Petze, Petze ging in Laden, wollte …

Vor zwei oder drei Jahren unterhielt ich mich mit meinem Freund im entfernten Afrika über besondere Charaktereigenschaften der Deutschen. Eigentlich unterhielt er sich mit mir darüber. Er warf so einige Dinge in den Raum, die er über Deutsche gehört, gelesen oder im TV oder im Internet sah. Selbst hat er unser Land noch nie betreten. Nun, mir als Deutsche ist natürlich bekannt, welche Tugenden oder auch Nicht-Tugenden uns nachgesagt werden. Man findet auch unendlich viele Beiträge im Netz dazu. Ich habe hier ein Beispiel verlinkt. Es ist amüsant zu lesen, wie ein Durchschnittsdeutscher, also ein Alman, sein Fett mit einem Augenzwinkern verpasst bekommt.

Unter anderem sagte er, dass Deutsche Verräter seien. Ich glaubte bei seiner Feststellung an einen Übersetzungsfehler und hinterfragte das noch einmal. Er meinte: „Naja, ihr Deutschen seid Denunzianten.“ Ich fühlte mich beleidigt, irgendwie angegriffen als Deutsche. Ich verpetze keinen oder zeige keinen an. Ich stellte dann fest: „Du meinst die Erfahrungen aus den letzten Weltkriegen?“ Er musste lachen. „Nein. Ihr seid einfach so. Das weiß doch die ganze Welt. Stelle dich nicht so dumm.“

Ich stellte mich nicht dumm. Es kratzte an meinem Stolz und ich wollte das einfach nicht hören. Dieses kurze Gespräch von damals kam immer mal wieder in mein Gedächtnis. Ich musste unter anderem an eine banale Begebenheit denken, als ich in Abwesenheit  die Pflanzenpflege in einer Wohnung übernahm. Ich wohnte damals eine Etage höher in dem Haus.

Die Gießkanne befüllte ich am Spülbecken in der Küche. An der Wand darüber hing ein Kalender. Ich glaubte meinen Augen nicht, was ich dort in steiler Schrift geschrieben las.  Jeder Schritt, den ich tat, wurde dort festgehalten. Wann ich nach Hause kam, wann ich ging, wann ich Wäsche gewaschen habe, wer wann zu Besuch kam und so weiter. Mir ist in diesem Moment regelrecht schlecht geworden. Ich fragte mich, warum sie das tat und wofür sie das brauchte. Jedoch sprach ich das nie an. Mir war es auch peinlich, das gelesen zu haben. Denn ich hätte es niemals gewusst, wenn ich nicht dort diese Wasserkanne gefüllt hätte und währenddessen das Wasser dort hineinlief mein Blick wandern ging, zum Fenster rausschaute, diesen Kalnder betrachtete … Was mich aber sehr bewegte, und das bis heute: Tat sie das auch mit anderen Personen? Wenn ja, warum? Sie wäre auf diese Weise immer aussagefähig, was ihr Umfeld betraf. Nun, ist das ein Zug dieser hässlichen „weltbekannten“ Eigenschaft der Deutschen?

Gestern begegnete mir ein Zeitungsartikel aus Mecklenburg Vorpommern. Dieser tönt in der Überschrift: „Bürger überwachen Bürger – MV testet neue App“. Als ich das las, ist mir beinahe meine Tasse Kaffee aus der Hand gefallen. Und das war der Auslöser für dieses Blog.  Es heißt unter anderem in diesem Beitrag: „Ob Ordnungswidrigkeiten oder der Ärger über unachtsame Mitmenschen: In Mecklenburg-Vorpommern sollen Bürger und Ämter in Zukunft per App besser zusammenarbeiten. …  Nutzer können ihr Anliegen loswerden, ohne sich darum kümmern zu müssen … “ (zitiert)

Das ganze Ding hat tatsächlich einen faden Beigeschmack. Statt aufeinander zuzugehen und uns gegenseitig auf Unzulänglichkeiten aufmerksam zu machen, verpfeifen wir uns gegenseitig und brauchen uns um nichts weiter zu kümmern. Der andere bekommt sein Fett weg und gut ist es. Noch sind es vielleicht die Falschparker, der Nachbar, der nach 22 Uhr zu laut Musik hört, die Frau, die ihre Maske nicht korrekt über Mund und Nase trug, der Junge von ein paar Häuser weiter, der heimlich in der Nähe eines Spielplatzes seine Kippe raucht und so weiter und so fort. Wenn das Ganze eine Weile zur Routine wird, ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur nächsten Ebene. Ich will es nicht ausschmücken. Das ganze Dilemma ist uns allen aus der Geschichte der letzten Weltkriege bekannt. Aus meiner Sicht ist dieses „Bürger überwachen Bürger“ gerade in der augenblicklichen Situation unseres gesellschaftlich gespaltenen Landes ein absolutes No Go!

Als ich Kind war, zeigten wir mit dem Finger auf die, die petzen gingen. Das war so ziemlich das Schlimmste, was sich ein Klassenkamerad leisten konnte. Alle riefen: „Petze, Petze ging in Laden, wollte drei Pfund Käse haben. Drei Pfund Käse gab es nicht, Petze, Petze ärgert sich.“  Wenn das einer tat, ging er heimlich zum Lehrer und versuchte es mit leiser Stimme und unruhigem ängstlichem Blick dem Lehrer beizubringen. Meistens erfolglos. Wir lernten in der Schulzeit miteinander umzugehen, aufeinander zuzugehen und Auseinandersetzungen offensiv zu begegnen. Die Lehrer waren erfahren genug, um diese Dinge zu sehen und zu fühlen, um hilfreich zu führen und zu schlichten.

Nun frage ich mich, weshalb wir Erwachsenen das nicht mehr können sollen.

Ich lehne dieses „Bürger überwachen Bürger“ strikt ab.

Wie stehst Du dazu? Ist diese App eine gute Sache? Oder geht diese zu weit?

Schreibe es bitte einfach unten in das Kommentarfeld.

