Mal fix reservieren

„Lasst uns schnell einen Tisch reservieren.“, sagt sie und ergänzt: „Es ist Sonntag und es könnte im Zschopautal bei diesem schönen Wetter schwierig werden, einen Platz zu bekommen.“

Die alte Dame greift zum klassischen Telefon und tippt die Nummer der Gaststätte in die Tastatur. Es klingelt laut. Sie hält das Gerät wie ein Mikrofon, denn es steht gewohnheitsgemäß auf „laut“.

Es meldet sich die Gaststätte und sie trägt ihre Bitte vor.

„Ja, guten Tag. Ich möchte für heute dreizehn Uhr einen Tisch für vier Personen reservieren.
„Das geht nicht. Da müssen sie lange warten. Wir sind voll.“
„Oh, na gut. Wie ist es um halb eins?“, fragt sie.
„Geht auch nicht. Ist genauso.“
„Hm, und wenn wir um zwölf kommen?“
„Ja, warten sie. Ich sehe nach. Naja, das kriegen wir irgendwie hin.“
„Ach, warten sie mal.“, unterbricht die alte Dame. „Sie sagten doch, wir müssten lange warten, wenn wir um dreizehn Uhr kommen. Wissen sie, das ist nicht schlimm. Wir haben Zeit. Wir nehmen einen Tisch um dreizehn Uhr.“
„Das geht nicht.“, kommt es prompt. „Da kann es sein, dass wir kein Essen mehr haben.“, so die Person am anderen Ende des Telefons.
„Ach so, naja, dann kommen wir eben um zwölf.“ …

Wieviel Geduld in dieser Frau steckt, denke ich.

Wie wäre meine Reaktion gewesen? Ihr ahnt es.
Ich hätte gedacht: „Verklapsen kann ich mich allein.“
Gesagt hätte ich: „Dankeschön, ich werde in einem anderen Restaurant einen Tisch für uns reservieren lassen.“
Tschüss und gut.

Es ist immer das Gleiche, was mich in solchen Situationen bewegt.

Ich sehe den Besuch in einer Gaststätte als etwas Besonderes. Meine Küche bleibt geschlossen. Ich lasse mich verwöhnen.
In einer schönen Atmosphäre kann ich von einer Karte ein Gericht auswählen, auf das ich Appetit habe. Ich werde verwöhnt von super nettem Personal im Service und der Küche, von Menschen, die ihren Job als das verstehen, was er ist. Eine Dienstleistung, die sie gern und von Herzen geben.
Ich kann meinen Körper und Geist für ein paar Stunden auftanken und es mir richtig gut gehen lassen …

Ein Mittagessen für vier Personen bringt einer Gaststätte mit durchschnittlichem Niveau einen Umsatz von ungefähr einhundertzwanzig bis einhundertfünfzig Euro.
Wie viele Stunden habe ich zuvor mit meiner Arbeitsleistung an einer anderen Stelle meine Kraft investiert, um diese Rechnung begleichen zu können?
Wenn ich also eine Gaststätte auswähle, um dort meine Zeit zu verbringen und das zuvor von mir erwirtschaftete Zahlungsmittel investiere, dann will ich es zelebrieren und mit Freude tun.

Und ich mag es nicht, wenn das Personal oder die Besitzer dem potentiellen Gast eine gewisse Gnade suggerieren, einen Platz für sie zur Verfügung zu stellen. Das ist es definitiv nicht.
Es ist ein Geben und Nehmen auf gleichem Niveau.
Ich nenne es gegenseitige Wertschätzung.

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Gerne darfst Du im Kommentarfeld ein paar Zeilen hinterlassen.

Und falls Du es noch nicht getan hast: Du kannst ganz unkompliziert mit Deiner E-Mailadresse meinen Blog abonnieren. So werde ich Dich immer informieren, wenn es einen neuen Beitrag gibt und Du wirst keinen verpassen.

Herzlich,

Eure Petra Kolossa.

Salbei an Girasole

Als ich gestern im Kräutergarten Liebstöckel für die Suppe abschnitt, kam mir der besondere und intensive Duft des Salbei in die Nase. Das feuchte und warme Wetter der letzten Tage hat ihm einen kräftigen Schub gegeben. Die Pflanzen sind gewaltig gewachsen und haben sich breit gemacht. Und schon hatte ich die Idee für das Mittagessen am kommenden Tag.

Da ich vermute, dass Salbei nicht zu den oft in der Küche verwendeten Kräutern gehört, möchte ich dieses superschnell zubereitete Gericht mit Euch teilen. Bis es auf dem Tisch steht, braucht Ihr etwa eine halbe Stunde Zeit. Ihr wisst inzwischen, dass ich eine gute, frische, schnelle und praktische Küche bevorzuge.

Also, was braucht Ihr dazu?

  • einen Strauß Salbei
  • eine Packung Girasole (ich wählte Mozzarella/Tomate)
  • 2 TL Gemüsebrühe
  • 2 TL Olivenöl
  • bunten Pfeffer (Mischung)
  • Steinsalz
  • Chilli
  • ein paar Snacktomaten

Und so wird es gemacht:

Einen Topf mit ausreichend Wasser füllen. Die Gemüsebrühe dazu geben. Girasole entsprechend der Empfehlung auf der Verpackung zubereiten. Ich entnehme sie einzeln der Tüte und gebe sie vorsichtig in das kochende Wasser. So kleben sie nicht zusammen oder gehen nicht kaputt. Hitze ausschalten. Dann ungefähr zwei bis drei Minuten ziehen lassen. Wenn die Girasole an der Wasseroberfläche schwimmen, sind sie fertig.

