Hineingeboren

Welch coole Musik heute in meinem Liebelingssender, denke ich flüchtig und tanze mit meiner Tasse Kaffee durch die Küche. „Wir spielen heute den ganzen Tag Musik aus dem Jahr 1989.“, höre ich die Moderatorin. Ach, stimmt! Heute wird der Tag der Einheit begangen. Es ist Feiertag. Als freiberuflicher Einzelkämpfer zelebriere ich diese freien Tage nicht. Und dieser beschlossene Feiertag liegt mir als mittelprächtiger Kloß im Bauch. Ich halte mich an meiner Tasse Kaffee fest und reflektiere dieses Jahr 1989 und das darauffolgende, die ich an exponierter Stelle verbrachte. Ich erlebte live, wie gierig Heuschrecken das fraßen, was noch brauchbar war und wie Trampeltiere das platt machten, was im Weg lag. Mit einem schrägen Grienen im Gesicht beobachtete ich die zweit-, dritt- und viertklassigen Experten, die ihr Non plus Ultra in die getötete Wirtschaft streuten und ihre zu diesem Zeitpunkt in einer Rezession befindlichen Situation aufpeppten. Ich sah, wie ein ganzer Menschenschlag aus der euphorischen Illussion in eine Schockstarre fiel, um sich später als abgestempeltes Volk aufzurappeln …

Ich wurde in diese Welt, an diesem Ort geboren. Du wurdest an einem anderen Ort in dieser Welt geboren. Ich hatte keinen Einfluss darauf, wo es geschehen wird. Du hattest keinen Einfluss darauf, wo es sein wird. Wir alle haben unsere Aufgabe in unserer Lebenszeit, die wir mehr oder weniger gut erfüllen wollen. Kein einziger unter uns hat ein Recht, einen Menschen wegen seiner Herkunft zu verurteilen oder gar zu klassifizieren. Mir ist kein Land bekannt, das sich selbst dermaßen killt und würgt, wie mein Geburtsland Deutschland.

Die Oktobersonne strahlt durchs Fenster. Ein fantastischer Tag. Ich lehne mich zurück, nehme von meinem Kaffee. Eine Begebenheit aus den Sommermonaten kommt mir in den Sinn. Mein Auftraggeber bat mich, ein Interview im Bodenseekreis zu führen …

Eine interessante, attraktive kleine Frau, die die achtzig Lebensjahre bereits überschritten hat. Mit klugen und wachen Augen folgte sie meiner Gesprächsführung. Ihr Leben führte sie als Kind aus Polen über viele Länder weltweit an diesen kleinen Ort am Bodensee. In einem kleinen gemütlichen Haus mit großem Garten genießt sie gemeinsam mit ihrem Mann das Leben. Wir saßen für dieses Gespräch in diesem wunderschön angelegten Garten. Ich sagte es ihr, wie sehr ich diesen mag. Sie lächelt und erzählt, dass sie das Anwesen kauften, als sie 1987 aus den Staaten nach Deutschland zogen. Und wie entsetzt sie damals zwei Jahre später war, als die vielen Ossis kamen. „Oh, mein Gott, dachte ich damals. Die vielen armen Leute. Ich habe sie nicht verstanden. Sie sprachen so komisch. Die konnten auch nichts. Die hatten ja da keine richtige Bildung im Osten. Und ich dachte, die müssen wir jetzt alle durchfüttern.“  Sie schaut mich an und ergänzt: „Aber die waren irgendwie gelehrig. Und ich muss sagen, dass sie fleißig sind. Keiner von denen ist arbeitslos. Und sie sind ruhige Leute. Die stören keinen.“, sinniert sie. Wahrscheinlich hat sich mein Gesicht etwas verdunkelt. Sie sagt: „Aber das kennen sie ja sicher auch. Es war schon schlimm damals, als die alle kamen.“ Ich sagte: „Nein. Das kenne ich nicht. Ich hatte keine Chance, das zu erleben.“ Sie sieht mich fragend an. „Nein?“
„Nein“, sage ich. „Ich lebe erst seit acht Jahren hier am See.“
„Oh, von wo sind sie?“
„Möchten sie wissen, wo meine Wiege stand? Oder möchten sie wissen, wo ich aufgewachsen bin und wo mich mein Leben in denen vielen Jahren hintrug?“
„Wo sind sie geboren?“
„In Dresden.“
„Oh mein Gott, sie Arme!“, ruft sie sichtlich entsetzt und voller Mitleid. „Aber sie sprechen überhaupt keinen Dialekt! Ich hätte das nie vermutet!“
„Ich muss ihnen nicht leidtun. Mein Leben im Osten dieses Landes war für mich nie eine Last. Existenzangst, Egoismus, Fremdenhass, soziale Ungleichheiten, schlechte Bildung und vieles mehr, waren mir fremd.  Ich konnte nichts vermissen, das ich nicht kannte. Dass viele Dinge aus heutiger Sicht betrachtet unlogisch und fast lächerlich waren sind eine ganz andere Sache. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Und ich denke, keiner sollte daran denken, es tun zu wollen. Denn diese Erfahrungen waren nötig, um daraus lernen und dem Leben neue Impulse geben zu können. Und ich meine damit die Menschen im Süden, Norden, Westen und Osten unseres relativ kleinen Landes.“
„Aber dass sie aus dem Osten sind, kann ich noch nicht glauben.“, erhärtet sie.
„Hat sich jetzt ihre Meinung über die Person, die mit ihnen über zwei Stunden im Gespräch stand, aus diesem Grund geändert? Bin ich nun ein anderer Mensch?“
„Ich weiß es nicht. Es verwirrt mich.“, sagt sie.
„Es ist nicht schlimm.“, beruhige ich sie. „Wenn sie noch etwas darüber nachdenken, werden sie es als multikulturell aufgewachsener und gebildeter Mensch verstehen …“

