Wer will schon ein Esel sein?

„Der Esel nennt sich immer zuerst.“ Ein Satz, den ich in früher Kindheit geimpft bekam. Wer will schon ein Esel sein? Also achtete ich peinlich darauf, mich nie als erste zu nennen. Es waren also immer die anderen, die viel wichtiger waren, als ich.  Somit war ich immer ein „und“. Sabine, Ellen, Micha und ich, zum Beispiel.  Man nimmt sich bescheiden zurück und bleibt im Hintergrund, wurde ich belehrt. Wenn Erwachsene sprechen, halten Kinder den Mund. Jüngere akzeptieren die Meinung von Älteren und diskutieren nicht. Beim Essen wird nicht gesprochen. Und so weiter und so weiter.

Ganz sicher bin ich nicht die Einzige, die mit diesen Reglements aufgewachsen ist. Dieses Kleinhalten des Selbstbewusstseins hinterließ seine Spuren. In der Schule bekam ich keinen einzigen Ton beim Singen vor der Klasse heraus. Das Gedichteaufsagen oder Vortragen von irgendwelchen Dingen begleitete mich mit einem rasenden Puls und komplett ausgeschalteter Wahrnehmung meines Umfelds. Wurde ich von Erwachsenen oder Älteren angesprochen und um Erklärungen gebeten, konnte ich nur herumstottern und nicht antworten. Ich wusste nicht, was sie hören wollten und wie ich ihnen gerecht werden konnte.  Selbst hatte ich keine Meinung, weil ich das nie lernte. Das sind nur ein paar Beispiele. Es sollten noch viele, viele Jahre vergehen, meine Angst zu überwinden und vor allem,  mich selbst als einen wertvollen Menschen wahrzunehmen.

Bis zum heutigen Tag wird man mich nie erleben, dass ich mich selbst zuerst vor anderen nenne. Auch nicht dann, wenn der Löwenanteil am Geschehen, dem Ergebnis oder was auch immer, bei mir selbst liegt. Ich werde immer ein „und“ sein. Nur ist es so, dass ich heute überhaupt kein Problem damit habe. Mein Selbstbewusstsein ist inzwischen groß genug, dass ich mich gern als Teil des Ganzen, als ein „und“ benennen kann.

Eine ganze Weile beobachtete ich die Sprache bei anderen Menschen. Mich interessierte, wie sie dieses „Ich“ verwenden. Dabei fiel mir tatsächlich auf, dass es in der deutschen Sprache in der Regel üblich zu sein scheint, dass sich der Esel nicht zuerst nennt. Je jünger die Menschen werden, desto stärker beginnt es, sich zu mischen und das „Ich“ steht häufig vor den anderen Beteiligten an einer Situation.

In meiner Korrespondenz mit Menschen in anderen Ländern fiel mir auf, dass es dort selbstverständlich zu sein scheint, dass der Erzählende sich selbst zuerst nennt.  Zum Beispiel: Ich und meine Mama … oder Ich und meine Freunde X, Y und Z  …

Selbst jetzt, während ich das notiere, bemerke ich, wie falsch es sich für mich anfühlt. Es ist für mich auch so etwas wie Wertschätzung dem anderen gegenüber. Meine Mama und ich …  oder meine Freunde und ich …  Nur so kann ich es formulieren und aussprechen.

Im Englischen schreiben wir das „Ich“ immer groß, jedoch kein anderes Personalpronomen. Und ich denke, es hat eine wichtige psychologische Auswirkung. Denn nur, wenn ich mich selbst als einen wichtigen Menschen wahrnehme, wenn ich mich selbst wertschätze, wenn es mir selbst gut geht, nur dann kann ich für andere Menschen ein wertvoller Teil des Ganzen sein.  Menschen mit einem mangelnden Selbstbewusstsein, die ängstlich durchs Leben gehen, deren Meinung wankelmütig ist, die beeinflussbar sind, die mitlaufen, die sich am wohlsten dort fühlen, wo sie nicht auffallen, also in der Masse, diese Menschen sind für andere in der Regel keine wirkliche Stütze.

Aus meiner heutigen Sicht sollte diesem kleinen großen Wort „Ich“ tatsächlich mehr Beachtung geschenkt werden. Es ist viel, viel mehr, als nur ein Wort. Es ist das komplexe „Ich“.

Mir fiel auf, dass in anderen Kontinenten, zum Beispiel in Afrika, die Menschen sich selbst zum Geburtstag gratulieren. Das wirkte auf mich sehr befremdlich und unbescheiden. Damit wurde das gesamte Umfeld daran erinnert und zum Gratulieren aufgefordert. Wir Deutschen ticken da sehr zurückhaltend. Wir erwarten, dass der andere daran denkt, dass wir Gebrutstag haben und wir sind enttäuscht, wenn das einer vergisst. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Was hat mich zu diesem Text überhaupt bewogen? Es war ein kurzer Satz, der mir im ersten Moment aufstieß und mich zum Nachdenken anregte: „Ich und Petra wünschen Euch … “ Dieser Satz beinhaltet gleich drei Fauxpas. Zum einen das besagte „Ich“   vor der zweiten Person, zum zweiten formulierte diese Zeile ein Mann. Aus meiner altmodischen Höflichkeitsvorstellung ist das unmöglich. Eine Frau sollte einfach vor dem Mann genannt werden. In diesem Fall ist der Mann über dreißig Jahre jünger als ich. Das wäre dann noch der dritte Punkt, der eine respektvolle, höfliche Haltung verlangt.

