Petitesse – Randnotiz – 2026-01-23

Beschmutze nicht Dein eigenes Nest!

Es ist ein Selbstverständnis, so glaubte ich bisher. Ein ungeschriebenes globales Gesetz, das so etwas, wie Ehre, Stolz und Liebe mit sich führt.

Nur charakterschwache, eitle, blasierte, selbstgefällige Menschen erheben sich über andere und führen diese vor Fremden vor.

So geschehen auf dem World Economic Forum 2026 in Davos.

Noch nie habe ich erlebt, dass ein Staatsoberhaupt sein eigenes Volk vorführt oder sich gar über seine Landsleute beklagt. Und das Ganze außerhalb seiner Staatsgrenzen in einem anderen Land.

Im Gegenteil, diese sprechen von ihren großartigen Landsleuten, fleißigen, starken Menschen und so weiter.

Was macht der deutsche Bundeskanzler? Er beschwert sich auf dem World Economic Forum vor allen hohen Staatsrepräsentanten über die Faulheit der Deutschen. Sie würden zu wenig arbeiten. Wo doch die Schweizer zweihundert Stunden mehr im Jahr arbeiten. Er hinterfragt es polemisch, sinngemäß, ob denn die Genetik der Deutschen so viel anders sei. Als ich das hörte, wuchs mein Groll noch mehr an.

Ganz am Rande möchte ich erwähnen, dass zweihundert Stunden im Jahr etwa vierzig Minuten pro Tag länger arbeiten bedeutet. Die Schweizer haben grob gerundet durchschnittlich 1500 Euro mehr monatliches Netto-Einkommen, als die Deutschen. Hinzu kommen die wesentlich geringeren Steuerlasten für die Bürger. In Deutschland zahlt ein Alleinstehender 47,8 % Steuern, in der Schweiz 23,4 %. Oder das Beispiel einer Familie, also zwei Erwachsene und zwei Kinder: In Deutschland 40,8 % und in der Schweiz 17,7 %. Hier könnt Ihr gern nachlesen.

Unserem Bundeskanzler scheinen die faulen Deutschen seit kurzem als Sündenböcke in den Sinn gekommen sein. Die, die ständig blau machen und sich krankschreiben lassen, die faulen Säcke, die nicht ausreichend Stunden schrubben, die Alten, die mal nicht so faul ihre Rente einsacken, sondern sich weiter irgendwo verdingen sollten.

So referierte er neulich auf innerdeutschen Veranstaltungen und ereiferte sich darüber. Auch das ist nicht die feine englische Art. Aber soll er sich von mir aus, seinen aufgestauten Frust von der Seele reden. Jedoch ein internationales Treffen der Weltelite zu nutzen, und sich über sein eigenes Volk zu beschweren und dieses als faul vorzuführen, macht mich mehr als sprachlos.

Wenn wir manches Mal im Spaß sagen: Lehrer ohne Schüler wäre ein entspannter Job oder Verkäufer ohne Kunden und so weiter, denke ich, unser Bundeskanzler wäre glücklich, ein König ohne Volk zu sein. Nur wer wäre dann der Sündenbock für all den Trödel, für all das, was nicht rund läuft?

Petitesse – Randnotiz – 2026-01-04

Fikusbaum und Olsenbande

Als ich die Nachricht vom Sparkassenraub in Gelsenkirchen hörte und dann die nachgeschobenen Informationen, wie das ganze Ding stattgefunden haben soll, wusste ich nicht, ob ich laut lachen und doch lieber entsetzt sein sollte.

Das alles ist so dermaßen absurd. Die Räuber sollen 3200 Schließfächer geknackt und sich schlappe dreißig Millionen Euro eingesackt haben.

In aller Seelenruhe puckerten sie sich ein Schlupfloch auf dem Weg durch die Tiefgarage in den Tresorraum, räumten hübsch die Steinchen beiseite, krabbelten durch das Löchlein und öffneten 3200!!! Schließfächer und räumten die Dinger aus.

Ganz ehrlich, das ist schon rekordverdächtig. Wieviele Stunden werden sie wohl dafür gebraucht haben? Ich überlege: Wenn nur eine einzige Minute pro Schließfach benötigt würde, wären die Räuber mit rund dreiundfünfzig Stunden, also über zwei komplette 24-Stunden-Tage beschäftigt. Und das allein nur mit dem Ausräumen dieser Schließfächer.

