Mikroerlebnisse

Neulich las ich einen Artikel über das Auffischen des eigenen kreativen Teiches. Es ging um das Austrocknen der Kreativität. Folgen zum Beispiel sind oftmals Schreibblockaden oder das sture Sitzen vor einer weißen Leinwand. Das betrifft natürlich alle anderen Bereiche gleichfalls. Du kennst das sicher, wenn Du unbedingt etwas tun wills, Dir jedoch nichts, aber auch absolut nichts einfällt. 

Ich denke, dass wir das total unterschätzen. Zumindest zähle ich mich dazu. Wie oft beobachte ich mich selbst dabei, mir so einige Dinge nicht zu gönnen, weil anderes viel wichtiger sei. Und: Asche aufs Haupt. Manches Mal habe ich keinen Bock und lasse es.

Es ist ein riesengroßer Fehler! Es ist unglaublich wichtig, raus zu gehen und den Sinnen andere Eindrücke zu schenken. Oder Dinge zu tun, die dem Alltag entrinnen und etwas völlig anderes sind. Empfohlen wird in dem besagten Artikel, das ganz allein für sich selbst zu tun, für die eigene intensivere Wahrnehmung. Aber ich mag derlei auch gern teilen.

Ganz ehrlich: Wenn ich solche, nennen wir es Mikroerlebnisse, habe, fühlt sich das unendlich groß an. So, als hätte ich etwas Gewaltiges erlebt. Ich sauge die Augenblicke in mir auf und genieße diese.

In dieser Woche war ich nach langer Zeit wieder einmal auf dem Weg von Friedrichshafen nach Konstanz. Ich fuhr die Strecke am Bodensee entlang und mein Herz weitete sich. Ich liebe diesen Blick. Als der Verkehr zum Stehen kam, machte ich diese Aufnahmen.

Konstanz, Markstätte: Hier hatte ich einen Termin. Unzählige Male bin ich hier gewesen und jedes Mal entdecke ich ein für mich neues Detail. Zum Beispiel fiel mir nie diese Tafel an dem Eckgebäude auf.

Goethe hatte einen guten Geschmack 😉

Der Blick in die Markstätte: Für den Sommer wurden Blumenbälle an den Masten befestigt. Was sich nie ändert sind die vielen, vielen Fahrräder.

Konstanz, eine ewige Bausstelle. Seit 2011 war ich beruflich regelmäßig und häufig in Konstanz. Ich kenne die Stadt nicht anders. Das rechte Bild ist der Blick in die zweite Reihe, in einen Hinterhof. Bauplatz ist wertvoll und teuer. So weit wie es nur möglich ist, wird jeder Platz irgendwie bebaut.

Von Konstanz fuhr ich weiter nach Singen und von dort nach Hause.

Auf dem Weg, kurz vor meinem Wohnort, machte ich noch einen Boxenstopp. Ich mag diese Stelle. Sie gibt den Blick frei zu dem kleinen Ort, an dem ich wohne. Ich mag die alten Apfelbäume, die den Straßenrand säumen.

Ein so ruhiger und schöner Moment.

Insgesamt saß ich zweihundertzwanzig Kilometer im Auto. Meine Termine konnte ich in den acht Stunden gut bewältigen. Und ich hatte noch Zeit und Gelegenheit, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und meinen Teich ein wenig auffüllen.

Ich denke, die Kunst liegt in der Wahrnehmung der kleinen Momente, die uns Kraft geben.

Wie fischst Du Deinen Teich auf?

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Kurztrip für die Seele

Wie entspannst du dich?

Hast Du ein Ritual, einen bestimmten Ort, eine Melodie, einen Duft, einen besonderen Menschen oder ein Gefühl, das Dir Kraft gibt?

Wir haben einen fantastischen Spätsommertag. Während ich diese Zeilen schreibe, kitzeln mich die abendlichen Sonnentrahlen. Es sind immer noch vierundzwanzig Grad. Herrlich.

Ich nehme die Beine hoch, genieße die Stille und die natürliche Wärme der Sonne. Nur wenige Minuten. Es ist unglaublich wohltuend und entspannend.

Meine Sinne gaukeln mir einen Duft vor. Erst neulich, vor ein paar Tagen nahm ich den gleichen flüchtig wahr. Es ist nur eine Erinnerung. Tresor, Nummer achtundsechszig, Antigua. Ein Duft, der mich vor langer Zeit in einer völlig anderen Lebensphase etliche Jahre begleitet hat. Warum nur stupst mich ein fast vergessener Duft gerade jetzt an? Ich weiß es nicht. Man sagt, alles im Leben habe einen Sinn.

Vielleicht erhalte ich eine Antwort, wenn ich mir dieses Parfum besorgt habe.