Und nun frage ich: Wie wichtig sind heute derartige Umgangsregeln? Spielen diese überhaupt noch eine Rolle? Sollten diese im Zuge der multikulturellen Vermischung unseres Landes einfach aufgegeben werden? Wie wichtig sind derartige sprachliche Ausdrucksformen im Rahmen der Vergenderung und Verkrüppelung unserer Sprache? Sind diese Formen des Respektes und der Höflichkeit noch wichtig, wenn das Geschlecht eines Menschen in unserem Land bedeutungslos zu einem Sternchen oder zu künstlichen kaum aussprechbaren Auswüchsen mutiert? Oder ist das alles tatsächlich nur noch altmodischer Gedankenkram, den kein Mensch braucht?

Eure Meinung interessiert mich sehr. Scheut Euch nicht und schreibt es einfach unten in das Kommentarfeld.

Herzlich, Eure heute etwas nachdenkliche

Petra Kolossa.

Erzähle doch mal was Lustiges

„Welches Thema wird Dein Hör-Café zum Wochenende haben?“, werde ich gefragt. „Ich weiß es noch nicht. Einige meiner Freunde meinen, ich solle unbedingt wieder was Lustiges machen. Hm, mir fällt grad nix Lustiges ein. Die globale Situation gibt’s irgendwie nicht her.“ Er grinst. „Was Luschtiges also. So lasse uns doch ein Brainstorming machen. Mal sehen, was daraus wird.“

Gesagt getan. Wir warfen uns Begriffe zu.

Shot, booster, lockdown …  Begriffe, die die Deutschen mit einer Selbstverständlichkeit verwenden, als wäre es deutsches Sprachgut. Es klingt englisch ausgesprochen wahrscheinlich etwas sympathischer, zeitgemäß und total angesagt. Schuss, Verstärker, eingesperrt. Diese deutschen Worte sind doch sehr eindeutig. Klingt nicht so toll. Für lockdown findet man inzwischen als erstes Wort im digitalen Übersetzer: abgeriegelt. Vor ein paar Monaten stand dort noch das Wort „Sperre“. Abgeriegelt klingt etwas hübscher.

„Verdenglischen ist ein lustiges Thema!“, sagt er und lacht. Ich ziehe meine Augenbrauen hoch. „Nö, das wird nix. Zu diesem Thema ist alles gesagt. Und es ist wirklich nicht lustig.“

Äpfel, rote, gelbe, grüne, reif, saftig, lecker, Apfelplantagen, Bodensee, Ernte … purzeln die nächsten Wörter. „Glaubst du, dass die hier keine Herpizide oder so’n Zeug verwenden? Dass das alles so ganz ohne geht?“, denkt er laut. „Hast du schon einen Apfel von hier gegessen, in dem dich eine Made begrüßt hat?“, frage ich zurück. Nun zieht er die Augenbrauen hoch und sagt: „Nein. Kein lustiges Thema. Also weiter!“

Eine Wildbiene kreist in der Sonne. „Wow, eine Biene!“ Und schon fallen die nächsten Worte. Bienen, Sonne, Honig, Pollen, Waben, Sonnenblumen … „Es ist schon merkwürdig“, sage ich. „Man nimmt eine Biene inzwischen als eine Rarität wahr. Ich denke, sie sind es inzwischen auch.“ „Stimmt. Hast du bemerkt, dass es kaum Mücken in diesem Jahr gab? Es gab Perioden, an denen es so sehr heiß und dann feucht war. Wir haben mit diesen Mücken gerechnet. Sie blieben fern.“, wundert er sich. „Stimmt. Ich sah auch bloß zwei, die sich im Hausflur verirrt hatten.“ Wir sinnieren kurz. „Kein lustiges Thema. Komm, lass uns weiter überlegen“, schubst er mich.

„Morgen ist Wahlsonntag“, stellt er nebenbei fest. … Wahlurne, Stimme abgeben … „Auf keinen Fall! Ich brauche meine Stimme noch!“, lache ich. „Gehst du nicht wählen?“, fragt er erstaunt. Ich gucke ihn todernst an. „Wie soll ich meinen Podcast sprechen und meinen Job machen, wenn ich meine Stimme abgebe? Dann ist sie weg. Total begraben in dieser Urne. Nun, und was dann?“  Uns überkommt ein Lachkoller. „Kein lustiges Thema, lass uns weiter überlegen!“ …

Das könnte noch viele Stunden so weitergehen.

Mein Blog und mein Podcast werden weiterhin ein Spiegel meines Herzens sein. Ich nehme Euch ein Stück mit auf die Reise meines Schaffens und meiner Gedanken, immer reflektiert ins Jetzt.