Den Salbei gründlich waschen und trockentupfen. Die Blätter abzupfen. In eine beschichtete Pfanne das Olivenöl geben. Die Pfanne erhitzen. Den Salbei dazugeben. Mit einem Holzlöffel vorsichtig immer wieder wenden. Solange brutzeln, bis der Salbei cross ist. Letztendlich sind es Salbei-Chips. – Schmecken übrigens auch super lecker als Nasch-Snack.

Mit einer Schaumkelle die Girasole aus dem Topf nehmen und in eine Schale gleiten lassen. Mit dem bunten Pfeffer, Salz und Chilli würzen. Ich habe ein paar trockene Chillischoten klein gestoßen und diese mit zum Salz in eine Mühle getan. Ich liebe diese Würzmischung. 

Ebenso eine Prise von dieser Salzmischung und dem bunten Pfeffer über den crossen Salbei geben. Alles in der Pfanne vorsichtig mischen und über die Girasole verteilen. Ich mag den Kontrast der Farben. Aus diesem Grund gab ich noch ein paar Tomatenstücke dazu.

Alles in allem braucht Ihr nur dreißig Minuten bis der leckere Schmaus auf dem Tisch steht.

Lasst es Euch schmecken!

Natürlich bin ich neugierig, und möchte gern von Euren Experimenten erfahren. Schreibt einfach in das Kommentarfeld.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Da werden Sie geholfen

Nun ja, seit Anfang März befinde ich mich im „lockdown“.

Nachdem in vielen Bereichen langsam wieder begonnen wird, irgendwie die Wirtschaft und das Leben in eine diverse Normalität zu bringen, wurde in meinem kommunikativen Job vorerst bis zum Jahresende ein fettes Stopp gesetzt. Das bedeutet, keinerlei persönliche Kontakte zu anderen Menschen.

Umso mehr freute ich mich, als mein Auftraggeber eine Lösung offerierte, die zwar nicht das Non plus ultra ist, aber immerhin „eine Lösung“ für vorübergehend.

Ich darf das, was ich sonst im persönlichen Interview tat, am Telefon erledigen.

Mir wurden Verknüpfungen und Apps auf den PC installiert. Ich konnte mich also in einen externen Server einloggen, der über fünfhundert Kilometer entfernt steht und via SSL-Telefonie meinen Job tun.

Dachte ich. Besser: Ich hätte es tun können. Es funktionierte nicht, weil die Internetleistung hier im südlichsten Süden Deutschlands absolut schlecht ist. Meine Gesprächspartner fragten mich, ob ich vom Mars anrufen würde. Sie konnten mich nicht verstehen.

Also kontaktierte ich den größten Anbieter Deutschlands, der für Telekommunikation und Internet zuständig ist. Bei dem bin ich irgendwie schon immer Kunde und seit fünfzehn Jahren Geschäftskunde mit einer exklusiven Servicenummer.

Nachdem ich von einem zum anderen weitergeleitet wurde, ich stundenlang in Warteschleifen hing, meine Daten „abgeglichen“ wurden, ich auf Band mein Einverständnis zur Kontaktaufnahme gab, ich ergänzte, dass ich jegliche Anrufe zum Zwecke der Werbung untersage, die Dame am Telefon empört war, weil ich nur sagen sollte, dass ich damit einverstanden sei,  Angebote bekam, die jenseits vom Verstand lagen, ich mein Problem gefühlte Tausend mal erklärte, kam ich schließlich an eine Mitarbeiterin, die sich bemühte, das Problem zu klären. Eine sofortige Messung ergab, dass die Qualität so schlecht ist, wie sie nicht sein sollte. Sie wollte das nicht glauben und veranlasste eine Messung während der Nacht. Sie kontaktierte mich am nachfolgenden Tag und schickte einen Techniker. Denn das wäre so nicht in Ordnung und müsste geprüft werden.

Ich sollte eine SMS erhalten, wo mir mitgeteilt wird, wann der Techniker käme. Alles gut. Denn die Daten hatte ich erst vor ein paar Stunden verglichen und als Audioaufzeichnung bestätigt.

Vor dreizehn Jahren übernahm ich die Firma aus einer GbR. Damals gab es einen unendlich langen Schriftverkehr mit diesem Kommunikationsunternehmen. Sie bekamen das dann irgendwann hin, dass es keine GbR mehr war und ich als Inhaberin auch die Rechnung erhielt.

Eine SMS bekam ich nicht, aber mein Partner aus der damaligen GbR, die seit dreizehn Jahren nicht mehr existiert. Er informierte mich darüber.

Der Techniker stellte in etwa fünf Minuten nichts anderes fest und sagte mir, ich solle zum regionalen Anbieter wechseln, der könne das leisten. Von meinem Standort sind es knapp fünf Kilometer bis zum nächsten Verteiler. Und dieser gigantische Telekommunikations-Betrieb einer Aktiengesellschaft wolle das nicht ausbauen, weil es sich hier nicht lohne. Aber ich solle niemandem sagen, dass er das so empfohlen habe.