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Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Das N-Wort

Soeben las ich die News und stolperte über etliche Beiträge zu einem Thema. Die Grünen-Kanzlerinkandidatin Annalena Baerbock habe in einem Interview das N-Wort ausgesprochen. Also das, was sie sagen wollte, einfach beim Namen genannt. Man stellte in den einzelnen Berichten noch fest, dass sie selbst die verurteilt habe, die in der Vergangenheit dieses N-Wort gebrauchten.

Und das machte mich jetzt tatsächlich neugierig. Denn ich bemerke, dass ich ab und an ziemlich naiv durchs Leben tapse. Ich habe nur eine schwache Ahnung, was dieses N-Wort sein mag. Es gab ein kleines Video, das aufgenommen wurde, als sie dieses N-Wort verwendete. Ich startete diesen kurzen Film und musste wirklich lachen. An dieser Stelle, als sie dieses Wort aussprach, gibt es einen Piepston. Es wurde also tatsächlich weggepiepst. Unglaublich.

Also gab ich das bei Google ein und fand nach x-vielen Beiträgen, in denen ausschließlich dieses Wort mit „N-Wort“ umschrieben wird, einen Beitrag von Wikipedia, der vor sechs Stunden aktualisiert wurde, wie ich lesen konnte. Ich bin jetzt ganz „mutig“ und schreibe dieses Wort als das Wort, was aus meiner Sicht total dämlich als N-Wort bezeichnet wird. Wikipedia schreibt es in der Überschrift zu diesem Beitrag. Es ist das Wort Neger. Ich habe es hier verlinkt.

Ich sinniere über dieses Wort, das ich sehr, sehr selten verwende. Ich tue es unbewusst. Niemals denke ich darüber nach, es nicht zu tun. Denn in mir steckt kein Hass, in keiner Richtung. Als sehr kleines Mädchen bekam ich ein Negerpüppchen geschenkt. Es gibt noch Fotos von damals, wo ich in einem niedrigen Kinderwagen diese Puppe in den Armen hielt.

Bild: privat

Während ich schreibe, denke ich darüber nach, wie ich diese Puppe von damals heute beschreiben sollte. Es ist das, was es damals war. Es wäre völliger Unsinn, es anders zu bezeichnen. Es gehört einfach in diese Zeit der Fünfziger oder Sechsziger. Und es steckt keinerlei Gedankengift oder gar Diskriminierung oder Beleidigung in meinen Gedanken oder in der Bezeichnung für diese Puppe, wenn ich heute an diese Zeit vor über sechszig Jahren zurückdenke.

Es ist mir unerklärlich, dass es überhaupt möglich ist, Wörter aus dem Sprachgebrauch zu liquidieren und das Verwenden dieser zu verbieten. Es quält mich, dass unsere deutsche Sprache als politisches Mittel missbraucht wird, dass wir Deutschen durch Verbiegen der Sprache eine Erziehung, gar Maßregelung, erfahren. Erinnert sei auch an dieses Gendern. Und mir ist unerklärlich, weshalb wir das Spiel mitspielen und uns hinter Phantasienamen, wie das „N-Wort“, verstecken und letztendlich das Gleiche meinen.

Wie stehst Du zu diesem Thema? Gern schreibe es einfach unten im Kommentar.

Ich werde mich jetzt mit einem Kaffee stärken …

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Vom Fischen und so

„Fischen ist entspannend. Es wird Dir gefallen“, sagt Ulf. „Du kommst völlig runter. Lauschst rein in die Natur. Nimmst alles ganz genau wahr, das kleinste Geräusch, jedes Knirschen. Wenn du die Ohren spitzt, hörst du die Schnecken trampeln.“ Ulf lacht und hält mir einen fetten Regenwurm entgegen. „Das ist nicht dein Ernst! Du erwartest, dass ich dieses arme Würstchen auf den brutalen Haken pieke?“ Ein Grinsen macht sich in seinem Gesicht breit, so ein ‚verstehe schon‘. Routiniert schiebt er den Haken durch den Wurm, reicht mir die Angel und deutet mir mit einer Handbewegung, mich hinzusetzen und die Klappe zu halten. Ich füge mich.

So hocke ich auf solch einem minimalistischen Angler-Dreibein. Die kühle Feuchtigkeit des frühen Morgens kriecht durch das Leinen. Mich fröstelt. Mein Hinterteil wird allmählich kalt und gefühllos. Es ist gruselig still. Der Kanal liegt ruhig, dunkel und schwer in seinem Bett. Wir sitzen im Schilf, halten die Ruten und glotzen ins Wasser. Es riecht erdig und moderig.

„Ist das nicht herrlich!“, höre ich Ulf flüstern. „Dieser Morgen, so unberührt, die weichen Nebelschwaden gleichen den Waldfeen“, schwärmt er. Unweigerlich zieht es mir die Augenbrauen hoch. Ich werfe einen kurzen Seitenblick auf ihn. Er sitzt breitbeinig, zufrieden und entspannt.

Oh Mist, denke ich. Meine Angel scheint sich verhakt zu haben. Ich zerre daran herum und versuche, diese aus dem Nass zu bekommen. „Hör auf damit! Da hat einer gebissen!“, weist mich Ulf zurecht. „Und was soll ich jetzt machen? Die Rute hängt fest!“ „Anfängerglück!“, brummt Ulf. „Das ist mir doch egal!“, fauche ich zurück. „Gib her!“ Ulf reißt mir die Rute aus der Hand und holt den zappelnden Fisch aus dem Wasser. „Hier! Hast einen Barsch erwischt. Mache ihn ab. Der ist zu klein. Den werfen wir wieder ins Wasser.“ Oh nein! ich kann es kaum ertragen. Der Widerhaken hat sich durch die Unterlippe geschoben und diese verletzt. Wie soll ich den Haken herausziehen, ohne das Mäulchen zu zerreißen?

„Na komm! Mach hin!“, drängelt Ulf. „Ich kann nicht!“, sage ich. Ulf starrt mich an. Offensichtlich bemüht, die Contenance zu wahren. Ich halte ihm die Angel hin. Er nimmt sie wortlos ab, zieht den Haken aus dem Maul. Wirft mit seiner Rechten den Fisch ins Wasser, ohne seinen bohrenden Blick von mir zu nehmen.

