Horch und Guck 2.0

„Pass auf, was Du sagst!“ Diese Zeile kam mir zwischen die Finger, als ich einen Beitrag über die sogenannten Meldestellen, initiiert und eingerichtet durch die Bundesregierung, las. Auf deren Webseite kannst Du dich genauer informieren.

In diesem Beitrag ging es um Erfahrungen von denunzierten Menschen in unserem Land. Erlebnisse, die in diesem Fall Journalisten, Blogger, Youtuber, Leute, die nur mal so ihre Meinung zu einem Post sagten, hatten. Es waren zum Beispiel Äußerungen in einem Satz, einer Bemerkung gegen die aktuell platzierte Ideologie. Zum Teil waren diese gefundenen Zitate älter als zwei Jahre. Das Internet vergisst nicht. (Das gilt übrigens für alle!)

Wer nicht genügend Geld und die Kraft hat, sich mit einem Rechtsanwalt gegen diese Anklagen zur Wehr zu setzen, hat wahrscheinlich gegen diese geballte Macht keine Chance. Und das ist aus meiner Sicht das Ziel, Angst zu schüren und einzuschüchtern, damit allgemein geduckt wird.

Was hierbei das große Elend ist: Diese Leute wurden glattweg anonym verpfiffen über die Meldestellen. Dieses gehorsame Anbiedern und Kriechen ist derart erbärmlich, dass mir fast die Worte fehlen.

„Diejenigen, die den Staat verhöhnen, müssen es mit einem starken Staat zu tun bekommen.“ (Zitat: Nancy Fäser)

Dieses Gebaren fühlt sich an, wie eine Keule, die Kraft ihrer Wassersuppe despotisch ihren Willen durchzudrücken versucht. Macht ist eine gefährliche Droge. Leider gelingt es solchen Menschen immer, ihr Umfeld in eine diverse Co-Abhängigkeit zu ziehen. Meldestellen sind dafür das perfekte Werkzeug.

Am 30. Juli 2021 schrieb ich einen Blogbeitrag zu diesem Thema. Das war zu der Zeit, als das gerade so am Aufkeimen war. Dieser Blogbeitrag hat inzwischen die zweithöchste Frequenz, wird also am zweitstärksten auf meiner Seite aufgerufen und gelesen. „Petze, Petze ging in Laden, wollte … „

Vielleicht reagiere ich auch deshalb so empfindlich, weil ich das alles kenne. Ich weiß, wie es ist, wenn man in seiner eigenen Wohnung kein Gespräch offen führen kann und man dafür spazieren gehen muss. Wenn man am Telefon mehr, als über das Wetter reden will, den Wasserhahn voll aufdrehen und in vagen Worten sprechen muss. Ich weiß, welch ein hilfloses Gefühl es in einem auslöst, wenn man von seinem Chef zu einem Gespräch gerufen wird, einem drei Fremde gegenübersitzen und man auf Dinge angesprochen wird, die kein anderer wissen kann, weil es nur in den eigenen vier Wänden besprochen wurde. Ich weiß, wie es ist, wenn man beginnt, seinen Nachbarn, seinem Umfeld, nicht mehr zu trauen. Genau dieses „Pass auf, was Du sagst!“ hat sich in den Menschen als Dauerzustand eingebrannt.

Das Ausspähen durch das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi, nannten wir damals Horch und Guck. Und genau das wollte Frau Fäser vorantreiben mit ihren geplanten erweiterten heimlichen Wohnungsdurchsuchungen durch das BKA. Zum Glück wurde das sofort vom Bundesjustizministerium, Herrn Buschmann, zunächst abgeschmettert.

Nicht ohne Grund ist der Osten so, wie er ist. Die Menschen fühlen ganz genau, was um sie herum geschieht. Der Ruf „Wir sind das Volk!“ ist nicht ohnehin. „Der Staat“ vergisst gern, dass sie im Auftrag der Menschen tätig sind, die sie mit der Arbeit durch eine Wahl betraut haben. Leider wird ihnen blind für vier Jahre ein Herumwursteln ermöglicht, was mit einer direkten Demokratie weniger möglich wäre. Denn da müssten sie ja Rechenschaft über ihr Handeln ablegen und im Interresse ihrer Auftraggeber, nämlichen der Bürger dieses Landes handeln und arbeiten. Wenn nicht, würden sie abgestraft.

