Schafft sich der regionale Einzelhandel selbst ab? Das fragte ich mich oftmals. Ein Erlebnis aus den letzten Tagen scheint das zu untermauern.
Was ist geschehen? Unser Wasserbett lag nach vielen, vielen Jahren sprichwörtlich im Wasser. Eine Schweißnaht schien sich gelöst zu haben. Zumindest konnten wir kein anderes Leck finden. Dringend brauchten wir also einen Ersatz. Was wahrscheinlich jeder heutzutage getan hätte, wir schauten im Internet nach potentiellen Lösungen. Nach kurzer Zeit wurden wir fündig und bestellten die Ersatzkerne für unser Wasserbett. Es war Sonntag, der achte Dezember.
In meinem Atelier steht eine praktische IKEA-Klappliege. Die leistete bisher gute Dienste, wenn wir für ein paar Tage lieben Besuch hatten. So nutzten wir nun selbst dieses Bett und richteten unser vorübergehendes Schlafzimmer in meinem Arbeiteszimmer ein.
Zwei Tage später, also am zehnten Dezember erhielt ich eine Email in der mir mitgeteilt wurde, dass ein technischer Fehler vorliegen würde. Der Lagerbestand zeige Null. Unsere Bestellung müsse storniert werden. Kurze Zeit darauf, wurde der gezahlte Betrag, der mit Pflegemittel, einem Matratzentrenner und einem neuen Staubschutz bei knapp vierhundert Euro lag, zurückgezahlt.
Wir wollten für unser Problem eine schnelle Lösung und hofften, diese bei unserem regionalen Wasserbetten-Geschäft zu erhalten.
Einen Tag darauf, also am elften Dezember rief ich bei dem regionalen stationären Wasserbetten-Händler an, um einen schnellen Ausweg aus unserem Desaster zu finden. Dass das etwas teurer werden würde, war uns klar. Wir dachten uns, ob nun fünfhundert, statt bisher vierhundert Euro zu zahlen wäre schon in Ordnung.
Am Vormittag erreichte ich eine Mitarbeiterin und am Mittag rief der Chef selbst zurück. Nach einigem Geplänkel, wie zum Beispiel das Bett sei zu alt, wahrscheinlich noch in D-Mark bezhalt und so weiter, sei es nun Zeit für ein neues. Ich erklärte ihm, dass das Bett perfekt und ohne Makel sei. Es müsse nur der Matratzenkern ersetzt werden. So erfuhr ich, dass das überhaupt nicht so einfach sei. Er wollte die Maße für die Schaumstoffumrandung des Bettes wissen.
Ich lief ins Schlafzimmer. In der einen Hand das Telefon am Ohr, in der anderen den Zollstock. Ich sagte ihm die Maße. Er rief in den Hörer, dass wir bereits damit ein Problem hätten. Vier Zentimeter in der Breite oben reiche überhaupt nicht aus. Inzwischen sei es Standard, mindestens fünf bis fünfeinhalb Zentimeter für die Umrandung. Weniger halte die Wasserkerne nicht aus. Hier müsse dringend für die Matratzen eine neue Schaumstoffumrandung her. Er wolle mal sehen, ob da was auf die Schnelle zu machen sei. Die Heizungen unter den Matratzen seien ja auch viel zu alt, ich solle überlegen, neue anzuschaffen. Ich lehnte dankend ab. Warum etwas, das in Orndung ist, auf Verdacht mit Neuem austauschen?
Er fasste zusammen. Wir benötigen also die zwei Wasserkerne, einen Trenner und die Schaumstoffumrandung. Er wolle sich darum kümmern und in etwa zwei Stunden zurückrufen.
Inzwischen schaute ich im Netz nach solchen Schaumstoffumrandungen. Eine in unserer Größe würde knapp zweihundert Euro kosten. Nirgendwo fand ich die von dem Chef des Bettenhauses genannten wichtigen Breite des Randes der Umrandung. Es fand keinerlei Erwähnung. Aber sei es, wie es ist, ich rechnete insgesamt mit maximal siebenhundert Euro.
