Gebürstet, nicht genagelt

Sie eilt in den Laden. Orientierungslos irrt ihr Blick über die unendlich vielen Regale.

„Kann ich ihnen helfen?“, wird sie angesprochen. „Oh ja, bitte. Ich suche eine Nagelbürste.“ Die Verkäuferin wiederholt. „Eine Nagelbürste?“ „Ja. Eine Nagelbürste.“ „OK. Dann sollten wir in die Werkzeugabteilung gehen.“ Angekommen, zeigt sie der Kundin die Auslagen.

„Hier sind Drahtbürsten in verschiedenen Größen. Aber eine Nagelbürste kenne ich so nicht. Sie meinen, dass die Borsten besonders stark sind?“ Die Kundin schaut die Verkäuferin verwundert an. „Nein. Ich meine eine Bürste, mit der ich meine Fingernägel bürsten kann.“

„Oh, entschuldigen sie bitte. Ich verstand sie nicht richtig. So lassen sie uns bitte in die Haushaltwarenabeilung gehen. Dort finden sie eine reichliche Auswahl an derartigen Bürsten.“

…und ich entdecke an mir, dass ich diese Art von Bürsten ebenfalls falsch definiere. Mein Leben lang nannte ich das praktische und immer griffbereite Teil am Waschbecken Handbürste. Ich übergab das Wort Google. Tatsächlich sind es Nagelbürsten. Jedoch scheint es mehr Leute, wie mich zu geben. Denn unter Handbürste werden auch diese korrekt bezeichneten Nagelbürsten angezeigt. Zum Glück ist das Netz so sehr schlau 😉

Kommt gut fein fingernagelhandgebürstet in Euren Tag.

Herzlich, Euche Petra Kolossa.

Sender-Empfänger …

Beim Vorbeifahren lese ich „Expert“ und ich nehme spontan die nächste Parklücke. Seit ein paar Tagen nahm ich mir vor, einen Elektronikmarkt aufzusuchen. Jetzt endlich will ich das erledigen.

Flotten Schrittes betrete ich das Geschäft. Da ich genau weiß, was ich will, scanne ich zielgerichtet die Regale und schlage die Richtung zu dem Zubehör für Computer, Tablets und so weiter ein.

Der Markt ist mäßig besucht. Ein junger Mitarbeiter kommt auf mich zu. „Kann ich ihnen helfen?“, fragt er mich.

„Ja, gern dürfen sie mir helfen. Ich suche einen USB-Stick, den ich kompatibel an meinem Telefon, Tablet und am PC verwenden kann. Also solch einen, mit dem ich meine Daten auf verschiedenen Geräten switchen kann.“

Er schaut mich fragend an. „Sie wollen Daten von ihrem Telefon über einen USB-Stick laden?“

„Ja, na klar. Meine Dateien, Bilder, eine Datensicherung etc.“, antworte ich ihm.

„Sie haben Bilder auf ihrem Telefon?“, fragt er ungläubig.

„Haben sie das nicht?“, frage ich zurück.

„Nein. Ich möchte sie noch einmal fragen. Sie wollen also einen USB-Stick, um den mit ihrem Telefon, dem PC und einem Tablet hin und her zu verwenden?“

„Ja. Das gibt es. Ich weiß es.“

„Ich sage ihnen ehrlich. Mir ist es vollkommen neu, dass so etwas mit einem Telefon möglich ist. Was haben sie für ein Telefon?“

„Ein Samsung, 8plus.„, sage ich langsam genervt und neige dazu, mich zu bedanken und mich selbst danach umzuschauen.

„Ach!!!“, ruft er erleichtert aus. „Sie meinen ein Smartphone! Warum sprechen sie immer von einem Telefon?“

Gut, er gab mir letztendlich das von mir gesuchte Teil.

War das wirklich nur ein Sender-Empfänger-Problem? … ich fühlte mich in diesem Augenblick verdammt alt. Schließlich komme ich aus einer Zeit, in der ich mit einer Handvoll Kleingeld an der Telefonzelle anstand, um zu telefonieren.