Aber wahrscheinlich bin ich da zu naiv.

Unwillkürlich muss ich an eine Situation denken, die sich 2003 ereignete.

Damals hatte ich ein ziemlich großes Büro, das das Vorzimmer zur damaligen Geschäftsführerin eines großen Unternehmens war. Dieses war mit einer Alarmanlage ausgestattet, die automatisch scharf gestellt wurde, wenn die Chefin oder ich als letzte eines Arbeitstages den Raum verließen.

Damals kam es in einer einzigen Woche zu drei nächtlichen Alarmmeldungen bei der damals zuständigen Sicherheitsfirma. Diese rückte aus, um vor Ort nach dem rechten zu sehen. Sie fand keine Besonderheiten.

Bei der dritten eingehenden Meldung nahmen sie sich die Zeit, der Ursache der Fehlmeldungen nachzugehen. Letztendlich stellte sich heraus, dass sich der große im Raum stehende Fikus einem welken Blatt entledigte und das herabfallende Teilchen den Alarm auslöste.

Und nun soll mir einer sagen, dass jedermann in einer Sparkasse einem Tresorraum mit Hammer und Meißelchen zu Leibe rücken, sich seine Säckchen füllen und dann ganz vergnüglich in sein Auto steigen kann, um gemütlich aus der Tiefgarage ins Nirgendwo zu reisen.

Dachte ich doch immer, dass „Die Olsenbande“ eine Gaunerkomödie sei.

Petitesse – Randnotiz – 2025-12-23

Debanking

Das Radio wird bei uns zu Hause zur Unterhaltung erst zum Frühstück eingeschaltet. Meine ersten Morgennachrichten höre ich davor digital über Podcasts oder auf Youtube.

Diese Formate werden nicht von den Geldern gefüttert, die jeder von uns an die Öffentlich Rechtlichen abzutreten hat. Sie sind auf Spenden oder Abonnements angewiesen, um ihre journalistische Arbeit tun zu können.

So, wie wir es seit vielen, vielen Jahren von den privaten Sendern im Fernsehen oder Radio kennen. Wo uns die Werbebeiträge nonstop um die Ohren gehauen werden. Aber das ist eben deren Finanzierungsmöglichkeit. Bei so manchem Podcast oder Youtube-Kanal gibt es inzwischen ebensolche gewerblichen Sponsoren, die ihre Produkte anpreisen und für die gebuchte Sendezeit ihren Obolus abdrücken.

Worauf will ich hinaus? Neulich schaute ich eine Morgensendung auf Youtube. Ein Sender, der ebendort, als Podcast oder auf vielen Frequenzen im digitalen Radio, auf DAB, zu finden ist. Schaut man es auf Youtube, läuft ein livechat, den ich manches Mal flüchtig überfliege.

Es wurde in der Sendung für ein Jahres-Abonnement geworben. Im Chat las ich, dass jemand gern ein Abo abschließen würde, aber Angst hat, dass ihm bei dieser Abbuchung, wo zu erkennen ist, von wem der Betrag einggzogen wird beziehungsweise an wen der Betrag gezahlt wird, die Bank seines Vertrauens sein Konto löschen könnte. Eine ähnliche Bemerkung las ich vor ein paar Wochen.

Schon damals dachte ich: „Oha, so weit gehen die Gedanken der Menschen.“ Aber dieses Mal horchte ich auf. Denn eigentlich sind solche Überlegungen und Äußerungen völlig absurd, könnte man glauben. Leider ist dem nicht so.

Debanking ist eine realativ neue ideologisch geformte Methode, Menschen in riesige Probleme zu bringen und unter Druck zu setzen. Ich möchte es ganz simpel ausdrücken. Man möge doch bitteschön das eigene politische Weltbild korrigieren und das derzeit einzig Wahre unserer derzeitigen Zweckkoalition verinnerlichen und vor allen Dingen nach außen leben. Alles andere ist böse und pfui.

Es gibt nicht einmal eine deutsche Übersetzung für den Begriff „debanking“. Denn Kontolöschung ist nicht die richtige Bezeichnung dafür.

Ich habe dazu im Web recherchiert. Letztendlich fasste die KI all das zusammen, was es im weltweiten Netz finden konnte. Da es nicht möglich ist, dazu einen Link zu setzen, machte ich schnell einen Screenshot und füge das hier in meinem Beitrag ein. 

