Melodramen
Vor ein paar Tagen hörte ich seit vielen Jahren das verstaubte Wörtchen „larmoyant“. Ganz ehrlich: Ich schaute sicherheitshalber in die Rechtschreibung. Denn ich kann mich nicht daran erinnern, dieses jemals geschrieben zu haben.
Mir ist das Wort „Larmoyanz“ nur aus ewigen Arien in Opern bekannt. Wenn die Protagonisten herzzerreißend ihr Leid die Tonleitern hoch und runter singen.
Umso mehr regt mich die unglaublich insultierende Hybris unseres aktuellen Bundeskanzlers gegenüber des Souveräns auf. Also dem gegenüber, der die oberste Staatsgewalt hat. In einer Demokratie ist es das Volk.
Die täglich in den Medien mantramäßig hergebetete „freiheitlich demokratische Grundordnung“ sollte im Normalfall selbsterklärend sein.
Aber ich komme ja nicht aus dem Völkerrecht 😉 und will mich deshalb nicht zu weit rauslehnen.
Deshalb: „Hören wir doch mal auf, so larmoyant und so wehleidig zu sein in diesem Land.“ (Zitat Friedrich Merz, Bundeskanzler, zu lesen unter anderem hier.)
Während ich diesen Satz tippte, musste ich wieder meinen Kopf schütteln. Ich frage mich und ich frage Euch. Welchen der Punkte, für die er am 23. Februar 2025 zur Wahl antrat und sich letztendlich wählen ließ, hat er wenigstens ein klitzekleines winziges Detail in Angriff genommen? Ich kenne keinen einzigen Menschen, der so selbsgefällig und konfliktscheu seine Aussagen von gestern völlig selbstverständlich mit einem Schulterzucken und einem „hoppsala, dann ist es eben jetzt so“ ins Gegenteil wendet und ad absurdum führt.
Immerhin sind laut „Insa“ in einer Umfrage vom 25./26. September 2025
23 Prozent der Bevölkerung mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden. (Man soll ja immer mit dem Positiven beginnen.) 12 Prozent der Befragten wollten sich nicht äußern und 65 Prozent sind unzufrieden.
Verdammt! Nun seid aber doch mal nicht so weinerlich!