Die Nuancen des Sommers

Die letzte Nacht kühlte vom Tag nicht ausreichend herrunter. Es gewitterte im Hintergrund, ein Schauer mit großen Regentropfen streifte eilig vorbei, ließ jedoch die erhoffte Erfrischung nicht da. Ich schlief unruhig und stand schließlich erschöpft auf.

Es ist Sonntag. Dieser Tag, an dem ich gern einfach meine Seele baumeln lasse. Mich nicht selbst schelte, wenn ich dieses und jenes einfach sein lasse.

Mit einem frisch gebrühten Kaffee, Füllfederhalter und meinem Schreibheft setze ich mich auf den Balkon, um meine Morgenseiten zu schreiben. Es ist schon neun Uhr und gemütlich warm. Ich rücke mir die Vase mit den im Garten gepflückten Sonnenblumen zurecht und genieße diesen schönen Strauß. Die Vögel sorgten im Winter an ihrem Futterhaus für die sommerlich reiche Ernte der ehemals durch ihr Picken willkürlich verstreuten Sonnenblumenkerne. Der Kreislauf der Natur, ein klitzekleines Stück davon, denke ich.

Während ich die Morgenseiten schreibe, gehen meine Gedanken spazieren. Ich schaue durch die Dächer auf die Hänge in Richtung Höchsten. Blicke in die andere Richtung vorbei an der in den letzten Jahren riesig groß gewordenen Konifere. Streife die Kirche, deren Uhr seit einiger Zeit wieder kurz vor elf Uhr still steht und verweile in den Alpen. Die Luft ist diesig und scheint im hauchfeinen Nebelschleier auf den Hängen zu liegen. Es ist ein Phänomen. Der Sommer in seiner ganz typischen Erscheiung. In seinen rauchig-kühlen,  dezent eleganten, etwas zurückgenommenen Farben präsentiert sich auf seine Art, in seiner Fülle. Die Vielfalt der Blumen und Pflanzen, die fast gleichzeitig blühen, macht den Sommer bunt und unbeschwert. Schaut man jedoch mit einem Blick aus der Entfernung, so ist diese Jahreszeit in seinem gesamten Farbvolumen gedämpft.

Eine typische Sommerwiese in kühlen, blaustichigen, rauchigen Farbnuancen.
Foto und Titelbild: Kerstin Spiegelberg, Dresden
Auch hier ganz typische Sommerfarben. Das Goldgelb der Ähren hat sich in ein gedämpftes, Stoppelfeldgelb gewandelt. Der Horizont zeigt sich diesig. Foto: Kerstin Spiegelberg, Dresden

Wir, also Du und Du und Du, auch ich, sind Teil der Natur. Und passen mit unserem ureigenen Colorit in eines der vier Jahreszeiten (und deren Untergruppen). Damit meine ich nicht Deinen Geburtsmonat, denn dieser hat damit nichts zu tun. Es ist Deine ganz natürliche Farbgebung.

Ganz sicher hast Du bereits bemerkt, dass Dir die eine Farbe besser steht als eine andere. Oder Du greifst immer wieder gern nach einem ganz bestimmten Kleidungsstück. Ein anderes bleibt  im Schrank und Du weißt nicht, woran es liegt. Denn eigentlich ist es total schick …

Ich könnte zu dem Thema unendlich viel erzählen. Nicht ohne Grund. 1994 machte ich in Salzburg eine sehr gute (und verdammt teure) Ausbildung zum „Image Consultant“, also zur Farb-, Stil- und Persönlichkeitsberaterin bei der in den USA durch Carol Jackson gegründeten  Firma „Color My Beautiful“ (CMB). Unendlich viele Beratungen in Sachen Farbe, Stil, Persönlichkeit, Mode und Make up führte ich in Einzel- und auch Gruppenberatungen. Das Thema „Farben“ ist für mich bis heute unglaublich spannend und nie ermüdend. Nicht ohne Grund bildet bei der Farbberatung von CMB der Farbkreis von Itten die Basis. Nur so am Rande: Durch Colour Me Beautiful wurde zum Beispiel die Queen Elisabeth II. beraten und die damals noch sehr junge Politikerin Hillary Clinton erfuhr dadurch wahrlich eine Metamorphose.

Dieser Ausbildung folgten noch etliche Weiterbildungsseminare im Laufe der vielen Jahre. (PS: Seit fast zwanzig Jahren trage ich wieder meinen Geburtsnamen.)

Jetzt nahm ich einen ziemlich großen Schlenker. Deshalb zurück zum Sommer. Natürlich gibt es einen „Sommertyp“. Und natürlich sind nicht alle Sommertypen gleich. Zum Glück! Ein Selbsttest ist immer subjektiv. Deshalb empfehle ich allen, die es wirklich wissen wollen, einen objektiven Blick durch eine gut ausgebildete Farbberaterin oder einen Farbberater in Anspruch zu nehmen. Frage nach der Qualifizierung. Es gibt unendlich viele Crashkurse so fix über das Wochenende oder an ein, zwei Abenden. Aus meiner Sicht ist das sehr oberflächlich, leider aber die Praxis.