„Hast du schon einmal Walfängern bei ihrer Arbeit zugeschaut?“, frage ich Ulf. „Nein, jedoch sah ich eine Doku. Walfang, ein umstrittenes Thema. Es scheint nicht kontrollierbar. Warum fragst du?“ Ich suche nach Worten. Sicher ist es albern, Wale mit einem kleinen Barsch zu vergleichen, wie einen Liebhaberangler mit einem Walfänger, ein kleines von einem Widerhaken zerfetztes Barschmäulchen mit einem brutal von Harpunen gequälten und dann in Stücke zerlegten großen Wal, wie einen Walfänger, der mit seiner Hände Arbeit den Unterhalt seiner Familie erwirtschaftet, mit einem Hobbyfischer. Mit einer schnellen Handbewegung wische ich meine Gedanken samt Ulfs Frage beiseite.

Ich schaue ihn an und frage: „Warum musst du Fische angeln, die unweigerlich verletzt werden, wenn du sie doch nicht essen wirst? Du magst die Natur am Morgen. Genieße sie einfach ohne deinen Angelhaken!“

Ulf guckt mich verständnislos an. Schüttelt den Kopf und meint: „Komm, lass uns einpacken. Das wird nix mit uns.“

Ich denke so darüber nach und stelle für mich fest, dass ich keine Frau kenne, die angelt oder fischt. Woran mag das wohl liegen 🤔

Überall dort, wo Angeln ins Wasser geworfen werden, stehen nur Männger aufgereiht am Ufer… Ich werde dieser Sache irgendwann einmal auf den Grund gehen. Oder kannst Du mir eine Antwort darauf geben? Schreibe es einfach unten in das Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

… und wenn Du meinen Blog noch nicht abonniert hast, auf der rechten Seite findest Du einen Button, mit dem Du es ganz einfach mit Deiner Emailadresse tun kannst.

Aber nun genug!

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Einfach nur ein Telefonat

Gedankenverloren greife ich nach meinem in der Tasche vibrierenden Smartphone und nehme das Gespräch an.

„Was ich mache? Du störst mich in einer Galerie. Nein, du  weißt doch, dass ich gerne in die kleine auf die Buchenstraße gehe. Sie haben letzte Woche umgehängt. Sind recht interessante Stücke dabei. Solltest dir in den nächsten Tagen ein Stündchen nehmen. Es wird dir gefallen.

Nein, ich bin nicht genervt. Ich stehe vor einem Druck in schwarz-weiß. Es ist leider kein guter. Das Bild fesselt mich irgendwie. Es ist ohne Titel. Keine Ahnung, wer das wann gemalt haben könnte. Was da drauf ist? Da sitzt einer mit Zipfelmütze und Pumphosen auf einem Hocker in einem Kellerloch, hat die Arme vor der Brust verschränkt. Ist es Abwehr, oder ist ihm kalt? Seine Füße baumeln in der Luft. So, als fehle ihm jeglicher Halt. Vielleicht es er aber nur erschöpft, oder mutlos.

Durch ein vergittertes Fenster fällt etwas Sonnenlicht in diesen Raum. So, als würde es einen Hauch Hoffnung bringen. Ist er eingekerkert, oder wohnt er dort? Sind die Gitter zu seinem Schutze, weil das Fenster der Kellerwohnung ebenerdig ist oder schützt man sich vor ihm? Der Kellerraum ist schmucklos, pur in Steinquadern.

Aus welchem Jahr das sein könnte? Keine Ahnug, ich denke, es stammt aus der Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts. Dieses Bild erinnert mich an Spitzweg. Bin mir aber nicht sicher.

So, jetzt weißt du Bescheid. Ich guck mal noch ein bisschen. Wünsche Dir einen schönen Nachmittag. Man sieht sich!

Wie jetzt? Du hattest nur meine Stimme hören wollen? Alles andere sei sekundär?“

… und ich fühle mich ertappt. Denn ich gehöre tatsächlich zu den Menschen, die privat ganz spontan nicht so gern telefonieren, also zu denen, wo man sagt: Schön, deine Stimme mal wieder zu hören.

Nun ist es oftmals so, dass ich aus meinen Gedanken gerissen werde, meine Arbeit unterbreche, mich ablenke oder wie auch immer. Wenn ich privat telefononiere, möchte ich komplett im Gespräch sein und mich auf mein Gegenüber am anderen Ende der Leitung einstellen können. Ich mag keine flüchtigen Gespräche mit mir lieben und wichtigen Menschen. Deshalb bevorzuge ich es, sich zu privaten Telefongesprächen zu treffen. Also einen gemeinsamen Zeitpunkt zu finden, an dem es für beide gut ist. Ich bin dann darauf mit Vorfreude eingestellt und zum Quatschen bereit, ohne immer auf die Uhr zu schauen und zu überlegen, wie ich mich höflich aus der Leitung stehlen könnte.

Wie handhabst Du es mit privaten Telefongesprächen? Schreibe es einfach unten im Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

Übrigens, diese tolle Hülle für Dein mobiles Telefon oder Tablet findest hier in meinem Shop. Es ist ein Ausschnitt aus einem meiner Bilder „zerlesen“. Du kannst dort die passende Größe für Dein Gerät auswählen. Und natürlich gibt es noch viele weitere meiner Designs.

Habt einen schöne Zeit.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Alles Sache der Betrachtung

Eigentlich wohne ich in einer sehr, sehr ruhigen Region im südlichsten Süden Deutschlands. Mitten im Grünen, in einem klitzekleinen Ortsteil, am Hang einer Streuobstwiese, ein Ort im Tal eingekuschelt mit ein paar kleinen Häusern, einer Kirche, einer Bushaltestelle, einem Kindergarten, deren Betrieb wegen der Uneffektivität eingestellt werden sollte und die Eltern den Erhalt hart erkämpften und ein paar kleineren Handwerksunternehmen, die sich meistens an ihren Häuschen ansiedelten.

