Welche zwei Kleidungsstücke trägst Du am liebsten?
Ich liebe Kleider und Lederjacken. Das ist für mich die ideale Kombination. Weiblich, nicht overdressed. In Kleidern und Lederjacken fühle ich mich einfach wohl und gut angezogen.
Manches Mal glaube ich, unbedingt einmal anders gekleidet sein zu müssen. Meistens bereue ich es, getan zu haben. Vor allem ärgere ich mich dann, wenn ich im Nachhinein Fotos von meinem Fehltritt sehe.
Kleidung ist unter anderem der Ausdruck des eigenen Seins, des eigenen Wesens.
Ich denke, wenn wir einen Stil für uns gefunden haben, sollten wir dabei bleiben. Aber wir Frauen neigen ja immer wieder dazu, etwas ganz anderes für uns entdecken zu wollen. Was letztendlich meistens in einem Desaster endet.
Wie ist es bei Dir? Was sind Deine zwei liebsten Kleidungsstücke?
Was ist der erste Eindruck, den du Menschen vermitteln möchtest?
Dieses Thema ist ein „Evergreen“. Einige Jahre lang hielt ich unter anderem Vorträge zum Thema Persönlichkeit und Image. Ich möchte heute dazu nicht weit ausholen.
Fakt ist, dass jeder von uns nur wenige Sekunden hat, seinen eigenen ersten Eindruck dem Gegenüber zu vermitteln. Der andere bildet sich innerhalb von etwa sieben Sekunden sein Urteil über Dich. Und das Verrückte ist: Dieser erste Eindruck bleibt nachhaltig in den Köpfen der Menschen. Natürlich kannst Du diesen später korrigieren, jedoch diese Erinnerung nicht löschen. Für den erstenEindruck gibt es keine zweite Chance. Aber darum geht es heute nicht.
Ich weiß, dass viele von uns glauben, das sei oberflächlich. Schließlich könnte in diesem Menschen ein völlig anderer Kern stecken, als das, was wir im ersten Moment wahrnehmen. Das mag sein. Nur gibt es tatsächlich Situationen im Leben, wo wir keine Chance erhalten, dem anderen zu erklären, wer wir außerhalb unserer präsentierten, oftmals zur Schau getragenen, äußeren Schale sind.
Unsere Erscheinung, unser Aussehen, unsere Gestik und Mimik, unser Geruch und noch einige Dinge mehr, sind der erste Eindruck, den wir hinterlassen. Es ist das erste Signal, das wir dem anderen, unserem Gegenüber senden. Uns umgibt eine diverse Aura, die wir selbst (als Sender) nur aus subjektiver Sicht wahrnehmen können. Für den anderen (als Empfänger) sind die ersten Sekunden, mit denen wir auf ihn wirken, real und objektiv.
Zurück zur obigen Frage: Ich kann keine allgemeingültige Antwort auf den ersten Eindruck, den ich „den Menschen“ vermitteln möchte, geben. Ist es doch immer situationsbedingt. Und das ist ganz sicher nicht nur bei mir so. Es macht einen großen Unterschied, ob ich zum Beispiel auf Menschen in einer Behörde oder in einem Supermarkt, im Berufsleben oder unter Freunden einen ersten Eindruck hinterlassen möchte.
Will ich als vertrauenswürdige, erfahrene, stilsichere, energiegeladene Geschäftspartnerin ernstgenommen oder als ein ausgeglichener, würdevoller, lebenserfahrener Ruhe- und Kraftpol für Freunde und die Familie wahrgenommen werden?
Ich legte bis vor ein paar Jahren großen Wert darauf, situationsbedingt „zu wirken“. Inzwischen habe ich mich gefunden und bin in einem Alter, das es mir ermöglicht, einfach nur so zu sein, wie ich bin und sein möchte. Das trage ich natürlich auch mit meinem Stil, mit meiner Gestik und Mimik und so weiter nach außen und hinterlasse mit jeder Begegnung auch in den ersten Sekunden den berühmten „ersten Eindruck“.
Den Menschen im allgemeinen möchte ich einen selbstbewussten, etwas distanzierten, seriösen, klugen, lebenserfahrenen und stilsicheren ersten Eindruck vermitteln. Das ist das, was sie von mir wahrnehmen sollen. Den meisten Leuten von ihnen werde ich wahrscheinlich nie wieder begegnen. Wenn doch, denn es heißt ja, man träfe sich immer zwei mal im Leben, so wird man sich an diese ersten Sekunden von damals erinnern. Alles Weitere entscheiden dann ganz andere Aspekte. Dazu vielleicht einmal zu einem späteren Zeitpunkt mehr.
Wie ist es bei Dir? Welchen Eindruck möchtest Du bei den Menschen in den ersten Sekunden hinterlassen?
Die Post brachte ihn in der letzten Woche. Ich halte diesen großen Brief in den Händen und ich muss lächeln. Bereits an seinem Umschlag erkenne ich, von wem er ist und ich weiß, dass ich ihn erst später öffnen werde. Es ist ein Ritual, irgendwie etwas Besonderes.