Erzähle mal etwas Lustiges ist etwa so, wenn mir jemand sagt: Das Bild ist schön, aber können Sie es für mich in Blau malen? Nein. Das kann und will ich nicht. Dieses Bild entstand zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel in Pink. Es war genau der Zeitpunkt, an dem es in Pink aus meinem Herzen wuchs 😉

In diesem Sinne:

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Lieblingsmonat September

Schon immer liebe ich den September. Es mag verrückt klingen, selbst als Kind, war ich immer froh, nach den Sommerferien endlich wieder in die Schule gehen zu dürfen. Die startete damals noch im September.  Später verlegte ich, soweit es mir möglich war, meinen Urlaub in den September.

Dieser Monat ist faszinierend. Er birgt noch den Sommer und schon den Herbst. Der Boden ist noch schön warm, die Temperaturen liegen in einem moderaten Bereich und die spätsommerliche Sonne gibt mir ein wohliges Befinden.

Die Abende werden langsam kürzer und etwas kühler. Ich liebe es, mich einzukuscheln und etwas mehr Kleidung zu tragen. Ich weiß, die meisten Menschen mögen es, weniger Stoffe am Körper zu haben. Das kann ich von mir überhaupt nicht sagen. Irgendwie zeigt es sich auch in meinem Kleiderschrank. Das Verhältnis ist ziemlich ungleich zwischen der Bekleidung für die warme und die kalte Jahreszeit.

Der Herbst klopft an die Tür. Ich liebe den Morgennebel, der sich behutsam über die Natur legt. Es wirkt beschützend und unendlich beruhigend.

Diese Aufnahmen machte ich am Morgen vor unserer Haustür, bevor die Sonne die herbstlichen Nebelschwaden auftaute und dem Spätsommer das Feld überließ.

Es sind Momente, die mein Herz erfreuen und ich gern mit Euch teile.

Welcher Monat ist Dein Lieblingsmonat und was fasziniert Dich an diesem? Schreibe es einfach unten in das Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

Habt einen schönen September 🍂🍁☀️

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Wie lange dauert schnell?

Nur noch schnell Dieses und Jenes, und ach ja, das auch noch. Ich handele und meine Gedanken sind schon wieder zehn Schritte weiter. De frisch gepresste Holundersaft ist im Topf. Der Gelierzucker eingerührt und der Herd eingeschaltet. Schnell in den Keller sausen und ein paar Gläschen holen, um das Gelee später einfüllen zu können. Die Waschmaschine im Keller hat ihre Arbeit getan. Schnell die Wäsche in den Trockner geben und die Waschmaschine neu starten. Es sind Routinen, schnell erledigt. Die Gläschen auswählen und fix nach oben bringen.

Ich betrete die Küche und erstarre. Der Topf gibt blubbernd aufgeschäumte schwarzrote klebrige schwerflüssige Masse frei, die sich auf dem Ceranfeld des Herdes über den Backofen und die weißen Küchenmöbel bis auf den Boden verteilt. – Shit! Schöne Schweinerei …

Vor dreißig Jahren wäre ich wie ein Rumpelstilzchen herumgesprungen, hätte mich wahnsinnig aufgeregt und versucht, Schadensbeschränkung zu betreiben. Inzwischen ist es so, dass ich in kritischen Momenten extrem ruhig und konzentriert werde. Ich habe das Drama beseitigt und gut. Nun, nicht so ganz gut. Denn etwas später, als ich zur Ruhe kam, fiel ich in eine Erschöpfung. Ich dachte über die Situation nach und wusste, dass es ein kleines Lehrstück war, so ein kleines Ausrufezeichen. Denn ich befand mich in den letzten Tagen und Wochen in einer angespannten und etwas stressigen Zeit. Ich weiß, dass so etwas eine zeitlang funktionieren mag, jedoch nicht auf Dauer.

Sämtliche meiner Knochenbrüche entstanden in derartigen Situationen. Zeiten, in denen meine Gedanken mit Sorgen getrieben waren. Zeiten, in denen ich mich antreiben ließ. Zeiten, in denen ich versuchte, es anderen recht zu machen. Zeiten, in denen meine Seele, das Herz und mein Kopf nicht im Einklang waren. Das Leben verhalf mir zu Nachdenkzeiten. Es nahm mich regelrecht  zeitweise beiseite und stellte mich ruhig.

Und nein. Es ist nicht die gebohnerte vom Regen nasse Treppe schuld. Es ist nicht der abschüssige Weg mit den kleinen Splittsteinen schuld. Es ist nicht der Parkplatz mit den schlecht verlegten Platten schuld. Es ist nicht …  Es ist meine Unachtsamkeit, mein fehlender Fokus auf die Situation, auf diesen Moment, denn meine Gedanken waren nicht bei der Sache. Ich handelte nebenbei, wie so oft.

Inzwischen spüre ich solche Situationen ganz genau. Und ich weiß, dass nichts auf der Welt wichtiger ist, als mich selbst zu ordnen. Ich zwinkere meinem Schutzengel zu und flüstere: „Alles gut. Gib mir bloß keine längere Auszeit. Das kann ich grad nicht gebrauchen. Ich passe auf mich auf.“

Ich weiß, dass es einen Leser gibt, der über meine Zeilen lächeln wird. Denn er war der Auslöser für den heutigen Blog. Vor wenigen Tagen bekam ich seine Nachricht, dass er die Treppe herab gestürzt sei. Ein Ordner, den er dort abstellte, war Schuld. Er hatte diesen übersehen.

