stehenden digitalen Verknüpfung ist es noch leichter Einblicke zu gewinnen und Informationen zu erhalten. Ich würde zum Beispiel aus heutiger Sicht meine Kinder nicht mehr so zeitig in die Hände anderer geben. Ich vermisse es sehr, die ersten Jahre der Entwicklung meiner Kinder nicht überwiegend selbst beeinflusst zu haben.

Ich bin wirklich fasziniert, welche Unterschiede in den verschiedenen Gesellschaftssystemen und in diesem Fall auch zwischen den Kulturen liegen. Im letzteren Beispiel der Familie aus dem arabischen Raum wird es so sehr deutlich. Diese Frau hat in der Famiele ihre komplette Erfüllung gefunden. Wahrscheinlich ist sie von beginn an so aufgewachsen. Ihre Rolle als Frau auf diese Art auszufüllen. Und wahrscheinlich wird es der überwiegende Teil der dort lebenden Frauen so tun. Wir sehen es aus unerer Sicht anders und denken dabei an Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, Gleichstellung und so weiter.  Und wir neigen dazu, unsere Ansichten auf diese Menschen zu spiegeln und glauben, sie müssten es doch verstehen und ebenso tun. Nur ist es auch genauso umgekehrt. Sie können nicht verstehen, dass wir unsere alten Menschen wegsperren in Heime und uns nicht selbst um sie kümmern. Sie können nicht verstehen, dass die Alten denken, sie würden den Jungen zur Last fallen.  Sie können nicht verstehen, warum wir unsere Kinder nicht selbst erziehen und in Kindergärten stecken. Sie können nicht verstehen, dass wir so viele wichtige Dinge, die einfach Liebe und Hingabe erfordern, in externe Hände geben.

Sieht diese Frau, die übrigens mit ihrer Familie erst seit anderthalb Jahren in Deutschland lebt, ihre Rolle in der Gesellschaft als sehr wichtig, negieren viele der deutschen Frauen ihre Rolle in der gleichen Position und degradieren sich selbst zur „nur Hausfrau“. Sieht sich die eine in ihrer Rolle erfüllt und glücklich, sehen sich die anderen gestresst, teilweise überfordert.

Mir fällt es wirklich schwer, den einen wie den anderen die jeweilige gesellschaftliche Norm eins zu eins überzustülpen.  Denn hinter diesen Handlungen stehen viele Jahrzehnte gewachsene Kultur. Und ich bin mir nicht sicher, ob unsere entwickelten Normen immer genau das absolute non plus ultra sind.

Heute ein wenig nachdenklich,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

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Deins, meins, oder doch nicht?

„Was zu dir gehört, kannst Du nicht verlieren. Was nicht zu Dir gehört, kannst du selbst mit aller Kraft der Welt, nicht festhalten.“

Diese Zeilen las ich heute im social media bei einer Freundin. Sie zitierte es unter Konfuzius. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir ihm das tatsächlich in die Schuhe schieben können. Meine Recherchen ergaben nichts Eindeutiges. Aber sei es, wie es ist. Diese wenigen Worte ließen mich nachdenklich werden.

Ist es tatsächlich so? Was gehört zu mir? Was gehört nicht zu mir? 

Auch wenn in diesem Zitat oben von „Was“, also einem Ding, die Rede ist, entschied ich mich, es sinnbildlich zu verstehen.

Im Laufe meines Lebens erkannte ich für mich, dass ich selbst keinem anderen Menschen gehöre. Und umgekehrt gehört mir kein anderer. Ich bin wahnsinnig dankbar, für die Zeit, die ich mit diesen Menschen verbringen darf und gegebenenfalls verbringen durfte. Er gehört oder gehörte eine Zeitlang zu mir, in mein Leben. Jede dieser Begegnungen formt mich und bereichert mein Leben und ich denke, es ist auch umgekehrt so. Einige Menschen bleiben ein Lebenlang, andere nur kurze Zeit.

Nun, diese Erkenntnis war tatsächlich ein Prozess, der einige Jahre brauchte. Nachdem ich nach über zwanzig Jahren Ehe über Nacht allein dastand, fiel ich zunächst in einen Schockzustand, der sich mit unendlich vielen W-Fragen fortsetzte. Und eines dieser großen „W“ war: Warum kann ich ihn dafür nicht hassen. Viele meiner Nahestehenden sagten zu mir, ich müsse ihn doch dafür verfluchen. Nein. Ich tat und tue es nicht. Es gibt unendlich viele Gründe, welche zu getrennten Wegen führen können. Eine neue faszinierende Liebe, das Gefühl der Enge, der Kontrolle, der Über- oder Unterforderung und so weiter.

Andere sagten wiederum, ich solle um ihn kämpfen. Ich fragte mich, ob es Sinn ergebe. Natürlich gab es ein kurzes Aufbäumen. Jedoch erkannte ich sehr schnell, dass ich ihn nicht festhalten konnte und wollte. Ich wollte keinen Menschen an meiner Seite, der aus Mitleid bleibt oder weil er sich irgendwie verantwortlich fühlt. Ein gekitteter Riss ist nur bedingt belastbar. – Er gehörte nicht mehr zu mir. Ich wünschte ihm ehrlich alles Gute und ließ los.

Inzwischen sind über zwanzig Jahre vergangen. In meinem Leben blieben Menschen und gingen welche. Es sind auch wertvolle Menschen in meinem Leben, zu denen ich eine sehr enge Bindung habe, obwohl bei einigen von ihnen eine große Entfernung zwischen uns liegt. Und es gibt Menschen, die mein Leben bereichern, denen ich mich freundschaftlich und kollegial verbunden fühle.

Jedoch ist mir sehr bewusst, dass es nicht nur in meinem eigenen Leben Veränderungen geben kann, sondern auch im Leben der anderen. Und keiner von uns weiß heute, was morgen sein wird. Jeder von uns ist letztendlich für sein eigenes Leben verantwortlich und weiß, wer zu ihm gehört und was vielleicht gegebenenfalls in seiner Lebensentwicklung nicht mehr passt. Und ich verteufele keinen. Alles hat seinen Grund, weshalb es so ist. Auch, wenn wir es oftmals erst viel später verstehen werden. –

Es heißt: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Irgendwie mag ich diese Weisheit …

Wie ist es bei Dir? Welche Erfahrungen hat Dich das Leben gelehrt? Schreibe es einfach ins Kommentarfeld. Ich freue mich sehr, Deine Meinung zu diesem Thema kennenzulernen.

In diesem Sinne,

herzlich, Eure Petra Kolossa.