Tissue-Papier … nützlich oder Unfug?

Gedankenverloren zupfe ich ein Blatt von der Rolle. Wische mir die Finger ab und streiche ein paar Krümel vom Küchentisch damit zusammen.

Eine Geste, die seit vielen, vielen Jahren in Fleisch und Blut übergegangen ist: Der Griff zum Küchenpapier.

Verschüttete Flüssigeit, Kleckereien beim Kochen, Flecke auf dem Fußboden, fettige Hände, Obst nach dem Waschen trocken tupfen …

Küchenpapierrollen sind in meinem Haushalt das Erste-Hilfe-Produkt an sich. Nicht wegzudenken. Oder doch?

Vor ein paar Wochen war ich zum Essen bei einer Freundin eingeladen. Beim Decken des Tisches kleckerte etwas daneben. Ich fragte nach Küchenpapier.

„So etwas haben wir nicht mehr.“, sagte sie mir und ergänzt: „Wir wollen dazu beitragen, die Müllberge zu verringern.“

„Ok, kein Problem, aber gib mir bitte schnell irgend etwas, womit ich diese Soße vom Tisch wischen kann.“ Sie dreht sich x-mal im Kreis und überlegt. Dann reicht sie mir einen Küchenschwamm. Ich nehme den mit zwei Fingern und tupfe die Soße vom Tisch. „Hast du noch etwas zum trocken wischen, bitte?“ Sie überlegt und gibt mir ein Geschirrtuch.

Mit dem Schwamm gehe ich zum Spülbecken und wasche den mit etwas Spülmittel so lange unter fließendem Wasser aus, bis sich kein Schaum mehr ausdrücken lässt. Ich lege ihn beiseite. „Das Geschirrtuch kannst du bitte gleich hierher legen. Ich gebe es dann in die Waschmaschine. Es so zu verwenden ist blöd. Es wird auf den Gläsern schmieren und Spuren hinterlassen.“, sagt sie und holt aus ihrem Schrank ein frisches Tuch.

An diese Begebenheit muss ich gerade denken, als ich die Schokolade für ihre Tochter beiseite räume und ich mich an den Brief erinnere, den ich für sie noch schreiben möchte. Ich gebe das benutzte Papier in den Müll.

Die Radieschen, die ich vom Supermarkt mitbrachte, sind sehr sandig und müssen gespült werden. Ich zupfe ein Küchentuch und reibe sie damit endgültig sauber und trocken.

Kater Flo kommt mit seinen erdigen Pfoten aus dem Garten durch das Küchenfester gesprungen und tappst über den Küchentisch. Ich zupfe ein Küchentuch, feuchte es an und wische den Tisch sauber.

Es ist Fakt. Alle diese Papiertücher landeten im Müll.

Ich recherchierte natürlich im Netz nach Alternativen, bevor ich Euch meine Gedanken zu diesem Thema niederschreibe. Und es gibt die tollsten Ratschläge und Alternativen, sich von den Papierrollen, Tempos & Co., Feuchttücher und Papierservietten zu verabschieden.

Und was soll ich Euch sagen. Es sind genau die Dinge, mit denen ich aufgewachsen bin. Meine Großeltern taten das, wie auch meine Eltern. Und nun fragt Ihr sicherlich, warum ich das nicht auch so tue.

Zunächst die Alternativen, die im Inernet genauso zu finden sind, wie in meiner Erinnerung vor vielen Jahren.

  • Küchenlappen aus Stoff
  • Naturschwämme
  • Geschirrtücher
  • Tücher aus alten Bettlaken selbst nähen
  • Lappen aus alten Handtüchern selbst nähen
  • für sehr schmutzige Dinge alte T-Shirts zerschneiden
  • Stoffservietten
  • Stofftaschentücher
  • Waschlappen statt Feuchttücher

Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie über dem Wasserhahn am Spülbecken ein Lappen hing. Meistens aus alten Baumwolltextilien gerissen, um noch diesen Zweck zu erfüllen. Das Ding hatte einen merkwürdigen Geruch und es kostete mich einige Überwindung, das anzufassen. Es wurde für alles, was in der Küche mit Geschirr, Spüle, Tisch und so weiter zu tun hatte, benutzt.

Es gab einen weiteren derartigen Lappen. der war im Knick des Abflusses der Spüle deponiert. Der war dann für die „groben“ Dinge zuständig. Der war meistens steif, wenn er trocken war …

Ich will das nicht weiter ausschmücken. So war es damals. Es mag zu dieser Zeit in Ordnung gewesen sein. Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen und so manche Einstellung hat sich geändert.

Seit ich meinen eigenen Haushalt habe, gibt es bei mir keinen Lappen, der irgendwo herum hängt. Ich mag das einfach nicht. Natürlich habe auch ich Küchenlappen aus Mikrofasaer. Aber diese sind dezent nicht sichtbar deponiert.