Ihr ahnt es schon. Nein, es war nicht dieser Ordner. Es ist die Unkonzentriertheit, wenn wir mit unseren Gedanken nicht im Reinen sind, unzufrieden, enttäuscht, oder vor Situationen gestellt, die wir im Augenblick eigentlich nicht wollen, nach Lösungen suchen und nicht den richtigen Ansatz finden und so weiter und so weiter.  Nun, er bekam „nur“ einen heftigen Fingerzeig mit einer guten Auszeit und darf seine geprellten Blessuren auskurieren. Wichtig ist dabei, diese Zeit ins Selbst zu erkennen und zu nutzen.

Habt alle einen schönen, ruhigen, entspannten Sonntag. Passt gut auf Euch auf und gönnt Euch ein wenig Zeit nur für Euch ganz allein. Es ist unendlich wertvoll und wichtig.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Hast auch Du ähnliche Erfahrungen sammeln dürfen? Schreibe es einfach im Kommentarfeld.

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Gefangen im System

Es ist sehr spät geworden. Ich sitze im Auto und habe noch etwa fünfzig Kilometer zu fahren. Meine Gedanken sind noch bei meinem letzten Gespräch, das ich bis soeben hatte. Meine Erinnerung treibt mich einige Jahrzehnte zurück, rund vierzig Jahre. Es versetzt mich auch in eine andere Gesellschaftsform. Ich denke an meine Rolle als Mutter zweier Kinder, als Frau, als Ehefrau eines nebenbei studierenden Mannes, als emanzipierte Vollzeit berufstätige Frau. Ich denke daran, wie ich täglich fünf Uhr am Morgen aufgestanden bin, meine Kinder sechs Uhr langsam, behutsam und mühevoll aufweckte. Es tat mir in der Seele weh. Wir frühstückten und verließen sieben Uhr das Haus. Ich gab sie im Kindergarten ab. Fuhr dann über eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, um sie am Abend siebzehn Uhr nach einem harten und konzentrierten Arbeitstag, der Fahrt stehend in der überfüllen Bahn und dem mit Menschen vollgestopften Bus wieder abzuholen.

Wir trollten nach Hause. Und mein Tag wechselte die Aufgaben. Für die Kinder ein wenig Zeit am Abend finden, gemeinsam Abendessen, Sandmännchen schauen, die Kinder ins Bett bringen. Dann begann der nächste Teil meines Tages. Hausarbeit, Aufräumen, den nächsten Morgen und den komenden Arbeitstag vorbereiten.  Es war ganz normal, dass wir Mütter voll arbeiteten. Die Gesellschaft brauchte auch uns Frauen. Das lernten bereits die Kinder im Kindergarten. Mitternacht kam ich dann zur Ruhe. Die Wochenenden und die achtzehn Tage Jahresurlaub gehörten prinzipiell der Familie. Fand ich Zeit für mich? Irgendwie zwischendurch immer mal ein paar Minuten. Dennoch habe ich nie etwas vermisst. Es war für mich normal. Ich bin in diese Welt hineingeboren worden. Ich kannte nichts anderes. Die Gesellschaft hat meine Gedankenwelt und mein Leben geformt. Ich lebte es so, wie es von mir erwartet wurde, ohne es zu hinterfragen. Hätte man mich damals gefragt, ob ich denke, eine wertvolle Rolle in der Gesellschaft innezuhaben, hätte ich sicher geantwortet: Ja, naklar. Ich gebe meine Leistung und meine Kraft im Beruf und leiste einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft. Hätte man mich gefragt, ob ich denke, dass ich ausreichend Zeit für mich finde, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich im Augenblick nicht mehr brauche. Es sei so in Ordnung, wie es ist.

Ich erinnere mich an Gespräche, die ich erst vor wenigen Monaten mit jungen Frauen hatte. Es war ein Sprung ins Jetzt, in die aktuell geltende Gesesellschaftsordnung. Ich sprach mit jungen Müttern eines oder zweier Kinder, in dreijähriger Erziehungszeit, oder die sich entschieden Hausfrau zu sein. Mütter, die nie Zeit haben, die sich ständig überfordert fühlen mit den vielen anfallenden Aufgaben mit den Kindern und dem Haushalt. Frauen, die zu wenig Zeit für sich selbst finden und sich gestresst fühlen. Fragte ich sie, ob sie denken eine wertvolle Rolle in der Gesellschaft inne zu haben, antworteten sie sehr verwundert: Was für eine Rolle in der Gesellschaft? Ich bin zu Hause, was soll ich da für eine Rolle haben? Fragte ich sie, wie es mit der work life balance aussehe, mussten sie lachen. „Sie haben keine Ahnung! Ich habe Kinder. Da bleibt kaum Zeit.“

