Realsatirische Komödie

Wann warst Du das letzte Mal im Theater?

Ich gehe öfter ins Theater, als ins Kino. Nun muss ich dazu sagen, dass ich ursprünglich aus einer Kunst- und Kulturstadt komme. Ich bin Dresdnerin. Wer in diese Stadt hineingeboren wurde, wächst unweigerlich mit allen Facetten von Kunst und Kultur auf. Es gehörte schon als kleines Kind zu meinem Leben, mich an Theateraufführungen zu erfreuen. War es noch Mitte 1960  das „Theater der Jungen Generation“, lernte ich bald das „Kleine Haus“ kennen, das „Große Haus“ auch mit seinen Opern und Ballettaufführungen die „Staatsoperette“ – oder wie wir alle sagten: das „Operettentheater“ – und den „Kulturpalast“ mit seinen Konzerten und später, nach dem Wiederaufbau, die „Semperoper“.

Hier haben wir das „Theater Ravensburg“. Es ist eine sehr kleine  Spielstätte mit nur einhundertfünfzig Zuschauerplätzen. Dennoch gibt es ein eigenes fünfköpfiges Ensemble und etliche Gastschauspieler, die bei Bedarf hinzugezogen werden.

Es ist ein kleines Theater mit einem besonderen Charme. Im Laufe der Jahre sahen wir so etliche Aufführungen. Und irgendwie wächst man mit dem Schauspielerteam zusammen und vermisst denjenigen, der vielleicht gerade bei einem Stück nicht dabei sein kann.

Seit einigen Jahren nehmen wir uns vor, das Sommertheater, eine Open-Air-Veranstaltung im Theaterhof zu besuchen. Immerzu kam etwas dazwischen. Im vergangenen Jahr hatten wir sogar Karten. Aber dieser Sommerabend war so kalt und nass, dass die Vorstellung in die Innenräume des Theaters verlegt wurde.

Für die gestrige Vorstellung „Extrawurst“ ist es uns gelungen, Karten für das Open Air zu bekommen. Endlich! Die Wettervorhersage versprach einen lauen und trockenen Abend bei dreiundzwanzig Grad. Wir freuten uns auf eine schöne Nacht in einer besonderen Atmosphäre. Aber es sollte ganz anders kommen. Am Nachmittag erhielt ich eine Email, in der man mir mitteilte, dass aus Vorsichtsmaßnahmen die Aufführung in den Innenraum verlegt werden müsse. Schließlich  sei Fußball-Europameisterschaft und Deutschland spiele gegen Spanien. Man wisse es nicht, aber es könnte sein, dass es im Anschluss Ausschreitungen und Störungen geben könnte. Achtzehn Uhr war Anstoß, zwanzig Uhr begann die Theateraufführung. Und um es vorweg zu nehmen: Es gab nichts. Nach dem Ende des Theaters liefen wir alle in eine total ruhige Nacht, in der die Bordsteine hochgeklappt schienen.

„Extrawurst“ – eine Komödie von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob.  Aus meiner Sicht ist es eine absolute Realsatire. Mutig wird das Thema Migration von beiden Seiten beleuchtet und satirisch in dieser Komödie verarbeitet. Das Publikum, wie auch wir haben uns köstlich amüsiert, auch wenn im vollen Bewusstsein, dass das, was hier aufgepickt wurde, die blanke Realität ist. Dieses Stück ist eines der besten, das ich in der letzten Zeit sah. Von mir gibt es fünf von fünf Sternchen. Und nicht ohne Grund wird es derzeit in vielen Theatern gespielt. Schaue doch mal. Vielleicht hast Du Glück und „Extrawurst“ wird auch in Deiner Stadt gezeigt. Ich kann Dir dieses Stück ans Herz legen.

Heute ist nun wieder ein kühler und regnerischer Abend. Bisher war dieser Sommer noch keiner. Aber das gibt es ja auch immer wieder mal. Ich denke, wir werden einen hochsommerlichen August bekommen und einen märchenhaften September.

Nun gut, das sind nur Mutmaßungen und ein wenig Wunschdenken. Schließlich bin ich kein Wetterfrosch. Aber auf die ist ja auch kein Verlass. Nicht einmal auf den offiziellen Wetterbericht für morgen 😆

Nun genug für heute!

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Wie real ist Zukunft?

Worauf freust du dich im Hinblick auf die Zukunft am meisten?

Nie hätte ich geglaubt, dass ich das eines Tages sagen würde. Jedoch steckt in mir keinerlei Freude in die Zukunft. Meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt, dass es nichts Unrealistischeres gibt, als die Zukunft. Nichts ist so vage und schwammig, wie die Zukunft. Freude auf die Zukunft ist so etwas, wie Hoffnung, ein Klammern an irgendetwas, ein Heranbeten eines gewünschten Besseren, als dem Jetzt.

Es ist wie mit den großen Zielen. Es ist ein Jagen nach etwas Besserem als dem im Augenblick. Ist das aus der vermeintlichen Zukunft im Jetzt angekommen, ist es nichts mehr wert, da ja wieder eine Freude, eine Hoffnung in der Zukunft benötigt wird. Wir vergessen dabei, dass das Spannende nicht das Ziel im Futur ist, sondern einfach nur der Weg dahin. Nämlich das, was wir jeden Tag im Hier tun, Schritt für Schritt.

Welche Dinge in der Zukunft könnten es sein, auf die man sich freut? Es kann nur etwas sein, dass eigentlich bereits Realität ist. Zum Beispiel eine bereits (jetzt) gebuchte Reise, die in absehbarer Zeit (in der Zukunft) sein wird. Oder ein Treffen mit der Familie oder den Freunden, die bereits heute verabredet ist, jedoch erst in einem zukünftigen Zeitpunkt sein wird. Diese Beispiele sind so etwas wie „Halbzukünftiges“, weil sie zum Teil bereits heute real sind.

Ich freue mich zum Beispiel auf den Besuch des Sommertheaters Ende Juli in meinem Lieblingstheater in Ravensburg. In der Vergangenheit, also bis zum Februar 2020 besuchten wir dieses regelmäßig. Dann kam die verordnete Pandemiezeit und alles geriet ins Schleifen. Zu meinem Geburtstag im März 2020, also gerade da, wo dieseser ganze Trödel begann, bekam ich eine Gutscheinkarte für dieses Theater geschenkt. Die hängt seitdem am Kühlschrank und wartet darauf, endlich eingelöst zu werden. Ob die überhaupt noch eine Gültigkeit hat? Ich werde es sehen, wenn ich die zum Bezahlen verwenden möchte.

Ein Schnappschuss um die Ecke vom Kühlschrank. Ich glaube, die Kühlschränke sehen bei Euch ähnlich aus. Stimmt’s?

Das ist eine nahe Zukunft und irgendwie nur eine „Halbzukunft“. Denn ich beschäftige mich im Jetzt damit und es ist somit ziemlich real. Natürlich wissen wir nicht, was morgen sein wird, was da noch alles dazwischen kommen kann. So will ich es also eine „Halbrealität“ nennen. Und: Ich habe innerhalb kürzester Zeit zwei neue Wortschöpfungen gezaubert. Vielleicht sind diese auch nur „halbneu“ 😀

Diesen Beitrag tippe ich für Euch mit noch feuchten bzw. „halbtrockenen“  oder „halbnassen“ Haaren. Zum Glück ist die deutsche Sprache prall gefüllt mit Wörtern. Lasst uns also kräftig zulangen.

Schluss mit dem morgendlichen Philosophieren!

Sonnige Grüße schickt Euch,

Eure Petra Kolossa.

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