Petitesse – Randnotiz – 2026-01-04

Fikusbaum und Olsenbande

Als ich die Nachricht vom Sparkassenraub in Gelsenkirchen hörte und dann die nachgeschobenen Informationen, wie das ganze Ding stattgefunden haben soll, wusste ich nicht, ob ich laut lachen und doch lieber entsetzt sein sollte.

Das alles ist so dermaßen absurd. Die Räuber sollen 3200 Schließfächer geknackt und sich schlappe dreißig Millionen Euro eingesackt haben.

In aller Seelenruhe puckerten sie sich ein Schlupfloch auf dem Weg durch die Tiefgarage in den Tresorraum, räumten hübsch die Steinchen beiseite, krabbelten durch das Löchlein und öffneten 3200!!! Schließfächer und räumten die Dinger aus.

Ganz ehrlich, das ist schon rekordverdächtig. Wieviele Stunden werden sie wohl dafür gebraucht haben? Ich überlege: Wenn nur eine einzige Minute pro Schließfach benötigt würde, wären die Räuber mit rund dreiundfünfzig Stunden, also über zwei komplette 24-Stunden-Tage beschäftigt. Und das allein nur mit dem Ausräumen dieser Schließfächer.

Aber wahrscheinlich bin ich da zu naiv.

Unwillkürlich muss ich an eine Situation denken, die sich 2003 ereignete.

Damals hatte ich ein ziemlich großes Büro, das das Vorzimmer zur damaligen Geschäftsführerin eines großen Unternehmens war. Dieses war mit einer Alarmanlage ausgestattet, die automatisch scharf gestellt wurde, wenn die Chefin oder ich als letzte eines Arbeitstages den Raum verließen.

Damals kam es in einer einzigen Woche zu drei nächtlichen Alarmmeldungen bei der damals zuständigen Sicherheitsfirma. Diese rückte aus, um vor Ort nach dem rechten zu sehen. Sie fand keine Besonderheiten.

Bei der dritten eingehenden Meldung nahmen sie sich die Zeit, der Ursache der Fehlmeldungen nachzugehen. Letztendlich stellte sich heraus, dass sich der große im Raum stehende Fikus einem welken Blatt entledigte und das herabfallende Teilchen den Alarm auslöste.

Und nun soll mir einer sagen, dass jedermann in einer Sparkasse einem Tresorraum mit Hammer und Meißelchen zu Leibe rücken, sich seine Säckchen füllen und dann ganz vergnüglich in sein Auto steigen kann, um gemütlich aus der Tiefgarage ins Nirgendwo zu reisen.

Dachte ich doch immer, dass „Die Olsenbande“ eine Gaunerkomödie sei.

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