Wieder zu Hause

Heiligabend. Das erste Weihnachten, das ich in unserem neuen Zuhause begehen darf. Und es fühlt sich unglaublich gut an, nach zwanzig Jahren wieder in Sachsen zu leben.

Ich weiß, dass es viele Menschen nicht verstehen können, dass es mich aus der schönen Bodensee-Region nach Hause gezogen hat. Meistens sind es jedoch die, die selbst nie ihr Zuhause für einen längeren Zeitraum, zum Beispiel berufsbedingt, verlassen haben. Sie bewerten und urteilen und nennen es Schwäche.

Ich nenne es Heimweh. Es ist ein unsichtbares Band, das uns mit dem Ort unseres Ursprungs verbindet und erdet.

Viel zu viele von uns sind entwurzelt und wissen nicht mehr, wohin sie eigentlich gehören, wozu sich ihr Engagement, ihr Einsatz, noch lohnen soll. Sie kennen und fühlen keinen Unterschied zwischen Staat und Heimatland und schweben zerrissen im Irgendwo.

Es ist also das erste Weihnachten wieder Zuhause seit 2005 💛

Kennst Du dieses warme, glückliche Gefühl, nach einer langen Zeit zurück nach Hause gekommen zu sein? Schreibe es mir bitte einfach in die Kommentare. Das wäre wirklich schön.

Aber nun wird es Zeit: Ich wünsche Dir ein wunderbares, ruhiges und besinnliches Weihnachten im Kreise Deiner Lieben. Genieße diese besonderen Tage zum Jahresende.

Im Übrigen: Es soll ein wenig Schnee geben und verdammt kalt werden. Vielleicht gibt es nachlanger Zeit eine weiße Weihnacht.

Herzlich,

Eure Petra Kolossa. 💖✨️🎄

PS: Der farbige Weihnachtsgruß ist die erste Zeichnung, die ich nach unserem Umzug im Juli anfertigte. Es wurde wirklich Zeit, dass ich wieder zu den Farben griff.

Kraft- und Ruheorte

Hast Du einen Lieblingsort, den Du besuchst? Wo ist dieser?

Hast Du einen?

Immer dort, wo ich lebte, hatte ich meistens einen solchen Ort. Ein Plätzchen, das mich auffing, wenn ich es brauchte.

Als Kind war es eine alte Trauerweide hinter der Wohnparkanlage. Am Rande der Acker des Bauers Thalheim gab es eine Quelle, die über den hellen sandigen Boden in einen kleinen Bach, eigentlich war es nur ein Rinnsal,  floss. Die knochige Weide mit den lang nach unten hängenden Ästen fühlte sich dort wohl, auch ich. Damals versank ich in die Bücher von James Cooper, die ich in der Bibliothek auslieh. Cooper zog ich allen Büchern von Karl May vor. Wenn ich unter dieser Weide saß, vergaß ich allen hässlichen Trödel. Ich stellte mir vor, eine Indianerin (neu-deutsch: Frau der indigenen Völker Nordamerikas) zu sein. Schloss ich meine Augen, hörte ich die Milane hoch am Himmel kreischen, den Mississippi rauschen und dumpfe Pferdehufe trampeln. Ich bemalte mir Stirnbänder und band sie um meinen Kopf. Diese Trauerweide war einfach nur da, für mich.

Später waren es die Elbwiesen, kleine Cafés oder auch der Schlosspark in Hermsdorf. Dort gibt es eine kleine Brücke. Auf der saß ich gern, schrieb oder las etwas.

Während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir auf, dass ich dort, wo ich einen solchen Lieblingsort nicht hatte, nie lange blieb. Das ist interessant. Darüber werde ich etwas später nachdenken. Ob es da einen Zusammenhang gibt?

Hier wohnen wir jetzt seit etwas über dreizehn Jahren. Bis vor vier Jahren waren meine Lieblingsorte in Überlingen, Sipplingen und Langenargen am Bodensee. Mich zog es immer wieder dorthin. Es waren meine Kraftorte. Ich liebte sie.