Seit dem März 2020, also seit dem ersten Lockdown, hat sich mein Arbeitsplatz in das heimische Büro / Atelier verlagert. Und seitdem weiß ich, dass diese vermeintliche Ruhe, die ich zuvor meistens empfand, sich in lauten  Geräuschen von landwirtschaftlichen Maschinen, von Traktoren, in Schleifen, Klopfen und Poltern der angesiedelten Handwerker, den neuen Baustellen der vielen Häuslebauer, dem Läuten der nur einhundert Meter entfernten Kirche und so weiter … auflöst. Wenn dann noch die Rasenmäher und -traktoren hin- und herrattern, dann ist es mit meiner Konzentration fast am Ende. Das geschlossene Fenster dämpft zwar das Drama. Aber es macht zum Beipiel das Arbeiten mit einem Mikrofon, wenn ich die Aufnahmen für meinen Podcast „Hör-Cafè“ mache, fast unmöglich. Es ist tatsächlich eine Herausforderung, ruhige Momente zu finden. Und das ist meistens in der Nacht oder sehr zeitig am Morgen.

Als ich die letzte Sendung aufnahm, gab es wieder einen solchen Moment. Die Häuslebauer beendeten endlich das Schneiden von Steinen mit einer Trennscheibe. Ich dachte: Jippiiie! Endlich! Vorsorglich schließe ich immer alle Fenster und Türen. Ich sprach die ersten Sätze in mein Mikrofon und in diesem Moment sprang ein Motor an. Ein Rasentraktor gurkte hin und her. Ich konnte meine Arbeit nicht fortsetzen und lauerte auf einen ruhigen Moment.

Ich denke, ich empfinde das übersteigert sensitiv, weil ich mich der Situation unmittelbar ausgesetzt fühle. Jeder andere wird das einfach als eine zum Leben dazugehörende sympathische Geräuschkulisse empfinden.

Als also wieder dieser Rasentraktor seine Runden zieht, musste ich an einen kurzen Text denken, den ich vor fünf Jahren schrieb:

Blumenwiese

„Die könnten auch mal wieder ihren Rasen mähen! Wie sieht das aus bei denen? Das ganze Unkraut blüht und wird die Samen verteilen. Überall! Dann wächst das Zeug auch hier noch!“, schnarrt Nachbar Schmidt erbost.

Nachbar Meier wundert sich: „Jetzt haben die schon wieder ihren Rasen geraspelt. Runter auf zwei Zentimeter. Unfassbar! Alles weg, die Gänseblümchen, Taubnessel, Schaumkraut, selbst die Butterblumen!“ —

„Ich frage mich, wozu wir Steuern zahlen! Im ganzen Ortszentrum haben die in diesem Jahr die Rabatten einfach nicht bepflanzt! Das sieht aus, kann ich dir sagen! Überall wächst das Unkraut wild durcheinander!“, ruft Lehmann seiner Frau zu.

Krüger ist begeistert: „Das ist ja so genial! In diesem Jahr haben die von der Gärtnerei die Rabatten als Blumenwiesen gestaltet. Alle erdenklichen Farben strahlen im Sonnenlicht, vom Mohn über Kornblumen, wilde Lilien einfach toll!“ —

„Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?“ Die Originalaufnahme von Marlene Dietrich knarrt aus dem Radio.“ Viktor meckert: „Pazifistisch. Einfach nur pazifistisch! Das kann jeder. Blöde Fragen stellen, aber keine Antworten liefern.“

Der Moderator: „Ein Anti-Kriegs-Song, der uns aufrüttelt, uns ermahnt, zum Nachdenken anregt …“ ———–

Alle Dinge im Leben haben zwei Seiten. Ich führe mir diese Dualität vor Augen und mein kleiner Groll verflüchtigt sich 😉

Genießt den Sonntag und seid herzlich gegrüßt von Eurer Petra Kolossa.

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Heißer Sommer

„Die erste Hitzewelle in diesem Jahr rollt auf uns zu“, so konnten wir es vor etwa zwei Wochen in den Medien hören. Ich sah dunkelroten Wetterkarten und den ermahnenden Finger. Es wurden Temperaturen bis zu zweiunddreißig Grad angekündigt. Und ich dachte: „Na und? Es ist Sommer!“

Nun, ich bin Kind einer Zeit, in der in den Schulen noch große Thermometer hingen und wir Schüler dieses in den Wochen vor den Sommerferien ganz genau beobachteten. Denn wir lauerten auf ein Hitzefrei nach der vierten Unterrichtsstunde. Es war immer die Zeit im Juni. Denn der gesamte Monat Juli und August waren Sommerferien. Damals war es noch ganz einfach. Wir hatten den gesamten Monat Februar Winterferien und Weihnachtsferien, ich glaube eine Woche zuvor. Im Oktober gab es eine Woche Herbstferien. Die eher praktischer Natur war. Wir gingen in die Landwirtschaft am Rande der Stadt, um auf den Feldern die Kartoffeln zu lesen, die die Erntemaschinen nicht erfassten oder in den Obstplantagen zu helfen. Heute würde man wahrscheinlich „Kinderarbeit“ schreien. Wir haben das gern gemacht und wir waren stolz zu helfen. Aber das soll ein anderes Mal Thema sein. 

Aber zurück zu dem riesengroßen Thermometer in der Schule. Dieses Ding hing in der ersten Etage unmittelbar in der Nähe des Lehrerzimmers. In jeder Pause gingen wir gucken, ob die Temperatur endlich die 28 Grad erreicht hat und wir waren hippelig, nach der vierten Stunde das besondere Klingezeichen für Hitzefrei zu hören, um dann johlend schnell den Schulkram in den Ranzen zu verstauen und aus dem Schulgebäude zu fliehen.  Es ging das Gerücht umher, dass der alte Lehrer Mehlhorn gern vor der Pause mit einem dicken nassen Tafelschwamm das Thermometer kurz vor der Pause herunterkühlte. Einmal erwischten wir ihn dabei. Die Kinder protestierten lautstark. Aber wenn ich mich an sein verschmitztes Gesicht erinnere, denke ich, dass er nur Spaß dabei hatte und er uns zeigte, dass er von diesem Gerücht wusste.