Gut. Ich nahm also Kontakt zu unserem regionalen Anbieter auf. Ohne Probleme ließe sich das machen. Er kümmere sich um alles und ich bekäme dann Bescheid, wann der Wechsel geschehen würde.

Zwei Wochen vergingen, als ich erfuhr, dass mein Antrag so nicht genehmigt werden kann.  Denn der große Telekommunikationskonzern teilte mit, dass ich nicht der Inhaber dieses Anschlusses sei. Ich fragte, wer es denn sei. Das dürfe er mir nicht sagen. Daraufhin sagte ich es ihm auf den Kopf zu, dass es mein damaliger Partner der GbR sei. Er bejahte es.

War ich bis dahin noch so ziemlich ruhig und geduldig, machte sich jetzt so ganz langsam etwas Ungeduld in mir breit. Nennen wir es so: Petra wurde sauer. Ich will es nicht weiter ausschmücken.

Ich griff also wieder zu dieser exklusiven Telefonnummer für Geschäftskunden und rief den Laden dort an. Die lästige Bandstimme fragte nach Kundennummer und Buchungskontonummer, will mein Anliegen wissen und erklärte mir, dass die Wartezeit ungefähr zehn Minuten dauern wird. Ich war es gewöhnt. Also hatte ich ausreichend Zeit, meine schlechte Laune zu pflegen.

Ich wurde dann wieder von einem zum nächsten verbunden. Bis ich endlich eine Dame am Telefon hatte, die mich zu verstehen schien. Ich wollte nichts weiter, als einen funktionierenden Internetanschluss. Dieser Konzern kann es nicht liefern, also muss ich kündigen und das außerordentlich und nicht erst im März kommenden Jahres, weil der Vertrag das so vorsieht. Sie sandte mir via Email ein Formular. Ich solle es ausfüllen und alles sei erledigt. Na endlich!

Dachte ich. Das Formular war sofort in meinem Posteingang. Na, geht doch! Ich öffnete es. Die Kündigungsgründe trafen alle nicht auf mich zu. Das waren alles private Gründe, Umzug, Tod und so weiter. Aaaaber es gab einen Chat-Button.

Ich tippte also in dieses Feld und erklärte mein Anliegen. Es loggte sich ein Herr oder eine Dame ein. Das konnte ich anhand des Namens nicht erkennen. Die Person schrieb, dass ich weitergeleitet werde an den Bereich für Geschäftskunden.

Gut. Ich erklärte das schriftlich noch einmal. Die großartige Idee des Mitarbeiters oder auch der Mitarbeiterin (auch in diesem Fall konnte ich es anhand des Namens nicht ausmachen) Ich solle ein PDF in dem Formular hochladen und es senden. Dann wäre alles klar und gut.

Ich suchte verzweifelt diese Möglichkeit in dem besagten Kontaktformular. Ich fand sie nicht. Sauer, sehr, sehr sauer wählte ich die Nummer für Geschäftskunden. Eine elektronische Stimme fragte wieder Kundennummer und Buchungsnummer ab. Dann fragte mich dieser Computer, ob es sich um das gleiche Problem wie bei meinem letzten Anruf handele. „Verdammt! Ja!“ schreie ich diesen Blechtrottel an. Der antwortet planmäßig höflich. Es würde zehn Minuten dauern. Ok. Mir egal. Dieses Mal habe ich keine Zeit, meine schlechte Laune zu pflegen. Es meldet sich nach wenigen Minuten eine männliche Stimme. Ich erkläre den ganzen Käse noch einmal. Meine Ungeduld kann ich nun nicht mehr verbergen. Mir reicht es definitiv. Der Typ antwortet: „Sie haben einen Geschäftsanschluss. Da sind Sonderkündigungen nicht vorgesehen. Unsere versprochene Leistung ist eine 6000er Leitung. Das halten wir ein, wenn auch knapp. Wenn ihnen das nicht reicht, ist das ihr Problem, nicht unseres. Sie werden mir doch nicht sagen wollen, dass sie wegen knapp vierzig Euro im Monat Pleite gehen. Wenn das der Fall ist, dann machen sie was falsch. Das ist lächerlich, wegen vierzig Euro im Monat. Ihren Vertrag können sie zum März kündigen, wenn sie es unbedingt wollen. Reden sie doch mit dem neuen Anbieter. Der kann ihnen ja bis dahin kostenlos einen Internetanschluss zur Verfügung stellen.“ 

Ich habe das Gefühl, gleich im Quadrat zu springen. Ich beiße meine Zähne zusammen und zische: „Sie werden mir doch nicht sagen, dass diese monströse, Aktiengesellschaft auf meine vierzig Euro angewiesen ist. Das ist ja derart lächerlich!“ Ich kann regelrecht spüren, wie er grient und sich an meiner abgesaugten Energie erfreut. „Sie können ja einen Antrag stellen. Das geht nur schriftlich. Dann wird das geprüft. Aber ich sage ihnen gleich. Das wird zu nichts führen.“

Ich denke: „Rutsch‘ mir den Buckel runter!“

Ich sage: „Sie machen für ihren Posten einen guten Job. Mister Roboter.“

Er hakt nach: „Ich bekomme keine zusätzlichen Provisionen.“

Ich denke: „Halte einfach deine Klappe!“ und lege auf.