Seit dem März 2020 hat es sich geändert. Ich habe mich verändert. Die Menschen haben sich verändert. Wenn ich einen Ort der Sicherheit und Ruhe brauche, bin ich hier in meinem Zuhause.

Diese C-Zeit hat mächtig Spuren in unseren Seelen hinterlassen. Es ist äußerlich nicht sichtbar, dennoch ist in uns so einiges kaputt gegangen worden.

Ein Aufarbeiten dieser Zeit ist dringend notwendig. Es darf nicht einfach hinweggewischt werden. Dulden wir dieses politische Handeln, befürworten wir automatisch das nächste Desaster. Ich weiß, viele von Euch wollen darüber nicht sprechen, sie wollen ihre Ruhe und schweigen. Das kann ich sogar verstehen, weil ich Konfrontationen auch nicht liebe. Nur, wenn wir das als „es war halt so“ abhaken, werden wir dieses „C“ als Pille-Palle gegenüber der nächsten politisch-ideologisch geprägten Aktion betrachen.

Ich hatte heute einen langen Tag. Jetzt bin ich ziemlich geschafft. Beine hoch und Feierabend für heute!

Habt einen erholsamen Abend und erzählt doch mal über Euren Lieblingsort im Kommentarfeld.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

PS: Es sind noch jeweils knapp vierzig Weihnachtskarten vorrätig 😉 Schaut hier.

Das ideale Zuhause oder Kompromiss?

Wie sieht dein ideales Zuhause aus?

Lebst Du in Deinem idealen Zuhause? Ich meine damit Dein physisches Umfeld. Ich spreche nicht von den Menschen, die Dich umgeben. Betrachte Dein Zuhause und überlege, ob es Dein ideales Zuhause ist.

Für mich muss ich feststellen, dass mein Zuhause bis zum heutigen Tag immer irgendwie ein Kompromiss war und ist.

Lebt man in einer Partnerschaft, einer Wohngemeinschaft oder sonstiger gemeinschaftlicher Konstellation mit anderen, ist es wahrscheinlich meistens so, dass das Zuhause ein Mischmasch verschiedener Stile ist. So ist meine Erfahrung.

Dann gibt es die Partnerschaften, in denen einer der beiden das Gestalten des Zuhauses vertrauensvoll in die Hände des anderen legt. Aus Bequemlichkeit, aus eigener Stilunsicherheit, vielleicht auch, um dem anderen einen Gefallen zu tun, sich austoben zu können.

Besonders schwierig ist es, wenn zwei gestandene Haushalte zu einem zusammengefügt werden sollen. Vermittelt zu Beginn die euphorische Liebe und das große Verständnis füreinander, werden sicher so einige Dinge und Stilbrüche in späterer Zeit schlichtend taktvoll ausgebügelt werden müssen.

Die schlechteste Voraussitzung für ein ideales Zuhause ist aus meiner Sicht, wenn in einer Partnerschaft einer der Zwei in die Wohnung des anderen zieht. Ich denke, dann können wir nicht von Kompromissen, sondern von Toleranz und Akzeptanz sprechen. Meistens wird das wahrscheinlich immer das Zuhause des anderen bleiben.

Ein großer Kompromiss vor vielen, vielen Jahren war eine Wohnungseinrichtung in „Eiche rustikal“ und einem großen Sofa in dunklem Beige. Ich hasse beige! Keine Farbe ist langweililger, als beige. Ich mag keine Möbel in Eiche, schon gar nicht rutikal. Ein zweites Beispiel ist, als ich in eine Wohnung gezogen bin, die sehr niedrige Decken hatte und die Zimmer viel zu klein waren. Hinzu kam, dass die Decken und teilweise auch die Wände mit Holz, vertäfelt waren, was dem Ganzen noch mehr Raum nahm und damit dunkel wirkte. Die Möbel waren aus Weichholz, Kiefer oder so. Das alles gab mir ein dumpfes Gefühl. Ich fühlte mich eingeengt, oftmals traurig und ausgesaugt. Ich dachte später noch oft über diese Situation nach und ich denke, dass das unter anderem der Grund war, weshalb die Bewohner dieses Hauses lieber die Zeit im Garten, der Werkstatt oder sonstwo draußen im Freien verbrachten.