Nun, die Temperaturen in den Sommerferien waren in der Regel um die 32 bis 38 Grad. Unerträglich war es dann bei 42 Grad. Dann gab es heftige Sommergewitter und warmen starken Landregen, der in den Wasserlachen auf der Straße Blasen schlug. Es machte uns Spaß, unter dem gleichmäßigen Regen barfuß herumzutoben und uns zu erfrischen. – Es war normal. Es war einfach nur Sommer. Und das war der Grund, weshalb  die Sommerferien in diese Zeit gelegt wurden. Das Lernen in großer Hitze ist einfach uneffektiv.

Was erleben wir jetzt? Die Sommerferien sind in jedem Land anders geregelt. Zum Teil beginnen diese sehr zeitig und die Kinder gehen mitten im Sommer wieder in die Schule, oder umgekehrt. Diese Regelungen sind nicht im Sinne der Kinder, sondern im Sinne des egoistischen Reisewahns der Erwachsenen. Damit die Blechlawinen irgendwie von hier nach da durch die Straßen geschleust werden können, wurde für den Tourismus und der entsprechenden Wirtschaft entschieden.

Zu den hohen Sommertemperaturen gesellt sich nun noch ein erheblicher Gestank dieser Fahrzeuge und macht die Luftqualität unerträglich. Als ich noch zur Schule ging, hatte nicht jeder Haushalt ein Auto. Wir lösten noch einen Fahrschein auf dem Bahnhof und fuhren mit der Bahn. Dieses Ticket war preiswert und fraß keinem die Haare vom Kopf. Heute ist es ein Luxus, mit der Bahn zu verreisen und so mancher überlegt es sich, so viel Geld dafür ausgeben zu können oder zu wollen. Bitte jetzt keinen Aufschrei, dass man günstig reisen könne wenn man plane und so. Ich weiß das, aber ich will das nicht. Ich möchte heute spontan ein Ticket lösen und losfahren können, ohne dafür mein Konto plündern zu müssen und damit die Tickets der Frühbucher zu sponsern.

In den letzten Tagen sah ich etliche Fotos von alten Tageszeitungen, die eine Hitzewelle in Deutschland beschrieben. 1957 waren es sogar fast fünfzig Grad Celsius und in den Siebzigern um die vierzig, zum Beispiel.

Für Euch habe ich einen Trailer des alten Spielfilms „Heißer Sommer“ mit Chris Doerk und Frank Schöbel aus dem Jahr 1967 herausgesucht. Dieser war damals sehr beliebt. Und ich sah den gern, wahrscheinlich auch, weil einige meiner Schulfreundinnen mitspieleten. Sie waren Mitglied in der Tanzgruppe, die für den Film engagiert wurde.  –  Klickt einfach unten auf den Link, um es zu sehen.

„Heißer Sommer“ – ein DEFA-Film aus dem Jahr 1967.

Heute wird alles unter dem Deckmäntelchen Klimawandel abgetan. Nun,  an den Sommertemperaturen hat sich wahrscheinlich nicht viel geändert. An der Qualität unseres natürlichen Lebensraumes jedoch sicher. Und es hat nichts damit zu tun, ob wir ein Fahrzeug mit einem Verbrennermotor fahren oder ein Elektroauto. Die Armortisierung dieses Teils ist sehr fraglich. Ich spreche hier allumfassend von der Herstellung bis zur Entsorgung. Es beginnt irgendwo tausende Kilometer entfernt auf dieser Erde und wird in das territorial klitzekleine Deutschland geschifft oder geflogen, um das abgewrackte Teil wieder dorthin zu bringen. Das betrifft übrigens die breite Wirtschaft. Wir bringen unseren Müll irgendwohin nach Afrika zum Beispiel. Mögen die dort damit klarkommen. Wir machen unsere Augen zu und es ist uns egal, wie sie es entsorgen und damit fertig werden. Schließlich bezahlen wir dafür. Wir hier haben etwas Gutes getan für das sogenannte Klimaziel, so glauben wir. Das blöde ist nur, dass es kein deutsches oder europäisches  Klima gibt. Das lässt sich nicht mal fix an der Grenze aufhalten oder mit einem Einreiseverbot wegschicken. 

Nö, das ist aus meiner Sicht nicht der Weg.  Fangen wir doch klein bei uns selbst an. Müssen wir mehrmals im Jahr in den Urlaub weit weg reisen?  Müssen wir Reisen auf diesen Monsterschiffen buchen, um in einer simulierten Luxuswelt mit ein paar mal Landgang, auf dem Wasser herumzugurken? Müssen wir unbedingt alle, ob jung oder alt, ob mit oder ohne Schulkinder, im Sommer verreisen? … und so weiter und so fort.

Es ist unser Anspruchsdenken. Es ist dieses „jeder hat“ und „jeder macht“ und dieses „es steht mir zu“, „es ist mein Recht“. Meine Zeilen beziehen sich heute nur auf den Sommer, diese sogenannte Hitzewelle.

Natürlich ist es unsere freie Entscheidung. Und diese sollte auf keinen Fall mittels irgendwelcher politischer Dogmen reguliert und eingeschränkt werden. Jedoch ist es auch unsere freie Entscheidung nachzudenken und Schlussfolgerungen für unser eigenes Handeln zu ziehen.

Es ist einfach nur Sommer. Genießt die Zeit mit allem Drum und Dran!

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Hast Du es vermisst, …

… ich meine, die Kunst und Kultur. Wie sehr haben Dir tatsächlich das Theater, die Galerien, das Kino, die Konzerte, die Lesungen etc. in den letzten vierzehn Monaten gefehlt? Ganz ehrlich. Auf einer Skala von eins – steht für überhaupt nicht vermisst  und fünf – hat mir total gefehlt, wie würdest Du antworten? Gern darfst Du es unten im Kommentarfeld schreiben.