Der heutige Sonntagmorgen ist ruhig. Nur die Nachbarn, die diagonal über die Straße ihr Häuschen haben, sitzen auf ihrer Terrase. Wahrscheinlich frühstücken sie gemeinsam mit ihren Kindern, die kürzlich in ihr eigenes Haus direkt neben ihren Eltern zogen. Rein theoretisch könnte ich ihren Gesprächen lauschen. Sie fühlen sich ungezwungen und schwatzen laut. Schließlich sieht sie keiner. Der Wind trägt ihre Worte direkt zu mir auf den Balkon. Mein Hirn will jedoch das genuschelte Schwäbisch nicht verarbeiten. Es gleicht einer Dolmetscheraufgabe. Dazu habe ich keine Lust. Wieviele Leute sind das, überlege ich. Den Stimmen der immer lauter werdenden Unterhaltung nach zu urteilen, vielleicht vier Erwachsene und zwei kleine fröhliche Kinder. Weshalb interessiert mich das, frage ich mich. Es interessiert mich nicht wirklich. Es stört nur meine morgendliche Sonntagsruhe, die ich erhoffte, auf unserem schön blühenden Balkon bei sommerlich warmen siebenundzwanzig Grad vorzufinden. Es ist nur meine Befindlichkeit, wahrscheinlich ein kleiner egoistischer Groll. Und ganz sicher ist ihnen nicht bewusst, dass der Geräuschpegel von deren Grundstück immer sehr intensiv den Hang nach oben transportiert wird. Es ist ein Luxusproblem, also überhaupt kein Problem, wenn ich das auf eine Stadt übertrage. Hier im ländlichen Raum ticken die Uhren eben etwas anders, rechtfertige ich mich.
Ich lehne mich zurück, nehme den großen Umschlag und öffne den. Er ist von einer italienischen Kunstakademie. Sie laden mich ein- bis zweimal jährlich ein, an Ausstellungen teilzunehmen. In Italien stellte ich vor ein paar Jahren einige male aus. Ich denke, in diesem Zusammenhang erhalte ich diese Briefe.
Deren Briefe sind eine Wohltat. Es ist eine Wertschätzung. Bereits die Gestaltung des Briefumschlages und die höfliche Anrede lassen mich einige Sekunden verweilen. Ich werde als Frau angesprochen. Mein Vorname ist in Italien ebenso ein Männername. Es wäre also nicht verwunderlich, würde der Absender es neutral behandeln. In Deutschland wird inzwischen oftmals die Anrede komplett ignoriert und genderneutral agiert. War ich gestern noch eine Frau, könnte ich mich schließlich heute umorientieren und morgen vielleicht wieder und überhaupt ist das schließlich der heutige Zeitgeist. Und bevor sich irgendjemand der wenigen diskriminiert fühlt, machen wir die deutsche Sprache und die ach so fossilen Umgangsformen besser platt. Was sollˋs!
Ich öffne den Umschlag und entnehme die liebevoll gestaltete Einladung. Ein dreiseitiges Leporello, A4, sechs bedruckte Seiten, farbig, hochglanz. Auf der Deckseite ist der Grafiker und Gestalter genannt. Wo wird das schon bei derartigen Dingen noch getan. Eine Erläuterung über das Prozedere liegt bei. Es ist eine lange bedruckte Seite, die zwei A4-Seiten entsprechen.
Warum erwähne ich das alles? Es ist eine wertschätzende Einladung an den Adressaten. Keine hingeschluderte an unendlich viele willkürliche Emailadressen gesandte digitale Einladung. Es ist ein Willkommen, ein Geschenk. Eine Aufmerksamkeit in meinem Briefkasten zwischen den amtlichen Benachrichtigungn und den massenhaften auf hässlichem Papier gedruckten Werbeheftchen der Einkaufsmärkte mit ihren besten, billigsten und dennoch immer teurer werdenden Produkten.
Meine Emails mit solchen Einladungen überfliege ich. Lege sie beiseite, um sie später noch einmal genauer anzusehen. Das geschieht meistens nicht. Denn die tägliche Flut an derartigen flüchtigen Sendungen zum Nulltarif überfordern meine Aufmerksamkeit und ermüden mich. Sehr oft ist der Button des Papierkorbs schnell gedrückt. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Meine Finger gleiten über diese physische Einladung. Und ich muss gestehen, dass ich das schwere, hochwertige Papier mit dem Glanzdruck mag. In mir regt sich der erhobene Finger wegen meines versnobten Gedankens. Schließlich drückt diese hochwertige Einladung doch nur aus, dass dem Absender total egal ist, wie er die Ressourcen unseres blauen Planeten verpulvert. Wie kann er nur! Teures Papier, hochwertiger Druck, viel zu groß das alles, die Erläuterungen auf zwei Seiten geschrieben, statt Vorder- und Rückseite zu bedrucken. Unverschämt! Wo doch in Deutschland die Unternehmen fast alles digital erledigen. Wer das nicht kann, weil zu alt, zu krank, zu irgendetwas, hat seine Post, die ihm unnötiger Weise zugestellt werden muss, zu bezahlen.
Nein! Nicht alles funktioniert pauschalisiert digital. Der Mensch ist mit vielen Sinnen ausgestattet. Die physische Wahrnehmung ist unglaublich wichtig und löst Gefühle, Gedanken, Reaktionen und Entscheidungen in vielen Sphären und Richtungen aus.
Auch wenn ich bisher einer dieser Einladung nicht gefolgt bin, so habe ich es mir für das Jahr 2023 vorgenommen, es zu tun.
Kater Flo hat sich zu mir gesellt, sich einfach auf den Tisch gelegt und lässt sich den lauen Wind ins Fell pusten.
Die Sonne kommt ums Haus und lässt die Gloxinien in den leuchtendsten Farben strahlen. Bald werde ich die Markise nach unten lassen, um die Wohnung in angenehmer Kühle zu halten.
Es ist Ruhe eingezogen. Nur aus der Ferne erklingen die Motoren der rasenden Motorräder auf der Landstraße …
Einen fantstischen, wenn auch heißen, Junisonntag wünscht Euch,