Wie informierst Du Dich?

Auf welche Weise konsumierst Du die täglichen Nachrichten? Liest Du Zeitung digital oder physisch? Hörst Du Radio, schaust Du Fernsehen? Liest Du im weltweiten Netz?  … Wie informierst Du Dich?

Meine Stammleser wissen, dass ich seit fünfundzwanzig Jahren kein Fernsehen schaue. Darüber schrieb ich etliche Male. Viele Jahre holte ich mir die Informationen ausschließlich aus der Tagespresse, diversen Zeitschriften und natürlich aus dem Radio. Ich war tatsächlich absoluter Radio-Fan.

Inzwischen ist es so, dass ich die Nachrichten und politischen Sendungen auch aus dem Radio nicht mehr ertragen kann. In mir wächst das gleiche Gefühl, das ich damals hatte, als ich von jetzt auf jetzt den TV-Stecker zog. Ein- bis maximal zweimal täglich tue ich mir das an, um zu wissen, was der Öffentlich Rechtliche Funk verbreitet. Ich bin also informiert.

Heute am Morgen dachte ich daran, Dich zu diesem Thema zu fragen, wie Du Dich informierst. Schreibe es doch einfach in die Kommentare.

Wie läuft mein morgentliches Ritual nach dem Aufstehen ab?

Ich tapse in die Küche. Starte die Kaffeemaschine. Versorge das Kätz. Schalte mein Smartphone ein. Suche meine bevorzugten nationalen und internationalen digitalen Morgennachrichten. Stopfe meinen Kopfhörer ins Ohr. Ich benutze immer nur einen, um dennoch das Leben um mich herum wahrnehmen zu können. Ich starte den ersten Podcast. Inzwischen ist mein Kaffee fertig. Ich nehme meine Tasse Kaffee und das Smartphone und gehe ins Bad. Während ich Zähne putze und mich zurecht mache höre ich den Informationen zu.

Das Gleiche dann in der Küche, wenn ich das Frühstück bereite, später den Haushalt oder Sonstiges erledige. Ich nutze die Zeit, mir eine Meinung zu bilden. 

Manchmal höre ich mir eine Bundestagssitzung an. Ich muss eigentlich sagen, ich tue es mir an. Wenn man diesen Reden folgt, weiß man, weshalb unser Land ist, wie es ist.

Würde ich ausschließlich lesen, müsste ich mich dazu hinsetzen. Klar, das machte ich einst so. Aber auch weiß ich, dass das sehr, sehr zeitintensiv ist. Deshalb bin ich mit der für mich gewählten Lösung sehr zufrieden. Es gibt mir einen allumfassenden Einbick in das gesellschaftlich-politische Leben. Ich darf und muss selbst denken. Und das ist gut so. Eben nicht einseitig, vorgeformt, ideologisiert, und übergestülpt.

Und sonst so? Ein paar Umzugskisten habe ich ausgeräumt. Marcel unterstützte uns beim Anbringen eines Dusch-Spritzschutzes, der Abzugshaube in der Küche und der Bücherregale im Arbeitszimmer. Vielen, vielen lieben Dank 🫶

Ich arbeite noch zehn Stunden, also zwei mal fünf, pro Woche für meinen einstigen Auftraggeber und jetzt Arbeitgeber. Heute ist solch ein Tag.

Gestern noch strömender Regen, heute ein herrlich durchwachsener Sonnentag um zwanzig Grad.

Bevor ich mir die Kopfhörer aufsetze und meinen Job beginne, gönne ich mir ein paar Minuten Ruhe und einen guten Kaffee ☕️

… bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Digitale Demenz und die Zukunft unserer Erinnerungen

Digitale Demenz: Sicher hast Du diese Wörter schon einmal gehört. Was verbindest Du mit digitaler Demenz?

Bevor ich von Manfred Spitzer und seinem Buch „Digitale Demenz“ hörte, assoziierte ich etwas anderes damit.

Völlig unwissenschaftlich und oberflächlich gesagt, könnte man Demenz mit Vergesslichkeit umschreiben. Vor kurzer Zeit schrieb ich einen Beitrag unter anderem über das Speichern auf den ersten Disketten, die es gab. Heute können wir weder diese Floppys, noch die nachfolgenden Disketten ohne, wenn überhaupt, einen Experten in Anspruch zu nehmen, lesen. Das Gleiche gilt für alte Speichersysteme, Tonbänder, Kassetten und zum Teil bereits CDs, wenn man nicht mehr im Besitz der alten Technik ist, diese abspielen zu können.

Kürzlich, als ich meinen Schreibtisch-Container aufräumte, hielt ich alte Mini-Kassetten eines Diktiergerätes in den Händen. Zwei Geräte, die wir dafür einst vor über fünfundzwanzig Jahren benutzten, funktionieren nicht mehr. Ohne Aufwand zu betreiben, kann ich diese Kassetten nicht mehr abspielen.