Es sind dreißig Jahre vergangen. Die Menschen, die in das wieder vereinte Deutschlandland geboren wurden, sind heute dreißig Jahre alt und haben bereits selbst wieder Kinder geboren. Es ist für sie Deutsche Geschichte, die sie nie selbst erlebt haben, jedoch die Nachwehen bis heute zu spüren bekommen. So, wie unsere Generation die Nachwehen des zweiten Weltkrieges zu spüren bekommen hat, den wir nie selbst erlebten und zu verantworten hatten. Jedoch werden wir und unsere nachfolgenden Generationen moralisch bis heute in die Verantwortung genommen. Uns wird suggestiv schlechtes Gewissen impliziert, dass uns so klein macht, dass ein Stolz auf das eigene Heimatland fast peinlich wirkt.

Mein Wunsch ist es, weniger an der Aufarbeitung irgendwelcher Dinge vor dreißig Jahren und länger kleben zu bleiben, sondern ganz einfach an das Jetzt und Morgen zu denken und zu handeln.
Ich wünsche mir mehr Bewusstsein und Liebe jedes einzelnen Menschen in unserem und für unser Land. Ganz gleich, in welcher Region er heute lebt. Keiner trägt irgendwelche Schuld daran, wo er geboren wurde. Jedoch trägt jeder einzelne die Verantwortung dafür zu sorgen, wie wir miteinander umgehen und uns wertschätzen.

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… so, ich werde mir jetzt einen frischen Kaffee machen.

Ein wenig nachdenkliche Grüße zu Euch in diesen dritten Oktober 2019.

 

 

 

Einladung zur Vernissage

Herzlich seid Ihr zur Vernissage eingeladen.

Ihr könnt auf dieser Ausstellung weitere wunderbare Werke von Schweizer und Slowakischen Künstlern bewundern.

Mich werdet Ihr an diesem Abend im Bacchus in Ravensburg antreffen.

Ich habe es versucht. Es hat nicht geklappt mit dem Klonen. 😉

Zeitgleich zwei Aktivitäten …

Ich entschied mich für „meine“ Künstlergruppe seeArt.

Ihr habt also die Wahl:

Freitag, der 27. September, 18 bis 23 Uhr in Basel oder Ravensburg zu sein.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Basel – Kunstausstellung

Ich freue mich riesig, ab dem 27. September bis zum 10. Oktober 2019 in Basel im Hotel Euler ausstellen zu dürfen.
Eingeladen wurde ich von Novum Investments. Der Beitrag unten sagt alles Wichtige. Deshalb habe ich diesen einfach in meinen heutigen Blog eingebettet.