                     

Der Ordnung halber will ich erwähnen, dass ich über Chrome / Google am 20.12.2025 recherchierte. 

Ich denke gerade darüber nach, was es für uns bedeutet, kein Bankkonto zu besitzen. In einer Zeit, in der das Bargeld weitestgehend abgeschafft werden soll und jeder Fussel digital mittels einer künstlichen Intelligenz nach Schlagworten geprüft und nachweisbar über das Bankkonto laufen wird. Man ist ohne einem Bankkonto bloßgestellt, finanziell, sozial und wirtschaftlich erledigt. Und das Ganze unabhängig davon, welchen Beruf, welche Stellung, wieviel Geld man verdient und besitzt, wie man lebt und so weiter. Unglaublich!

Petitesse – Randnotiz – 2025-12-06

Wort des Jahres 2025

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache hat sich also auch dieses Jahr mit ihrem „Wort des Jahres“ festgelegt.

Kannst Du Dich noch an die letzten „Wort des Jahres“ erinnern? Ich musste nachschlagen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Es ist ein untrübliches Zeichen, dass diese jährliche Wort-Wahl völlig bedeutungslos ist.

2020 – Corona-Pandemie

2021 – Wellenbrecher

2022 – Zeitenwende

2023 – Krisenmodus

2024 – Ampel-Aus

Und für dieses, das Jahr

2025 – KI-Ära

Ich frage mich wirklich, weshalb die Experten dieses Wort-Konstrukt zum „Wort des Jahres“ wählten.

Unweigerlich muss ich an die Aussage unserer Bundeskanzlerin aus dem Jahr 2013, dass das Internet für uns alle Neuland sei, denken.

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache wählte also „KI-Ära“ zum Wort des Jahres 2025. Eine Ära umfast einen großen Zeitabschnitt von vielen Jahren (hundert, tausend, millionen). Wie können Experten der deutschen Sprache dieses Wort „Ära“ für ein einziges Jahr, nämlich das Jahr 2025, festlegen?

Ganz davon abgesehen, scheint es doch so, als würde Deutschland noch mächtig überlegen, was man so mit der künstlichen Intelligenz überhaupt an vernünftigen Dingen anstellen könne.

Ist die Künstliche Intelligenz tatsächlich DAS Thema 2025 in Deutschland, das zu diesem Wort-Konstrukt motivierte?

Heute etwas grübelnd.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Petitesse – Randnotiz – 2025-10-01

Melodramen

Vor ein paar Tagen hörte ich seit vielen Jahren das verstaubte Wörtchen „larmoyant“. Ganz ehrlich: Ich schaute sicherheitshalber in die Rechtschreibung. Denn ich kann mich nicht daran erinnern, dieses jemals geschrieben zu haben.

Mir ist das Wort „Larmoyanz“ nur aus ewigen Arien in Opern bekannt. Wenn die Protagonisten herzzerreißend ihr Leid die Tonleitern hoch und runter singen.

Umso mehr regt mich die unglaublich insultierende Hybris unseres aktuellen Bundeskanzlers gegenüber des Souveräns auf. Also dem gegenüber, der die oberste Staatsgewalt hat. In einer Demokratie ist es das Volk.

Die täglich in den Medien mantramäßig hergebetete „freiheitlich demokratische Grundordnung“ sollte im Normalfall selbsterklärend sein.

Aber ich komme ja nicht aus dem Völkerrecht 😉 und will mich deshalb nicht zu weit rauslehnen.

Deshalb: „Hören wir doch mal auf, so larmoyant und so wehleidig zu sein in diesem Land.“ (Zitat Friedrich Merz, Bundeskanzler, zu lesen unter anderem hier.)

Während ich diesen Satz tippte, musste ich wieder meinen Kopf schütteln. Ich frage mich und ich frage Euch. Welchen der Punkte, für die er am 23. Februar 2025 zur Wahl antrat und sich letztendlich wählen ließ, hat er wenigstens ein klitzekleines winziges Detail in Angriff genommen? Ich kenne keinen einzigen Menschen, der so selbsgefällig und konfliktscheu seine Aussagen von gestern völlig selbstverständlich mit einem Schulterzucken und einem „hoppsala, dann ist es eben jetzt so“ ins Gegenteil wendet und ad absurdum führt.