Aber kommen wir zum Thema zurück. Warum möchte ich mich nicht absolut von den Küchenpapierrollen, die es übrigens bereits seit 1922 gibt 😉 verabschieden?

Wenn ich einen Lappen verwende, wasche ich den unter fließendem Wasser aus. Meine Hände ertragen keine hohen Temperaturen, um diverse Bakterien und Keime auszuwaschen. Somit hänge ich den benutzen und ausgewaschenen Lappen zum trocknen beiseite, um den später in die Waschmaschine zu geben. Würde ich also an einem ganz normalen Tag die Küchenrolle gegen solch einen Lappen tauschen, gäbe es einen täglichen Lappenberg. Stoffteile mit einer Menge Wasser und Spülmittel gewaschen und ein weiteres Mal eine gute Stunde in der Waschmaschine.

Tja, was, wenn es diese Küchenrollen nicht gäbe?

Ich hätte wahrscheinlich einen großen Korb mit derartigen Stoffteilen. Bei jedem Malheur würde ich, wie bei einer Papierrolle, nach einem solchen Läppchen greifen, auswaschen, trocknen, in die Waschmaschine geben, trocknen, wieder verwenden.

Wie wäre es mit den „Tempos“? Möchte ich diese gegen das gute alte Stofftaschentuch tauschen? Grrrrr, nein, wirklich nicht gern. Einmal benutzen, Waschmaschine, trocknen, bügeln, benutzen …

Letztendlich: Gäbe es diese hygienischen Hilfsmittl nicht, würde ich mich der Situation beugen müssen und zurück zum Faustkeil greifen.

Nun möchte ich es nicht bewerten, welcher Kreislauf der Bessere ist. Der mit dem vielen Wasserpanschen oder der Weg über die Entsorgung.

Ich lasse das einfach im Raum stehen und freue mich auf Eure Meinung zu diesem Thema.

Aus dem sonnigen Süden grüßt Euch herzlich

Eure Petra Kolossa.

P.S. Die interessante Geschichte zum Papiertuch an sich, findet Ihr hier unter diesem Link. Klickt es einfach an.

Gretchenfrage

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht in irgendeiner sinnigen oder unsinnigen Weise daran erinnert werden. Und ich neige dazu, gerade dann, wenn mir irgendein Thema derart suggestiv untergejubelt wird, „dicht“ zu machen. Und da gibt es verdammt viele Dinge. Ich will diese hier nicht auflisten. Heute soll es mal nur eines davon sein. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes die Gretchenfrage.

Bei Regenwetter in einen Buchladen zu gehen, um ein Buch zu kaufen und nicht die passende regenfeste Tasche dabei zu haben, ist wirklich nicht zu empfehlen. In einer Papiertüte … Gut. das Buch blieb für den nächsten potentiellen Kunden, der auf alle Shopping-Eventualitäten vorbereitet das Haus verlässt, oder eben für Schönwetterkunden. – Ich bekomme jetzt ganz schnell die Kurve und lasse mich nicht in das Thema des bequemen Online-Shoppen ablenken.

Auf der Suche nach dem Lieblingskatzenfutter sprang ich in einen der großen Superärkte. Ich düste durch die Kosmetikabteilung und verharrte kurz, da mich die Farbkombination eines Lidschattens anzog. Also landete es im Einkaufswagen. Im gleichem Atemzug machte sich ein Grienen breit. Dieses kleine Schächtelchen war wie so oft so verpackt, dass mich das zu Hause beim Auspacken wieder aufregen wird. Das Produkt in in einer harte Folie und um diese eine bedruckte Pappe … Das auszutüteln ist ein Erlebnis für sich. Aber was ist die Gretchenfrage? Muss das kleine Ding derart verpackt sein? Was denkt sich der Hersteller dabei? Die machen das doch nicht ohne einen Grund. Vielleicht hat es etwas mit der Logistik zu tun?

Das Ding muss aus China zu uns kutschiert werden und soll funktionstüchtig bleiben. (Auch hierzu halte ich mich jetzt bewusst total zurück.) Es muss in den Handel über viele Wege sortiert, verteilt, transportiert werden. Und letztendlich hängt es an dieser bedruckten Pappe am Haken im Supermarkt, wo wir es sehen und kaufen. Also: Sinn oder Unsinn?

Ein Latte am Nachmittag war total lecker. Den aufgeweichten und verbogenen blau-weiß gekringelten Trinkhalm legte ich beiseite, rührte mit dem langen Löffel im Glas und trank das köstliche Getränk. Kunststoffhälmchen ist nicht mehr, also lasst das Ding einfach ganz weg. Pappe im heißen Kaffee ist definitiv uncool. Weiterlesen