Boah, erst einmal ein Beruhigungskäffchen. Wer von Euch das Design auf diesem Kaffeebecher erkennt, darf es unten im Kommentarfeld schreiben. Eine von den richtigen Antworten werde ich am 13.08.2020 auslosen. Denn eine klitzekleine Überraschung wartet, auf die Reise zu gehen. Und hier bekommt Ihr diese tolle Tasse.

Und ich wünsche mir sehr, mit dem regionalen Anbieter einen wirklichen Partner direkt vor der Haustür zu haben, das kein aufgeblähtes, schwerfälliges,  gigantisches und arrogantes Unternehmen ist, das an dem einzelnen kleinen Kunden kein wirkliches Interesse hat. Also dann bis hoffentlich in den nächsten vierzehn Tagen, wie versprochen, mit schnellem Internet … Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Mein aktuelles Buch – Blog.Geschichten

Ich freue mich riesig. Mein aktuelles Buch „Blog.Geschichten“ ist ab sofort überall dort, wo es Bücher gibt, zu haben.

Da ich es selbst nicht besser auf den Punkt bringen kann, möchte ich aus dem Klappentext des Buchcovers zitieren:

„Meine geschriebenen Zeilen sind Zeitzeugnisse. Dinge, die unser Leben in der jetzigen Zeit bewegen und konfrontieren. Petra Kolossa

Ihre Blog.Geschichten sind lesenswert, kurzweilig und treffen den Nerv der Zeit. Es sind Momentaufnahmen aus ihrem eigenen Leben. Kritisch, nachdenklich, geistreich und mit einer Portion Humor greift sie soziale, politiche und alltägliche persönliche Themen auf und verpackt diese mit viel Empathie in ihre Texte.“

Neugierig? Das dürft Ihr sein. Und ich freue mich riesig, auf Euer Feedback.

Die ISBN: 9783751951418

Und hier könnt Ihr es direkt beim Verlag bestellen.

Das Buch in digitaler Form, also als ebook, wird es in den nächsten Tagen geben. Ich werde Euch, sobald ich es erfahren habe, informieren.

Noch ein Wort zu dem Buchcover. Ich wählte ein Design eines meiner Kunstwerke aus der Werkgruppe „zerlesen“. Es ist eine Assemblage. Einzelteile von Buchrücken alter Bücher, die somit ein neues Leben erhielten. Einzelteile, die letztendlich wieder ein großes Ganzes und Festigkeit bilden. Es symbolisiert den Inhalt dieses Buches.

Viel Freude mit den Blog.Geschichten wünscht Euch

Eure Petra Kolossa.

Holunderblüten – Konfitüre

Holunderblüten in einer Konfitüre zu verarbeiten ist vielleicht nicht das Gewöhnlichste. Die meisten haben das noch nie probiert und viele haben davon noch nichts gehört. Dabei ist es sehr, sehr lecker und es ist ruck-zuck zubereitet.

Ich wurde um das Rezept gebeten und dachte, es ist sicher auch für Dich interessant.

Denn die Holunderblüten stehen zur Zeit in voller Pracht. Der Duft ist so verführerisch, dass man den gern mit den Blüten nach Hause trägt.

Was brauchst Du dazu? Du wirst staunen. Nicht viel. Für diese sieben Gläschen habe ich folgendes verwendet:

  • 700 g reife Äpfel
  • 100 g Holunderblüten (das sind etwa 10 Blütendolden)
  • 400 g Gelierzucker 2:1

Es passen auch Pfirsiche sehr gut. Erdbeeren wachsen zur gleichen Zeit. Es könnte sein dass es zusammenpasst. Ich probierte es noch nicht aus und bin mir wirklich nicht sicher, ob diese Kombination ideal ist. Vielleicht kann mir einer von Euch über ein solches Experiment berichten. 

Und so wird es gemacht: Die Blüten gründlich waschen und von den Stielen abzupfen. Dann die Äpfel schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Äpfel in eine Schüssel (mit Deckel) geben und die Holunderblüten darüber streuen. Den Gelierzucker abwiegen, dazugeben und unterrühren. Mit dem Deckel die Schüssel schließen und eine Stunden ziehen lassen.

Wenn Ihr nach einer Stunde den Deckel abnehmt, werdet Ihr von einem umwerfenden Duft empfangen. Der Zucker hat sich zu einem Sirup verwandelt.

Und so geht es weiter: Alles gut umrühren und in einen Topf geben. Die Masse erhitzen, bis es kocht. Ungefähr zwei oder drei Minuten köcheln lassen und den Herd ausschalten. Noch unter geschlossenem Deckel zwei oder drei Minuten ziehen lassen. Ihr kennt das bereits aus meinen anderen Rezepten. Lasst bitte nichts stundenlang totkochen. Unter dem Deckel garen die Früchte zu Ende. Äpfel brauchen nicht lange. Nehmt nun einen Stampfer und drückt das gegarte Obst in eine gefällige Konsistenz. Ich mag die Konfitüre etwas stückig. Nun noch einmal kurz aufkochen, sofort Herd ausschalten und alles in die ausgespülten Gläschen füllen.

