Die Deutschen sind bekanntlich reiselustige Menschen. Es scheint eine unumstößliche Sache zu sein, unbedingt in ihren Urlaubstagen verreisen zu müssen. Viele Leute sparen ein ganzes Jahr, um irgendwie einen Urlaub, wenn möglich im warmen südlichen Ausland, über eine der zahlreichen Touristik-Konzerne, buchen zu können. Ich hörte davon, dass einige sich sogar dafür verschulden, wenn das Geld nicht vollumfänglich reicht.
Beliebt sind Pauschalreisen. Die Urlauber lassen sich von morgens bis abends verwöhnen. Sie schlafen klimatisiert, genießen ihre bereitgestellten Speisen, den Hotel-Pool, kuschelige Handtücher, Drinks und weitere Annehmlichkeiten. Sie buchen vor Ort touristische Ausflüge in Bussen, Booten oder Flugzeugen, lassen sich von Stadtführern die regionalen Wichtigkeiten erklären und am Abend werden sie auf Partys mal so richtig die Sau rausgelassen. Wieder zu Hause fühlen sie sich erholt und wiederum nicht. Es war toll, viel zu kurz, es war schön, aber auch anstrengend und jetzt beginnt alles wieder von vorn.
Eine andere Gruppe der Urlaubssuchenden sind die Individualisten, die ganz anders tickt, als die eben genannte. Sie wollen selbstbestimmt ihren Urlaub organisieren. Bereits die Vorbereitungen für ihre Reise sind Bestandteil des Urlaubs. Sie bestimmen ihre Routen, machen Pläne, was sie alles sehen und besuchen wollen und nehmen gern einen anderen Weg, als den, den die Touristikverbände vorschlagen. Sie buchen ihre selbst ausgesuchten ganz besonderen Hotels. Man schaut auch nicht so sehr auf den Pfennig. Urlaub ist nur einmal im Jahr. Schließlich wolle man einen Mehrwert mitnehmen und denen zu Hause unglaublich gute Fotos, Videos und Erzählungen präsentieren. Diese Leute fühlen sich nach einem solchen Urlaub in der Regel erholt und erlebnisgenährt. Bereits beim Kofferauspacken beginnen sie den Urlaub für das kommende Jahr zu planen. Meine Beobachtungen zeigen, dass diese Menschen im allgemeinen ein aktives, sportliches Leben führen. Die zur Verfügung stehenden Urlaubstage teilen sie in zwei Drittel Sommerurlaub und in ein Drittel aktiven Winterurlaub. Das Verreisen in ihre Urlaube ist für sie das Vervollkommnen des Jahres, der Höhepunkt überhaupt. Es rundet ihr Sein im Leben ab.
Die Gruppe Urlauber, die Reisemobile mieten, habe ich noch nicht erwähnt. Also die, die ihren Hausstand und ihre täglichen Gewohnheiten in eine fahrende Einraumwohnung verlagern und dann mit dem großen Karren ungeübt die Straßen verstopfen und das Ding aller paar Tage auf einen anderen überfüllten spartanisch angelegten ungemütlichen Campingplatz kurven. Für diese großen Dinger sind Parkplätze in den Städten nicht vorgesehen. Es bereitet Umständlichkeiten und bedeutet Überwindung der eigenen Bequemlichkeit, von den Campingplätzen oder den dafür vorgesehenen Parkplätzen am Rande der Städte zu den Besichtigungszielen zu gelangen. Aus meiner Sicht ist ein solcher Urlaub nur eine Stressverlagerung mit wenig Erholungswert.
Natürlich, es gibt noch weitere Gruppen der Urlauber, wie die, die mit den Motorrädern oder den Fahrrädern unterwegs sind und die, die sich in Ferienwohnungen einnisten. Ich denke, dass das alles besondere Urlaubergruppen sind, die ihren ganz eigenen Stil leben. Ich will mich hier nicht noch weiter ausbreiten. Es sind keine wissenschaftlichen Erhebungen, sondern nur meine eigenen Beobachtungen, die ich vielleicht mit etwas spitzer Zunge notierte. Es möge sich bitte keiner ertappt oder gar angegriffen fühlen.