Immerhin sind laut „Insa“ in einer Umfrage vom 25./26. September 2025

23 Prozent der Bevölkerung mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden. (Man soll ja immer mit dem Positiven beginnen.) 12 Prozent der Befragten wollten sich nicht äußern und 65 Prozent sind unzufrieden.

Verdammt! Nun seid aber doch mal nicht so weinerlich!

Petitesse – Randnotiz – 2025-09-06

Zeitrechnungen

Meine Brille, die ich am liebsten trage, die allerdings auch die neueste mit den aktuellsten Sehstärken ist, muss immerzu an ihren Schräubchen nachgezogen werden.

Ich denke so: Es kann doch nicht sein, dass dieses gute (teure) Stück schon wieder an den verschraubten Stellen wackelt. So alt ist sie doch noch nicht!

Doch, ist sie. Ich schaue nach und stelle fest, dass ich diese seit dem Frühjahr 2019 auf der Nase trage.

Ich denke: Oha, das war ja noch vor Coroa! Wer hätte das gedacht?!

Und in diesem Augenblick wird mir bewusst, dass sich meine Zeitbegrifflichkeit seit ein paar Jahrzehnten in diffuse Zeitspannen kleidet.

Wenn ich mich mit anderen unterhalte fallen wie selbstverständlich solche Wortkonstrukte wie „zu DDR-Zeiten“ oder „seit, vor oder nach der Wende“, „seit, vor oder nach Corona“, „während, vor oder nach der Ampel“ und so weiter.

Ich überlege: In welcher kurzlebigen Ära leben wir eigentlich jetzt? Keine Ahnung, wie wir das einmal betiteln werden.

Haben sich in Deine Denkwelt und Deinen Sprachgebrauch ebensolche groben Zeitbegrifflicheiten eingeschlichen?

Schreibe es doch einfach ins Kommentarfeld 😊

Bis zum nächsten Mal, herzlich, Eure Petra Kolossa.

Petitesse – Randnotiz – 2025-05-21

Die digitale Kluft

Digital sollen wir alle werden und das so richtig.

Hörte ich doch neulich ein Interview in irgendeinem der Öffentlich Rechtlichen Sender, wo uns erklärt wurde, weshalb nur sechsundfünfzig Prozent der SPD-Mitglieder an der digitalen Abstimmung zum Koalitionsvertrag der jetzigen Regierung teilnahmen. Eine Begründung wurde darin gesehen, dass vor allem die älteren SPD-Mitglieder Probleme mit der Handhabung des digitalen Prozedere gehabt und kein Internet hätten. Zum einen sagt es mir, dass fast die Hälfte der Mitglieder „Ältere“ zu sein scheinen, zum anderen stehen auf meiner Stirn unendlich viele Fragezeichen.

Ich zäume das Pferd mal von hinten auf.

Wir haben nun ein Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Noch großartiger ist, dass sich der SPD-Politiker, Herr Lauterbach, Ihr wisst schon, der großartige Gesundheitsminister der gescheiterten Ampel, sich nun um das Thema Raumfahrt kümmern soll. Super gut!

Außerdem bekamen wir mit unserer neuen Bundesregierung auch ein neues Ministerium, nämlich das Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Das ist wirklich etwas ganz Neues. Ihr wisst schon „Internet ist für uns alle Neuland“, so unsere einstige Bundeskanzlerin im Jahr 2013. Inzwischen scheint das neue Land die Digitalisierung zu sein.

Ich muss ein wenig lächeln, da diese gewaltigen Themen schon an einem klitzekleinen Ding zu scheitern scheinen. Und das heißt einfach nur „Netzverfügbarkeit“.

Als ich vor einiger Zeit mit einem algerischen Künstlerkollegen telefonierte, amüsierte er sich, aber reagierte höflich, als er bemerkte, welche Probleme ich mit dem Mobilnetz hatte. Das Gleiche hatte ich mit einer Musikerin, mit der ich für mein „homepART“-Projekt zusammenarbeitete, in Australien. Sogar in Afrika, wo man Deutschland als das Highlight in der Industrie und Wirtschaft betrachtet, konnte man das digitale Netz-Desaster nur mir zuliebe höflich, amüsiert überspielen.