Gestern sprach ich einen Podcast für mein Hör-Cafè ein. Währenddessen kamen mir Tausend Gedanken in meinen Kopf. Die obige Frage stellte ich unter anderem auf meiner Facebookseite und erhielt sehr viele Antworten. Die Ehrlichkeit überraschte mich und es öffnete mir auch die Augen.

Kunst und Kultur wird selbstverständlich von den Machern dieser sehr, sehr vermisst. Sie konnten es vierzehn Monate nicht öffentlich tun. Im Augenblick gibt es eine Lockerung. Es ist unter besonderen Auflagen möglich und ein Aufatmen ist zu spüren. Und es sind natürlich auch diese Menschen, die Kunst und Kultur als ihre Leidenschaft auch als Verbraucher genießen.

Hingegen wird die Kunst und Kultur von den Konsumenten selbst weniger vermisst. Ich hinterfragte das. Es stellte sich heraus, dass man fast alles digital, wie zum Beispiel auf YouTube, gratis bequem zu Hause erleben kann. Man könne Museumsrundgänge mit ausführlicher Beschreibung erleben, komplette Konzerte hören, Theaterstücke, Kabarett, Lesungen … eigentlich alles. Und das komplett kostenfrei!

Ich brauche Euch nicht sagen, dass mir da ein fetter Kloß im Hals hängt. Das, was die Künstler derzeit tun, ist eine reine Selbsterhaltung. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auf diese Weise auf sich aufmerksam zu machen. Das Schlimme ist, dass sie dabei, digital, nicht einmal einen „Hut“ herumgehen lassen können. Sie tun es unter einem riesigen Aufwand komplett lau für nichts, immer in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Die Antwort, dass es schon immer so gewesen sei, dass Künstler auf einen Mäzen angewiesen waren und sind, es sei ja schließlich nichts Neues. Kunst wird in diesem Moment nicht als Wert angesehen und anerkannt, sondern als etwas, das einer gutmütigen Unterstützung bedarf. Ich sage: Wenn jeder, der Kunst und Kultur konsumiert, ganz gleich in welchem Genre, einen Betrag für die erbrachte Leistung löhnen würde, hätten wir diesen Zustand, dass Künstler sich mit einem Zweit- oder Drittjob über Wasser halten müssen, nicht. Keiner der Kunst- und Kultur-Konsumenten arbeitet für „lau“ und hofft, dass er einmal irgendwann für seine erbrachte Arbeit eine kleine Bezahlung erhält.

Ich empfinde es wirklich lästig, dass sich Künstler immer wieder anbiedern müssen, um wahrgenommen zu werden. Ich denke, da muss ein großes Umdenken geschehen.  Nicht nur bei den Konsumenten, auch bei den Künstlern selbst. – Kunst und Kultur ist keine Selbstverständlichkeit!

Würden Künstler ab sofort nur noch mit einem Auftrag in der Hand arbeiten, also mit einem Vertrag, wäre die Kunst und Kultur für lange Zeit tot. Keine Musik, keine Grafiken, keine Comics, kein Kino, kein Theater, keine Werbung, keine Bilder, Skulpturen, kein Tanz, kein YouTube, Spotify & Co., keine Filme im heißgeliebten Fernsehen, keine Bücher, keine Konzerte, Märkte … Es wäre eine trostlose Zeit.

Wir alle wissen, dass das nicht geschehen wird. Kunst ist eine Ausdrucksform auf vielen Ebenen. Künstler brauchen die reale Kommunikation, um Inspiration, Energie und das Warum für ihren Schaffensprozess zu tanken. Ein Künstler, der in seinem Kämmerlein ausschließlich für das World Wide Web arbeitet, wird Stück für Stück verkümmern.

Kunst und Kultur ist immer irgendwie da. Und hier spreche ich nicht nur von den vergleichsweise wenigen Stars auf diesem Planeten. Man dreht das Radio auf, schaltet den TV ein, wählt einen Streamingdienst, man schaut zu YouTube oder Google … Kunst kommt aus dem Netz … Viele Menschen vermissten es in den vergangenen Monaten auch deshalb nicht.

Und mir ist sehr bewusst, dass Kunst und Kultur eine Leidenschaft, eine Liebhaberei, eine Nische ist. Also lasst uns diese Nische füllen mit guter, anspruchsvoller und aussagekräftiger Kunst und Kultur.

Wir Künstler und Kulturschaffenden freuen uns auf Euch, die nach so langer Zeit durstig und hungrig auf kreativ Erschaffenes seid.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Teile und herrsche

Irgendwie ist es merkwürdig. Niemals dachte ich tiefer über diese Aussage nach. Denn, wenn ich diese hörte oder las, verband ich einen positiven Aspekt damit. Meine Gedanken spiegelten zum Beispiel eine Führungspersönlichkeit, die verstand, die Aufgaben entsprechend den Fähigkeiten der Mitarbeiter zu teilen und somit zu einem gelungenen Ergebnis zu kommen, wider. Oder eben ein Projekt in Teilstücke zu gliedern und das als Gesamtes zu beherrschen.

In den letzten Wochen fielen immer wieder in Gesprächen diese Worte. Heute kam es wieder zu einer solchen Aussage. Und ich konnte diese in dem Zusammenhang, wie sie genannt wurden, nicht verstehen. Ich sagte das und bat darum, mir das zu erklären.

Er tat das, ohne es unerwähnt zu lassen, dass „es so gewollt sei, dass das nicht jeder verstehen soll“. Ich unterdrückte meinen Groll und hörte ihm zu.  Teile und herrsche bedeute, dass man gut gegen böse aufhetzt zum Beispiel wie jetzt, Geimpfte gegen Ungeimpfte, Befürworter der gegenwärtigen politischen Maßnahmen gegen die, die es nicht wollen und so weiter.