CDs, die es in unserem Haushalt gibt, ergeben eng an eng gereiht etliche Meter Regalfläche. Waren es damals kleine Schätze, hören wir sie heute kaum noch. Zum Glück besitzen wir noch ein solches Gerät, um diese abspielen zu können.

Einst waren es wichtige Datenträger am PC. Heute, gibt es für diese Scheiben an den Geräten keinen Zugang mehr.

Bandsalat, zerkratze Scheiben, wenn diese auf den Boden gefallen sind oder versehentlich irgend etwas auf eine ungschützte CD gelegt wurde, sind nur einige Beispiele für das Zerstören von digitalen Daten. Sie sind verschwunden, vernichtet, vergessen, einfach weg. Das ist aus meiner Sicht ein Beispiel für eine digitale Demenz.

Damals hielten wir die Daten in Reinform auf Papier gedruckt fest. Das ist bekanntlich geduldig und was man hat, das hat man. Ich hielt noch lange, lange Zeit daran fest, weil ich dem digitalen Nirwana nicht vertraute. Inzwischen habe auch ich mich dem allgemeinen ökologischen Trend unterworfen. Unsere Daten liegen in grauenvoller Masse auf großen Speicherkarten oder in Clouds irgendwo im Universum.

Vertraue ich jetzt dieser Sache? Nein, bis heute stehe ich skeptisch diesem Wahn gegenüber. Immer und immer wieder habe ich vor meinen Augen das Bild des nur Sekunden dauernden Crashs. Ein Zusammenbruch, der mit einem Schlag leise und unbemerkt und völlig geräuschlos mit einem Knopfdruck weltweit sämtliche Datenträger und Clouds löscht.

Was bleibt? Absolut nichts. Alles steht still. Fast jede Maschine läuft über programmierte Daten. Züge, Flugzeuge, Weichen, Autos, Schließanlagen, Banken, der Handel, die Logistik, die Energieversorgung, … alles! Das ist ein riesiger Reset.

Ist das für Dich unvorstellbar? Für mich nicht. Wer die digitale Macht hat, hält in seinen Pfoten die Macht über unsere Welt. Mit einem Schlag wäre die menschliche Geschichte seit der Digitalisierung gelöscht und vergessen. Es entsteht eine große Verwirrtheit, weil außer den Alten keiner mit dieser Situation umgehen kann. Die Menschen sind abhängig und süchtig in ihrer gelebten Matrix, die sich plötzlich als große Leere verdammt real zeigt. Jeder muss nun lernen zu denken, ohne zu googeln, Chat GPT oder Grok zu fragen. – Das nenne ich digitale Demenz.

Wir können das Ganze ein wenig weiterspinnen. Was wäre die Erlösung aus dieser großen Verwirrtheit? Wie gelangen die Menschen an das Wissen, das offensichtlich nicht in den Köpfen der Leute, sondern in irgendwelchen Clouds immer abrufbereit gespeichert war? Ganz einfach! Nur ein kleiner Pieks 😉 Jeder bekommt ein klitzekleines, kaum spürbares, süßes kleines Chiplein implantiert und wird sofort wieder online geschaltet. Welch eine Erlösung! Eine Erpressung sondersgleichen. Denn natürlich gibt es eine Datensicherung.

Genug gesponnen! Kommen wir zurück zu Manfred Spitzer. Er ist Psychiater und Neurowissenschaftler. Er sieht in der digitalen Demenz etwas ganz anderes, was jedoch den oben erwähnten Kreis schließt. Seine Betrachtungen gehen zum Beispiel dahin, dass die digitale Welt diverse Schäden in der mentalen Wahrnehmung, soziale Kompetenzen gehen verloren, Kinder und Jugendliche verlieren ihre Intelligenz.

Eine andere Betrachtung, die ich vor längerer Zeit las, zeigt, dass ältere Menschen wiederum, die sich der digitalen Welt öffnen, geistig fitter sind, also einen regeren Geist im Vergleich zu Senioren, die sich der Digitalisierung verschließen, haben. Das fand ich sehr spannend.

Zu diesem Thema werde ich etwas gründlicher recherchieren und später noch einmal darauf zurückkommen. Denn meine These ist, dass es einen Zusammenhang zwischen dem vor dem Renteneintritt wahrgenommenen Leben und den als Senior genutzten digitalen Medien gibt. Ein weiterer Aspekt ist der Wille des lebenslangen Lernens. Denn es gibt Menschen, die tot sind, bevor sie gestorben sind. Ich traf tatsächlich etliche Leute, die mir bereits mit Ende vierzig, Anfang fünfzig Jahren sagten: „Was soll ich jetzt noch in meinem Alter mit einer Weiterbildung oder irgendwelchem Lernen?“

Das Bild ist am neunten Februar vor sechs Jahren entstanden. Es ist ein Stückchen der digitalen Masse, das ich der Erinnerung „Heute am 09. Februar“ entnahm.