Derartige Gespräche sind von meinem Standort aus nur vom Schreibtisch aus über das WLAN möglich. Deshalb rief ich später von dort zurück.

Es mag sein, dass es in Deutschland Regionen gibt, die dieses Problem nicht kennen. Jedoch hier in Baden Württemberg, Nahe dem Bodensee, ein insgesamt eher ländlicher Raum, ist die Netzverfügbarkeit zum Teil kritisch. Wir haben ganze Ortschaften, in denen bei einer Durchfahrt mit dem Auto das Netz zusammenbricht. Wenn ich eine längere Reise mit dem Auto plane, stelle ich die Route in meiner Navigations-App unter unserem häuslichen WLAN ein und schaue mir die ersten Kilometer der Strecke an. Verlasse ich das Haus, bekomme ich die Mitteilung, dass für das Benutzen der App ein Internet notwendig sei. Die Netzverfügbarkeit wird mit „E“ angezeigt, was für einen Internetempfang nicht ausreicht. Ich weiß, dass es besser wird, je weiter ich mich von unserer Region entferne.

Unsere Gäste können davon ein Lied singen und machen sich lustig über die Situation im reichen Ländle Deutschlands. Der Mann meiner Nichte, der aus beruflichen Gründen auf ein sehr gutes digitales Netz angewiesen ist, gab kurzerhand sein Projekt auf, in den südlichsten Süden Deutschlands zu ziehen.

Ich selbst musste den Vertrag mit der Telekom beenden, weil eben diese keine stabile Leitung zur Verfügung stellen konnte, die ich dringend für meine Arbeit im home office benötige. Ich wechselte zu einem regionalen Anbieter. Die Netzverbindung ist zwar besser, dennoch grenzwertig. Man arrangiert sich. Was bleibt einem auch anderes übrig.

Ein praktisches Beispiel:

Ich logge mich digital bei einem Unternehmen, einer Behörde oder sonst etwas ein.
Bevor ich Zugriff auf die Seite erhalte, werde ich aufgefordert, den Code in das dafür vorgesehene Feld einzutippen, der mir soeben als SMS auf mein mobiles Telefon gesendet wurde. Und schon an dieser Stelle würde ich am liebsten aussteigen. Denn:
Eine SMS! Die kann ich nur über das Mobilfunknetz empfangen, nicht über das WLAN oder LAN.
Ich schnappe also mein Telefon. Renne in die Küche, da dort noch der bessere Empfang ist. Auf jeden Fall etwas mehr, als „E“. Dort lauere ich auf die SMS. Jipie, sie kommt! Ich sause zurück, um die Ziffern einzutippen.
Zu spät. Mir wird mitgeteilt, dass der Code nicht mehr gültig ist.
Also neuen Code als SMS anfordern, in die Küche rennen, warten, Code erhalten, noch schneller zurück an den PC sausen, eintippen …
Dieser Vorgang kann einige Male in Anspruch nehmen, wenn die Gültigkeit vom Senden der SMS bis zum Erhalten dieser unter drei Minuten liegt.

Ein anderes Beispiel:
Zwei mal im Jahr bekommen wir eine Sperrmüllkarte, die wir für die kostenlose Entsorgung diverser unbrauchbarer Dinge benutzen dürfen. Das Ding sollte vorzugsweise online bei der Stadt eingelöst werden.
Ich wählte also die Webseite und wollte das unkompliziert erledigen. Nix unkompliziert, denn dafür braucht man eine digitale ID, die zuvor zu beantragen sei, die man dann allerdings für viele super gute hochmoderne digitalen Vorgänge und Formblättchen im städtischen Kommunalbereich verwenden könne.

Ich verließ genervt die Webseite und füllte handschriftlich das Kärtle aus, pappte eine fünfundneunzig!-Cent-Briefmarke auf die Karte und ab in den Briefkasten.
Da wir nach zwei Wochen noch nichts vom Amt hörten, rief ich gestern dort über unseren Festnetzanschluss an. Waaaarteschleife. Ich schaltete das Telefon auf „laut“ und legte es auf den Schreibteisch. Zwischenzeitlich erhielt ich immer wieder vom Band die Information, dass man alles ganz einfach und schnell digital erledigen könne. Nach dreizehn Minuten und ein paar Sekunden, meldete sich doch tatsächlich eine Menschin. Wie toll! Es tat so gut, nicht allein am Computer, dem Smartphone, Tablet oder sonstigem elektronischen Gerät Formulare auszufüllen. In einem netten Gespräch erfuhr ich den Termin für das Abholen unseres Sperrmülls, der zwei Monate nach dem Absenden der Karte liegt. Aber immerhin noch zwei Wochen vor unserem Umzug.