Heute stellte ich diese Frage auch. Der Dolmetscher übersetzte die Worte der Frau aus dem Arabischen. Ich tauchte also wieder in eine andere Gesellschaftsform. „Ja natürlich habe ich eine sehr große Rolle in der Gesellschaft. Ich bin Hausfrau. Fünf Kinder habe ich großgezogen. Alle haben sie ein Abitur mit einem Durchschnitt von 1,4 bis 1,6. Es ist meine Leistung, dass sie werden konnten, was sie sind. Ich kümmere mich um die Eltern meines Mannes und um meine Eltern. Ich kümmere mich um das Obst um das Gemüse und die Kräuter in dem kleinen Garten. Ich sorge für einen ziemlich perfekten Haushalt. Ich kümmere mich darum, dass mein Mann, am Abend in ein ruhiges und erholsames Zuhause kommt. Denn meine Aufgabe ist hier. Seine Aufgabe ist dort, in der Firma.“ Ich fragte, ob sie ausreichend Zeit für sich habe. Sie sagte: „Ich weiß, was sie damit meinen. Aber so kann ich das nicht beantworten. Mein Blick auf die Dinge ist anders. Ich koche zum Beispiel. Das mache ich wahnsinnig gern. Es ist keine Belastung für mich. Es ist meine Aufgabe, aber es ist auch meine Freizeit. Es tut mir gut. Das Gleiche gilt für meinen kleinen Garten und viele andere Dinge auch. Das kann ich so nicht beantworten.“

Ich fahre routiniert die mir bekannte Strecke. Es ist dunkel und die Straßen sind frei. Ich denke darüber nach, inwieweit wir Einfluss auf unsere Rolle in der Gesellschaft haben. Denn wir alle werden in ein Gesellschaftssystem hineingeboren, in dem wir zu dieser Zeit leben.  Von klein an wird es uns vorgelebt. Wir wachsen in diese Situation hinein. Es ist für uns so gegeben, wie es ist und es scheint für uns so in Ordnung. Wir kennen nichts anderes. Erst viel später, wenn wir selbst reifer werden, beginnen wir viele Dinge zu hinterfragen. Wir haben im Laufe der Jahre über den Tellerrand geschaut. Dank der uns inzwischen zur Verfügung stehenden digitalen Verknüpfung ist es noch leichter Einblicke zu gewinnen und Informationen zu erhalten. Ich würde zum Beispiel aus heutiger Sicht meine Kinder nicht mehr so zeitig in die Hände anderer geben. Ich vermisse es sehr, die ersten Jahre der Entwicklung meiner Kinder nicht überwiegend selbst beeinflusst zu haben.

Ich bin wirklich fasziniert, welche Unterschiede in den verschiedenen Gesellschaftssystemen und in diesem Fall auch zwischen den Kulturen liegen. Im letzteren Beispiel der Familie aus dem arabischen Raum wird es so sehr deutlich. Diese Frau hat in der Famiele ihre komplette Erfüllung gefunden. Wahrscheinlich ist sie von beginn an so aufgewachsen. Ihre Rolle als Frau auf diese Art auszufüllen. Und wahrscheinlich wird es der überwiegende Teil der dort lebenden Frauen so tun. Wir sehen es aus unerer Sicht anders und denken dabei an Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, Gleichstellung und so weiter.  Und wir neigen dazu, unsere Ansichten auf diese Menschen zu spiegeln und glauben, sie müssten es doch verstehen und ebenso tun. Nur ist es auch genauso umgekehrt. Sie können nicht verstehen, dass wir unsere alten Menschen wegsperren in Heime und uns nicht selbst um sie kümmern. Sie können nicht verstehen, dass die Alten denken, sie würden den Jungen zur Last fallen.  Sie können nicht verstehen, warum wir unsere Kinder nicht selbst erziehen und in Kindergärten stecken. Sie können nicht verstehen, dass wir so viele wichtige Dinge, die einfach Liebe und Hingabe erfordern, in externe Hände geben.

Sieht diese Frau, die übrigens mit ihrer Familie erst seit anderthalb Jahren in Deutschland lebt, ihre Rolle in der Gesellschaft als sehr wichtig, negieren viele der deutschen Frauen ihre Rolle in der gleichen Position und degradieren sich selbst zur „nur Hausfrau“. Sieht sich die eine in ihrer Rolle erfüllt und glücklich, sehen sich die anderen gestresst, teilweise überfordert.

Mir fällt es wirklich schwer, den einen wie den anderen die jeweilige gesellschaftliche Norm eins zu eins überzustülpen.  Denn hinter diesen Handlungen stehen viele Jahrzehnte gewachsene Kultur. Und ich bin mir nicht sicher, ob unsere entwickelten Normen immer genau das absolute non plus ultra sind.

Heute ein wenig nachdenklich,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

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Deins, meins, oder doch nicht?

„Was zu dir gehört, kannst Du nicht verlieren. Was nicht zu Dir gehört, kannst du selbst mit aller Kraft der Welt, nicht festhalten.“

Diese Zeilen las ich heute im social media bei einer Freundin. Sie zitierte es unter Konfuzius. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir ihm das tatsächlich in die Schuhe schieben können. Meine Recherchen ergaben nichts Eindeutiges. Aber sei es, wie es ist. Diese wenigen Worte ließen mich nachdenklich werden.

Ist es tatsächlich so? Was gehört zu mir? Was gehört nicht zu mir? 

Auch wenn in diesem Zitat oben von „Was“, also einem Ding, die Rede ist, entschied ich mich, es sinnbildlich zu verstehen.