Liebe Grüße in Euren zweiten Weihnachtsfeiertag 🎄🕊

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Ka-Ka-Ka-Brot

Ich denke: Karottenbrot.

Sage zu der Verkäuferin: Kartoffelbrot

Und erhalte ein Kastenbrot.

Ich zahle und nehme dieses weiße Brot kopfschüttelnd mit.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Nicht immer klappt es mit der Macht der Gedanken.

Einen schönen Freitagabend wünscht Euch, Eure Petra Kolossa.

Kuh oder Schaf

Es ist heiß geworden und das Wasser in meiner Tasche aufgebraucht. Soeben nahm ich die nächste Gelegenheit wahr und kaufte in diesem Döner-Imbiss eine Flasche Wasser. Ich fummelte an meiner Tasche, um die Flasche zu verstauen, als ein junger Mann mit seiner Freundin in den Laden gesprungen kam und die Verkäuferin fragte:
„Ist der Schaftskäse für den Döner von der Kuh oder vom Schaf?“
„Das von Kuh.“, bekam er zur Antwort.
Er schaut seine Freundin an. Sie nickt.
„OK“, sagt er. „So nehmen wir zwei von den Dönern mit dem Schaftskäse von der Kuh.“ …

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Ich hatte Mühe, mein Grienen aus dem Gesicht zu bekommen.
Das Beste ist, ich gebe es einfach an Euch weiter.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Badezimmergenießer

… „Kein Mensch braucht eine solche Ewigkeit, wie du! Du vertrödelst einen Haufen Zeit!  Ich frage mich, wie lange du im Bad brauchst! Was machst du dort so lange?…“, nörgelt und nervt er. Sie dreht die Augen nach oben, brabbelt irgend etwas und wendet sich von ihm ab.

Neulich:
„Ich liebe meine Zeit im Bad. Weißt Du, ich brauche immer eine Stunde. Das Bad ist für mich ein heiliger und wichtiger Raum …“ , schwärmt mein Vater, als er mir seine neue Wohnung präsentiert.

Ich muss grinsen. Jetzt weiß ich, woher ich das habe 😉

Das Badezimmer ist auch für mich viel mehr, als nur der Ort für Hygiene und Styling. Es ist ein Platz des Abtauchens, meinen Gedanken freien Lauf lassen können. Zeit, die nur mir ganz allein gehört.
Und für alle Badezimmergenießer: Ein klares Nein! Es gibt keinen Grund, sich dafür rechtfertigen zu müssen.

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Genießt auch Ihr Eure Zeit im Bad?

Einen frischen Tag wünscht Euch
Eure Petra Kolossa.

Glas ist Glas

Oh wow! Ist das ein geniales Anwesen, denke ich. Eingekuschelt in einem beeindruckend angelegtem parkähnlichem Grundstück überrascht mich das Glashaus. Die riesigen Scheiben werden von wenig naturbelassenem Holz gehalten.
Ein jeder kann Einblick nehmen in das Innenleben dieses Gebäudes. Das ist von den Bewohnern so gewollt, denke ich. Kurz verharre ich und lasse das Interieur auf mich wirken. Menschen, die etwas erreicht haben, es genießen und sich gern bewundern lassen.

Ich klingele an der Tür und trete ein Stück zurück. Im Haus höre ich, und ich sehe es, wie der Bewohner die Treppe herunter kommt, um zur Tür zu gehen. Ich muss mir ein breites Grienen unterdrücken. Er steckt den Kopf durch den Türspalt und begrüßt mich. Sein Blick erfasst mein Namensschild an der Lederjacke. Er strahlt mich an. Alles klar, sagt er. Sie haben Post geschickt. Warten sie kurz. Ich muss mir nur schnell eine Hose anziehen. Dann können wir reden.

Als wenn ich das nicht schon längst gesehen hätte!

Herzlich, Eure Petra.

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Foto: Astrid Gast, Oy-Mittelberg

 

Einfach mal die Fliege machen?!