Dazu noch ein Tipp. Ich befülle das Glas, wische mit einem Küchentuch den Rand trocken, drehe sofort den Deckel darauf und stelle das Glas kopfüber. Erst wenn es komplett ausgekühlt ist, drehe ich es um. Es entsteht ein Vakuum im Glas, das es absolut dicht verschließt.

Eine Portion gebe ich immer in ein dekoratives Glas zum sofortigen Naschen. Damit beim Einfüllen die Hitze das Glas nicht auseinanderspringen lässt, lege ich einen Edelsthahllöffel in das Glas. So wird die Wärme vom Boden nach außen geleitet. Und nix geht kaputt.

Nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Ausprobieren. Und erzählt mir von Euren Experimenten. Ich bin ganz neugierig.

Jetzt ein Stück Baguett, lekere frisch gezauberte Konfitüre und einen Kaffee …

Euch gefällt meine Tasse? Sie ist ein Design aus meiner „Caligari“-Serie. Schaut einfach —->>> hier

Herzlich,

Eure Petra Kolossa.

Ein kleiner Nachtrag: Zwei Tage später zauberte ich noch einmal diese Konfitüre. Dieses Mal verwendete ich Pfirsiche. Um den Kontrast zu den weißen kleinen Blüten zu erhöhen, habe ich hier und da einen klitzekleinen roten Rest der Pfirsichschale gelassen.

Alma, das alte Ding – Ende –

„Hach, wer hätte das gedacht! Du erinnerst dich also wieder.“, murmelt Alma. „Mein schöner Bauch war ruiniert!“ und etwas wehmütig erhärtet sie: „Bis heute.“


„Sage das nicht, Vater hat dich mit einem Holzklötzchen schön ausgebeult damals. Ist doch fast nix mehr zu sehen davon.“, tröste ich die Blechkanne und komme mir ziemlich blöd dabei vor.


„Dein Fury haben deine Eltern ja nur über die Wintermonate weggesperrt. Aber mich habt ihr bis heute achtlos in irgendeinem Schub verkramt.“, brubbelt Alma vorwurfsvoll.

Ja, das stimmt. Irgendwie war Alma nicht mehr schick. Einfach nur ein verbeultes altes Ding. Aber wegwerfen wollte sie keiner. So, wie das nach dem Krieg in den Köpfen verankert war. Schließlich war das Teil noch funktionstüchtig, irgendwie noch gut. Nur eben etwas hässlich.

Aber bald kamen die ersten wirklich großartigen Plastikmilchkannen auf. Vater brachte eine mit. Eine hellgrüne mit einem weißen Deckel zum reindrücken.
Wenn die Kanne mit Milch gefüllt war, musste man schön aufpassen. Der Henkel dehnte sich, der Körper der Kanne verformte sich, der Deckel schnipste von der Öffnung. Aber keiner von uns kam auf die Idee, diese moderne, jedoch für diesen Zweck völlig ungeeignete Kanne gegen die alte verbeulte, aber stabile, zu tauschen.

Nicht viel später erübrigte sich das Thema. Denn wir konnten die Milch im Laden in Flaschen kaufen. Das Milchauto kam nicht mehr, nur noch der Eismann mit den gefrorenen Wasserblöcken für den Eisschrank. Die einst neue Milchkanne aus dem weichen Kunststoff wurde hin- und hergeräumt, für nutzlos erklärt und weggeworfen. Von Alma konnte sich keiner trennen. Alma war schon immer in diesem Haushalt und blieb auch da.

Es klingelt an der Tür. Ich lege das Geschirrtuch beiseite und stelle die Kanne auf dem Tisch ab.

„Oh Resi! Welch eine Überraschung!“, begrüße ich meine Freundin.
„Ich war in deiner Nähe und dachte mir, ich klingele einfach bei dir.“ Sie hält einen großen bunten Strauß Tulpen in der Hand. „Schau, die sind für dich. Ich weiß, dass du Tulpen so sehr liebst.“
Ich nehme den wunderschönen Strauß und schnuppere daran. Tulpen haben nur einen zarten, kaum wahrnehmbaren Duft.
„Lass uns in die Küche gehen Resi. Ich mache einen Kaffee.“

„Ohhhh wow! Was hast du denn hier?!“, ruft sie begeistert und nimmt die Blechkanne bewundernd in ihre Hände.
„Ach, du meinst die alte Milchkanne?“
„Jaaaa! Das ist ein Schätzchen. Ein absolutes Deko-Objekt! Weißt du, dass die Dinger inzwischen richtig teuer sind? Wo hast du die her?“

Ich muss lächeln und sage ihr, dass das alte Ding schon immer bei uns ist. Sie muss schon während der Kriegszeit bei uns eingezogen sein.
Resi nimmt die Tulpen aus meinen Händen. Lässt Wasser in die Blechkanne, und stellt die Blumen hinein. Sie ordnet diese liebevoll und stellt die nun dekorative Vase auf den Küchentisch.

„Na endlich hat jemand begriffen, wie schön ich bin!“, meldet sich Alma und ich kann hören, wie erleichtert und glücklich sie ist.
„Du hast recht. Du siehst mit dieser Blütenpracht fantastisch aus. Ich werde dich mit etwas Farbe wunderschön machen.“, antworte ich ihr.

„Wie meinst du das, du wirst mich mit etwas Farbe wunderschön machen?“, fragt mich Resi.
„Nicht dich, Resi! Alma natürlich.“, sage ich.
„Ähhhm, wer ist Alma?“ …

◇ Das ist nun das Ende unserer ersten Ping-Pong-Story.

