In größeren Abständen stolpern scheinbar neue Wörter in unser Bewusstsein. Diese Worte fallen in irgendwelchen Äußerungen unserer Politiker oder werden in kluge politische schriftliche Abhandlungen gebannt. Unmittelbar nachdem dieses Wort geschlüpft ist, wird es im Stundentakt durch die Öffentlich Rechtlichen gebetsmühlenartig wiederholt in die Köpfe der Menschen und in unser Bewusstsein installiert.
Das war vor wenigen Jahren das Wort „Narrativ“. Es klingt wichtig und klug. Wie bedeutungslos und ungebührend wäre stattdessen das deutsche Wort „Erzählung“.
Ein anderes Beispiel, das ich vor über fünfunddreißig Jahren bewusst wahrnahm, ist das lateinische Wort für Neuerung. Es war unmittelbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Ich meine das Wort Innovation, das sich binnen kürzester Zeit in unseren ganz normalen Sprachgebrauch installierte. Ich denke, heute verwenden die wenigsten Menschen das Wort „Neuerung“, wenn es um einen Fortschritt in der Wirtschaft, Wissenschaft oder der Gesellschaft ganz allgemein geht.
Seit den Wochen der aktuellen Verhandlungen zur potentionellen Regierungskoalition poppt das Wort „Resilienz“ verstärkt auf. Und wie selbstverständlich wird es in den Medien permanent wiederholt. Jeder Tropfen höhlt den Stein.
Ich möchte es keinem von uns unterstellen, nicht zu wissen, was dieses Wort bedeutet. Mich machte es stutzig, als ich es zum ersten Mal in diesem Zusammenhang wahrnahm. Ich gehöre zu den Menschen, die das gesprochene Wort verstehen müssen. Für mich ist Sprache unglaublich wichtig. Deshalb wirft es mich aus dem Takt, wenn ungenau formuliert wird und sich mir der Sinn der gesprochenen Worte nicht erschließt. Das betrifft übrigens auch das Gehickse in der Gendersprache. Aber das ist ein anderes Thema.
„Resilienz“, gemeint ist Widerstandskraft, Zähigkeit, Standhaftigkeit. Das ist ein Wort, das ganz sicher noch nicht zum gängigen Sprachgebrauch eines jeden von uns gehört. Ich schaute auf den Seiten unserer Bundesregierung und fand doch tatsächlich unendlich viele Beiträge, in denen uns die Resilienz, deren Sinn und Strategien dazu erklärt werden. Ich verlinke es für Dich hier, oder hier, auch hier und hier und hier und so weiter und so fort.
Nun, eigentlich kommt Resilienz vom lateinischen Wort resiliren und das bedeutet abprallen, zurückspringen. Wenn man das großzügig und frei übersetzt, könnte man annehmen, dass man beim Anwenden dieses „Resilienz“ meint, dass man standhaft bleibt und die Dinge abprallen lässt und einen Schritt zurückgeht.
Das Anwenden des Wortes „Resilienz“ in politschen oder gesellschaftspolitischen Texten ist aus meiner Sicht völlig schwammig und ungenau. Deshalb macht es mich beim Lesen solcher total kirre.
Nunja, das ist ja auch nur meine Meinung. Tst, tst – wer bin ich schon 😀
Habt einen wunderbaren Tag. Bis zum nächsten Mal,
herzlich, Eure Petra Kolossa.