Ich muss erwähnen, dass ich kein typischer Urlaubmacher bin und mich keiner der erwähnten Gruppen zuordnen kann. Ein paar wenige intensiv erlebte Tage genieße ich in vollen Zügen. Nach einer Woche spätestens sehne ich mich zurück in mein heimisches Umfeld. Entfernungen, die nicht auch über den Landweg zu erreichen wären, sind mir suspekt. Dieses für mich unangenehme Gefühl hatte ich während meines Aufenthaltes in Florida. Es waren wunderschöne Tage, auch Dank unserer Gastgeber. Dennoch war ich seelig, wieder zu Hause sein zu dürfen. Eine für mich sympathische Entfernung für einen etwas längeren Aufenthalt sind alle Orte, die ich innerhalb von acht Stunden Autofahrt erreichen kann.
Die Erklärungen vorab sind, so glaube ich, wichtig, um meine eigentliche Beantwortung der heutigen Frage im richtigen Kontext zu verstehen.
Welche Städte möchte ich gern besuchen?
Lissabon , das ist eine Stadt, die ich gern fühlen und sehen möchte. Meine Bilder waren bereits dort. Ich noch nie. Die Art-Galerie „COLORIDA“ fragte mich 2015 an. Im selben Jahr hatte ich eine Ausstellung in Palermo. Ich musste mich entscheiden. So flogen wir damals auf die italienische Insel Sizilien. Übrigens scheint die „COLORIDA“ ihren Betrieb 2021 eingestellt zu haben.
All das, was ich von Lissabon weiß, ist vom Hörensagen, Lesen, von Fotos und aus Videos. So soll Lissabon ein fantastisches gemäßigtes Klima haben. Mich reizt die Farbigkeit, die Nähe zum Atlantik, die Musik und die Leichtigkeit der Menschen.
Dubai , ein Stadtstaat, der innerhalb eines halben Jahrhunderts, seit irgendwann in den 1970ern das aufbaute, was er heute ist. Dort interessiert mit die futuristische Architektur, die inmitten der Wüste entstand. Sehe ich Bilder von Dubai, bin ich total fasziniert und beeindruckt. Dubei ist aus meiner Sicht ein geschlossenes Architektur-Kunstwerk, das ich gern sehen würde.
Insterburg, jetzt Chernjahovsk und Kaliningrad, einst Königsberg würde ich gern besuchen. Das ehemalige Ostpreußen sind die Lebensräume meines Vaters und meiner Ahnen väterlicherseits. Ich fühle mich immer wohl, aufgehoben und zu Hause, wenn ich im östlichen Norden unseres Landes verweile. Auch meine Mutter stammt aus Deutschlands Norden. Eine gewisse Prägung wurde mir also in die Wiege gelegt. Wenn sich eines Tages die Reisebedingungen dorthin angenehmer gestalten, könnte das sicher ein Ziel sein.
Rahtenow ist die Stadt, in der ich zwar nicht geboren wurde, jedoch meine ersten sechs Lebensjahre verbrachte. Seit Mitte 1980 war ich nie wieder dort. Meine Großeltern leben leider nicht mehr. Deshalb gab es für mich keinen Grund, dorthin zu reisen. Aber das möchte ich unbedingt nachholen. Wahrscheinlich werde ich die Stadt kaum wiedererkennen. Ich googelte ein wenig nach den Straßen in denen ich damals lebte und die Orte, die ich als Kind oft besuchte. Es hat sich unglaublich viel verändert. Ich denke, ein Besuch dorthin wird recht zeitnah geschehen.

Heute am Morgen ein Selfi-Schnappschuss vom Küchentisch aus. Dieser Einrichtungsgegenstand hat ja in unserem Land eine besondere Bedeutung erhalten.
Aber ich schreibe einfach nur gern ab und zu hier, weil das der Raum in der Wohnung ist, in dem die Sonne am Morgen ihren Tageslauf beginnt. Und auch ich.
Euch allen wünsche ich einen wunderbaren Wochenstart.
Herzlich, Eure Petra Kolossa
