Wie lange dauert schnell?

Nur noch schnell Dieses und Jenes, und ach ja, das auch noch. Ich handele und meine Gedanken sind schon wieder zehn Schritte weiter. De frisch gepresste Holundersaft ist im Topf. Der Gelierzucker eingerührt und der Herd eingeschaltet. Schnell in den Keller sausen und ein paar Gläschen holen, um das Gelee später einfüllen zu können. Die Waschmaschine im Keller hat ihre Arbeit getan. Schnell die Wäsche in den Trockner geben und die Waschmaschine neu starten. Es sind Routinen, schnell erledigt. Die Gläschen auswählen und fix nach oben bringen.

Ich betrete die Küche und erstarre. Der Topf gibt blubbernd aufgeschäumte schwarzrote klebrige schwerflüssige Masse frei, die sich auf dem Ceranfeld des Herdes über den Backofen und die weißen Küchenmöbel bis auf den Boden verteilt. – Shit! Schöne Schweinerei …

Vor dreißig Jahren wäre ich wie ein Rumpelstilzchen herumgesprungen, hätte mich wahnsinnig aufgeregt und versucht, Schadensbeschränkung zu betreiben. Inzwischen ist es so, dass ich in kritischen Momenten extrem ruhig und konzentriert werde. Ich habe das Drama beseitigt und gut. Nun, nicht so ganz gut. Denn etwas später, als ich zur Ruhe kam, fiel ich in eine Erschöpfung. Ich dachte über die Situation nach und wusste, dass es ein kleines Lehrstück war, so ein kleines Ausrufezeichen. Denn ich befand mich in den letzten Tagen und Wochen in einer angespannten und etwas stressigen Zeit. Ich weiß, dass so etwas eine zeitlang funktionieren mag, jedoch nicht auf Dauer.

Sämtliche meiner Knochenbrüche entstanden in derartigen Situationen. Zeiten, in denen meine Gedanken mit Sorgen getrieben waren. Zeiten, in denen ich mich antreiben ließ. Zeiten, in denen ich versuchte, es anderen recht zu machen. Zeiten, in denen meine Seele, das Herz und mein Kopf nicht im Einklang waren. Das Leben verhalf mir zu Nachdenkzeiten. Es nahm mich regelrecht  zeitweise beiseite und stellte mich ruhig.

Und nein. Es ist nicht die gebohnerte vom Regen nasse Treppe schuld. Es ist nicht der abschüssige Weg mit den kleinen Splittsteinen schuld. Es ist nicht der Parkplatz mit den schlecht verlegten Platten schuld. Es ist nicht …  Es ist meine Unachtsamkeit, mein fehlender Fokus auf die Situation, auf diesen Moment, denn meine Gedanken waren nicht bei der Sache. Ich handelte nebenbei, wie so oft.

Inzwischen spüre ich solche Situationen ganz genau. Und ich weiß, dass nichts auf der Welt wichtiger ist, als mich selbst zu ordnen. Ich zwinkere meinem Schutzengel zu und flüstere: „Alles gut. Gib mir bloß keine längere Auszeit. Das kann ich grad nicht gebrauchen. Ich passe auf mich auf.“

Ich weiß, dass es einen Leser gibt, der über meine Zeilen lächeln wird. Denn er war der Auslöser für den heutigen Blog. Vor wenigen Tagen bekam ich seine Nachricht, dass er die Treppe herab gestürzt sei. Ein Ordner, den er dort abstellte, war Schuld. Er hatte diesen übersehen.

Ihr ahnt es schon. Nein, es war nicht dieser Ordner. Es ist die Unkonzentriertheit, wenn wir mit unseren Gedanken nicht im Reinen sind, unzufrieden, enttäuscht, oder vor Situationen gestellt, die wir im Augenblick eigentlich nicht wollen, nach Lösungen suchen und nicht den richtigen Ansatz finden und so weiter und so weiter.  Nun, er bekam „nur“ einen heftigen Fingerzeig mit einer guten Auszeit und darf seine geprellten Blessuren auskurieren. Wichtig ist dabei, diese Zeit ins Selbst zu erkennen und zu nutzen.

