mal fix telefoniert

„… du hast ja in zwei Tagen Geburtstag. Was hast du geplant?“, fragt mich meine Freundin.

„Du weißt doch, dass ich meinen Geburtstag seit einigen Jahren nicht feiere.“, antworte ich.

„Huch, ja, stimmt. Das kann ich nicht verstehen. Ich brauche das. Aber es macht jeder, wie er es will.“, sagt sie, holt Luft und redet gleich weiter: „Sandra hatte ja auch Geburtstag. Sie werde ich gleich noch anrufen. Am Tag des Geburtstages schicke ich nämlich nur noch WhatsApp. Anrufe stören dann immer so. Ich kann das selbst nicht leiden, wenn ich mich nicht um meine Gäste kümmern kann, weil immerzu das Telefon klingelt.“, schnattert sie. „Ach, und du wirst wirklich gar nichts machen?“

„Nein, ich habe keine Gäste. Es ist außerdem mitten in der Woche. Feste Termine außeralb plante ich keine, aber ich werde in meinem Büro arbeiten. Am Abend ist ein Tisch beim Italiener reserviert. Darauf freue ich mich tatsächlich.“, lasse ich sie wissen.

Zwei Tage später: 08:16 Uhr

Ich sitze an meinem Schreibtisch. Das Smartphone signalisiert eine eingehende WhatsApp. Meine Freundin gratuliert mir zum Geburtstag.

Ich muss grinsen. Eine Sekunde denke ich daran, die Rückruftaste zu drücken. Lasse es aber sein.

Beim Italiener: 19:40 Uhr

Mein Smartphone vibriert. Ich lege das Besteck beiseite. Meine Freundin ruft an … Ich wahre Contenance und muss in mich hineinlächeln.

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Heute am Morgen denke ich an diese Episode. Und es wird mir bewusst, wie flüchtig und oberflächlich wir in vielen Dingen sind. Oftmals wird ein Gespräch zum Smalltalk und wir vergessen das wahre Zuhören.

Ich nehme jetzt einen Schluck klärendes Wasser aus meinem Lieblingsglas und bitte meine Episodengeberin herzlich, mir diesen Beitrag zu verzeihen.

Euch allen wünsche ich einen angenehmen Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

PS: Ihr habt ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder Ihr wollt einfach etwas zu diesem Thema sagen? Ich freue mich auf Eure Zeilen. Schreibt sie einfach unten in das Kommentarfeld 😊

Gebürstet, nicht genagelt

Sie eilt in den Laden. Orientierungslos irrt ihr Blick über die unendlich vielen Regale.

„Kann ich ihnen helfen?“, wird sie angesprochen. „Oh ja, bitte. Ich suche eine Nagelbürste.“ Die Verkäuferin wiederholt. „Eine Nagelbürste?“ „Ja. Eine Nagelbürste.“ „OK. Dann sollten wir in die Werkzeugabteilung gehen.“ Angekommen, zeigt sie der Kundin die Auslagen.

„Hier sind Drahtbürsten in verschiedenen Größen. Aber eine Nagelbürste kenne ich so nicht. Sie meinen, dass die Borsten besonders stark sind?“ Die Kundin schaut die Verkäuferin verwundert an. „Nein. Ich meine eine Bürste, mit der ich meine Fingernägel bürsten kann.“

„Oh, entschuldigen sie bitte. Ich verstand sie nicht richtig. So lassen sie uns bitte in die Haushaltwarenabeilung gehen. Dort finden sie eine reichliche Auswahl an derartigen Bürsten.“

…und ich entdecke an mir, dass ich diese Art von Bürsten ebenfalls falsch definiere. Mein Leben lang nannte ich das praktische und immer griffbereite Teil am Waschbecken Handbürste. Ich übergab das Wort Google. Tatsächlich sind es Nagelbürsten. Jedoch scheint es mehr Leute, wie mich zu geben. Denn unter Handbürste werden auch diese korrekt bezeichneten Nagelbürsten angezeigt. Zum Glück ist das Netz so sehr schlau 😉

Kommt gut fein fingernagelhandgebürstet in Euren Tag.

Herzlich, Euche Petra Kolossa.

Sender-Empfänger …

Beim Vorbeifahren lese ich „Expert“ und ich nehme spontan die nächste Parklücke. Seit ein paar Tagen nahm ich mir vor, einen Elektronikmarkt aufzusuchen. Jetzt endlich will ich das erledigen.

Flotten Schrittes betrete ich das Geschäft. Da ich genau weiß, was ich will, scanne ich zielgerichtet die Regale und schlage die Richtung zu dem Zubehör für Computer, Tablets und so weiter ein.

Der Markt ist mäßig besucht. Ein junger Mitarbeiter kommt auf mich zu. „Kann ich ihnen helfen?“, fragt er mich.