Ich habe dafür keinen Bock mehr. Dieser ganze zeitfressende digitale Kram ist mir inzwischen einfach nur noch zuwider. Für jede Kleinigkeit quält man sich durch das Netz. Zum Teil auch, weil man dafür einfach genötigt wird. Einen Termin, um ein Auto an-, ab- oder umzumelden bekommt man bei uns zum Beispiel ausschließlich online.

Und wer das nicht kann, muss sich Hilfe suchen oder darauf verzichten, wie die vielen „Älteren“ der SPD, die eben nicht an der Abstimmung zur Koalitionsbildung unserer fortschrittlichen neuen Regierung teilnehmen konnten.

Seit fünfundzwanzig Jahren, also mit dem Jahr 2000, bin ich mit dieser digitalen Welt als Nutzer verbunden. Ich arbeite viel am PC, bin in den sozialen Netzwerken aktiv, schreibe diesen Blog und kann meinen Job nur tun, weil es das Internet gibt. Ich bin unglaublich dankbar dafür.

Dennoch macht mich dieser unsensible, bevormundende, in mein ganz persönliches Leben eingreifende Wahn äußerst hellhörig und blockiert mich. Instinktiv ziehe ich mich mehr und mehr daraus zurück. Ich lerne meinen Fokus zu setzen. Gut verstehen kann ich all die, die ihr Smartphone gegen ein mobiles Tastentelefon eingetauscht haben. Ich frage mich nur, wie die wohl gezwungen werden sollen, an der digitalisierten Staatsmodernisierung teilnehmen zu müssen.

Und wisst ihr was? Als ich diese dreizehn Minuten auf einen Gesprächskontakt beim Amt wartete, war mir das irgendwie egal. Vor ein paar Jahren hätte ich mich darüber maßlos aufgeregt. Inzwischen sehne ich mich danach mit menschlichen Wesen im Gespräch sein zu dürfen und nicht von irgendwelchen KI-generierten Robots abgefertigt zu werden.

Auch dieses „Sperrmüllkärtchen“ wird es nicht mehr lange geben. Davon bin ich überzeugt. Noch vor drei oder vier Jahren erhielt hier jeder Haushalt einen Müll-Abhol-Kalender. Der hing am Kühlschrank. Ein Blick darauf und wir wussten, wann der Müll, die gelbe oder blaue Tonne, der Sondermüll und so weiter  an den Straßenrand gestellt werden musste. Den Kalender gibt es jetzt ausschließlich digital. Wer mag, kann sich den nun ausdrucken. Inzwischen gibt es dafür eine Abfall-App, die man mit seinem eigenen digitalen Kalender verknüpfen kann. Somit stehen die Termine nun in meinem Kalender. Voraussetzung ist, dass man eben einen solchen verwendet. Ich tue das zum Glück.

Aber was machen nur die vielen „älteren“ SPD-Mitglieder, die nur offline unterwegs sind? 😉

Habt einen wunderbaren Tag. Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Petitesse – Randnotiz – 2025-03-05

Wir Menschen neigen dazu, gsellschaftspolitische Situationen sehr emotional wahrzunehmen. Ähnlich eines Fußballfanatikers, der sich stundenlang über ein vermeintlich ungerechtes Foul oder einen aus seiner Sicht falsch vergebenen Elfmeter aufregen kann.

Auch ich gehöre zu denen, die fassungslos kopfschüttelnd vor der aktuellen politischen Situation in Deutschland stehen und nicht begreifen kann, dass es so ist, wie es ist. Ich möchte zum Megaphone greifen und hineinbrüllen: Was muss noch geschen, damit Ihr endlich wach werdet. Merkt Ihr nicht, wie Ihr ver*****t werdet? Warum seht Ihr das nicht?

Auf dem Silbertablet wurde uns das bereits vor dem 23. Februar serverviert, was Ihr jetzt vermerzelt als Hackfleisch aufgetragen bekommt. Wohl bekommt’s.

