Dem Pfad der Sonne folgen

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen. Eine ganz alltägliche, kleine Geschichte, die eigentlich keine große Aufmerksamkeit wert ist.

Bei dem tollen Wetter heute machte ich eine kleine Tour durch die Natur. Ich beschloss, dem Pfad der Sonne zu folgen, ich ging einfach immer in ihre Richtung.
So lief ich über Wiesen und weite Felder, mit meinen Hunden, denen ich ihre Wildheit ließ. Die ich nicht zu Menschen erzogen hatte. Die mich zu einem Wolf erzogen haben.

Ich durchquerte Obstanlagen und Hopfengärten immer in Richtung der Sonne und erreichte schließlich einen Wald. Entlang der Wege begegneten mir gestresste Menschen, die mit roten Gesichtern und Skistöcken durch den Wald hetzten. Es sah ein bisschen so aus, als wären sie auf der Flucht vor ihren Uhren, die sie am Handgelenk trugen und die sie zu jagen schienen.

Doch dann schien die Sonne durch hohe Tannen und wies mir den Weg in den dichten Wald. Hier gab es keine Menschen und keine Hektik mehr. Es ging nur noch darum, leise zu sein und zuzuhören.

Foto: Willy Holger Wagner

Zahllose Schmetterlinge flogen zwischen den Bäumen umher, als der Wald wieder lichter wurde. Ich glaubte, ihre Flügelschläge zu hören und sie setzten sich fast auf meine Nase. Das Zwitschern der Vögel war Musik in meinen Ohren, von irgendwoher lachte mich ein Grünspecht aus (der Ruf des Grünspechts klingt ein bisschen wie lautes Lachen ), wahrscheinlich, weil ich nicht fliegen kann. Ich fand sogar ein vierblättriges Kleeblatt und nahm es nicht mit. Es reicht, dass ich es gesehen habe, denn es ist allein der Glaube, der uns dem Glück zugänglich macht.

Auf einmal schien ich die Aura der Bäume zu sehen und ich konnte die Sphären, die unsere sichtbare Welt umgeben, zumindest erahnen. Der ewige Kreis von Werden und Vergehen war hier normal und alltäglich und hatte nichts von dem Schrecken, den die Menschen ihm anhaften. So ging ich weiter meinen Weg, immer geleitet von der Sonne. Als ich den endlos scheinenden Wald durchquert hatte, bot sich mir ein atemberaubender Blick über das weite Argental, den Bodensee und dahinter die Alpenkette.

Wieder über Wiesen und Felder machte ich mich auf den Heimweg und war tief in Gedanken versunken.
Wie anfangs erwähnt, eine alltägliche Geschichte, ein Waldspaziergang, weiter nichts.
Und doch war mir klar, dass das, was ich heute erlebt habe, dem größten Teil der Menschheit verborgen bleibt. Wie sonst ließe sich der respektlose Umgang mit der Natur erklären?

Ich dachte darüber nach, wie es mit der Erde weiter gehen sollte. Ist es erstrebenswert, in einer Welt zu leben, in der man sich sogar nach der schmerzhaften Erfahrung eines Bienenstichs sehnt, weil diese einem zeigt, dass irgendwo noch ein bisschen Leben ist?
Weil sie einem zeigt, dass man selbst noch lebt? Sollen unsere Kinder nicht mehr wissen, wie schön Schmetterlinge sind oder wie der Gesang von Vögeln klingt?

Wir müssen auf die Erde aufpassen, denn dann passt sie auch auf uns auf und lässt uns leben.
Und wenn wir dabei auch nicht an künftige Generationen denken, so weiß keiner von uns, woher er einst kam und wohin er einmal geht.
Wer garantiert uns denn, dass wir die Erde nicht mehr brauchen, wenn wir dereinst in ihrem Schosse ruhn?

Herzliche Grüße, Euer Alfons

So viel Zeit muss sein

… bremse ich mich. Den Mantel, den ich bereits vom Kleiderbügel nahm, lege ich über einen Stuhl und gehe in die Küche zurück. Ich ziehe mir den Stuhl an den Tisch und angele nach meiner Tasse Kaffee, die bereits auf der Küchenspüle abgestellt steht. Noch halb gefüllt mit lauwarmem starkem Kaffee. Ich nehme einen Schluck davon und rüge mich selbst, ständig in Eile sein zu müssen.

Des öfteren bereiste ich vor vielen Jahren die damalige Sowjetunion. Ganz gleich in welchem der Unionsländer ich mich aufhielt, ob Russland, die Ukraine, Weißrussland … überall traf ich auf den gleichen Brauch.

„Petra, bevor du davonrennst“, wurde ich am Handgelenk festgehalten. „setze dich bitte zu uns für fünf Minuten.“ Ich wurde auf einen Stuhl gedrückt. Es war damals die erste Begegnung mit dieser schönen Geste. Ich besuchte eine Familie in Leningrad – heute Sankt Petersburg. Die gesamte Familie meines jahrelangen Brieffreundes Sergej saß am Tisch. Seine Frau erklärte mir, dass es gut sei, bevor einer das Haus verlässt, sich in Ruhe ein paar Minuten hinzusetzen und alles Liebe auf den Weg in den Tag in Empfang zu nehmen.

Ich schaute sie erstaunt an. Sie sagte mir, es sei sehr wichtig, selbst zur Ruhe zu kommen und entspannt zu gehen. Hinzu käme, dass keiner weiß, was da draußen an diesem Tag auf jeden einzelnen warte. Jeder soll in Frieden gehen, ohne schlechte Gedanken im Kopf und gesund zurück kehren.

… mein Smartphone liegt auf dem Tisch. Ich öffne WhatsApp und tippe:

„… ich habe noch fünf Minuten, bis ich in den Job gehen muss. Verbringst Du die Zeit mit mir?“ …

Welcher Typ seid Ihr? Wie handhabt Ihr es am Morgen?

Geht Ihr in Ruhe? Oder seid Ihr, wie meistens auch ich, immer nur in Eile?

Für Euch alle einen ruhigen und friedlichen Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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Ich schnappe jetzt meine Tasche und auf geht’s in den Tag 🙂

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