Ich bedanke mich herzlich bei Alfons. Es war mir ein Vergnügen, mit Dir die „Lebensgeschichte“ einer alten Milchkanne zu spinnen.

Ihr hattet Spaß beim Lesen? Ihr möchtet wieder einmal eine Ping-Pong-Story?

Schreibt uns einfach unten im Kommentarfeld. Wir freuen uns riesig über Euer Feedback.

Bild: „Alma II“, 2020, Petra Kolossa, Aquarell auf Karton, 21 x 29 cm

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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Alma, das alte Ding

Erste wärmende Sonnenstrahlen in diesem März verkünden das Ende des Winters. Ein Winter, der keiner war. Nun gut, ein wenig kühl, jedoch kein Schnee, keine Eiszapfen und all dem, was eigentlich dazu gehört. Es ist der zweitwärmste Winter seit der Wetteraufzeichnung, wird in den Medien verkündet. Seit 139 Jahren also, das ist nicht lange, denke ich.

Das Gefühl des nahenden Frühling drängt mich, etwas aufzuräumen, Luft zu schaffen für das Frische, für das Neue. Ich ziehe den großen Schub des Küchenschrankes auf. Um es zu säubern entnehme ich die hohen Gefäße und stelle sie beiseite. Ach je, die alte Blechkanne, denke und streichele die Delle in ihrem dicken Bauch. Der Deckel sitzt ein wenig verklemmt auf dem Hals, als ich den abziehe. Mein Gott, das alte Aluminiumding ist immer noch da.

Ich erinnere mich, wie ich mit dieser Kanne zum Milchauto gegangen bin. Der Milchmann nahm sein Maß und füllte den weißen Trunk in diese Kanne. Er bekam seine  Pfennige und ich schlenkerte die Kanne nach Hause.

Mein Daumen streichelt noch immer unbewusst diese Delle. Die war schon damals in der Kanne. Wie ist die dort hingekommen? Ich habe keine Ahnung. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, als ich bemerke, dass mein linker Daumen schwarz gerieben ist.

Ich denke, dass es Zeit ist, das Teil zu entsorgen. Es findet in der heutigen Zeit keine Verwendung mehr.

„Höre auf, den kleinsten Gedanken daran zu verschwenden!“, werde ich angezischt.
Ich schreie erschrocken auf und das Blechding fällt scheppernd zu Boden.
„Mein Gott! Hab‘ dich nicht so!“, schnarrt es nun vom Boden.
Ich haue mir abwechselnd links und rechts auf meine Backen. Ich habe Halluzinationen, denke ich.
„Kneife dich in den Arm. Dann wirst du bemerken, dass du in Ordnung bist.“, kommt es wieder vom Boden. Ich starre das silbergraue Ding an. „Na, mach schon!“, meldet es sich wieder. Und ich bin so blöd und tue es. „Autsch. Das ist alles nicht wahr!“, quieke ich.
„Hebe mich auf! Und denke nie wieder an entsorgen!“, werde ich angewiesen.
Ich bücke mich, hebe diese Kanne mit spitzen Fingern auf und murmele vor mich hin, dass das alles nicht wahr ist, dass ich anfange verrückt zu werden, dass das schließlich bei manchen Leuten zeitig anfangen kann. Shit, ich gehöre wohl dazu und so weiter. Kurzentschlossen schmeiße ich das Ding in den Karton für den Wertstoffhof.

„Höre auf mit dem Mist! Nimm mich sofort hier raus!“, befiehlt die Kanne.
„Was bist du für ein Ding?“, wispere ich und stelle es auf den Tisch.
„Na geht doch!“, meldet sich die Kanne hörbar zufrieden und ergänzt: „Alma.“
„Was Alma?“, frage ich.
„Ich bin Alma. Ganz einfach!“

„Kannst du dich nicht mehr erinnern, wie du mit meinem hübschen Deckel Blaubeeren sammeln gegangen bist?“, fragt mich Alma.
Mein Gott, jetzt personifiziere ich das Teil. Unglaublich!
„Ja, na klar erinnere ich mich.“

Meine Omi sammelte Anfang der Sechziger im Sommer immer Blaubeeren für die Bäckerei. Daraus wurde leckerer Kuchen gebacken. Es war ein kleiner Zuverdienst zum schmalen Budget. Ich bekam den Deckel, um die Beeren hinein zu sammeln. Omi füllte den Bauch der Blechkanne.

„Alma“, VI-2020, Petra Kolossa, 30 x 30 cm, Acryl auf Leinwand, Spachtelarbeit

„Siehst du. Wir haben doch eine Menge Gemeinsamkeiten. Jetzt spüle mich aus. Ich habe das Gefühl gleich niesen zu müssen!“
„Alma!!!“ schreie ich.
„Jo, was geht?“
„Gib mir keine Befehle!“
„Rede nicht rum, mach schon! Der Staub kitzelt mich.“
„Wenn du nicht gleich die Klappe hältst, sorge ich für eine zweite Delle auf deinem Bauch!“, fluche ich.

„Du weißt nicht woher der erste Schlag auf meinen Bauch gekommen ist und willst mir einen weiteren verpassen, tst, tst, tst.“, meldet sich Alma.