Die Vernissage ist am 27. September. Ihr könnt mich dort leider nicht persönlich antreffen. Zeitgleich stelle ich mit unserer Künstlergruppe „seeArt“ im altehrwürdigen Bacchus in der Altstadt von Ravensburg aus. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen.

Ihr habt also die Wahl 😉

Euch allen einen entspannten Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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Slavomira Andrea fröhlich mit Petra Kolossa hier: Basel.
Liebe Freunde

Du kannst die wunderbare Werke von Petra Kolossa im Hotel Euler am 27.09.2019 ab 18:30 Uhr sehen!

Die Kunstausstellung findet vom 27.9. bis 10.10.2019 statt.

Wir freuen uns auf Euch!

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Petra Kolossa

wurde in Dresden, Deutschland, geboren. Heute lebt und arbeitet sie als Künstlerin und Autorin in Horgenzell, nahe dem Bodensee.

Für sie steht das Sehen, eine Idee, eine Vision, das Experimentieren mit den Materialien, den Farben und die Lust am Umsetzen im Vordergrund. Immer wieder kommt sie auf Assemblagen und Collagen und das Malen mit Acryl zurück. Sie bevorzugt feste, griffige Materialien, die Volumen, Körper und Struktur haben und lässt sich gern an Objekten aus. Unbändige Freude empfindet sie, mit ihrer Handschrift und ihren Werken die Herzen der Menschen zu erreichen, um deren Leben zu bereichern.

Ihre Bilder waren international in verschiedenen Städten Deutschlands zu sehen, unter anderem in Dresden, Herzberg, Rom, Taormina, Lissabon, Palermo, Karlsruhe, Ravensburg, Bad Waldsee, Salem, Wilhelmsdorf, Horgenzell, Lindau am Bodensee, Deggenhausertal.

Sie erhielt den Sandro Botticelli- sowie den Mazullo-Preis.

Petra Kolossa ist Mitglied im Ravensburg-Weingartener Kunstverein. Außerdem koordiniert sie die am Bodensee ansässige freie Künstlergruppe „seeArt“.

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Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Kunstfreunde und Bekannte

hiermit möchten wir Sie recht herzlich einladen zu unserer
Internationalen zeitgenössischen Kunstausstellung

ART CONNECTS 3.0

Vernissage: Freitag, 27. September 2019, ab 18.30

inklusiv Apéro & LIVEMUSIK

Ausstellungsdauer: vom 27. September 2019 bis 10. Oktober 2019

Die faszinierenden Bilder der internationalen Künstler verändern sich nach Blickwinkel zu einer völlig neuen Komposition. Eines unserer Ziele ist es, Ihnen den Zugang zu qualitativ hochwertiger Kunst in guter Preislage zu ermöglichen.

Novum Investments in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Slowakischen Republik in der Schweiz organisiert zum dritten Mal in diesem Umfang einen bilateralen Künstler-Austausch zwischen der Schweiz und der Slowakei. Die unterschiedlichen Stile und kreativen Perspektiven aus beiden Ländern werden sich über einen Monat in einem gediegenen Ambiente fruchtbar gegenüberstehen. Unterstützt wird dabei das eidgenössische Hilfswerk „Aide & Assistance“ des Malteserordens.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Botschafterin der Slowakischen Republik in der Schweiz.

Für nähere Informationen klicken Sie (YOUTUBE VIDEO)

https://www.youtube.com/watch…

Wir freuen uns über Ihren Besuch!

Eintritt frei

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Keine Fotobeschreibung verfügbar.

Was will uns ein Fußkettchen sagen?

Es ist unglaublich, was ich soeben im Netz gelesen habe.

Ich liebe Fußkettchen. In meinen Augen unterstreicht es die Weiblichkeit. Meine Beobachtung zeigt, dass Frauen, die Fußkettchen tragen, anders gehen. Sie bewegen sich bewusst als Frau.

