Komm wie Du bist. Sei einfach da!

Diesen Blogeintrag schrieb ich über mehrere Tage. Am ersten Weihnachtsfeiertag begann ich damit und heute, am 29. Dezember werde ich ihn beenden. Der Infekt hat mich unglaublich im Griff. Ich war so sehr erschöpft, immer wieder fiebrig und müde, müde, müde. Um mich selbst zu überlisten, begann ich mit dem Schreiben. Leider schaffte ich nicht viel. Es war einfach zu anstrengend. Seit gestern habe ich nur erhöhte Temperatur. Aber irgendwie fühlt es sich fiebrig an. Dennoch begann ich, die ersten Handgriffe zu tun. Es war der zehnte Tag meines Infektes. Wenn ich diesen ganzen Mist endgültig bewältigt habe, hoffe ich sehr, dass ich wieder für die nächsten zwanzig, dreißig Jahre immun sein werde.

Inzwischen hörte ich von sehr vielen anderen Menschen, die derzeit genauso aus dem Rennen genommen wurden, die die gleichen Erfahrungen sammeln. Es ist einfach eine verdammt langwierige, sehr stark erschöpfende und unangenehme Sache.

Seit gestern schlafe ich am Tage nicht mehr. Ich will unbedingt wieder in einen guten Rhythmus kommen. Aaaaaber ich schone mich und tue fast nix. Haha, was soll ich auch machen? Bin nach zwanzig Treppenstufen praktisch tod 🙈

Aber genug gejammert. Auf geht’s! Hier also mein Blog, geschrieben in Etappen …

Die strahlende Sonne suggeriert Wärme. Es ist Mittag, mein Kopf schmerzt, das Fieber, das sich gestern wieder einstellte, ist gesunken und hält sich im Bereich „erhöhte Temperatur“. Ich öffne das Fenster, um frische Luft und die Wärme hereinzulassen, atme tief durch. Die gereinigte Luft tut mir gut. Nur die Wärme erweist sich als verdammt kühl. Nur fünf Grad, stelle ich fest. Mich fröstelt es, ob mit geöffnetem Fenster oder ohne. Es ist völlig egal. Am liebsten würde ich mich wieder in meine Decken einkuscheln und warten, bis der ganze Spuk ein Ende hat.

Ich zwinge mich, es nicht zu tun. Trinke Wasser, Wasser, Wasser und baue darauf, dass dieses den ganzen Mist aus meinem Körper spülen mag. Hoffentlich.

Es ist Sonntag. Nicht irgendein Sonntag, es ist der erste Weihnachtsfeiertag. Es ist also Weihnachten. Gestern war Heiligabend und wir alle packten liebevoll verpackte und gesandte Geschenke aus, auch ich. Während ich es tat, freute ich mich über diese Gaben, bekam jedoch gleichzeitigt schlechtes Gewissen, weil ich in diesem Jahr keine Kraft hatte, mich auf das Besorgen von Geschenken zu konzentrieren und als es dann fünf vor zwölf war, bremste mich der Infekt aus. Außer liebe Grüße per Post in einem Briefumschlag ging in diesem Jahr nichts auf die Reise.

Je weiter der Abstand zu den zu Beschenkenden ist, desto schwieriger ist es, ein Präsent auszuwählen, das wirklich Freude bereiten wird. Wir sind nicht nah genug, um zu erleben, wie deren Leben tatsächlich verläuft, welche Vorlieben und Wünsche sie haben. Oftmals mündet es in einem Gutschein oder Geld, das auf ein Konto überwiesen wird. Wie oft ist es so, dass wir Geschenke machen, weil wir glauben, es würde von uns erwartet. Täten wir es nicht, welch schlechter Ruf würde auf uns fallen. Ist es tatsächlich so?

Jahr für Jahr machte ich eine Liste mit all den Liebsten, die zu Weihnachten bedacht werden sollen. Und diese Liste ist sehr, sehr lang. Eine Patchworkfamilie bringt das so mit sich. Peinlich wurde darauf geachtet, dass der geldliche Wert für jeden gleich ist, damit sich keiner benachteiligt fühle. Welch ein Unfug, den ich nie verstand. Jahr für Jahr transformierten wir zu Weihnachten mehr als ein komplettes Monatseinkommen in Geschenke und Versandkosten.

In diesem Jahr funktionierte es einfach nicht. Zu Beginn hatte ich wahnsinnig schlechtes Gewissen. Inzwischen nicht mehr. Seit einigen Jahren denke ich immer wieder über diese Weihnachtsgeschenke nach. Jedoch hatte ich nun, durch meine Zwangspause bedingt, die mir die Infektion bescherte, sehr viel Zeit, darüber nachzudenken.

Als ich Kind war, bekamen wir von unseren Großeltern zu Weihnachten ein kleines Geschenk mit der Post geschickt. Sie wohnten knapp dreihundert Kilometer entfernt. Es war immer ein Buch enthalten. Ich habe die Auswahl geliebt. Eine Tafel Schokolade oder etwas ähnlich Süßes lag dabei und eine Kleinigkeit selbstgemachtes. Wie zum Beispiel drei Taschentücher oder eine genähte Schürze mit liebevoll bestickten Schmetterlingen. Opa bastelte einmal eine Puppenstube mit „echtem Licht“, als wir noch etwas kleiner waren. Die war total goldig. Hm, was ist eigentlich daraus geworden? Ich weiß es nicht. Die meisten Spielsachen „verschwanden“ ganz unauffällig …  Ich habe nie darüber nachgedacht, ob diese Geschenke klein oder groß seien. Sie waren von meinen Großeltern und ich freute mich riesig darüber. Sonst schickte keiner etwas hin und her.

