Die Sternensinger

C+M+B Christus Mansionem Benedicat – Christus segne dieses Haus.

Heute ist der sechste Januar, „Heilige drei Könige“, hier bei uns in Baden Württemberg ein Feiertag.  Ich bin halb acht aufgestanden. Der Ort liegt ruhig, kühl und nebelig. Der Regen der vergangenen Nacht hält sich in einigen Tropfen am verblühten Buddleja fest.

Die erste Januarwoche ist bei uns immer noch sehr ruhig. Da der erste Januar auch ein Feiertag ist, gönnen sich viele Menschen noch etwas Ruhe.

Und heute scheint es besonders ruhig zu sein.

Ich schnappe meinen frisch gebrühten Kaffee und setzte mich an meinen Schreibtisch, um ein paar Zeilen zu schreiben. Ein stürmisches Klingeln an der Haustür schreckt mich auf. Die Post? Nein, heute ist Feiertag. Ich schaue auf die Uhr, acht Uhr zwanzig. Wer soll das um diese Uhrzeit zum Feiertag sein?

Als ich öffne, stehen die „Sternensinger“ vor der Tür. Ach herjeh, daran habe ich doch überhaupt nicht gedacht. Der erwachsene Begleiter: „Ich weiß, es ist ziemlich früh. Hoffentlich stört Sie das nicht.“ Ich sagte ihm, das sei schon in Ordnung, jedoch werden alle anderen im Haus noch schlafen. So war es auch.

Die Kinder, wie immer kostümiert, trugen ihren Stern vor sich. Angenehm fiel mir auf, dass zum ersten Mal keiner der Kleinen dunkel angemalt war. Sie sangen ihr Lied und sagten ihren Spruch auf. Christus segne dieses Haus. Ich ging, um etwas Geld für ihre Sammelbüchse zu holen und stopfte es dort hinein.

Der Erwachsene drückte mir zwei Flyer und einen Aufkleber für die Tür in die Hand. Ich guckte ihn groß an und fragte, ob ich das nun selbst dort ankleben solle. Er bejahte es. Meinte aber, wenn es mir Mühe bereite, werde er es gern tun. Ist schon OK, ich machte es selbst.

Als ich die Sternensinger vor fast fünfundzwanzig Jahren in Freiburg kennenlernte, wischten sie mit einem Tuch die Kreideaufschrift des letzten Jahres weg und schrieben mit Kreide die Buchstaben 20*C+M+B und das entsprechende Jahr neu in Verbindung mit dem gesprochenen „Christus segne dieses Haus“. Das ganze Jahr über achteten wir beim Putzen darauf, diese geschriebene Zeile nicht zu beschädigen.

Als es uns 2011 hierher in den südlichsten Süden zog, lernte ich eine etwas rationellere Art kennen. Mit einem feuchten Schwamm wurde nur die letzte Zahl weggewischt und die neue Jahreszahl hingeschrieben. Immer wenn ich auf diesen Schriftzug sah, fiel mir der verschmierte Untergrund und die andere Schrift der letzten Zahl auf.

Fünf Jahre später wurde ein schwarzer selbstklebender Untergrund auf die Tür geklebt, der mit Kreide beschrieben werden konnte. So erhielten wir durch die Sternensinger eine neu geschriebene Zeile.

Die darauffolgenden Jahre wurde wie zuvor gehandelt. Also zack, die letzte Zahl weggewischt und mit der aktuellen ergänzt.

Bis zum vorherigen Jahr. Da klebten Sternensinger einen vorbereiteten bedruckten Aufkleber an die Tür.

Und in diesem Jahr ganz zeitgemäß: Do it yourself!

Ich hätte da einen Vorschlag: Schickt doch den Leuten einfach eine Email mit ein paar netten Worten. Legt einen Link zur Seite der „Aktion Dreikönigssingen“. Dort können wir uns mit der Postleitzahl einloggen. So kann dann nachvollzogen werden, über welche Kirchengemeinde der Zugriff auf die Seite erfolgte. Wir können entsprechende Button anklicken, um die Sternensinger zu hören, ein paar nette Worte empfangen, unsere Spende überweisen und uns den Aufkleber für die Tür selbst ausdrucken. Praktisch, oder nicht?

Ich weiß, dass das sicher ein Verlustgeschäft wäre. Denn so ganz anonym werden derartige Dinge schnell ignoriert und gelöscht. Solch ein präsenter Auftritt vor der Tür löst Emotionen und sicher auch etwas Schamgefühl aus. Das Portemonnaie sitzt dann doch etwas lockerer, als es bei einem Link mit dem selben Zweck via Email wäre.

Und gehen wir davon aus, dass die Kinder beim aktiven Tun auf jeden Fall die Hintergründe kennenlernen und verstehen werden. Nichts prägt mehr, als ein wahrer Kontakt mit echten Menschen.

In dem Sinne, habt einen schönen Samstagabend.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

2 Gedanken zu “Die Sternensinger

  1. Klingt etwas zynisch 🤨, aber mit einer wahren Voraussicht auf die Zukunft. Jeder versucht sich auf das moderne Leben anzupassen. Warum nicht auch diese Zeremonie der heiligen drei Könige. Mal sehen, wie’s nächstes Jahr wird. LG Antje

    • Vielen Dank für Deine Zeilen. Ja, natürlich habe ich das mit einem Augenzwinkern geschrieben. Und das in beide Richtungen. Zum einen in meine eigene. Wer schon länger in meinem Blog liest weiß, dass ich konfessionslos bin. Und dennoch mag ich so manche Rituale. Wie dieses segnen des Hauses, in dem ich lebe. Es mag ein Widerspruch sein. In meinen Zeilen mache ich deutlich, dass ich das vermisse. Ich vermisse die echte Handschrift auf unserer Haustür. Ich mag keinen x-fach gedruckten Aufkleber selbst anpappen müssen. Die Sternensinger kommen einmal im Jahr. Ich wünsche mir sehr, dass es etwas Besonderes bleibt. Wenn das Ritual einem „modernen Leben“ weichen soll, passt es nicht mehr zusammen. Und das ist mein Augenzwinkern in die andere Richtung.
      Habe einen schönen Abend, liebe Antje.

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