In Vorbereitung dieses Blogs recherchierte ich kurz im Web. Ich staune, woher die Leute ihre Weisheiten nehmen.
Dort las ich, dass Frauen, die ihre Fußkettchen rechts tragen, mit Erlaubnis ihres Mannes weitere männliche Kontakte haben dürfen.  – Eine andere Weisheit ist, dass die, die ihr Kettchen rechts tragen eher Linkshänder sind und eben genau umgekehrt, die ihr Kettchen links tragen, Rechtshänder sind. –
Ich las, dass Frauen mit Fußkettchen sexuell freizügig seien und es damit demonstrieren.  … und so weiter und so fort.

Eines ist Tatsache: Bereits aus den Geschichten um 1000 und eine Nacht konnten wir beobachten, dass Frauen Fußkettchen trugen. Im Orient oder Indien waren diese Kettchen tänzerische Ausdrucksformen, zum Teil mit Glöckchen. Sie gehörten als weibliches Accessoires einfach dazu.
Es gibt einen russischen Film aus dem Jahr 1975. In diesem Film faszinierte mich als junges Mädchen die Ausdruckskraft von Frauen und Mädchen mit ihren Accessoires.  Ich habe diesen Film geliebt „Das Zigeunerlager zieht in den Himmel“.

Nun, ich mag meine Fußkettchen und ich trage diese irgendwie immer. Und das alles, ohne mir irgendwelche Gedanken darum zu machen, welche Bedeutung diese haben könnten. Ich liebe es einfach, Frau zu sein und Accessoires zu benutzen.
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Das sind gleich drei Kettchen. –  Ich fand es toll im Sommer zu offenen Schuhen.
Diese Fußettchen bekommt Ihr bei „Aphrodite“.  (Kooperation)
Für Euch bekam ich einen Rabattcode. Er lautet: Ladydiamond
Wenn Euch der Schmuck gefällt, gebt einfach den Code bei Eurer Bestellung ein.

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Verräterisch: Die sonne brannte meine Lieblingsschuhe auf meine Haut.

 

Der Altweibersommer steht vor der Tür. Also Mädels, genießen wir es und tragen unsere Fußkettchen 😉

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Herzlich, Eure Petra Kolossa.

 

 

Zucchini – Zucchini – Zucchini

Wenn die Natur beschließt, die Zeit sei gekommen, tut sie es konsequent. Und nichts kann sie dabei aufhalten.
Und wenn es an der Zeit ist, Zucchini reifen zu lassen, dann tut sie es. Gründlich.

Zwei kleine Pflänzchen in einem Hochbeet – eine Sorte mit gelben Früchten und eine mit grünen … Diese zwei Pflanzen fordern mich wahrlich heraus. Fast täglich eine andere Mahlzeit mit Zucchini zu zu zaubern ist tatsächlich kreativitätsfördernd. Zumal ich sehr selten nach einem Rezept koche. Ab und zu hole ich mir Ideen aus Rezepten oder bei Restaurantbesuchen.

Es gab in meinem Leben eine Zeit, in der ich verdammt wenig finanzielle Mittel zur Verfügung hatte. Man sagt, Not mache erfinderisch. Das kann ich bestätigen. In diesen Jahren lernte ich, aus Nichts etwas zu zaubern. Keiner meiner Gäste musste hungrig vom Tisch aufstehen. Und irgendwie hat das geprägt. Bis heute schaue ich, was ist vorhanden, was kann ich daraus machen. Das sind für mich nur wenige Minuten bis die Zutaten zusammen getragen sind und schon geht es los mit der Kocherei. Das Kochen insgesamt dauert bei mir im Durchschnitt eine halbe Stunde, bis es auf dem Tisch steht. Ich bereite alles frisch zu und es muss schnell gehen.
In den letzten drei Tagen habe ich einige Bilder gemacht, um Euch ein paar Rezeptideen mit Zucchinis an die Hand zu geben. [Read more…]

Zip-Kätz

Zwei von meinen dreizehn gemalten „Kätz“ gehen Ende September auf Reise. Sie werden in Basel, in der Schweiz zu sehen sein. Das soll heute der Anlass sein, etwas mehr zu diesen beiden Bildern zu erzählen.