Ein nicht unerheblicher Aspekt für ein ideales Zuhause ist die finanzielle Seite. Also dem, wie man es gern hätte und dem, was das eigene Budget hergibt. Auch hier geht man höchstwahrscheinlich oft Kompromisse ein.

Heute lebe ich mit Kompromissen, mit denen ich gut umgehen kann. Es sind also echte Kompromisse. Nur Menschen mit großem Feingespür bemerken das. Denn es ist recht gut gelungen. Da bin ich mir sicher.

Habe ich früher immer wieder gern mein Wohnumfeld umgestaltet, Möbel verrückt, Wände farbig gestrichen, mit kleinen Arrangements Blickfänge geschaffen und somit für Lebendigkeit gesorgt, tue ich das heute nicht mehr. Ein Kompromiss, mit dem ich glaube leben zu können. Es gibt Menschen, die Veränderungen ablehnen, die ihr Gleichmaß im Wohnumfeld brauchen. Menschen, die Gegenstände über Jahrzehnte am gleichen Platz stehen haben, die dann nervös werden, wenn das plötzlich nicht mehr der Fall ist. Ich wiederum gehöre zu denen, die keine Lust haben, sich Veränderungen begründend zu erkämpfen. Das nimmt mir die Freude am Tun. Also lasse ich das und beschränke mich in kleinem Stil zum Beispiel auf mein Atelier bzw. Arbeitszimmer.

Mein ideales Zuhause dominiert mit weißen, hellen, kühlen Naturtönen und dunklem Pendant. Ich mag ein Zwischending aus klaren leichten Formen. Etwas nordisch, etwas Landhaus. Ich mag große. luftige, offene Räume, viel Licht, große Fenster, leichte Stores. Ich mag ungeschliffenes Glas. Immer wenn ich graviertes Glas sehe, mag es noch so künstlerisch gemacht sein, habe ich das Gefühl, dass die Oberfläche verletzt wurde. Streiche ich mit meinen Händen über ein solches Glas, habe ich das Bedürfnis, es zu reparieren. Hmm, das nur so am Rande. – Ich mag kühle Metalle, wie Edelstahl, Silber und ähnliche. Ich bevorzuge Wohnungen ebenerdig mit einer großen Terrasse. Ich mag frische Blumen in klaren einfachen Vasen, moderne wechselnde Dekorationen und knallbunte künstlerische Akzente. Ganz wichtig ist, dass in der Nähe meines Zuhauses Wasser ist, auch wenn es nur ein kleiner Bach ist. Es muss ein Gewässer sein, dass immer lebt und in keiner Jahreszeit auszutrockenen droht oder gar versickert.

Im Februar 1998 kaufte ich mir eine Zeitschrift von „Schöner wohnen“ zum Thema „weiß & natur“. Diese habe ich bis heute aufgehoben. Fünfundzwanzig Jahre schleppe ich diese Zeitschrift mit mir herum. Ich glaube, ich klammere mich ein wenig an einen kleinen Traum, den ich nicht beiseite legen mag.

Heute habe ich nur schnell ein Foto von dem Platz gemacht, an dem ich diesen Beitrag schreibe. Es ist die Blickrichtung von meinem Arbeitsplatz in Richtung des großen Fensters. Durch das Fenster linker Hand fällt die spätsommerliche Mittagssonne. Welch herrliches Wetter!

Wie sieht Dein ideales Zuhause aus? Schreibe es einfach ins Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.