Ich lernte eine Ärztin kennen, die auf einem Ärztekongress mit einem Sonderprogramm in den Pausen eine Farbberatung erhielt. Sie wurde als ein Frühlingstyp getestet. Diese Frau stand vor mir in den perfekten Farben des Frühlings gekleidet. Jedoch wirkte sie auf mich wie ein gut verpacktes Bonbon. Es passte nicht zusammen. Ich sah sofort, dass sie ein kühler Farbtyp ist. Aber ich traute mir nicht, es ihr zu sagen. Einige Wochen später benötigte ich einen Arzt und fuhr in ihre Praxis. Sie ist sehr kreativ und malt sehr gern. Ihre Praxis ist außerdem ihre kleine Kunstausstellung. Ich betrachtete die Bilder und ich musste lächeln. Der überwiegende Teil der Bilder spiegelte ihr Farbempfinden wider. Die dominanten Farben waren kühl. Dann gab es einen Bruch. Bei den Bildern, die sie in den letzten zwei Jahren malte, griff sie eher zu den warmen Farben. Die Kunstwerke wirkten konträr zu denen, die sie in ihrem Leben bisher schuf. Sie freute sich, mich zu sehen. Es war Winter und sie kam mir in ihrer weißen Arzthose und einem hellen lachsfarbenen Maxipullover entgegen. Ich sprach sie auf ihre Kunstwerke an und auf den von mir bemerkten „Bruch“ ihres Stiles. Es stellte sich heraus, dass sie durch die Farbberatung erkannt habe, wie wichtig es sei, sich darauf einzulassen und dass sie seitdem wisse, wie gut ihr diese Farben täten. Denn sie würde so oft angesprochen, dass ihr Pullover schick sei oder eine Bluse super aussehen würde. Ich fragte sie, ob sie die Komplimente bekäme, oder ihre Bekleidungsstücke. Sie musste lächeln. Wenn jemand sagt: „Du siehst heute toll aus!“, ist das ein gutes Kompliment und Du weißt, dass Du genau das Richtige trägst. Ich fasste mir ein Herz und sagte ihr, dass ich vermute, dass sie falsch getestet wurde und bot ihr an, den Test zu wiederholen.

Eine Farbberatung ist sehr umfangreich. Ich arbeite mit 122 verschiedenen Farben und lege Wert darauf, dass meine Beratung nachvollziehbar ist und meine Kunden mit einem guten Bauchgefühl dabei sind. Es war tatsächlich so. Die Ärztin ist ein „kühler Sommertyp“. Wir gingen jede einzelne Farbe durch, die in ihr Portfolio gehört und stellten Kombinationsmöglichkeiten zusammen. Sie hielt ihren neuen Farbpass in den Händen und war überglücklich, die Farben in Stoffmustern zu haben, die nicht bei Licht reflektieren.

Das sind keine „Sommerfarben“. Das sind meine Farbpässe. Es soll nur ein Beispiel sein. Über meinen Farbtyp werde ich in der passenden Jahreszeit erzählen.

Letztendlich war ich froh, dass ich die Ärztin doch noch angesprochen habe und sie war dafür unendlich dankbar. Das richtige Farbgefühl liegt in uns Menschen. Jedoch werden wir im Laufe der Zeit durch die Mode, Trends und sonstigen Beeinflussungen oftmals auf eine andere Fährte geleitet und verlieren diese natürliche Gabe.

Meine Freundin Petra aus der Oberlausitz ist ein klassischer „kühler Sommer“-Typ. Mit ihrer Freundin, die aus Leidenschaft fotografiert, machte sie ein Shooting und schickte mir später ein paar Bilder.

Sommertypen sind Jeanstypen. Keinem anderen stehen die typischen Jeansfarben besser, als ihnen. Petra trägt dazu ein Shirt in hellem frischen Grau, das mit einem dunkleren Grau im Muster ergänzt wird. Die Brille wählte sie in einem dunklen Blaulila. Schwarz ist für Sommertypen ungeeignet und würde sie „erschlagen“ und blass machen. Dem „kühlen Sommer“ steht Schmuck in Silber, Edelstahl, Platin, Weißgold und so weiter. Gelbgold und Schmuck in warmen Tönen würde jede Aufmerksamkeit an ihnen verlieren. Der „helle und gedeckte Sommer-Typ“ hingegen kann auf beide Varianten zurückgreifen.

Auf dem zweiten Bild wählte Petra ein feminines Sommerkleid in einem ihrer besten dunklen Farben. Das Bild zeigt deutlich, dass dieses Kleid mit einem Accessoires aus dem Farbportfolio des Sommers fantastisch ergänzt werden kann.

Ich selbst bin kein Sommer-Typ. In einem späteren Beitrag werde ich darauf zurückkommen.

Wenn Dich das Thema Farbberatung interessiert, Du Deinen Farbtyp kennenlernen möchtest, so nimm einfach mit mir Kontakt auf. Ich freue mich sehr, Dich kennenzulernen.

Hast Du selbst Erfahrung mit einer Farbberatung gemacht? Super, so schreibe doch einfach unten im Kommentarfeld, welche Bedeutung es für Dich hat.

Für heute verabschiede ich mich. Habt eine schöne Sommerzeit.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Ein Gedanke zu “Die Nuancen des Sommers

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