Herzklopfen und Schweißperlen

Hast Du schon einmal auf der Bühne gestanden oder eine Rede gehalten?

Ja, das habe ich. Wie ist es mit Dir? Hast Du es bereits einmal getan? Und wenn ja, magst Du es? Ich mag es wirklich nicht.

Diese Präsenz ist überhaupt nicht mein Ding. Ich tue es, weil es oftmals nicht zu umgehen ist, weil es von mir erwartet wird. Das Gen der Rampensau habe ich nicht in mir. So, wie es heute die Kinder und Jugendlichen bereits in der Schule lernen, sich vor vielen Menschen zu artikulierren, bin ich nicht aufgewachsen.

Im Elternhaus wurden wir Mädchen klein, ängslich und schüchtern gehalten und in der Schule war es nicht Thema. Nur Gedichte mussten wir auswendig lernen und aufsagen. Da war ich immer dermaßen aufgeregt, dass ich das in Trance tat. Die Zensur, die mir anschließend gesagt wurde, habe ich selten wahrnehmen können, weil mein Hirn völlig leer war. Aber irgendwie musste das immer ganz gut gegangen sein.

Und da war noch der Musikunterricht. Dort mussten wir vorsingen. Das habe ich ein einziges Mal getan. Gleichaltrige Kinder können grausam sein. Bei weiterem Vorsingen ließ ich mir lieber eine fünf eintragen. Bei uns gingen die Zensuren damals nur bis zur Note fünf. Die Gesamtnote kompensierte ich mit schriftlichen Leistungskontrollen. Auch das funktionierte recht gut. Ehrlich gesagt bin ich bis heute nicht sicher, ob die Musiklehrerin damals tatsächlich diese Vorsingenoten alle eingetragen hat.

Meinen ersten Vortrag über etwa zwanzig Minuten hielt ich mit sechszehn oder siebzehn Jahren. Ich wurde darum gebeten, in meinem Ausbildungsbetrieb zu einem bestimmten Thema zu sprechen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, welches das war. 

Aber ich weiß noch, wie ich durch den Saal wie auf Watte lief. Ich hörte nichts mehr. Alles war dumpf. Die gesamte Belegschaft saß in dem Raum und starrte mir nach. Mein Herz schlug bis in den Hals. Ich dachte, jeder muss das doch sehen. Ich begann zu sprechen. Es war, als spreche ich in einen leeren Raum. Ich fühlte mich wie in einer leeren Hülle, so als würde eine fremde Person anstatt meiner reden. 

Irgendwann waren meine Seiten abgelesen. Ich dankte und wollte wieder gehen. Als ich bemerkte, dass mir ein riesiger Applaus entgegenschlug. Ich glaubte, es sei das blanke Mitleid das man mit mir hatte.

Als ich wieder an meinem Tisch war, sagte man mir, wie überrascht man sei, dass man nicht erwartet habe, wie souverän und selbstbewusst ich aufgetreten sei und dass ich eine fesselnde Stimme und spannenden Sprachrhythmus habe. Ich sagte nur: „Sie haben keine Ahnung wie aufgeregt und ängstlich ich war.“ Das hat mir keiner glauben wollen. Ich solle nicht so bescheiden sein.

Das war mein erster Vortrag. Dieses Erlebnis zeigte mir, dass wir immer zwei Seiten haben. Die, die wir nach außen tragen,  und die, die in unser Innerstes führt.

In meinem Leben habe ich so einige Vorträge gehalten. Einige wollte ich nicht wirklich übernehmen. Bei anderen referierte ich zu meinem Fachgebiet. Das machte ich gern. Es fühlte sich natürlich an und es fiel mir leicht. Bei anderen gehörte eine innere Überwindung, eine Anstrengung dazu.

Eine diverse Scheu konnte ich bis heute nicht ablegen. Das weiß und bemerkt jedoch keiner, der mich nicht sehr, sehr gut kennt, weil ich dabei intuitiv ein stark wirkendes Schutzschild um mich herum aufbaue.

Ich glaube, dass es vielleicht so etwas wie Lampenfieber ist. Wobei man sagt, dass es sich beim Akt auf der Bühne verlieren würde. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich nehme diesen Stress mit, bis sprichwörtlich der Vorhang fällt.

Worte und Stimme gehören inzwischen zu meinem Berufsbild. Ich mag das Kommunizieren mit den Menschen sehr. Nur ist nicht jeder für die Bühne und das Sprechen vor größeren Menschengruppen gemacht. Allerdings ist das nicht immer vermeidbar.

Das Bild machte ich heute am Morgen, während meines Jobs. Es wird spät hell und zeitig dunkel.

Heute habe ich die tägliche WordPress-Frage spät beantwortet. Aaaaber es ist noch heute 😉

Wie fühlst Du Dich, wenn Du vor größeren Menschengruppen sprichst oder auf der Bühne stehst?

Lass es uns im Kommentarfeld wissen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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