Habt alle einen schönen, ruhigen, entspannten Sonntag. Passt gut auf Euch auf und gönnt Euch ein wenig Zeit nur für Euch ganz allein. Es ist unendlich wertvoll und wichtig.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Hast auch Du ähnliche Erfahrungen sammeln dürfen? Schreibe es einfach im Kommentarfeld.

… und wenn Du es noch nicht getan hast: Du kannst meinen Blog ganz bequem via E-Mail abonnieren. Nutze einfach den entsprechenden Button dazu.

Alles Sache der Betrachtung

Eigentlich wohne ich in einer sehr, sehr ruhigen Region im südlichsten Süden Deutschlands. Mitten im Grünen, in einem klitzekleinen Ortsteil, am Hang einer Streuobstwiese, ein Ort im Tal eingekuschelt mit ein paar kleinen Häusern, einer Kirche, einer Bushaltestelle, einem Kindergarten, deren Betrieb wegen der Uneffektivität eingestellt werden sollte und die Eltern den Erhalt hart erkämpften und ein paar kleineren Handwerksunternehmen, die sich meistens an ihren Häuschen ansiedelten.

Seit dem März 2020, also seit dem ersten Lockdown, hat sich mein Arbeitsplatz in das heimische Büro / Atelier verlagert. Und seitdem weiß ich, dass diese vermeintliche Ruhe, die ich zuvor meistens empfand, sich in lauten  Geräuschen von landwirtschaftlichen Maschinen, von Traktoren, in Schleifen, Klopfen und Poltern der angesiedelten Handwerker, den neuen Baustellen der vielen Häuslebauer, dem Läuten der nur einhundert Meter entfernten Kirche und so weiter … auflöst. Wenn dann noch die Rasenmäher und -traktoren hin- und herrattern, dann ist es mit meiner Konzentration fast am Ende. Das geschlossene Fenster dämpft zwar das Drama. Aber es macht zum Beipiel das Arbeiten mit einem Mikrofon, wenn ich die Aufnahmen für meinen Podcast „Hör-Cafè“ mache, fast unmöglich. Es ist tatsächlich eine Herausforderung, ruhige Momente zu finden. Und das ist meistens in der Nacht oder sehr zeitig am Morgen.

Als ich die letzte Sendung aufnahm, gab es wieder einen solchen Moment. Die Häuslebauer beendeten endlich das Schneiden von Steinen mit einer Trennscheibe. Ich dachte: Jippiiie! Endlich! Vorsorglich schließe ich immer alle Fenster und Türen. Ich sprach die ersten Sätze in mein Mikrofon und in diesem Moment sprang ein Motor an. Ein Rasentraktor gurkte hin und her. Ich konnte meine Arbeit nicht fortsetzen und lauerte auf einen ruhigen Moment.

Ich denke, ich empfinde das übersteigert sensitiv, weil ich mich der Situation unmittelbar ausgesetzt fühle. Jeder andere wird das einfach als eine zum Leben dazugehörende sympathische Geräuschkulisse empfinden.

Als also wieder dieser Rasentraktor seine Runden zieht, musste ich an einen kurzen Text denken, den ich vor fünf Jahren schrieb:

Blumenwiese

„Die könnten auch mal wieder ihren Rasen mähen! Wie sieht das aus bei denen? Das ganze Unkraut blüht und wird die Samen verteilen. Überall! Dann wächst das Zeug auch hier noch!“, schnarrt Nachbar Schmidt erbost.

