Stimmungskiller

Erzähle uns von einer Zeit, in der du dich fehl am Platz gefühlt hast.

Bei mir sind es die Situationen, in denen sich Menschen bündeln und unglaublich laut sind.

Es scheint dann so, dass jeder den anderen übertönen müsse. Jeder dieser Runde ist besser gelaunt als der andere. Jeder lacht intensiver als der andere. Jeder ist offener als der andere. Jeder begrüßt den Neuankömmling herzlicher als der andere.

Und wenn dann die ersten Glas Bier, Wein und sonstiges gekippt wurden, beginnen die weiblichen Wesen dieser Runden die männlichen kreischend zu übertönen. Wie peinlich, denke ich.

Unterhaltungen, sofern diese bei dem Lärm überhaupt möglich sind, sind laute sich gegenseitig hingeworfene oberflächliche Satz- und Wortkonstrukte, auf die man versucht so geistreich wie nur möglich im ping-pong zu reagieren und viele Lacher,  abzuholen. Sie reden um zu reden.

Dieser Lärm verschwimmt in mir nach einiger Zeit zu einer mächtigen dumpfen Geräuschkulisse, in der ich nur noch hantierende Figuren mit ihrer Mimik und Gestik beobachten kann. Je lauter es wird, desto stiller werde ich.

Werde ich dann angesprochen, kommt meine Konzentration zurück. Der Lärm prallt glasklar in mein Hirn. Ich anworte. Man versteht mich nicht. Der mich anspricht beugt sich zu mir, um zu hören, was ich sage. Die ersten beobachten die Situation und werden leiser, was dann wie eine Verhaltensstudie wirkt. Denn die anderen tuen es auch und im Raum wird es still.

Ich fühle mich dann wie ein Stimmungskiller und völlig fehl am Platz.

Derartige Einladungen nehme ich in der Regel nicht mehr an. Auch wenn sie noch so lieb gemeint sind. Es tut mir nicht gut und diesen Einfach-mal-Spaß-haben-Runden auch nicht.

Wie ist es bei Dir, hast Du Dich schon einmal fehl am Platz gefühlt?

Schreibe es einfach ins Kommentarfeld.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich Eure Petra Kolossa.

mal fix telefoniert

„… du hast ja in zwei Tagen Geburtstag. Was hast du geplant?“, fragt mich meine Freundin.

„Du weißt doch, dass ich meinen Geburtstag seit einigen Jahren nicht feiere.“, antworte ich.

„Huch, ja, stimmt. Das kann ich nicht verstehen. Ich brauche das. Aber es macht jeder, wie er es will.“, sagt sie, holt Luft und redet gleich weiter: „Sandra hatte ja auch Geburtstag. Sie werde ich gleich noch anrufen. Am Tag des Geburtstages schicke ich nämlich nur noch WhatsApp. Anrufe stören dann immer so. Ich kann das selbst nicht leiden, wenn ich mich nicht um meine Gäste kümmern kann, weil immerzu das Telefon klingelt.“, schnattert sie. „Ach, und du wirst wirklich gar nichts machen?“

„Nein, ich habe keine Gäste. Es ist außerdem mitten in der Woche. Feste Termine außeralb plante ich keine, aber ich werde in meinem Büro arbeiten. Am Abend ist ein Tisch beim Italiener reserviert. Darauf freue ich mich tatsächlich.“, lasse ich sie wissen.

Zwei Tage später: 08:16 Uhr

Ich sitze an meinem Schreibtisch. Das Smartphone signalisiert eine eingehende WhatsApp. Meine Freundin gratuliert mir zum Geburtstag.

Ich muss grinsen. Eine Sekunde denke ich daran, die Rückruftaste zu drücken. Lasse es aber sein.

Beim Italiener: 19:40 Uhr

Mein Smartphone vibriert. Ich lege das Besteck beiseite. Meine Freundin ruft an … Ich wahre Contenance und muss in mich hineinlächeln.

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Heute am Morgen denke ich an diese Episode. Und es wird mir bewusst, wie flüchtig und oberflächlich wir in vielen Dingen sind. Oftmals wird ein Gespräch zum Smalltalk und wir vergessen das wahre Zuhören.

Ich nehme jetzt einen Schluck klärendes Wasser aus meinem Lieblingsglas und bitte meine Episodengeberin herzlich, mir diesen Beitrag zu verzeihen.

Euch allen wünsche ich einen angenehmen Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

PS: Ihr habt ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder Ihr wollt einfach etwas zu diesem Thema sagen? Ich freue mich auf Eure Zeilen. Schreibt sie einfach unten in das Kommentarfeld 😊