Das erste Zip-Kätz aus dem Jahr 2008 war eine Einstrichzeichnung. Denn die allerersten gezeichneten Kätz waren allesamt Einstrichzeichnungen. Damals dachte ich, es sei etwas Besonderes. Aber ich verlor recht schnell den Reiz daran. Naschkätz, Kätz, Luna-Kätz, Zebra-Kätz, Zip-Kätz, Chor-Kätz … in all denen liegt der Ursprung in einer Einstrichzeichnung.
2008 zeichnete ich dieses Zip-Kätz und es reihte sich in die Modekollektion zum Druck ein.
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Auf meinem PC fand ich dieses Bild aus dem Jahr 2008. Es ist eines, von denen, die für den damaligen Online-Katalog gemacht wurden.

Hier könnt Ihr den einen Strich ganz gut verfolgen. Natürlich, die sechs Barthaare, die alle Kätz haben, gehören nicht in den Strich. 😉

Damals beobachtete ich eine junge Liebe, die durch Klammern zu ersticken drohte. Der Gedanke, den beiden ein Stück Luft mit Hilfe eines Reißverschlusses zu verschaffen, inspirierte mich zu dieser Zeichnung. Dieser Zip kann einfach ein Stück geöffnet werden und  jeder erhält somit Platz seine eigene Individualität zu entwickeln, jedoch ohne zu trennen,

2015 griff ich das Zip-Kätz wieder auf. Basis war diese Einstrichzeichnung. Aber ich brachte das Thema mit einem zweiten Bild zu Ende und gab den beiden den Raum zur Entfaltung.

Zip-Kätz„, 2015, Acryl auf Leinwand, 70 x 50 cm und „Zip-Kätz free„, 2015, Acryl auf Leinwand, 70 x 50 cm – Petra Kolossa.

Übrigens für alle Kätz-Liebhaber: Es gibt auch im Jahr 2020 die gesamte Werkgruppe in einem Jahreskalender. Der Verlag bietet die verschiedensten Größen und Varianten an. Ihr bekommt ihn überall wo es Bücher gibt. Ich freue mich sehr, Euch mit meinen leuchtenden Bildern Monat für Monat das Jahr zu versüßen.

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Möge Euer Tag einen solchen Reißverschluss haben.
Zipt einfach ein Stück wenn Euch der Platz zu eng wird.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

 

 

Gretchenfrage

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht in irgendeiner sinnigen oder unsinnigen Weise daran erinnert werden. Und ich neige dazu, gerade dann, wenn mir irgendein Thema derart suggestiv untergejubelt wird, „dicht“ zu machen. Und da gibt es verdammt viele Dinge. Ich will diese hier nicht auflisten. Heute soll es mal nur eines davon sein. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes die Gretchenfrage.

Bei Regenwetter in einen Buchladen zu gehen, um ein Buch zu kaufen und nicht die passende regenfeste Tasche dabei zu haben, ist wirklich nicht zu empfehlen. In einer Papiertüte … Gut. das Buch blieb für den nächsten potentiellen Kunden, der auf alle Shopping-Eventualitäten vorbereitet das Haus verlässt, oder eben für Schönwetterkunden. – Ich bekomme jetzt ganz schnell die Kurve und lasse mich nicht in das Thema des bequemen Online-Shoppen ablenken.

Auf der Suche nach dem Lieblingskatzenfutter sprang ich in einen der großen Superärkte. Ich düste durch die Kosmetikabteilung und verharrte kurz, da mich die Farbkombination eines Lidschattens anzog. Also landete es im Einkaufswagen. Im gleichem Atemzug machte sich ein Grienen breit. Dieses kleine Schächtelchen war wie so oft so verpackt, dass mich das zu Hause beim Auspacken wieder aufregen wird. Das Produkt in in einer harte Folie und um diese eine bedruckte Pappe … Das auszutüteln ist ein Erlebnis für sich. Aber was ist die Gretchenfrage? Muss das kleine Ding derart verpackt sein? Was denkt sich der Hersteller dabei? Die machen das doch nicht ohne einen Grund. Vielleicht hat es etwas mit der Logistik zu tun?