Wieviel von diesen fiktiven Milliönchen und Millarden sollen noch locker gemacht werden? Welche goldene Gans soll dafür die Federn lassen?

Der Hammer ist, dass dafür das Grundgesetz noch fix zwei Wochen vor dem Ablösen der jetzigen Bundesregierung mit den Stimmen der alten geändert werden soll, weil sie befürchten, dass das mit der neuen Regierung nicht möglich sein wird.

Die neue Regiereung soll also nach den irren Vorstellungen der alten mit den Stimmen der jetzigen Regierung gefälligst mit dem potentiellen gigantischen Schuldenberg klarkommen. Man nennt es Sonder“vermögen“ und meint Sonderschulden. Also: Auf ein fröhliches hinterlistiges „weiter so“.

Nur am Rande: Versucht mal auf der Bank ein Hausbauvermögen oder ein Vermögen für den Kauf eines Autos zu beantragen. Ihr könnt mir ja mal ein Foto des Gesichtsausdruckes Eures Bankberaters schicken.

Der voraussichtlich neue Bundeskanzler kauft sich mit seinen Zugeständnissen an Rot und wahrscheinlich auch an Grün (sicher ist sicher, damit das Auszählen der Stimmen letztendlich passt) dieses hohe Amt, um seinem lächerlichen Ego endlich das ersehnte Krönchen aufsetzen zu können.

Ich hoffe nur, dass es ausreichend Menschen mit Gewissen und Verstand in unserem „gewählten“ Bundestag gibt und die eingebrachte Grundgesetzänderung wie auch die Aufnahme dieser unvorstellbar massigen Schulden, die noch x-viele Generationen abzahlen werden,  nicht die Mehrheit erhalten wird.

Heute fassungslos, Eure Petra Kolossa.

Petitesse – Randnotiz – 2025-02-23

Heute ist also der Tag, an dem wir alle zur Wahl gerufen wurden. Ein trüber, fönig-warmer Tag. Die Störche kamen zurück und wir hörten sie heute das erste Mal klappern.

Auf dem Rückweg vom Wahlbüro fing ich sie mit ein paar Schnappschüssen ein.

Könnt Ihr sie auf dem Kirchendach entdecken?

Einmal in vier Jahren, sollen die Bürger ihre Stimme für einen potentiellen Politiker und eine Partei abgeben.

Inzwischen wissen wir, dass letztendlich die ganze deutsche demokratische Regierungsbildung ein Wurschtelwerk von Zahlenspielerei ist und nix wirklich dem Willen der Mehrheit entsprechen muss. Es ist absolut möglich, dass sich alle nicht gewählten Parteien zusammenpacken können, wenn es rechnerisch reicht, und wir letztendlich genau das bekommen, was die Mehrheit der Deutschen nicht wollte. Eine Minderheitenregierung, welch ein Gruselstück.

Keinen wesentlichen Unterschied ergibt eine andere Konstellation, wenn die Brandmauer aufrecht erhalten wird.

Ich will nicht weiter spekulieren. Heute am späten Abend werden wir ein wenig schlauer sein.

Warten wir geduldig ab.

Es ist Februar, jedoch guckt der Frühling bereits um die Ecke. Die Natur wird bald erwachen.

Petitesse – Randnotiz – 2025-02-22

Heute Abend waren wir Künstler wieder zum Künstlertreffen verabredet.

Ich fuhr also vom Parkplatz vor unserem Haus den Hang herunter, blinkte links, um in Richtung Ravensburg zu fahren. Als ich den Gang hochschaltete hätte ich mich fast dabei verstolpert.

Was ich da sah, war ein so ungewöhnliches Bild, das sich glattweg in meinem Kopf abspeicherte.

Eine große Deutschlandflagge wurde an einem Mast im Ortskern hochgezogen. Tatsächlich! Das sah ich seit Jahren nicht mehr. Diese schien niegelnagelneu und leuchtete in schwarz, rot, gold. Es war keine in blau-gelb, oder in total bunt, oder eine der Narrenzunft. Nein! Es war die Flagge unseres Landes.

Eigentlich ist es traurig, dass mir das so sehr auffiel. Jedoch will ich es als Omen sehen und hoffe, dass die morgige Wahl eine ehrliche, eine für die Menschen unseres Landes, sein wird und kein Würfelspiel.

… bis später, Eure Petra Kolossa.