„Ich fühle mich gerade verarscht“, unterbricht er die eisige Stille am sonntäglichen Frühstückstisch. Sie sitzen sich gegenüber. Jeder würgt seine Brötchenhälfte herunter. Wie immer: Er die obere, sie untere Hälfte. Er mit heißer Schokolade, sie mit einem starken Kaffee.
„Wer verarscht dich?“, fragt sie.
„Ich hatte das schon alles. Muss ich nicht wieder haben.“
„Was meinst du?“
„Stehst den frühen Morgen mit deinem Telefon im Bad und tippst irgend etwas! Wer soll deine Ausrede glauben?“ Nach einer kurzen Pause: „Wenn da was ist, sag Bescheid! Dann mach‘ ich die Fliege.“
„Dann machst du die Fliege?“, fragt sie nach ein paar Sekunden nachdenklich.

Okay, als er sie am Morgen im Bad beim Tippen auf ihrem Handy erwischte, hätte sie sich wahrlich besser eine Ausrede einfallen lassen können. Auch wenn ihre Begründung stimmen mag, ist sie doch etwas dämlich.

„Denkst du, ich habe nicht bemerkt, dass du immer die Seiten auf deinem Telefon schließt, wenn ich in deiner Nähe bin?“, gibt er von dumpfer Ahnung getrieben noch zu.

Sie sagt nicht, dass da etwas ist.
Sie sagt nicht, dass da etwas nicht ist.
Sie lässt das frei im Raum stehen.

Ich spüre, wie er mit sich ringt, die Frage konkret zu stellen. Er tut es nicht.
Und ich spüre, wie sehr sie seine Reaktion auf diese Situation quält.
Einfach mal die Fliege machen.
Vielleicht befreit es ihn, aus einer inzwischen mehr freundschaftlich-kumpelhaften als einer Liebesbeziehung begründet zu entkommen?
Kampflos die Fliege machen?
Türe zuschlagen und abhauen?

Als sie gingen, um ihrer Tagesbeschäftigung nachzugehen, bleibt Unausgesprochenes im Raum und nicht in Worte gefasste echte Gefühle.

Heute sehr nachdenklich,

Eure Petra Kolossa.

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Fotografin: Astrid Gast

 

Kabarett Warteschlange

Freitag Nachmittag. Da muss man schon Gegurke auf den Straßen hinnehmen. Ist doch klar: Freitag nach eins, macht jeder seins. Alle wollen nach irgendwo, hauptsache weg von ihrer Arbeit.
Endlich angekommen ist auch klar, dass ich mich bei der Post irgendwo als zwölfte oder fünfzehnte einreihe. Es dauert nur Sekunden. Ich bin nicht mehr die Letzte, nur noch ein Glied in der Warteschlange.

„Was? Nach Australien soll das?“, höre ich die Dame hinter der Theke in breitem Dialekt. Sie wiegt das große Paket und ergänzt:  „Das kostet aber was!“
„Noi, nicht Australien! Nach Austria“, erklärt ihr Kunde.
„Sag ich doch!“.
„Noi! Da steht doch Wien!“, weist er ungeduldig hin.
„Was, gibt’s in Australien auch ein Wien? Ich kenne nur eines in Österreich“, sagt sie.
„Das ist doch Österreich!!“, bekommt sie deutlich zu hören.
„Und warum schreiben sie’s nicht hin?!“ …

Und nun soll mal einer sagen, das Warten in einer Schlange sei langweilig.

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Ich bekomme das Grienen nicht aus dem Gesicht.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.
Foto: Astrid Gast

Logisch?

„Nutzen sie ein Smartphone?“, frage ich.
„Ja, logisch!“ Er lacht.
„Welches Betriebssystem?“, löchere ich weiter.
„Asteroid“, sagt er und ergänzt: „So eins mit einer Payback-Karte zum Aufladen.“

In diesem Moment wird mir bewusst, wie uns die Wortschöpfung im täglichen Leben erschlägt. Besonders hart trifft es die, die sich unter einem Begriff nicht viel vorstellen können. Schon immer fiel es dem einen leicht, dem anderen schwer, Vokabeln zu lernen.

Ein bissle grübelnd, Eure Petra Kolossa.

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… aufgeschnappt und ausgespuckt

Noch knapp zwanzig Minuten, dann wird die Fähre anlegen und mich gemütlich von Konstanz nach Friedrichshafen schippern.