Das Ding muss aus China zu uns kutschiert werden und soll funktionstüchtig bleiben. (Auch hierzu halte ich mich jetzt bewusst total zurück.) Es muss in den Handel über viele Wege sortiert, verteilt, transportiert werden. Und letztendlich hängt es an dieser bedruckten Pappe am Haken im Supermarkt, wo wir es sehen und kaufen. Also: Sinn oder Unsinn?

Ein Latte am Nachmittag war total lecker. Den aufgeweichten und verbogenen blau-weiß gekringelten Trinkhalm legte ich beiseite, rührte mit dem langen Löffel im Glas und trank das köstliche Getränk. Kunststoffhälmchen ist nicht mehr, also lasst das Ding einfach ganz weg. Pappe im heißen Kaffee ist definitiv uncool. [Read more…]

Kuh oder Schaf

Es ist heiß geworden und das Wasser in meiner Tasche aufgebraucht. Soeben nahm ich die nächste Gelegenheit wahr und kaufte in diesem Döner-Imbiss eine Flasche Wasser. Ich fummelte an meiner Tasche, um die Flasche zu verstauen, als ein junger Mann mit seiner Freundin in den Laden gesprungen kam und die Verkäuferin fragte:
„Ist der Schaftskäse für den Döner von der Kuh oder vom Schaf?“
„Das von Kuh.“, bekam er zur Antwort.
Er schaut seine Freundin an. Sie nickt.
„OK“, sagt er. „So nehmen wir zwei von den Dönern mit dem Schaftskäse von der Kuh.“ …

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Ich hatte Mühe, mein Grienen aus dem Gesicht zu bekommen.
Das Beste ist, ich gebe es einfach an Euch weiter.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Knapp zwei Stunden

Es gibt Stunden, die sind schon irgendwie verrückt. Und man könnte denken, es spinne sich ein roter Faden hindurch.

Ich lenke mein Auto durch Ravensburg in Richtung Post am Bahnhof. Seit vielen Monaten geben sich dort die Baustellen die Klinke in die Hand. Vor einigen Wochen war es noch relativ großzügig bebaut. Jetzt entstehen typische Straßenschluchten. Ich verstehe, dass gebaut wird. Es ist schließlich wichtig. Nur Parkplätze sind Baustellendepots und ich muss irgendwo entfernt parken und etliche Meter laufen. Das frisst vermeintlich Zeit und nervt mich im Augenblick.
Ich komme aus der Post und bin in Gedanken bereits beim nächsen Termin, als ich von einem jungen Mann in den Dreißigern angesprochen werde: „Bitte. Haben sie etwas Kleingeld? Ich möchte mir eine Kleinigkeit zu essen kaufen. Ich habe Hunger.“
Ich spüre, dass es für ihn keine Routine ist. Er spricht ein sauberes dialektfreies Deutsch. Seine Scham merke ich ihm deutlich an, als ich aufschaue und in sein Gesicht sehe.
Ich krame nach meiner Geldbörse. „Halten sie ihre Hand auf.“, sage ich.
Er hält mir seine Hände langsam entgegen. Ich schütte den Inhalt des Hartgeldes in seine Handflächen. Er umschließt das Geld in seinen Händen. „Sie sind eine gute Frau.“
Ich sehe in feuchte Augen. „Alles gut. Sie werden es eines Tages weitergeben.“
Als ich ins Auto steige, sehe ich ihn zur Bäckerei am Bahnhof gehen.