Ahhh, dachte ich. Das Wort „teilen“ ist also im negativen Sinne, als „trennen“, zu betrachten. Wie naiv von mir. Ich  verband es niemals auf diese Weise. Natürlich schaute ich ein wenig später im Internet nach der Bedeutung und fand es bestätigt:

Teile und herrsche: Divede et impera – so der lateinische Begriff, beschreibt tatsächlich diese Situation, Menschengruppen verschiedener Ansichten gegeneinander aufzuwiegeln, um einer potentiellen Verbrüderungung vorzubeugen.

Noch nie erlebte ich eine derart gespaltene Gesellschachaft. Ein schmerzhafter Riss geht durch unser Land. Es scheint nur noch schwarz oder weiß eine Berechtigung zu haben. Jegliche Nuancierung dazwischen ist ausgelöscht. Es trennt Familien, Freunde, Nachbarn … Dieses Land wird aufgeteilt in GGG und in G – in die erwünschte Gruppe der Geimpften, Getesteten, Genesenen und in die Gruppe der bösen bockigen Gesunden.

Also: Teile und herrsche! Divide et impera!

Ich akzeptiere und toleriere die Entscheidung jedes einzelnen. Wir sind freie Individuen. Jeder von uns muss die Entscheidung für sich selbst und ganz allein treffen, ob er sich von einem fremden Menschen ein Test-Stäbchen in die Nase und in den Rachen bohren lassen will, oder ob er sich eine nicht wirklich allumfassend geprüfte Flüssigkeit in seinen Körper spritzen lassen will. – Und nein! Es hat nichts mit solidarischem Handeln zu tun. „Das ist jetzt eben so.“ Wirklich? Wollen wir das alles einfach so hinnehmen? Nicht hinterfragen? …

Heute sehr, sehr nachdenklich.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

An alle fantastischen Mütter dieser Welt

Diesen Beitrag schrieb ich vor einem Jahr. Als ich heute einen neuen Blog anlässlich des Muttertages schreiben wollte, entschied ich mich, diesen aus dem Jahr 2020 Euch nochmals ans Herz zu legen.

Fast ist es nicht zu glauben, dass sich die Situation bis heute nicht verändert hat. Genießt diesen fantastischen Song von „janisa music“.

… alles Liebe zum Muttertag.

Meine Tochter schrieb für ihre Tochter diesen tief ins Herz gehenden Song. Als ich die endgültige Fassung hörte, wollte mich die Gänsehaut nicht verlassen. Ein Text der alles sagt, was wir Mütter im Inneren tragen und fühlen.

Deshalb möchte ich heute nicht viele Worte verlieren und stattdessen meine Isabel mit ihrer Combo janisa-music sprechen lassen. Lehnt Euch zurück und genießt diesen musikalischen Leckerbissen.

janisa-music

Ich möchte noch erwähnen, dass dieses Video zu „Dein Herz“ unter ganz besonderen Umständen entstand. Geschuldet der momentan geforderderten Distanz in der Corona-Zeit sind besondere Ideen gefragt, um ein solches Zusammenspiel, wie in diesem Clip, überhaupt zu ermöglichen. – Auch das ist ein Zeitzeugnis 2020.

Ich bin wahnsinnig stolz auf mein Kind. Eine Mama, die mit ihrem Herzen immer bei ihr weilt.

Einen fantastischen Mutterag, einen schönen Sonntag

wünscht Euch von Herzen,

Eure Petra Kolossa.

💕☀️

Mitte April – ein Samstag im Jahr 2021

Es ist ein trüber und sehr kühler Morgen. Die Sonne liegt hinter den dunstigen Wolken und hat wenig Lust, sich anzustrengen, mir den Gefallen zu tun, mehr Licht und Wärme zu senden. Ich schaue in die noch immer mit Schnee bedeckten Alpen und nehme mit meinem Auto die verschlungenen Straßen ins Tal.
Die kleine Stadt mit der imposanten Basilika auf dem höchsten Punkt im Ortszentrum zieht unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich. Es ist wahrlich ein beeindruckendes Gebäude, die größte Barockkirche nördlich der Alpen, in Weingarten.

Weingarten kennt man als eine kleine quirlige und geschäftige Stadt mit unendlich vielen kulturellen und künstlerischen Aktivitäten, mit Straßencafés, Restaurants, Weinstuben, kleinen Geschäften, Galerien, studentischem Treiben.
Heute, wie seit über einem Jahr ist die Stadt grau. – Passend zum Tag, denke ich. Es ist Samstagmorgen. Geöffnet haben im Stadtzentrum die Supermärkte und Bäckereien. Die Menschen stehen mit ihren Masken schweigend in großem Abstand in einer Schlange draußen vor den Türen. Sie warten, an der Reihe zu sein, eintreten zu dürfen, um ihren Einkauf zu tätigen.

Ich fahre weiter zu meinem Ziel. Ein geschäftlicher Auftrag führt mich dorthin. Einen Parkplatz zu finden, war immer ein Problem. Inzwischen nicht. Ich greife nach meiner Tasche und gehe zu meinem Ziel. Ein großer Aufsteller mit den üblichen Anweisungen, die man auf Anordnung zu beachten habe und der Hinweis, dass nur drei Personen den doch ziemlich großen Raum betreten dürfen, steht mitten im Vorraum und versperrt jedem Eintretenden den Weg. Dieses Teil schreit regelrecht nach Beachtung, denke ich.

Vor mir steht eine Frau. Sie sieht mich kommen und macht sich sofort mir gegenüber Luft. Mit dumpfer Stimme schimpft sie, dass in dem Raum acht Personen seien, obwohl nur drei erlaubt sind. Keiner würde etwas sagen. Kein Wunder, dass wir alle Corona kriegen werden, wenn sich keiner daran halte, was vorgeschrieben sei. Sie schimpft und schimpft. Die Maske in ihrem Gesicht saugt sich mit jedem Luftholen fest an ihren Mund. Dieser Sauerstoffmangel muss ein Kraftakt für sie sein, denke ich und möchte ihr am liebsten sagen, sie solle aufhören, sich so dermaßen zu erregen.
Ich schaue in den Raum und sehe, dass vier Personen, wahrscheinlich eine Familie, gemeinsam etwas zu erledigen haben und drei weitere sich in großem Abstand in dem Raum befinden. Innerlich verdrehe ich die Augen und denke: Mein Gott! Wo ist das Problem?