Nachbar Meier wundert sich: „Jetzt haben die schon wieder ihren Rasen geraspelt. Runter auf zwei Zentimeter. Unfassbar! Alles weg, die Gänseblümchen, Taubnessel, Schaumkraut, selbst die Butterblumen!“ —

„Ich frage mich, wozu wir Steuern zahlen! Im ganzen Ortszentrum haben die in diesem Jahr die Rabatten einfach nicht bepflanzt! Das sieht aus, kann ich dir sagen! Überall wächst das Unkraut wild durcheinander!“, ruft Lehmann seiner Frau zu.

Krüger ist begeistert: „Das ist ja so genial! In diesem Jahr haben die von der Gärtnerei die Rabatten als Blumenwiesen gestaltet. Alle erdenklichen Farben strahlen im Sonnenlicht, vom Mohn über Kornblumen, wilde Lilien einfach toll!“ —

„Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?“ Die Originalaufnahme von Marlene Dietrich knarrt aus dem Radio.“ Viktor meckert: „Pazifistisch. Einfach nur pazifistisch! Das kann jeder. Blöde Fragen stellen, aber keine Antworten liefern.“

Der Moderator: „Ein Anti-Kriegs-Song, der uns aufrüttelt, uns ermahnt, zum Nachdenken anregt …“ ———–

Alle Dinge im Leben haben zwei Seiten. Ich führe mir diese Dualität vor Augen und mein kleiner Groll verflüchtigt sich 😉

Genießt den Sonntag und seid herzlich gegrüßt von Eurer Petra Kolossa.

PS: Wenn Du es noch nicht getan hast, abonniere ganz einfach mit Deiner Email-Adresse meinen Blog. Den Button dazu findest Du auf der rechten Seite meiner Webseite.

Dem Pfad der Sonne folgen

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen. Eine ganz alltägliche, kleine Geschichte, die eigentlich keine große Aufmerksamkeit wert ist.

Bei dem tollen Wetter heute machte ich eine kleine Tour durch die Natur. Ich beschloss, dem Pfad der Sonne zu folgen, ich ging einfach immer in ihre Richtung.
So lief ich über Wiesen und weite Felder, mit meinen Hunden, denen ich ihre Wildheit ließ. Die ich nicht zu Menschen erzogen hatte. Die mich zu einem Wolf erzogen haben.

Ich durchquerte Obstanlagen und Hopfengärten immer in Richtung der Sonne und erreichte schließlich einen Wald. Entlang der Wege begegneten mir gestresste Menschen, die mit roten Gesichtern und Skistöcken durch den Wald hetzten. Es sah ein bisschen so aus, als wären sie auf der Flucht vor ihren Uhren, die sie am Handgelenk trugen und die sie zu jagen schienen.

Doch dann schien die Sonne durch hohe Tannen und wies mir den Weg in den dichten Wald. Hier gab es keine Menschen und keine Hektik mehr. Es ging nur noch darum, leise zu sein und zuzuhören.

Foto: Willy Holger Wagner

Zahllose Schmetterlinge flogen zwischen den Bäumen umher, als der Wald wieder lichter wurde. Ich glaubte, ihre Flügelschläge zu hören und sie setzten sich fast auf meine Nase. Das Zwitschern der Vögel war Musik in meinen Ohren, von irgendwoher lachte mich ein Grünspecht aus (der Ruf des Grünspechts klingt ein bisschen wie lautes Lachen ), wahrscheinlich, weil ich nicht fliegen kann. Ich fand sogar ein vierblättriges Kleeblatt und nahm es nicht mit. Es reicht, dass ich es gesehen habe, denn es ist allein der Glaube, der uns dem Glück zugänglich macht.

Auf einmal schien ich die Aura der Bäume zu sehen und ich konnte die Sphären, die unsere sichtbare Welt umgeben, zumindest erahnen. Der ewige Kreis von Werden und Vergehen war hier normal und alltäglich und hatte nichts von dem Schrecken, den die Menschen ihm anhaften. So ging ich weiter meinen Weg, immer geleitet von der Sonne. Als ich den endlos scheinenden Wald durchquert hatte, bot sich mir ein atemberaubender Blick über das weite Argental, den Bodensee und dahinter die Alpenkette.