Im Laufe meines Lebens erkannte ich für mich, dass ich selbst keinem anderen Menschen gehöre. Und umgekehrt gehört mir kein anderer. Ich bin wahnsinnig dankbar, für die Zeit, die ich mit diesen Menschen verbringen darf und gegebenenfalls verbringen durfte. Er gehört oder gehörte eine Zeitlang zu mir, in mein Leben. Jede dieser Begegnungen formt mich und bereichert mein Leben und ich denke, es ist auch umgekehrt so. Einige Menschen bleiben ein Lebenlang, andere nur kurze Zeit.

Nun, diese Erkenntnis war tatsächlich ein Prozess, der einige Jahre brauchte. Nachdem ich nach über zwanzig Jahren Ehe über Nacht allein dastand, fiel ich zunächst in einen Schockzustand, der sich mit unendlich vielen W-Fragen fortsetzte. Und eines dieser großen „W“ war: Warum kann ich ihn dafür nicht hassen. Viele meiner Nahestehenden sagten zu mir, ich müsse ihn doch dafür verfluchen. Nein. Ich tat und tue es nicht. Es gibt unendlich viele Gründe, welche zu getrennten Wegen führen können. Eine neue faszinierende Liebe, das Gefühl der Enge, der Kontrolle, der Über- oder Unterforderung und so weiter.

Andere sagten wiederum, ich solle um ihn kämpfen. Ich fragte mich, ob es Sinn ergebe. Natürlich gab es ein kurzes Aufbäumen. Jedoch erkannte ich sehr schnell, dass ich ihn nicht festhalten konnte und wollte. Ich wollte keinen Menschen an meiner Seite, der aus Mitleid bleibt oder weil er sich irgendwie verantwortlich fühlt. Ein gekitteter Riss ist nur bedingt belastbar. – Er gehörte nicht mehr zu mir. Ich wünschte ihm ehrlich alles Gute und ließ los.

Inzwischen sind über zwanzig Jahre vergangen. In meinem Leben blieben Menschen und gingen welche. Es sind auch wertvolle Menschen in meinem Leben, zu denen ich eine sehr enge Bindung habe, obwohl bei einigen von ihnen eine große Entfernung zwischen uns liegt. Und es gibt Menschen, die mein Leben bereichern, denen ich mich freundschaftlich und kollegial verbunden fühle.

Jedoch ist mir sehr bewusst, dass es nicht nur in meinem eigenen Leben Veränderungen geben kann, sondern auch im Leben der anderen. Und keiner von uns weiß heute, was morgen sein wird. Jeder von uns ist letztendlich für sein eigenes Leben verantwortlich und weiß, wer zu ihm gehört und was vielleicht gegebenenfalls in seiner Lebensentwicklung nicht mehr passt. Und ich verteufele keinen. Alles hat seinen Grund, weshalb es so ist. Auch, wenn wir es oftmals erst viel später verstehen werden. –

Es heißt: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Irgendwie mag ich diese Weisheit …

Wie ist es bei Dir? Welche Erfahrungen hat Dich das Leben gelehrt? Schreibe es einfach ins Kommentarfeld. Ich freue mich sehr, Deine Meinung zu diesem Thema kennenzulernen.

In diesem Sinne,

herzlich, Eure Petra Kolossa. 

Einfach nur autofahren

„Kannst du autofahren?“, fragt mich der kleine Mann. „Ja, na klar.“, sage ich. „Meine Mama kann nicht autofahren.“, stellt er fest.

„Deine Mama wird eines Tages autofahren können. Du weißt, sie hat ein krankes Handgelenk und starke Schmerzen.“, erkläre ich ihm. „Mein Papa kann auch mit einer Hand autofahren!“, kommt es prompt.

„Weißt Du“, versuche ich zu erklären und die Situation seiner Mama zu entschuldigen: „Es gibt kritische Momente, in denen man dringend zwei Hände auch beim Autofahren braucht. Und wenn eine Hand nicht gut festhalten kann, weil sie voller Schmerzen ist, kann es sehr gefährlich werden. Eines Tages wird die Hand Deiner Mama wieder gesund sein. Dann wird deine Mama auch autofahren können.“

Nach einer kurzen Pause von wenigen Sekunden: „Egal, ob Schmerzen oder nicht Schmerzen. Meine Mama kann nicht autofahren!“, erhärtet der fast Sechsjähre.

Ich muss das Gehörte zunächst herunterschlucken und diese nüchterne Feststellung verdauen. Ich bin sprachlos. Diese wenigen Sätze geistern eine ganze Weile in meinem Kopf herum. Was habe ich erwartet? Eine gefühlvolle Bestätigung und Verständnis für die Situation seiner Mama? Dass er verstünde, dass alles irgendwann einmal anders sein wird, wenn dies und das …? Letztendlich muss ich sagen, dass der kleine Mann auf rationaler Ebene komplett Recht hat. Ganz sachlich: Seine Mama kann nicht autofahren. Punkt. Aus. Fertig.