Auch wenn wir als Kinder Wunschzettel schrieben, wie das alle taten, gingen diese nicht so, wie wir uns das vorstellten in Erfüllung. Ich muss gerade daran denken, wie sich meine Schwester und ich einen Schlitten wünschten, solch einen mit Hörnern. Wir wollten auch wie die anderen Kinder schnell den Berg runtersausen und spielend diesen den Berg wieder hinaufbekommen. Nun, der Weihnachtsmann brachte einen Schlitten. Einen großen, auf dem drei Kinder Platz hatten und der keine Hörner hatte. Wir konnten mit dem großen Monster nichts anfangen. Es machte ja auch keinen Spaß, als Geschwister immer gemeinsam den Berg runterzurutschen und das große Ding zu zweit wieder hochzubuchsieren. Irgendwann benutzten die Eltern diesen, um damit die Wäsche in die Wäscherei zu bringen und wieder abzuholen. – Nur so am Rande: Ihr seht, Winter waren damals ganz normal, als wir Kinder waren. – 

Eine Puppennähmaschine, die ich mir als Elfjährige wünschte, brachte der Weihnachtsmann, als ich fünfzehn, fast sechszehn war. Inzwischen strickte ich mir meine Klamotten selbst. Ich hielt dieses praktische Kinderspielzeug, von dem ich vor einigen  Jahren träumte, meine Puppen zu beglücken, in den Händen und wusste nicht wirklich, was ich nun damit tun sollte.

Ich wurde nie großartig beschenkt und demzufolge habe ich irgendwie bis heute keine Erwartungshaltung. Und ganz ehrlich: Ich musste in meinem späteren Leben lernen, Geschenke anzunehmen und mich einfach nur zu freuen.

Wann ist das eigentlich geschehen, dass die Menschen zu Weihnachten diesem Kaufrausch verfallen sind und die ganzen Dinge quer durchs Land schicken? Ich weiß es nicht. Es scheint ein schleichender Prozess gewesen zu sein. Der immer mehr Fahrt aufnahm und durch die manipulativen Marketingstrategien der Wirtschaft und des Handels für ein mächtiges Umsatzplus sorgten. Irgendwann wurde das eine feste, planbare Wirtschaftsgröße, das man Weihnachtsgeschäft nannte.

Ich bin diesem ganzen Wahn so sehr müde. Statt irgendwelche Geschenke zu kaufen, teuer zu verschicken, Geld zu überweisen, Gutscheine zu produzieren … wünsche ich mir ein Zurück zu den Wurzeln. Weihnachten zum Beispiel gemeinsam zu verbringen. So könnte das Geschenk eine Übernachtung in einer Pension sein, kleine Aufmerksamkeiten, gemeinsames Kochen, quatschen, spielen, lachen, an die Frische Luft gehen, an den See fahren, was auch immer – einfach qualitativ wertvolle Zeit miteinander zu verbringen. – „Ihr wohnt sooo weit weg“, höre ich immer wieder. Ja, natürlich. Genauso weit weg, wie Du 😉 Schenke uns nichts, bezahle einfach die Tankfüllung oder das Bahnticket stattdessen und sei mit offenem Herzen da. Wer, wenn nicht wir, wissen, wie teuer ein solcher Tripp ist, den wir immer wieder unternehmen, um die Familie wenigstens ab und an zu treffen. Das nächste Mal bereits in zwei Wochen, sofern es die Gesundheit zulässt.

Ich bin ziemlich abgeschweift. Als ich soeben den Text durchlese muss ich wirklich lächeln. Das ist einfach nur geschrieben, geschrieben, geschrieben. Ohne, dass ich ein genaues Ziel vor Augen hatte. Es ist geplappert. Eins folgte dem nächsten. Kurz überlege ich, ob es Sinn ergibt, oder ob ich einfach die Delete-Taste drücke.

Ich lasse es stehen. Auch deshalb, weil sich in dieser Situation ganz sicher unendlich viele Menschen wiederfinden werden. Die Zeiten, dass sich fast alle Familienmitglieder im Umkreis von einhundert Kilometern verbinden können, sind seit langer Zeit Geschichte. Meine eigene Familie ist sehr klein. Jedoch im ganz deutschsprachigen Raum verteilt. Durchschnittlich liegen zwischen jedem von uns etwa sechshundert Kilometer. Es ist eine besondere Herausforderung. Und es gehört viel Feingefühl, ein ehrliches Herz und das Vernachlässigen des eigenen Egos dazu. Den einen geht es finanziell sehr gut, die anderen haben, gerade unter der augenblicklichen Situation sehr zu knabbern. Es sind alles Dinge, über die keiner gern redet. „Über Geld spricht man nicht. Man hat es einfach.“ Mit dieser lapidar hingeworfenen Weisheit bin ich aufgewachsen.  Ich denke, dass inzwischen diese arrogante Denkweise so mancher revidieren musste. Das Leben ist oftmals ein harter Lehrer.

So wie ich es in der Überschrift notierte: „Komm wie Du bist. Sei einfach da.“ Das trifft den Punkt in meinem Herzen. Ob mit einem kleinen Geschenk im Gepäck, oder ohne. Alles ist vollkommen in Ordnung!

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Dieses Bild ist aktuell. Ich mag mich derzeit selbst nicht anschauen. Deshalb habe ich es mit dieversen Filtern und ein paar Tricks manipuliert. Und Hocus Pocus sind Augenringe verschwunden und die Blässe wirkt plötzlich total vornehm 😅

Ich verabschiede mich für heute.

Herzlich grüßt Euch, Eure Petra Kolossa.