Wieder über Wiesen und Felder machte ich mich auf den Heimweg und war tief in Gedanken versunken.
Wie anfangs erwähnt, eine alltägliche Geschichte, ein Waldspaziergang, weiter nichts.
Und doch war mir klar, dass das, was ich heute erlebt habe, dem größten Teil der Menschheit verborgen bleibt. Wie sonst ließe sich der respektlose Umgang mit der Natur erklären?

Ich dachte darüber nach, wie es mit der Erde weiter gehen sollte. Ist es erstrebenswert, in einer Welt zu leben, in der man sich sogar nach der schmerzhaften Erfahrung eines Bienenstichs sehnt, weil diese einem zeigt, dass irgendwo noch ein bisschen Leben ist?
Weil sie einem zeigt, dass man selbst noch lebt? Sollen unsere Kinder nicht mehr wissen, wie schön Schmetterlinge sind oder wie der Gesang von Vögeln klingt?

Wir müssen auf die Erde aufpassen, denn dann passt sie auch auf uns auf und lässt uns leben.
Und wenn wir dabei auch nicht an künftige Generationen denken, so weiß keiner von uns, woher er einst kam und wohin er einmal geht.
Wer garantiert uns denn, dass wir die Erde nicht mehr brauchen, wenn wir dereinst in ihrem Schosse ruhn?

Herzliche Grüße, Euer Alfons

So viel Zeit muss sein

… bremse ich mich. Den Mantel, den ich bereits vom Kleiderbügel nahm, lege ich über einen Stuhl und gehe in die Küche zurück. Ich ziehe mir den Stuhl an den Tisch und angele nach meiner Tasse Kaffee, die bereits auf der Küchenspüle abgestellt steht. Noch halb gefüllt mit lauwarmem starkem Kaffee. Ich nehme einen Schluck davon und rüge mich selbst, ständig in Eile sein zu müssen.

Des öfteren bereiste ich vor vielen Jahren die damalige Sowjetunion. Ganz gleich in welchem der Unionsländer ich mich aufhielt, ob Russland, die Ukraine, Weißrussland … überall traf ich auf den gleichen Brauch.

„Petra, bevor du davonrennst“, wurde ich am Handgelenk festgehalten. „setze dich bitte zu uns für fünf Minuten.“ Ich wurde auf einen Stuhl gedrückt. Es war damals die erste Begegnung mit dieser schönen Geste. Ich besuchte eine Familie in Leningrad – heute Sankt Petersburg. Die gesamte Familie meines jahrelangen Brieffreundes Sergej saß am Tisch. Seine Frau erklärte mir, dass es gut sei, bevor einer das Haus verlässt, sich in Ruhe ein paar Minuten hinzusetzen und alles Liebe auf den Weg in den Tag in Empfang zu nehmen.

Ich schaute sie erstaunt an. Sie sagte mir, es sei sehr wichtig, selbst zur Ruhe zu kommen und entspannt zu gehen. Hinzu käme, dass keiner weiß, was da draußen an diesem Tag auf jeden einzelnen warte. Jeder soll in Frieden gehen, ohne schlechte Gedanken im Kopf und gesund zurück kehren.

… mein Smartphone liegt auf dem Tisch. Ich öffne WhatsApp und tippe:

„… ich habe noch fünf Minuten, bis ich in den Job gehen muss. Verbringst Du die Zeit mit mir?“ …

Welcher Typ seid Ihr? Wie handhabt Ihr es am Morgen?

Geht Ihr in Ruhe? Oder seid Ihr, wie meistens auch ich, immer nur in Eile?

Für Euch alle einen ruhigen und friedlichen Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

.

Ich schnappe jetzt meine Tasche und auf geht’s in den Tag 🙂

Ihr wollt auch eine solche? Klickt einfach auf das Bild.

PS: Werbung in eigener Sache.