◇ Das war der erste Teil zu „Alma“. Lasst Euch überraschen. Morgen kommt der zweite Teil, den Alfons Müller für Euch geschrieben hat.

Wenn Ihr so viel Spaß beim Lesen hattet, wie ich beim Schreiben, freue ich mich sehr über Euer Feedback im Kommentarfeld. – Ok, wenn nicht, natürlich auch 😉

Wir sehen uns morgen.

Herzlich,

Eure Petra Kolossa.

… und sonst so?

Einen herzlichen Gruß zu Euch allen. Ich weiß, dass ich meine lieben Leser etwas länger warten ließ. Aber es hat sich im Hintergrund so Einiges getan und Ihr dürft Euch auf viel Lesevergnügen freuen.

Zum einen ist mein aktuelles Buch „Blog.Geschichten“ seit dem letzten Wochenende im Verlag und wartet darauf, in den Druck zu gehen. Es wird in physischer, wie auch in digitaler Form zu haben sein. Hach ja. Ich freue mich, dass es nun endlich fertig ist.

Und es wäre nicht so toll geworden, hätte ich nicht die riesengroße Unterstützung von meinen Erstlesern bekommen. Dieses facettenreiche Team, das ich an meiner Seite hatte, ist unschlagbar. Wirklich. Ich war begeistert zu erleben, wie ich aus den verschiedenen Sichtweisen und Emotionen betrachtet, den Texten den letzten Schliff geben konnte.

Auf diesem Wege lasst Euch herzlich drücken: Isabel Kolossa, Petra Nickel, Evelyn Störk, Willy Holger Wagner, Dirk „Tilo“ Schrader. – Und für die Buchcovergestaltung: Willy Holger Wagner.

Das Buchcover noch in der Entwicklung

Für das Cover dieser Buch-Serie – jaaaa, es wird eine Buchreihe – wählte ich Bildausschnitte aus meinen Kunstwerken der Werkgruppe „zerlesen“. Die einzelnen Geschichten in diesem Buch ergeben ein zusammengesetztes Ganzes und somit eine Symbiose zu diesen Werken.

Was gibt es noch zu erzählen? Ich entwarf fünf neue Designs in meinem Shop. Darüber erzähle ich Euch in den nächsten Tagen. Ihr könnt Euch freuen. Es sind wirklich stylische Produkte entstanden.

Aber schauen wir nicht so weit in die Zukunft.

Was gibt es morgen? Ich möchte Euch nicht auf die Folter spannen.

Mit Alfons Müller, Ihr konntet bereits zwei Beiträge von ihm lesen, schrieb ich eine Ping-Pong-Geschichte. Das heißt, ich schrieb den Beginn der Story, Alfons den Mittelteil und ich wiederum das Ende. Hach, das hat richtig Spaß gemacht. Also seid gespannt. Morgen zum Freitagabend dürft Ihr hier den ersten Teil zu „Alma“ lesen, am Samstag den zweiten und am Sonntag das Ende der Geschichte.

Und wir freuen uns natürlich schon heute riesig auf Euer Feedback. Also lasst uns Eure Gedanken hier im Kommentarfeld wissen.

Euch allen einen wunderbaren Donnerstag. Und denen, die heute Feiertag haben, einen schönen freien Tag.

Wir sehen uns morgen 🤗

Herzlich,

Eure Petra Klossa.

An alle fantastischen Mütter dieser Welt

… alles Liebe zum Muttertag.

Meine Tochter schrieb für ihre Tochter diesen tief ins Herz gehenden Song. Als ich die endgültige Fassung hörte, wollte mich die Gänsehaut nicht verlassen. Ein Text der alles sagt, was wir Mütter im Inneren tragen und fühlen.

Deshalb möchte ich heute nicht viele Worte verlieren und stattdessen meine Isabel mit ihrer Combo janisa-music sprechen lassen. Lehnt Euch zurück und genießt diesen musikalischen Leckerbissen.

janisa-music

Ich möchte noch erwähnen, dass dieses Video zu „Dein Herz“ unter ganz besonderen Umständen entstand. Geschuldet der momentan geforderderten Distanz in der Corona-Zeit sind besondere Ideen gefragt, um ein solches Zusammenspiel, wie in diesem Clip, überhaupt zu ermöglichen. – Auch das ist ein Zeitzeugnis 2020.

Ich bin wahnsinnig stolz auf mein Kind. Eine Mama, die mit ihrem Herzen immer bei ihr weilt.

Einen fantastischen Mutterag, einen schönen Sonntag

wünscht Euch von Herzen,

Eure Petra Kolossa.

💕☀️

Nur Zeit gewinnen

Nun bin ich in den Keller getrabt und habe meinen alten Brotback-Automaten hervorgekramt. Zwei Tüten von diesen Brotbackmischungen sind auch noch da.

Ich glotze das Teil an und überlege, wie das war mit den Programmen. In irgendeiner Schublade meines Gehirns ist es noch abgespeichert. Super! Ich muss also nicht die Anleitung studieren.

Alles hinein in den Behälter: Wasser, Mehl, etwas Hefe … aha, Hefe … alles gut, ist auch noch da. Ein paar Löffel Saaten. Programm wählen … Nun, es dauert ein paar Stunden. Aber möge es bitte backen.