Eine Person verlässt den Raum. Die Frau vor mir bleibt stehen und will nicht hineingehen. Ich bitte sie, ihre Sache zu erledigen. „Ich gehe dort nicht rein! Es sind noch zu viele!“ Ich sage zu ihr, dann werde ich es jetzt tun. „Nein!“, faucht sie mich an. „Ich bin die nächste! Nicht Sie! Sie warten!“ Eine Mitarbeiterin bittet die Frau, einzutreten. „Nur drei dürfen in den Raum!“, schreit sie. Die Mitarbeiterin bittet mich, zu kommen. Die Frau stellt sich in die Tür. „Sie warten!“, weist sie mich an.
Nun gut. Ich sah, dass die Familie ihre Sache erledigt hat und den Raum nun verließ. Damit war auch das Problem dieser Frau erledigt. – Ist das tatsächlich nur ihr Problem? Was geschieht hier mit diesen Menschen? Vollgestopft mit Angst vor allem und jedem.

Meinen Auftrag habe ich erledigt und begebe mich auf den Heimweg. Die Sonne hat sich entschieden, schwach durch die Wolken zu schauen. Ich zwinkere ihr entgegen und fahre über Ravensburg, um bei einem meiner Lieblingsbäcker, der sich in einem Supermarkt eingemietet hat, anzuhalten.
Angelangt, verweile ich kurz hinter dem Steuer und lasse die Situation auf mich wirken. Auch hier stehen die Menschen mit ihren Masken in großen Abständen schweigend in einer Reihe an, um mit einem nächsten Einkaufswagen Einlass zu bekommen. Diese Reihe von Leuten wirkt trist, grau, der Situation ergeben.

Ich ziehe den Zündschlüssel ab und gehe zu dem Bäcker hinein. Lange muss ich nicht warten. Und ich freue mich, eine mir seit vielen Jahren bekannte Verkäuferin hinter dem Tresen zu entdecken. Sie ging vor etwas über einem Jahr in den Ruhestand. Sie freute sich darauf. Wir haben oft miteinander gesprochen.
„Oh, das ist aber schön, sie hier zu treffen.“, sagte ich und ergänzte: „Sie können auch nicht loslassen?“
Sie lachte. „Wissen sie, ich bin froh hier sein zu können. Auch wenn es nur stundenweise ist. Zu Hause werde ich verrückt. Seit mein Mann gestorben ist, ist es ohne Kontakte nach draußen schrecklich einsam.“ Sie lächelt. „Ich gehe jeden Tag spazieren, bin draußen. Aber allein. Ich bin ein kommunikativer Mensch. Mein Sohn wohnt mit seiner Familie in Australien. Er verliebte sich dort und blieb nach seinem Studium in Melbourne. Wo soll ich hingehen? In ein Café, ins Kino, ins Theater, soll ich reisen, eine Kunstausstellung besuchen … sagen Sie mir, was soll ich machen, um unter Leute zu kommen? Es wurde alles geschlossen, es ist alles tot. Ich bin fit, aber ich gehe auf die siebzig zu. Einige meiner langjährigen Freunde leben in ganz Deutschland verteilt, einige leben nicht mehr. Ich wollte noch so vieles tun, mein Englisch an der Volkshochschule auffrischen, wieder tanzen, Freunde besuchen, reisen …“
Sie lächelte. „Ich habe mich wirklich gefreut, als mein Chef mich anrief und fragte, ob ich stundenweise aushelfen könne. Über dreißig Jahre habe ich für die Bäckerei gearbeitet. Ich genieße die Stunden hier.“
Sie packte meine Tüten, kassierte mich ab und sagte dabei: „Ich freue mich wirklich, Sie zu sehen. Und ich weiß ja, wie Ihr Lächeln ist. Ich denke mir Ihre Maske einfach weg.“, lachte sie und sagte: „Bis zum nächsten Mal. Hoffentlich bald.“

Ich sitze wieder im Auto und werde in fünfzehn Minuten zu Hause sein. Meine Gedanken sind noch bei meiner letzten Begegnung. Ein süß-bitterer Geschmack macht sich breit. Es ist wunderbar für sie, dass sie der Hölle Einsamkeit für eine gewisse Zeit entkommen und auf diese Weise dieses traurige Loch stopfen kann, denke ich.

Die Ampel steht auf Rot. Ich schaue auf den in voller Pracht mit Frühjahrsblühern übersäten Hang rechter Hand. Ein etwas breiterer asphaltierter Weg führt hinauf in ein modernes Wohngebiet.
Auf einem Tretroller kommen drei Jugendliche, eng umschlungen lachend den Weg heruntergesaust. Ich lasse das Fenster auf der Beifahrerseite herunter. Unbedingt möchte ich den Sound dieser fröhlichen Fuhre aufschnappen. Unten angekommen kippt der Roller und sie tummeln sich laut lachend auf der Frühlingsblumenwiese. Ein breites Lächeln macht sich in meinem Gesicht breit. Es tut so gut, diese Zwölf- bis Vierzehnjähren so ganz normal zu erleben. Es ist ein menschliches Bedürfnis nach Nähe, Berührung und Umarmung. Sie tuen es einfach instinktiv.

Die Ampel schaltet. Ich fahre weiter, lasse das Fenster wieder hoch, wische mir mit dem Handrücken die feuchten Augen trocken, und denke: Wir können es uns heute noch nicht ausmalen, was wir unseren Kindern mit diesen ganzen Bevormundungen und Verboten nehmen und antun. Es wird gravierende Spuren in ihren Seelen hinterlassen und folglich das menschliche Leben perspektivisch drastisch verändern.

Heute sehr nachdenklich.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

PS: Diesen Beitrag produzierte ich für meinen Podcast „Hör-Café“. Im Nachhinein entschloss ich mich, diesen ebenso in meinen Blog zu stellen.