Welche Lektion hättest du gerne früher im Leben gelernt?
Das ist eine gute Frage, die uns Bloggern gestellt wird. Ganz sicher hat jeder von uns im Laufe seines Lebens bereits einmal gedacht: „Hätte ich das doch viel früher gelernt!“
Also ich tat das sehr, sehr oft.
Die obige Frage bezieht sich nur auf eine Lektion. Auch wenn ich so einige Lektionen in meinem Leben gern früher gelernt hätte, will ich mich also nur einer widmen. Ich gehe ganz weit zurück, nämlich in meine Kindheit.
Das, was wir in unseren frühen Kinderjahren lernten, prägt sich tief in unserem Unterbewusstsein ein. Später tragen wir das uns Beigebrachte plus einiger eigener Erfahrungen an unsere Kinder weiter. Diese tun das später ebenso, wiederum mit ihren selbst gewonnenen Erkenntnissen ergänzt. Irgendwann, einige Generationen später, wird das, was ich einst lernte, aufgepolstert mit den Eigenerfahrungen der jeweiligen Generationen, neutralisiert sein.
Heute möchte ich über eine Lektion sprechen, die ich unbedingt viel, viel füher hätte lernen wollen. Es ist aus meiner Sicht so wichtig, dass ich das dringend an die heutigen Eltern weitergeben möchte. Zeitgemäß wäre es, wenn dieses Thema tiefgreifend in Form der Wissensvermittlung in den Schulen Einzug halten würde. Das ist eine Basis für das gesamte Leben.
Was ich nie in meinem Elternhaus lernte, war der Umgang mit dem Geld. Es war ein Tabu. Auf Fragen zu diesem Thema wurde pikiert und empört reagiert. Wir Mädchen hatten nie ein Taschengeld. Wir lernten nie die Bedeutung des Geldes kennen, zum Beispiel das vorhandene Geld einzuteilen. Wir lernten nie, einen gewissen Betrag nur für uns allein zur Verfügung zu haben, dieses auszugeben oder zu sparen. Wir lernten nie selbstverantwortlich mit einer bestimmten Menge Geld umzugehen, ohne Rechenschaft dafür ablegen zu müssen.
Benötigten wir für die Schule zum Beispiel ein neues Schreibheft, bekamen wir genau das Geld abgezählt, was es kostete. Ich glaube, es waren damals zehn oder zwanzig Pfennige. Damit gingen wir zum Schreibwarengeschäft und kauften es.
Wenn wir zum Beispiel ein Brot einkaufen sollten, lag ein Häuflein Münzen genau abgezählt, auf dem Schrank in der Küche. Es waren einundachtzig Pfennigen für das bevorzugte Malfabrot, oder die siebenundsiebzig Pfennige für einen Liter Milch. Ich kann mich noch daran ereinnern, wie ich dieses Häufchen Kleingeld fest in meiner Hand umklammerte, um keinen Pfennig zu verlieren. Wie peinlich wäre es gewesen, an der Kasse nicht ausreichend Geld zu haben, um den Einkauf zu bezahlen.
In den Sommerferien fuhren wir regelmäßig in ein Ferienlager. Wir alle bekamen von den Eltern ein Taschengeld mit. Die meisten hatten zwischen zwanzig und dreißig Mark, für jede Woche also etwa zehn Mark, dabei. Wir, meine Schwester und ich, erhielten von unseren Eltern zehn Mark für diese Zeit . Die anderen Kinder kauften sich auf Ausflügen hübsche Sachen, die sie mochten und an denen sie Spaß hatten und sich erfreuten. Ich konnte damit nichts anfangen, weil ich mir nicht getraute, das Geld für mich selbst auszugeben, schließlich tat ich es noch nie. Wieder zu Hause angekommen, nahmen meine Eltern das Geld zurück.
Zu meinem Geburtstag bekam ich von meinen Großeltern immer ein kleines Päckchen geschickt. Dort war meistens ein Buch, eine Näharbeit meiner Oma sowie eine Karte mit zehn oder zwanzig Mark enthalten. Ich habe bis heute keine Ahnung, was mit dem kleinen Geldbetrag geschah, denn unsere Eltern sprachen niemals mit uns darüber. Diese kleine Beigabe war praktisch nicht vorhanden. Damals machte ich mir nie einen Gedanken darüber. Denn Geld war für mich etwas Abstraktes, etwas Erwachsenes, das uns Kinder nichts anging.
Ich wusste nicht, in welcher Höhe ich Geldgeschenke als Vierzehnjährige zu meiner Jugendweihe erhielt. Meine Klassenkameraden unterhielten sich darüber, erzählten von ihren Plänen, was sie damit machen werdern und fragten auch mich. Ich wusste es tatsächlich nicht. Später stellten mir meine Eltern ein Fahrrad hin, das sie kauften. Das geschenkte Geld verwendeten sie dafür, wie sie sagten. Das Rad war grün und robust. Ich mochte damals kein Grün. Es war ein Fahrrad, das ich mir nicht selbst aussuchen durfte. Meine Eltern fragten nie nach meinen Vorstellungen. Sie entschieden allein und kauften es. Es war damals so in einem patriarchisch angelehnten Haushalt. Ich wuchs so auf und kannte es damals noch nicht anders.
Das sind nur einige wenige banale Situationen aus meiner Kindheit, die mir spontan zum Thema Geld einfallen.
Etwas später, als ich zwischen achtzehn und neunzehn Jahre alt war, zog ich in eine eigene Wohnung. Verloren stand ich vor einer für mich riesigen Herausforderung. Ich wusste nicht, wie das mit der Mietzahlung ist, dass man für Strom Geld bezahlen muss und welche Kosten noch auf mich zukommen können. Als Berufsanfängerin hatte ich sehr wenig Geld, eigentlich zu wenig, um davon einen eigenen Haushalt zu bewirtschaften. Ich musste mir also selbst beibringen, wie ich mein Leben finanzieren (können) muss.
Das Thema Geld zieht sich dominant durch unser gesamtes Leben. So lästig es zu sein scheint, so lebensbestimmend ist es. Das Geld entscheidet letztendlich über Sein oder Nichtsein. Deshalb gehört diese Lektion allgemeinbildend zu den wichtigsten, die wir lernen sollten, zunächst spielerisch, später praxisnah.
Ich komme noch aus einer Zeit, in der die Eltern ein Büchlein über Bienen, Blümchen und Bestäubung hinlegten und das Aufklärung nannten.
Über Geld spricht man nicht. Geld hat man. Das waren die verstaubten Ansichten von einst. Ich will das mal so entschuldigend für diese Generation stehen lassen 😉
Welche Lektion hättest Du gern früher gelernt? Schreibe es einfach in das Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

Heute ist ein herrlich sonniger, lauwarmer aber stürmischer Septembertag. Gerade musste ich meinen vom Wind davongetragenen Wäscheständer auf der Terrasse retten …
Habt einen wunderbaren Spätsommertag.
Bis zum nächsten Mal, Eure Petra Kolossa.