Auf dem Weg will ich schnell meinen kleinen Einkauf erledigen. Ich stoppe am Supermarkt und eile, um mir einen Einkaufswagen zu greifen. Den Wagen, den ich mir nehmen möchte lässt sich mit Hilfe eines Chips nicht lösen. An der anderen Reihe versucht ein Zwanzigjähriger einen Einkaufswagen aus dem Schloss zu bekommen. „Verdammt, mit einem zwei-Euro-Stück geht das nicht.“, sagt er zu mir. „Nein. Das geht nicht.“ Ich zeige auf den Hinweis an dem Einkaufswagen. „Ich habe es nicht anders. Können sie das bitte wechseln?“, fragt er mich. Ich muss lächeln. „Nein. Ich habe leider keinen Cent Kleingeld einstecken. Aber warten sie, einen Chip habe ich für sie.“ Ich krame an meinem Schlüsselbund. „Wollen sie einen in Orange oder in Grün?“, frage ich ihn. Er muss schallend lachen. „Das ist nicht ihr Ernst? Sie wollen mir einen Chip schenken und fragen mich auch noch, welche Farbe ich bevorzuge?“ „Ja, na klar. Sie haben die Wahl.“ Er entscheidet sich für den in Orange. „Vielen, vielen Dank! Das ist echt total großzügig von ihnen.“ „Alles gut“, sage ich. „Sie werden irgendwann einmal daran denken und den Chip weitergeben.“

Ich bezahle meinen Einkauf mit der Karte, packe alles ein und stelle mich beim Bäcker an, um noch ein Brot zu kaufen. Die Verkäuferin nennt mir den Preis. Ich reiche ihr einen zwanzig-Euro-Schein. „Haben sie es nicht etwas kleiner?“, fragt sie mich. „Nein, leider. Ich habe kein Kleingeld einstecken.“, sage ich ich und muss wieder grinsen. „Wirklich, haben sie gar nix?“, fragt sie nochmals. „Nein. Tatsächlich. Nix.“
Sie wechselt und legt mir einen kleinen Berg Münzen auf die Theke …

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Herzlich, Eure Petra Kolossa

Haptik

Eigentlich wollte ich ja nur mal ganz schnell für zwei, drei Stunden vier Bilder ausleihen. Die hängen unter anderem zur Zeit in der Galerie im Gasthaus Anker in Ravensburg. Diese vier Werke hatten noch kein Foto-Shooting. Und heute ergab sich die Möglichkeit. So musste ich die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Ich eilte also in die Galerie, klemmte mir die vier Bilder unter den Arm und stürzte im Foyer an einer Gruppe von Menschen vorbei, die diskutierend vor meinen Assemblagen standen. Im Vorbeigehen hörte ich: „Das ist sie! Doch, doch, das muss sie sein!“

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Ich drehte mich um und musste Grienen. Ein Mann stand vor vor der Assemblage „Vivaldi II“. Er strich mit seinen Fingern über die Drumsticks und befühlte diese selbstvergessen.
Mir ist sehr oft aufgefallen, dass die Betrachter dieser Werke, ganz gleich welchen Alters, immer wieder die Teile der verwendeten Musikinstrumente berühren und anfassen müssen. Kurz überlegte ich, ein Schildchen mit den Worten „Bitte nicht anfassen“ anzubringen. Aber letztendlich ist es eine wunderbare Botschaft, die meine Bilder übertragen. Es verbindet die Kunst mit den Menschen.

Ich wurde gebeten, die Bilder zu erklären. Ich tat es gern. Es ist selten in unserem Ländle, dasss Menschen so unbekümmert auf uns Künstler zugehen und mehr wissen wollen. Diese kleine spontane Führung durch die Galerie bereitete mir Vergnügen.
Als ich mich verabschiedete sprach mich der Mann, der immer noch fasziniert das Bild mit den Drumsticks bestaunte, an:
„Sie wissen nicht, wer diese Sticks gespielt hat?“
Ich lächle: „Doch, ich weiß es.“
Er strahlt mich an: „Können sie es mir sagen?“
„Ja, naklar.“
Ferri Warnucz von SoulCake aus Bonn.“ … Er strahlte und notierte sich den Namen.

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Vivaldi II, 2016, 120 cm x 80 cm, Assemblage, gespachtelt, Petra Kolossa

Als ich diese vier Assemblagen fertigte, schrieb ich dazu bereits in diesem im Blog. Hier findet Ihr die Texte dazu und auch hier.

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Von Herzen wünsche ich mir diese Nähe, die ich erleben durfte. Es bestätigt uns Künstlern den Sinn unseres Tuns, unseres Schaffens.

Jetzt wird es aber Zeit! Ich muss weiter …

Einen guten Start in die neue Augustwoche wünscht Euch, Eure Petra Kolossa.