Petitesse – Randnotiz – 2024-10-30

Heute am Nachmittag im Supermarkt:

An der Kasse sage ich, dass ich gern etwas Bargeld mitnehmen möchte.

Die junge Frau, etwa Mitte zwanzig:

„Wieviel soll’s sein?“

„Dreihundert Euro.“,sage ich.

„Das geht nicht. Das ist zu viel.“

„Dann geben Sie mir bitte zweihundert.“

„Das ist zu viel!“, erwiedert sie.

„So nehme ich eben wenigstens einhundert mit“, gebe ich leicht genervt zurück.

„Zwischen zwanzig und fünfzig. Mehr kann ich nicht geben.“

„Warum das denn? Es war doch bisher immer möglich.“

„Bargeld braucht man doch heutzutage kaum noch.“, und sie wirft noch belehrend hinterher: „Auch Ältere sollten sich mal langsam daran gewöhnen.“

In mir wuchs ein doppelter Groll. Zum einen, dass ich daran erinnert wurde, zu den „Älteren“ zu gehören, auch wenn es stimmen mag, und zum anderen, stieß sie mich auf das leidliche Thema „Bargeld“.

Erst neulich wurde ich in der Bestätigung einer Hotelreservierung explizit darauf hingewiesen, dass eine Bezahlung der Rechnung ausschließlich mit der Karte beim Check-In möglich sei. Es war nicht nur erwünscht, es bestand einfach nur diese eine Möglichkeit. Es war eine Buchungsbedingung.

Wir nähern uns immer weiter dem Ideal des „gläsernen Menschen“. Dabei habe ich das Gefühl, dass es die überwiegende Mehrheit der Menschen gern so hätte. Es ist ihnen egal, weil es bequem ist.

Wie oft habe ich beobachtet, dass die Leute zum Beispiel beim Bäcker ihren Einkauf in Höhe von etwas über einen Euro digital bezahlen. Sie halten ihr Smartphone an das Lesegerät und gehen. Immer wieder frage ich mich, was von diesem etwas über einen Euro am Ende übrig bleibt, wenn die Gebühren für das Lesegerät und die Kosten für die Geldübertragung bezahlt wurden.

Ich bin kein Geldexperte. Jedoch trieb mich mein Gefühl in der letzten Zeit, so viele Dinge wie möglich, bar zu bezahlen.

Wenn ich nur an eine Kurzreise von zwei oder drei Tagen denke.

Es wird die Navigation im Auto eingeschaltet. Wir tanken mit der Karte. wir bezahlen das Hotel mit der Karte. Wir kaufen ein. In jedem Geschäft wird die Karte gezückt. Wir bezahlen das Restaurant mit der Karte.

Alles geschieht digital. Alles ist nachvollziehbar. Wohin wir fuhren, wo wir anhielten, wo wir tankten, was wir tankten. Welche Geschäfte suchten wir auf, welches Niveau haben diese, was kauften wir? Welche Gastronomie nutzten wir, was aßen wir? Und so weiter und so weiter. Daraus können Nutzerprofile erstellt werden. Wenn es schlimm kommt, können aus solchen Daten Screenings erstellt werden. So etwas, wie wir es von der deutschen Schufa kennen. Zum Beispiel, kann erhoben werden, was sich diese Person leisten kann, wo sie ihr Geld lässt. Kauft sie zum Beispiel bei Bonprix oder bei LiebesKind?

Eine potentielle Zahlungsfähigkeit ließe sich zum Beispiel daraus herleiten. Bereits heute hat es einen Einfluss auf die Bonität, ob ich im Westen oder im  Osten Deutschlands lebe, ob ich in einer „Platte“ in einem multikulturellen Stadtbezirk lebe oder in einer privat gemieteten oder besser, in in einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung in einem angesagten Viertel.

Das sind nur einige klitzekleie Beispiele. Ich will mich heute nicht weiter dazu auslassen. Eigentlich wollte ich Dich nur anstupsen, darüber nachzudenken, dass Bargeld uns eine diverse Freiheit gibt. Wenn wir unser Handeln komplett in die digitale Welt abgeben, ist der Weg zur Bevormundung jedes Einzelnen von uns nicht weit.

Deshalb: Zahle, soweit es Dir möglich ist, bar.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

2 Gedanken zu “Petitesse – Randnotiz – 2024-10-30

  1. Liebe Petra,

    ich habe lange Zeit auch digital bezahlt und „gelebt“. Doch mittlerweile bin ich zurück gerudert, aufgrund all der Dinge, die Du in Deinem Beitrag benennst.
    Ich zahle, wenn möglich wieder bar und so wenig wie möglich mit Karte.
    Und ja, es gibt einem viel Freiheit. Das Gefühl eben nicht „überwacht“ zu werden ist Freiheit pur.

    Danke, dass Du mit Deinem Beitrag auf das „gläserne Leben“ aufmerksam machst.

    Liebe Grüße
    Anja

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