Zum Entspannen brauche ich nicht viel. Etwas Zeit für mich, ein wenig Ruhe, Rücksicht. Gute Musik, Haare waschen, ein frischer Kaffee, ein Glas Wein, ein Aufenthalt am Wasser … auch das sind Momente, bei denen ich wunderbar entspannen kann.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die sich auspowern müssen, um danach entspannt zu sein. Andere brauchen den Wald und umarmen Bäume. Wie sieht Dein Miniurlaub für die Seele aus? Was tust Du, um Dich zu entspannen? Schreib es einfach in das Kommentarfeld 🙂

Habt einen schönen Samstagabend.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Drei Tage kommt’s, drei Tage bleibt’s

… drei Tage geht es plus einen Bonustag obendrauf. So kommen wir auf satte zehn Tage.

Wovon ich spreche? Von einer elenden Grippe, die mich ereilte. Etwas ähnliches hatte ich irgendwann vor zwanzig oder dreißig Jahren. Wenn ich also die zehn Tage weiterzähle, werde ich am 28. Dezember wieder fit sein. Ich bin gespannt, ob dieser Spruch, den ich den Betroffenen immer vorbetete wirklich passt.

Dieser Infekt mit allem Drum und Dran ist wirklich nicht toll. In der ersten Nacht konnte ein Wadenwickel das Fieber drücken. Dann habe ich zwei Tage zu siebzig Prozent geschlafen. Meinen Husten konnte ich mit Zwiebelsirup ziemlich gut bekämpfen. Das machte ich bereits bei meinen Kidern so. Und das hat immer geholfen. Die Halsschmerzen und den kratzenden Hals beruhige ich mit Gurgeln. In das Wasser gebe ich dafür fünf Sprüher Aloe-Emergency-Spray. Ein unglaublich gutes Gefühl. Und ich trinke Wasser, Wasser, Wasser mit einem Stück frischem Ingwer.

Warum schreibe ich das alles? Weil ich glaube, dass etliche Menschen viel zu schnell in die Pillenzauberkiste greifen und sich dann wundern, das der ganze Hocus Pocus nicht anschlägt und die Zeit der Heilung immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Irgendwann ist der Körper resistent und will immer stärkere oder noch mehr dieser Mittelchen. Ich denke, dass eine ganz normale Grippe mit oder ohne Chemie zehn Tage braucht, um auszuheilen. – Wir werden sehen, wie es am 28. Dezember bei mir ausschauen wird.

Vor etwa zwanzig Jahren hatte ich eine interessante Begegnung in der Lutherstadt Wittenberg. Der junge Mann erzählte mir, dass die meisten Krankheiten eine seelische Ursache haben. Er nannte mir einige und ich erinnere mich daran, wie er sagte, dass ein Schnupfen, eine Erkältung oder Grippe meistens „Ich habe die Schnauze voll.“ bedeute. An diese Aussage muss ich soeben denken.

Ich reflektiere meine letzten Wochen. Und ich muss feststellen, dass mein Immunsystem ziemlich unten war und dieser Grippe weit die Tore öffnete und mich zwang, komplett runterzufahren.

Ich war total ausgepowert. Es war zum Teil ein Seiltanz, die Termine zu bewältigen und Verantwortung für zu vieles zu übernehmen. Den Rest gab dann die nicht geheizte Alte Kirche, in der wir die Buchlesung im Rahmen des Kunstevents von seeArt hatten. Angeblich habe die Stadt via Fernschaltung die Wärme ausgeschaltet. Wegen der Sparmaßnahmen, hieß es. Ich war ein Eisblock, total ausgekühlt und durchgefroren stieg ich nach der Veranstaltung ins kalte Auto und fuhr nach Hause. Derart geschwächt, war es kein Kunststück den Bazillen &. Co. ein vorrübergehendes Zuhause zu liefern. – Ursache und Wirkung. Es ist tatsächlich eine Dialektik.

… wenn man da nicht schnell gesund wird 🙂 Als ich dieses Vitamin-Paket sah, ging mein Herz ganz weit auf.  Es ist so liebevoll und schön. Vielen Dank, liebe Agnes.

Das Bild entstand am Montag. Ich war bereits gesundheitlich angegriffen, brachte meinen Job aber mit ach und krach zu Ende. Mich nervten noch einige Unzulänglichkeiten und Gespräche mit Menschen, denen jedes Feingefühl abhanden gekommen schien. Ein kleiner Anstoß und meine Sollbruchstelle war erreicht.

Mit diesem Bild zog ich symbolisch hinter mir den kunterbunten Vorhang zu und wollte nur noch meine Ruhe. Mehr nicht.

Das Universum schien mich erhört zu haben. Denn ich bekam diese Ruhe, auch wenn es eine etwas unangenehme ist.  Aber ehrlich: Hätte ich mich ohne diesen Bazillen tatsächlich zurückgezogen? Nein. Ich hätte immer weiter, weiter, weiter … gemacht.

Alles hat seinen Sinn im Leben. So auch dieser Infekt. Ich verdamme ihn nicht, auch, wenn ich den nicht besonders mag. Er zwingt mich zur Ruhe. Und ich weiß, dass wir uns in Freudschaft nach dem zehnten Tag trennen werden.

Für heute soll es genug sein. Passt gut auf Euch auf und bleibt schön gesund.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.