Warum neigen wir Erwachsenen dazu, auf emotionaler Ebene nach Erklärungen zu suchen, Dinge zu entschuldigen, gar Mitleid zu schüren, Zusammenhänge zu finden, die Meinung zu beeinflussen und alles zu begründen? – Wäre es nicht besser gewesen? Ich hätte einfach nur gesagt: „Das stimmt. Sie kann nicht autofahren. Vielleicht wird sie es einmal lernen, wenn ihre Hand wieder gesund ist.“

Während ich diese Zeilen schreibe, huscht ein Lächeln über mein Gesicht. Danke, kleiner Emil, für diese „Lehrstunde“.

… widmen wir Großen den Kleinen gegenüber einfach etwas mehr Aufmerksamkeit in dem, was und wie wir es kommunizieren.

Einen fantastischen Sonntag Euch allen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Gendern Sie auch noch nicht?

Diesen Beitrag fand ich heute in meinem Email-Postfach. Zeilen, zu dem Thema, die man nicht besser sagen kann.

Ich teile gern diesen Artikel mit Euch. Hier findet Ihr den Link zu diesem Beitrag.

Viel Spaß beim Lesen 😊

und einen schönen Sonntag für alle.

Herzlich, Eure Petra Kolossa

Petze, Petze ging in Laden, wollte …

Vor zwei oder drei Jahren unterhielt ich mich mit meinem Freund im entfernten Afrika über besondere Charaktereigenschaften der Deutschen. Eigentlich unterhielt er sich mit mir darüber. Er warf so einige Dinge in den Raum, die er über Deutsche gehört, gelesen oder im TV oder im Internet sah. Selbst hat er unser Land noch nie betreten. Nun, mir als Deutsche ist natürlich bekannt, welche Tugenden oder auch Nicht-Tugenden uns nachgesagt werden. Man findet auch unendlich viele Beiträge im Netz dazu. Ich habe hier ein Beispiel verlinkt. Es ist amüsant zu lesen, wie ein Durchschnittsdeutscher, also ein Alman, sein Fett mit einem Augenzwinkern verpasst bekommt.

Unter anderem sagte er, dass Deutsche Verräter seien. Ich glaubte bei seiner Feststellung an einen Übersetzungsfehler und hinterfragte das noch einmal. Er meinte: „Naja, ihr Deutschen seid Denunzianten.“ Ich fühlte mich beleidigt, irgendwie angegriffen als Deutsche. Ich verpetze keinen oder zeige keinen an. Ich stellte dann fest: „Du meinst die Erfahrungen aus den letzten Weltkriegen?“ Er musste lachen. „Nein. Ihr seid einfach so. Das weiß doch die ganze Welt. Stelle dich nicht so dumm.“

Ich stellte mich nicht dumm. Es kratzte an meinem Stolz und ich wollte das einfach nicht hören. Dieses kurze Gespräch von damals kam immer mal wieder in mein Gedächtnis. Ich musste unter anderem an eine banale Begebenheit denken, als ich in Abwesenheit  die Pflanzenpflege in einer Wohnung übernahm. Ich wohnte damals eine Etage höher in dem Haus.

Die Gießkanne befüllte ich am Spülbecken in der Küche. An der Wand darüber hing ein Kalender. Ich glaubte meinen Augen nicht, was ich dort in steiler Schrift geschrieben las.  Jeder Schritt, den ich tat, wurde dort festgehalten. Wann ich nach Hause kam, wann ich ging, wann ich Wäsche gewaschen habe, wer wann zu Besuch kam und so weiter. Mir ist in diesem Moment regelrecht schlecht geworden. Ich fragte mich, warum sie das tat und wofür sie das brauchte. Jedoch sprach ich das nie an. Mir war es auch peinlich, das gelesen zu haben. Denn ich hätte es niemals gewusst, wenn ich nicht dort diese Wasserkanne gefüllt hätte und währenddessen das Wasser dort hineinlief mein Blick wandern ging, zum Fenster rausschaute, diesen Kalnder betrachtete … Was mich aber sehr bewegte, und das bis heute: Tat sie das auch mit anderen Personen? Wenn ja, warum? Sie wäre auf diese Weise immer aussagefähig, was ihr Umfeld betraf. Nun, ist das ein Zug dieser hässlichen „weltbekannten“ Eigenschaft der Deutschen?

Gestern begegnete mir ein Zeitungsartikel aus Mecklenburg Vorpommern. Dieser tönt in der Überschrift: „Bürger überwachen Bürger – MV testet neue App“. Als ich das las, ist mir beinahe meine Tasse Kaffee aus der Hand gefallen. Und das war der Auslöser für dieses Blog.  Es heißt unter anderem in diesem Beitrag: „Ob Ordnungswidrigkeiten oder der Ärger über unachtsame Mitmenschen: In Mecklenburg-Vorpommern sollen Bürger und Ämter in Zukunft per App besser zusammenarbeiten. …  Nutzer können ihr Anliegen loswerden, ohne sich darum kümmern zu müssen … “ (zitiert)

Das ganze Ding hat tatsächlich einen faden Beigeschmack. Statt aufeinander zuzugehen und uns gegenseitig auf Unzulänglichkeiten aufmerksam zu machen, verpfeifen wir uns gegenseitig und brauchen uns um nichts weiter zu kümmern. Der andere bekommt sein Fett weg und gut ist es. Noch sind es vielleicht die Falschparker, der Nachbar, der nach 22 Uhr zu laut Musik hört, die Frau, die ihre Maske nicht korrekt über Mund und Nase trug, der Junge von ein paar Häuser weiter, der heimlich in der Nähe eines Spielplatzes seine Kippe raucht und so weiter und so fort. Wenn das Ganze eine Weile zur Routine wird, ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur nächsten Ebene. Ich will es nicht ausschmücken. Das ganze Dilemma ist uns allen aus der Geschichte der letzten Weltkriege bekannt. Aus meiner Sicht ist dieses „Bürger überwachen Bürger“ gerade in der augenblicklichen Situation unseres gesellschaftlich gespaltenen Landes ein absolutes No Go!