Im selben Zuge löschte ich viele Bilder, die ich im Laufe der Jahre am neunten Februar machte. Diese habe ich also nun der großen digitalen Demenz gespendet 😀

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Schreibt es doch einfach ins Kommentarfeld.

Habt einen wunderschönen Tag.

Bis zum nächsten Mal, Eure Petra Kolossa.

Petitesse – Randnotiz – 2024-10-30

Heute am Nachmittag im Supermarkt:

An der Kasse sage ich, dass ich gern etwas Bargeld mitnehmen möchte.

Die junge Frau, etwa Mitte zwanzig:

„Wieviel soll’s sein?“

„Dreihundert Euro.“,sage ich.

„Das geht nicht. Das ist zu viel.“

„Dann geben Sie mir bitte zweihundert.“

„Das ist zu viel!“, erwiedert sie.

„So nehme ich eben wenigstens einhundert mit“, gebe ich leicht genervt zurück.

„Zwischen zwanzig und fünfzig. Mehr kann ich nicht geben.“

„Warum das denn? Es war doch bisher immer möglich.“

„Bargeld braucht man doch heutzutage kaum noch.“, und sie wirft noch belehrend hinterher: „Auch Ältere sollten sich mal langsam daran gewöhnen.“

In mir wuchs ein doppelter Groll. Zum einen, dass ich daran erinnert wurde, zu den „Älteren“ zu gehören, auch wenn es stimmen mag, und zum anderen, stieß sie mich auf das leidliche Thema „Bargeld“.

Erst neulich wurde ich in der Bestätigung einer Hotelreservierung explizit darauf hingewiesen, dass eine Bezahlung der Rechnung ausschließlich mit der Karte beim Check-In möglich sei. Es war nicht nur erwünscht, es bestand einfach nur diese eine Möglichkeit. Es war eine Buchungsbedingung.

Wir nähern uns immer weiter dem Ideal des „gläsernen Menschen“. Dabei habe ich das Gefühl, dass es die überwiegende Mehrheit der Menschen gern so hätte. Es ist ihnen egal, weil es bequem ist.

Wie oft habe ich beobachtet, dass die Leute zum Beispiel beim Bäcker ihren Einkauf in Höhe von etwas über einen Euro digital bezahlen. Sie halten ihr Smartphone an das Lesegerät und gehen. Immer wieder frage ich mich, was von diesem etwas über einen Euro am Ende übrig bleibt, wenn die Gebühren für das Lesegerät und die Kosten für die Geldübertragung bezahlt wurden.

Ich bin kein Geldexperte. Jedoch trieb mich mein Gefühl in der letzten Zeit, so viele Dinge wie möglich, bar zu bezahlen.

Wenn ich nur an eine Kurzreise von zwei oder drei Tagen denke.

Es wird die Navigation im Auto eingeschaltet. Wir tanken mit der Karte. wir bezahlen das Hotel mit der Karte. Wir kaufen ein. In jedem Geschäft wird die Karte gezückt. Wir bezahlen das Restaurant mit der Karte.

Alles geschieht digital. Alles ist nachvollziehbar. Wohin wir fuhren, wo wir anhielten, wo wir tankten, was wir tankten. Welche Geschäfte suchten wir auf, welches Niveau haben diese, was kauften wir? Welche Gastronomie nutzten wir, was aßen wir? Und so weiter und so weiter. Daraus können Nutzerprofile erstellt werden. Wenn es schlimm kommt, können aus solchen Daten Screenings erstellt werden. So etwas, wie wir es von der deutschen Schufa kennen. Zum Beispiel, kann erhoben werden, was sich diese Person leisten kann, wo sie ihr Geld lässt. Kauft sie zum Beispiel bei Bonprix oder bei LiebesKind?

Eine potentielle Zahlungsfähigkeit ließe sich zum Beispiel daraus herleiten. Bereits heute hat es einen Einfluss auf die Bonität, ob ich im Westen oder im  Osten Deutschlands lebe, ob ich in einer „Platte“ in einem multikulturellen Stadtbezirk lebe oder in einer privat gemieteten oder besser, in in einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung in einem angesagten Viertel.

Das sind nur einige klitzekleie Beispiele. Ich will mich heute nicht weiter dazu auslassen. Eigentlich wollte ich Dich nur anstupsen, darüber nachzudenken, dass Bargeld uns eine diverse Freiheit gibt. Wenn wir unser Handeln komplett in die digitale Welt abgeben, ist der Weg zur Bevormundung jedes Einzelnen von uns nicht weit.

Deshalb: Zahle, soweit es Dir möglich ist, bar.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.