Auf einer bequemen Bank, mache ich mich breit. Mein Blick ruht auf dem Hafen. Wie doch dieser grässliche Betonklotz die Kulisse ruiniert, denke ich.

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Bild: Holger Wagner

Herrlich, noch eine viertel Stunde Zeit, ich krame meinen Tolino aus der Tasche, schlage ihn auf, um in meinem Buch zu lesen.
Gerade habe ich mich in die ersten Zeilen vertieft, als sich zwei Männer laut diskutierend auf der anderen Seite meiner in Beschlag genommenen Bank fallen lassen.

„Ick kann dir sagen, ick hab nischt, aber überhaupt nischt gegen die. Die können nischt dafür, dass die dort untergekommen wurden, wo die jetze sind“, erklärt der eine dem anderen in einem saloppen Slang. „Und weeste, der zuvor da war, den se rausgehauen haben, weil dat arme Schwein ’ne Tüte mit abgelaufenen Fressalien mitgehen ließ, war och in Ordnung. Irgendwo aus Asien kam der, ick wees nich genau.“
„Ist der blöd? Warum macht der so was?“
„Gelegenheit, einfach Gelegenheit. Lag ja sozusagen im Müll“, sagt er und redet gleich weiter. „Hast du schon mal einen gesehen, der bei ’ner Reinigungskolonne reich geworden ist?“
„Nö. Aber jeder weiß, dass das verboten ist.“
„Klugscheißer!“

Die zwei zünden sich eine Zigarette an und ich fühle mich ertappt, weil ich total neugierig dem Gespräch folge. Meine Augen stieren auf Tolino und die Ohren hängen am Gespräch hinter meinem Rücken.

Der eine stößt seinen Qualm genussvoll  aus und nimmt das Gespräch wieder auf:
„Tja, und jetze ham wir ’nen Schwarzen. Der is bestimmt ein cooler Typ. Kann schon sein. Nur versteht der keen Wort Deutsch. Es heißt, der würde Deutsch lernen, aber ick merk nischt davon. Is ja ooch alles jut.“ Er überlegt kurz und meint: „Weeste, die armen Kerle könn nischt dafür. Die Politiker, die dat eingerührt haben, die allet off die janz unten abwälzen, die interessiert dat nich, wie wir klar kommen.“
„Hör mir auf mit Politik, die ist mir egal“, sagt der andere.
„Sollte aber nicht. Allet is Politik“, belehrt der erste. „Pass uff. Der Schwarze kam zu mir und wollte irgend etwas. Ick hab ihn ja nich verstanden. Dann begriff ick, dass ick ihm irgendeine Maschine erklären sollte, die ick selber nie bedient habe.“ Er schnaubt kurz:  „Sollte da mal einen Kurs machen. Unbezahlt! Dat bei Mindestlohn. Hab’s mir bisher verkniffen“, ergänzt er.
„Also gleich mal zwei Unbekannte. Sprache und Technik!“, warf der andere altklug ein. „Jo, so könnte man sagen. Dann kam noch die aus dem Büro oben dazu. Die meinte, die Chefin hätte gesagt, ick solle ihm dat erklären. Ick sagte, wie soll ick dat erklären, wenn der mich nicht versteht? Da meinte die, ick soll mir Mühe geben. Da hab ick ihr gesagt: ‚Richte der Chefin aus, dat sie sich darum kümmern soll, dat Frau Merkel einen Dolmetscher schickt …“

Die Fähre sendet ihr Signal und wird gleich anlegen. Ich schiebe meinen Tolino in die Tasche. Beim Aufstehen drehe ich mich um und sehe die beiden Männer, irgendwo in den Dreißigern,  noch immer rauchend und ernsthaft in ihr Gespräch vertieft.

Ich schlendere zum Anleger und denke bei mir, wie viele Aspekte,  in diesen wenigen, einfachen, Sätzen frequentiert wurden, wie breit doch das politische Geschehen greift und bewegt. – Hass? Nein, Hass hörte ich in keinem Satz.

… etwas nachdenklich, Eure Petra Kolossa.