Als ich Kind war, zeigten wir mit dem Finger auf die, die petzen gingen. Das war so ziemlich das Schlimmste, was sich ein Klassenkamerad leisten konnte. Alle riefen: „Petze, Petze ging in Laden, wollte drei Pfund Käse haben. Drei Pfund Käse gab es nicht, Petze, Petze ärgert sich.“  Wenn das einer tat, ging er heimlich zum Lehrer und versuchte es mit leiser Stimme und unruhigem ängstlichem Blick dem Lehrer beizubringen. Meistens erfolglos. Wir lernten in der Schulzeit miteinander umzugehen, aufeinander zuzugehen und Auseinandersetzungen offensiv zu begegnen. Die Lehrer waren erfahren genug, um diese Dinge zu sehen und zu fühlen, um hilfreich zu führen und zu schlichten.

Nun frage ich mich, weshalb wir Erwachsenen das nicht mehr können sollen.

Ich lehne dieses „Bürger überwachen Bürger“ strikt ab.

Wie stehst Du dazu? Ist diese App eine gute Sache? Oder geht diese zu weit?

Schreibe es bitte einfach unten in das Kommentarfeld.

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Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Das N-Wort

Soeben las ich die News und stolperte über etliche Beiträge zu einem Thema. Die Grünen-Kanzlerinkandidatin Annalena Baerbock habe in einem Interview das N-Wort ausgesprochen. Also das, was sie sagen wollte, einfach beim Namen genannt. Man stellte in den einzelnen Berichten noch fest, dass sie selbst die verurteilt habe, die in der Vergangenheit dieses N-Wort gebrauchten.

Und das machte mich jetzt tatsächlich neugierig. Denn ich bemerke, dass ich ab und an ziemlich naiv durchs Leben tapse. Ich habe nur eine schwache Ahnung, was dieses N-Wort sein mag. Es gab ein kleines Video, das aufgenommen wurde, als sie dieses N-Wort verwendete. Ich startete diesen kurzen Film und musste wirklich lachen. An dieser Stelle, als sie dieses Wort aussprach, gibt es einen Piepston. Es wurde also tatsächlich weggepiepst. Unglaublich.

Also gab ich das bei Google ein und fand nach x-vielen Beiträgen, in denen ausschließlich dieses Wort mit „N-Wort“ umschrieben wird, einen Beitrag von Wikipedia, der vor sechs Stunden aktualisiert wurde, wie ich lesen konnte. Ich bin jetzt ganz „mutig“ und schreibe dieses Wort als das Wort, was aus meiner Sicht total dämlich als N-Wort bezeichnet wird. Wikipedia schreibt es in der Überschrift zu diesem Beitrag. Es ist das Wort Neger. Ich habe es hier verlinkt.

Ich sinniere über dieses Wort, das ich sehr, sehr selten verwende. Ich tue es unbewusst. Niemals denke ich darüber nach, es nicht zu tun. Denn in mir steckt kein Hass, in keiner Richtung. Als sehr kleines Mädchen bekam ich ein Negerpüppchen geschenkt. Es gibt noch Fotos von damals, wo ich in einem niedrigen Kinderwagen diese Puppe in den Armen hielt.

Bild: privat

Während ich schreibe, denke ich darüber nach, wie ich diese Puppe von damals heute beschreiben sollte. Es ist das, was es damals war. Es wäre völliger Unsinn, es anders zu bezeichnen. Es gehört einfach in diese Zeit der Fünfziger oder Sechsziger. Und es steckt keinerlei Gedankengift oder gar Diskriminierung oder Beleidigung in meinen Gedanken oder in der Bezeichnung für diese Puppe, wenn ich heute an diese Zeit vor über sechszig Jahren zurückdenke.

Es ist mir unerklärlich, dass es überhaupt möglich ist, Wörter aus dem Sprachgebrauch zu liquidieren und das Verwenden dieser zu verbieten. Es quält mich, dass unsere deutsche Sprache als politisches Mittel missbraucht wird, dass wir Deutschen durch Verbiegen der Sprache eine Erziehung, gar Maßregelung, erfahren. Erinnert sei auch an dieses Gendern. Und mir ist unerklärlich, weshalb wir das Spiel mitspielen und uns hinter Phantasienamen, wie das „N-Wort“, verstecken und letztendlich das Gleiche meinen.

Wie stehst Du zu diesem Thema? Gern schreibe es einfach unten im Kommentar.

Ich werde mich jetzt mit einem Kaffee stärken …

Herzlich, Eure Petra Kolossa.