Ja, ja, ich weiß, die Politiker meinen, das Volk sei zu blöd und habe von den wichtigen Dingen keine Ahnung. Deshalb sollen wir sie mal machen lassen. Ich sage: Solange sich die Politiker um einen Auftrag bewerben und von den Bürgern erwarten, gewählt zu werden, scheinen diese dafür ja nicht zu doof zu sein. Das Auftragsvolumen dieses Jobs ist verdammt hoch. Deshalb sollte eine regelmäßige Rechenschaft und eine aktive direkte Beteiligung des Volkes bei wichtigen Entscheidungen ein Selbstverständnis sein.

Jetzt habe ich mich mächtig aufgeregt. Aber das geschieht immer, wenn ich über diese Meldestellen stolpere. Weil damit die niederen Instinkte der Menschen angesprochen werden. Es gibt diese Leute immer und immer wieder. Leider.

Wie ist es bei Dir? Ist es für Dich zur Zeit selbstverständlich, Deine Meinung offen und jedem gegenüber auszusprechen? Ich denke, wenn wir in uns gehen, werden wir feststellen, dass das wahrscheinlich so gut wie keiner von uns vollumfänglich tut.

Aber vielleicht täusche ich mich auch 🤔

Schreibe es doch einfach in das Kommentarfeld.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

5 Gedanken zu “Horch und Guck 2.0

  1. Also, ich kann und konnte jederzeit gegenüber jedermann/jederfrau immer offen meine Meinung sagen. Und alle anderen hier in diesem Lande auch. Indem Sie alles Mögliche und Unmögliche in diesem Blog schreiben, beweisen Sie doch gerade diese Tatsache!
    Viele Grüße

    • Die herrschende Meinung ist immer die Meinung der Herrschenden und solange man sich der Herrschaftsmeinung entsprechend, in der persönlichen Denkweise anpasst bzw sich als treuer Untertan erweist, kann man sich dementsprechend bedenkenlos äussern.
      Seit dem Beginn der Coronazeit ist es mit freier Meinungsäusserung hierzulande nicht mehr weit her. Kritisches hinterfragen ist hierzulande nicht erwünscht. Kritik an den Regierenden kommt ebenfalls Hochverrat gleich.
      Eine Meldestelle zur Denunzierung gibt es hier bei mir in der Stadt seit 2020. Nennt sich „Drittanzeige“
      Entgegen ihrer Meinung ist es leider heute nicht mehr gegeben, dass jeder frei und uneingschränkt eine Meinung äussern kann. Über Umwege kann es den Job kosten, es kann passieren, dass du Probleme bei der
      Wohnungssuche und bei einigen anderen Dingen hast.
      Das passiert natürlich nicht offensichtlich „wegen deiner Meinung“ Die Blöße möchte man sich (noch) nicht geben. Aber Frau Faeser möchte das System ausbauen und tut alles, damit wir zu einem Überwachungsstaat werden.
      Davon augenscheinlich nicht betroffen zu sein ist für viele Menschen beruhigend, ändert aber nichts daran, dass wir auf dem besten Weg dorthin sind

    • Vielen Dank für Ihre Meinung. Es freut mich, dass es so ist, für Sie wie auch für „alle anderen hier in diesem Lande“.
      Ja, ich habe mich wahrscheinlich mit meinen Zeilen etwas weit herausgelehnt. Dennoch meine Frage an Sie, weil das schließlich der Auslöser meines Ärgernisses war: Wie stehen Sie zu den eingerichteten Meldestellen, bei denen jedermann anonym unkorrekte Verhaltensweisen kundtun kann?
      Viele Grüße und einen schönen Sommertag für Sie. Herzlich, Petra Kolossa.

      • Vielen Dank für Ihre Rückantwort!
        Na, diese werden eingerichtet, damit Menschen, die z.B rassistisch angegangen oder diskriminiert werden oder Queerfeindlichkeit ausgesetzt sind, die Möglichkeit haben, diese mitzuteilen. Ich finde es ganz schön traurig, dass solche Meldestellen überhaupt erforderlich sind, sollte doch jeder den anderen, egal welcher Herkunft oder Lebensweise, in seinem Sosein akzeptieren.
        Hat also mit Stasi absolut nichts zu tun.

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