„Ja, gern dürfen sie mir helfen. Ich suche einen USB-Stick, den ich kompatibel an meinem Telefon, Tablet und am PC verwenden kann. Also solch einen, mit dem ich meine Daten auf verschiedenen Geräten switchen kann.“

Er schaut mich fragend an. „Sie wollen Daten von ihrem Telefon über einen USB-Stick laden?“

„Ja, na klar. Meine Dateien, Bilder, eine Datensicherung etc.“, antworte ich ihm.

„Sie haben Bilder auf ihrem Telefon?“, fragt er ungläubig.

„Haben sie das nicht?“, frage ich zurück.

„Nein. Ich möchte sie noch einmal fragen. Sie wollen also einen USB-Stick, um den mit ihrem Telefon, dem PC und einem Tablet hin und her zu verwenden?“

„Ja. Das gibt es. Ich weiß es.“

„Ich sage ihnen ehrlich. Mir ist es vollkommen neu, dass so etwas mit einem Telefon möglich ist. Was haben sie für ein Telefon?“

„Ein Samsung, 8plus.„, sage ich langsam genervt und neige dazu, mich zu bedanken und mich selbst danach umzuschauen.

„Ach!!!“, ruft er erleichtert aus. „Sie meinen ein Smartphone! Warum sprechen sie immer von einem Telefon?“

Gut, er gab mir letztendlich das von mir gesuchte Teil.

War das wirklich nur ein Sender-Empfänger-Problem? … ich fühlte mich in diesem Augenblick verdammt alt. Schließlich komme ich aus einer Zeit, in der ich mit einer Handvoll Kleingeld an der Telefonzelle anstand, um zu telefonieren.

Liebe Grüße in Euren zweiten Weihnachtsfeiertag 🎄🕊

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Ka-Ka-Ka-Brot

Ich denke: Karottenbrot.

Sage zu der Verkäuferin: Kartoffelbrot

Und erhalte ein Kastenbrot.

Ich zahle und nehme dieses weiße Brot kopfschüttelnd mit.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Nicht immer klappt es mit der Macht der Gedanken.

Einen schönen Freitagabend wünscht Euch, Eure Petra Kolossa.

Kuh oder Schaf

Es ist heiß geworden und das Wasser in meiner Tasche aufgebraucht. Soeben nahm ich die nächste Gelegenheit wahr und kaufte in diesem Döner-Imbiss eine Flasche Wasser. Ich fummelte an meiner Tasche, um die Flasche zu verstauen, als ein junger Mann mit seiner Freundin in den Laden gesprungen kam und die Verkäuferin fragte:
„Ist der Schaftskäse für den Döner von der Kuh oder vom Schaf?“
„Das von Kuh.“, bekam er zur Antwort.
Er schaut seine Freundin an. Sie nickt.
„OK“, sagt er. „So nehmen wir zwei von den Dönern mit dem Schaftskäse von der Kuh.“ …

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Ich hatte Mühe, mein Grienen aus dem Gesicht zu bekommen.
Das Beste ist, ich gebe es einfach an Euch weiter.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Badezimmergenießer

… „Kein Mensch braucht eine solche Ewigkeit, wie du! Du vertrödelst einen Haufen Zeit!  Ich frage mich, wie lange du im Bad brauchst! Was machst du dort so lange?…“, nörgelt und nervt er. Sie dreht die Augen nach oben, brabbelt irgend etwas und wendet sich von ihm ab.

Neulich:
„Ich liebe meine Zeit im Bad. Weißt Du, ich brauche immer eine Stunde. Das Bad ist für mich ein heiliger und wichtiger Raum …“ , schwärmt mein Vater, als er mir seine neue Wohnung präsentiert.

Ich muss grinsen. Jetzt weiß ich, woher ich das habe 😉

Das Badezimmer ist auch für mich viel mehr, als nur der Ort für Hygiene und Styling. Es ist ein Platz des Abtauchens, meinen Gedanken freien Lauf lassen können. Zeit, die nur mir ganz allein gehört.
Und für alle Badezimmergenießer: Ein klares Nein! Es gibt keinen Grund, sich dafür rechtfertigen zu müssen.

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Genießt auch Ihr Eure Zeit im Bad?

Einen frischen Tag wünscht Euch
Eure Petra Kolossa.

Glas ist Glas

Oh wow! Ist das ein geniales Anwesen, denke ich. Eingekuschelt in einem beeindruckend angelegtem parkähnlichem Grundstück überrascht mich das Glashaus. Die riesigen Scheiben werden von wenig naturbelassenem Holz gehalten.
Ein jeder kann Einblick nehmen in das Innenleben dieses Gebäudes. Das ist von den Bewohnern so gewollt, denke ich. Kurz verharre ich und lasse das Interieur auf mich wirken. Menschen, die etwas erreicht haben, es genießen und sich gern bewundern lassen.

