Warum tun sie das?

Seit längerer Zeit tapste ich durch Leipzig; und zum ersten Mal durch Leipzig Alt-West.

Meine Enkelin und ihr Partner waren der Grund unseres Besuches.

Beide erhielten ihr Staatsexamen. Und man darf es mit großmütterlichem Stolz erwähnen, mit einem „eins-Komma-und-Durchschnitt“. Beide kamen wegen des Studiums nach Leipzig, verliebten sich in die Stadt, um letztendlich, wie viele Studenten es tun, zu bleiben.

Ich möchte heute nicht von der Messe- und Bücherstadt Leipzig, von der Agrar- und Industriestadt, der irgendwie immer weltmännischen und modernen Stadt Sachsens sprechen. Ich genoss die Stunden ganz in unserer kleinen Familie, das Essen und den Spaziergang durch die Straßen des alten Leipzigs.

Mein Smartphone ließ ich in der Tasche und packte es erst sehr spät aus. Nämlich dann, als ich unbedingt noch einige Eindrücke im Bild festhalten musste. Ich wusste, dass ich ein paar Zeilen zu dem, was ich sah, schreiben werde.

Die Straßenzüge in Leipzig sind großzügig angelegt und einige erinnern mich an Dresden, die zum Teil fast zum Verwechseln ähnlich sind. Die Stadt hat viel Grün und was ich sehr mag, so etliches Gewässer.

Leipzig hat eine beeindruckende Architektur. Die einst fantastischen Fassaden sind zur Zeit komplett dilletantisch im links-grün-woken Ästhetikempfinden künstlerisch verziert. Ich bezeichne das als mutwillige Schmiererei, als Vandalismus. Und ich frage mich, wahrscheinlich sehr naiv, warum tun sie das?!

Es gibt tatsächlich sehr gute Graffiti-Kunst, dort, wo Flächen explizit dafür freigegeben werden. Ein einstiger Besuch des Wynwood Miami in Florida zeigte mir, was alles möglich ist. Keine Schmierereien, die Akteure haben etwas mitzuteilen. Jedes Graffiti ist eine Botschaft, ein in sich geschlossenes Kunstwerk.

In Leipzig Alt-West, wie auch in den meisten größeren Städten unseres Landes, ist das leider nicht der Fall:

Es wird beschmiert und bekleistert, was das Zeug hält und irgendwie mit der eigenen Armlänge erreichbar ist.

In diesem Stadtbezirk gibt es einige Galerien, Kunst- und Kunsthandwerkerateliers. Man findet kleine individuelle Einkaufsgelegenheiten und besondere Gastronomie. Diesen Akteuren, die meistens mit künstlerischem Feingefühl ausgestattet sind, muss es doch in der Seele schmerzen, in diesem rudimentären Umfeld zu agieren.

Ich kann es nicht beurteilen. Dennoch macht sich in mir das Gefühl breit, dass sich die Leute daran gewöhnt haben, dass es ganz normal sei, wie es ist.

Stimmt nicht ganz. Denn die Philippuskirche blieb davon verschont. Dieses erst 1907 bis 1910 erschaffenen Bauwerk scheint so etwas wie einen Hauch Respekt und Ehrfurcht einzuflößen.

Interessant ist auch, dass 2018 im einstigen Pfarrhaus durch das Leipziger Berufsbildungswerk das Inklusionshotel „Philippus“ errichtet wurde.

Meine Tochter hat es bereits einige Male genutzt und berichtete ganz begeistert davon.

Das Bild ist etws dunkel, weil es bereits früher Abend war, als ich es aufnahm.

Und sonst so? Auch wenn wir schon so einiges in unserem neuen Zuhause gerückt und geräumt haben, warten noch etliche Kisten, ausgepackt zu werden. Aaaber: Es ist ein kleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen 😄

Habt einen guten Wochenstart ☀️

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

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