Glas ist Glas

Oh wow! Ist das ein geniales Anwesen, denke ich. Eingekuschelt in einem beeindruckend angelegtem parkähnlichem Grundstück überrascht mich das Glashaus. Die riesigen Scheiben werden von wenig naturbelassenem Holz gehalten.
Ein jeder kann Einblick nehmen in das Innenleben dieses Gebäudes. Das ist von den Bewohnern so gewollt, denke ich. Kurz verharre ich und lasse das Interieur auf mich wirken. Menschen, die etwas erreicht haben, es genießen und sich gern bewundern lassen.

Ich klingele an der Tür und trete ein Stück zurück. Im Haus höre ich, und ich sehe es, wie der Bewohner die Treppe herunter kommt, um zur Tür zu gehen. Ich muss mir ein breites Grienen unterdrücken. Er steckt den Kopf durch den Türspalt und begrüßt mich. Sein Blick erfasst mein Namensschild an der Lederjacke. Er strahlt mich an. Alles klar, sagt er. Sie haben Post geschickt. Warten sie kurz. Ich muss mir nur schnell eine Hose anziehen. Dann können wir reden.

Als wenn ich das nicht schon längst gesehen hätte!

Herzlich, Eure Petra.

Petra-Aug17 351
Foto: Astrid Gast, Oy-Mittelberg

 

Kabarett Warteschlange

Freitag Nachmittag. Da muss man schon Gegurke auf den Straßen hinnehmen. Ist doch klar: Freitag nach eins, macht jeder seins. Alle wollen nach irgendwo, hauptsache weg von ihrer Arbeit.
Endlich angekommen ist auch klar, dass ich mich bei der Post irgendwo als zwölfte oder fünfzehnte einreihe. Es dauert nur Sekunden. Ich bin nicht mehr die Letzte, nur noch ein Glied in der Warteschlange.

„Was? Nach Australien soll das?“, höre ich die Dame hinter der Theke in breitem Dialekt. Sie wiegt das große Paket und ergänzt:  „Das kostet aber was!“
„Noi, nicht Australien! Nach Austria“, erklärt ihr Kunde.
„Sag ich doch!“.
„Noi! Da steht doch Wien!“, weist er ungeduldig hin.
„Was, gibt’s in Australien auch ein Wien? Ich kenne nur eines in Österreich“, sagt sie.
„Das ist doch Österreich!!“, bekommt sie deutlich zu hören.
„Und warum schreiben sie’s nicht hin?!“ …

Und nun soll mal einer sagen, das Warten in einer Schlange sei langweilig.

Petra-Aug17 332

 

 

 

 

 

Ich bekomme das Grienen nicht aus dem Gesicht.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.
Foto: Astrid Gast