Pünktlich klingelte das Telefon. Er jubelte. Es sei alles lieferbar. Am sechszehnten Dezember hätten wir alles zu Hause. Er brauche nur noch mein Okay. Ich sagte ihm, dass das ja super sei. Und fragte ihn, was mich das alles nun koste. Er: „Hm, nunja, hm, delüp, delüp, ein Meter die Umrundung, das sind insgesamt delüp, delüp, okay plus delüp, delüp. Okay, alles roundabout: zweivier.“ Ich fragte ihn: „Was zweivier?“ „Zweitausendvierhundert Euro.“, sagte er.
Mir verschlug es die Sprache. Dafür bekomme ich ein komplett neues Marken-Wasserbett. Ich sagte ihm, dass das auf keinen Fall in Frage komme. Die Preise liegen bei weitem unter dem, was er berechnet habe und ich wolle das nicht bezahlen. Er hielt mir noch einen Vortrag wie toll seine Bewertungen im Internet seien und regte sich auf, dass die Leute immer unterschätzen, wie wichtig das Schlafen auf ausgesuchten hochwertigen Materialien sei und so weiter und so fort. Ich sagte ihm, dass das sicher alles hervorragende Argumente seien. Jedoch wolle und könne ich mir sein Angebot nicht leisten. Darauf er: „Ich sage immer, wenn die Leute nicht das Banalste bezahlen können, sollen sie sich einen anderen Job suchen.“ Ich blieb erstaunlich höflich und verabschiedete mich. Im nachhinein regte ich mich mächtig über diesen Menschen auf.
Auch das ist einer der Gründe, weshalb die Leute vom regionalen Handel Abstand nehmen. Wer möchte derart arrogant behandelt und wahrscheinlich auch noch über den Tisch gezogen werden? Ich bin immer wieder hin- und hergerissen. Zum einen ist der lokale Handel eine regionale Säule in jeder Stadt. Zum anderen ist er inzwischen umständlich und zum Teil unattraktiv geworden. Ich bin davon überzeugt, dass er neue Konzepte braucht und in der heutigen Wahrnehmung überholt ist. Hinzu kommt meine ganz persönliche Meinung, dass vor allem die Innenstädte seit 2015 zunehmend an Attraktivität verloren haben und von fremdländischen Kulturen okkupiert zu sein scheinen. Ich persönlich habe keine Freude mehr daran, die Innenstadt zu besuchen und bediene mich überwiegend dem Onlinhandel. Hinzu kommt, dass ich aus dem ländlichen Raum explizit in die Stadt fahren müsste, um einen Einkauf zu erledigen. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.
Also zurück zu unserem Wasserbett: Wir bestellten also daraufhin bei einem anderen deutschen Wasserbettenhandel online unsere Wasserbettkerne, einen Bettentrenner, einen Staubschutz und die notwendigen Pflegemittel für knapp vierhundert Euro.
Zum Heiligen Abend bekamen wir endlich unsere Lieferung. Ich glaube, nur wer gewohnt ist, in einem Wasserbett zu schlafen, kann das nachvollziehen, wie erleichtert wir noch an diesem Abend alles einrichteten. Nach sechszehn Nächten Schlafen auf dem Gästebett war es ein Hochgenuss, endlich wieder entspannt und gut schlafen zu können.

Immerhin: Wir verbringen ein Drittel unseres 24-Stunden-Tages mit schlafen. Erst dann, wenn wir unserem Körper nicht das geben können, was er braucht, bemerken wir, wie wichtig diese vermeintliche Nebensache „Schlaf“ ist.
Wie sind Deine Erfahrungen zum einen zum Thema Schlafen und zum anderen zum Thema Online-Shopping gegen stationären Einzelhandel?
Schreibe es doch einfach ins Kommentarfeld.
Bis zum nächsten Mal,
herzlich, Eure Petra Kolossa.