Ich klingele an der Tür und trete ein Stück zurück. Im Haus höre ich, und ich sehe es, wie der Bewohner die Treppe herunter kommt, um zur Tür zu gehen. Ich muss mir ein breites Grienen unterdrücken. Er steckt den Kopf durch den Türspalt und begrüßt mich. Sein Blick erfasst mein Namensschild an der Lederjacke. Er strahlt mich an. Alles klar, sagt er. Sie haben Post geschickt. Warten sie kurz. Ich muss mir nur schnell eine Hose anziehen. Dann können wir reden.

Als wenn ich das nicht schon längst gesehen hätte!

Herzlich, Eure Petra.

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Foto: Astrid Gast, Oy-Mittelberg

 

Einfach mal die Fliege machen?!

„Ich fühle mich gerade verarscht“, unterbricht er die eisige Stille am sonntäglichen Frühstückstisch. Sie sitzen sich gegenüber. Jeder würgt seine Brötchenhälfte herunter. Wie immer: Er die obere, sie untere Hälfte. Er mit heißer Schokolade, sie mit einem starken Kaffee.
„Wer verarscht dich?“, fragt sie.
„Ich hatte das schon alles. Muss ich nicht wieder haben.“
„Was meinst du?“
„Stehst den frühen Morgen mit deinem Telefon im Bad und tippst irgend etwas! Wer soll deine Ausrede glauben?“ Nach einer kurzen Pause: „Wenn da was ist, sag Bescheid! Dann mach‘ ich die Fliege.“
„Dann machst du die Fliege?“, fragt sie nach ein paar Sekunden nachdenklich.

Okay, als er sie am Morgen im Bad beim Tippen auf ihrem Handy erwischte, hätte sie sich wahrlich besser eine Ausrede einfallen lassen können. Auch wenn ihre Begründung stimmen mag, ist sie doch etwas dämlich.

„Denkst du, ich habe nicht bemerkt, dass du immer die Seiten auf deinem Telefon schließt, wenn ich in deiner Nähe bin?“, gibt er von dumpfer Ahnung getrieben noch zu.

Sie sagt nicht, dass da etwas ist.
Sie sagt nicht, dass da etwas nicht ist.
Sie lässt das frei im Raum stehen.

Ich spüre, wie er mit sich ringt, die Frage konkret zu stellen. Er tut es nicht.
Und ich spüre, wie sehr sie seine Reaktion auf diese Situation quält.
Einfach mal die Fliege machen.
Vielleicht befreit es ihn, aus einer inzwischen mehr freundschaftlich-kumpelhaften als einer Liebesbeziehung begründet zu entkommen?
Kampflos die Fliege machen?
Türe zuschlagen und abhauen?

Als sie gingen, um ihrer Tagesbeschäftigung nachzugehen, bleibt Unausgesprochenes im Raum und nicht in Worte gefasste echte Gefühle.

Heute sehr nachdenklich,

Eure Petra Kolossa.

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Fotografin: Astrid Gast

 

Kabarett Warteschlange

Freitag Nachmittag. Da muss man schon Gegurke auf den Straßen hinnehmen. Ist doch klar: Freitag nach eins, macht jeder seins. Alle wollen nach irgendwo, hauptsache weg von ihrer Arbeit.
Endlich angekommen ist auch klar, dass ich mich bei der Post irgendwo als zwölfte oder fünfzehnte einreihe. Es dauert nur Sekunden. Ich bin nicht mehr die Letzte, nur noch ein Glied in der Warteschlange.

„Was? Nach Australien soll das?“, höre ich die Dame hinter der Theke in breitem Dialekt. Sie wiegt das große Paket und ergänzt:  „Das kostet aber was!“
„Noi, nicht Australien! Nach Austria“, erklärt ihr Kunde.
„Sag ich doch!“.
„Noi! Da steht doch Wien!“, weist er ungeduldig hin.
„Was, gibt’s in Australien auch ein Wien? Ich kenne nur eines in Österreich“, sagt sie.
„Das ist doch Österreich!!“, bekommt sie deutlich zu hören.
„Und warum schreiben sie’s nicht hin?!“ …

Und nun soll mal einer sagen, das Warten in einer Schlange sei langweilig.

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Ich bekomme das Grienen nicht aus dem Gesicht.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.
Foto: Astrid Gast

Logisch?

„Nutzen sie ein Smartphone?“, frage ich.
„Ja, logisch!“ Er lacht.
„Welches Betriebssystem?“, löchere ich weiter.
„Asteroid“, sagt er und ergänzt: „So eins mit einer Payback-Karte zum Aufladen.“

In diesem Moment wird mir bewusst, wie uns die Wortschöpfung im täglichen Leben erschlägt. Besonders hart trifft es die, die sich unter einem Begriff nicht viel vorstellen können. Schon immer fiel es dem einen leicht, dem anderen schwer, Vokabeln zu lernen.

Ein bissle grübelnd, Eure Petra Kolossa.

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