Das Lesezeichenbändchen liegt in meinem Kalender noch genau an der Stelle, an dem ich zwangsweise mit meiner Arbeit aufhören musste. An dem Tag, an dem ich um 17 Uhr auf meinem Smartphone die E-Mail mit der Order las, sofort alle Aktivitäten zum Schutz der Klienten und zu meinem eigenen Schutz einzustellen. Es war der 16. März 2020, also vor sechs Wochen.

Seit dem durchströmen mich Gefühle aller Facetten. Ich beobachte das globale Geschehen sehr genau. Aber das soll nicht Thema des heutigen Blogs sein. Kommen wir zu diesem Brotbackautomaten zurück. Warum habe ich das Ding nach so langer Zeit wieder aktiviert? Mit diesem habe ich viele, viele Brote gebacken. Er knetete und produzierte jahrelang. So lange, bis mir dieser typische Geschmack zum Hals heraushing. Das war vor fünf oder sechs Jahren.

Ich kaufte seit dem die Brote wieder beim Bäcker. Und das war gut so. Irgendwie wurde ich nach einiger Zeit von den freundlichen Bäckereiverkäuferinnen willkommen geheißen. Man schwatzte ein paar Worte, manchmal ein paar mehr. Ich kannte bald die Geschichten, die hinter den Frauen stehen. Es war immer ein netter Weg, noch fix zum Bäcker zu gehen.

Seit ein paar Wochen sind die Bäckerstände hinter durchsichtigen Kunststoffverkleiungen abgeschirmt. Ein kleines Loch ermöglicht es, Geld entgegenzunehmen und die Tüte mit dem Backgut zu reichen. Man muss laut sprechen, damit es die jungen Frauen, die dahinter stehen verstehen können. Ich kenne sie nicht. Sie sind neu. Mechanisch nehmen sie die Bestellung aus dem abgespeckten Sortiment entgegen. Mich schauen unbeteiligte dunkle Augen an, ummantelt von angeklebten Wimpern, die ihre Augenbrauen kitzeln. Mit langen spitzen zart-rosa Fingernägeln wird die Tüte befüllt und mit flachen Fingerkuppen auf die digitale Kasse getippt. Ich bezahle, erhalte das Rückgelt, bekomme die Tüte und gehe.

Meine nächsten Brote kaufte ich im Supermarkt. Eine logische Konsequenz. Meine Aufträge und damit der größte Teil meines Einkommens sind komplett weggebrochen. Der Bäcker ist nur noch eine Ausgabestelle. Und ich bin nicht bereit, dieses wahrscheinlich bessere, aber teure Brot auf diese Weise an der Theke abzuholen. Es ist die Katze, die sich in den Schwanz beißt. Die Leute werden weniger Geld haben. Der Bäcker will auch überleben und tut ganz sicher sein Bestes dafür.

PS: Diesen fantastischen Einkaufsbeutel in einem meiner „Caligari“-Designs und drei verschiedenen Größen gibt es hier. Bitte einfach auf diesen Text klicken. (Meiner lieben Freundin Petra herzlichen Dank für das Foto.)

In der vergangenen Woche war ich wieder im Supermarkt. Es war bis dahin so, dass durch die Abstandsregelung und alle Vorsichtsmaßnahmen das Einkaufsvergnügen auf ein Minimum geschrumpft war. Aber die Kunden und das Personal machten das Beste daraus. Es gab immer noch ein nettes Gespräch, einen sympathischen Zuruf, ein Lächeln hier und da, auch wenn es meistens ein süß-saures war.

Jedoch am letzten Freitag war für mich die Atmosphäre dort erstickend. Etwa die Hälfte der Kunden und des Personals liefen mit einer ab dem darauffolgenden Montag zur Pflicht erkorenen Gesichtsmaske herum. Diese Menschen kümmerten sich ausschließlich nur um ihren Einkauf. Sie gingen schweigend durch die Gänge. Es herrschte eine ungewöhnliche Stille in dem Markt. Ich kann keine Gesichtszüge erkennen. Ich versuchte einige Augenpaare einzufangen. Aber diese schauten keinen Menschen an. Diese Figuren mit den Masken im Gesicht gingen fokussiert, um die gewünschten Produkte einzusammeln und diese in ihre heiligen vier Wände zu transportieren.

Das Brot ist aufgebraucht. Gestern entnahm ich bereits welches dem Gefrierschrank. Ich müsste heute gehen. Aber ich kann nicht. Mir gruselt vor dieser Situation. Alle Menschen im Supermarkt werden so herumlaufen. Und auch ich. Es ist wie ein schlechter Science-Fiction-Film, der vor meinen Augen abspult.

Ich weiß, in den nächsten ein oder zwei Tagen werde ich mir solch ein Stoff ins Gesicht ziehen und wie alle anderen auch, meine im Haushalt fehlenden Dinge einsammeln. Mein heutiges Tun ist nur, etwas Zeit zu gewinnen.

Eine andere Option: Online einkaufen. – Aber das ist ein anderes Thema.

Der Duft von frisch gebackenem Brot zieht bereits durch die Wohnung. In etwa zwei Stunden wird mein Brot fertig sein …

Euch wünsche ich einen schönen Dienstag und bin ganz neugierig zu lesen, wie Ihr emotional mit der momentanen Situation umgeht. Schreibt es einfach unten in das Kommentarfeld.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.