Ach ja, die Kunst und so

„Haben sie ein Kärtchen bei?“, fragt sie mich. Ich reiche ihr eins. Sie greift es vorsichtig,  streicht mit zwei Fingern zart über das Bild der Vorderseite, dreht es um, lächelt und sieht mich an.
„Es ist so schön, ihr Kärtchen.“ Ich fühle mich geschmeichelt. „Oh, Dankeschön. Es ist ein Ausschnitt aus einem Bild, das ich gemalt habe.“ Sie schaut immer noch auf das Kärtchen in ihrer Hand. „Haben sie einen Katalog oder etwas ähnliches, wo ich mal schauen kann?  Ich würde gern mehr sehen.“ „Leider nein“, sage ich. „Gern können sie sich aber auf meiner Webseite einen Überblick verschaffen.“ Ich nehme mein Smartphone aus der Tasche, öffne die Seite und reiche ihr das Gerät.

„Ein so herrlich warmer Maiabend!“, ruft uns deren Freundin laut entgegen. Mit ihr wabert eine Wolke von Zigarettenqualm durch die geöffnete Terrassentür in den Gastraum. Sie kommt auf unseren Tisch zu und schaut neugierig über ihre Schulter auf das Smartphone.
„Wow, wie cool ist das denn! Miró.!“, kreischt sie mit rauchiger Stimme. „Ich bekam irgendwann in den Neunzigern einen Kalender mit Bildern von ihm. Jeden Monat einen Miró. ein ganzes Jahr lang. Ich liiiiiebe Miró!“ Sie greift nach ihrem Glas und schlürft von dem Latte. „Mach weiter!“, weist sie ihre Freundin an. Diese schiebt die Bilder weiter. „Ich bin sooo begeistert! Diese Farben! Wie die leuchten! Ich liebe diese Farben! Wo gibt es dieses Buch, oder vielleicht wieder einen Kalender?“

„Ähm, das ist nicht Miró. Die Bilder habe ich gemalt“, sage ich ganz vorsichtig.
Sie stutzt, guckt mich mit großen Augen an.
„Oh, bitte nicht falsch verstehen. Ich will damit ja nicht sagen, dass Sie die kopiert haben, oder so. Man hat doch sicher Vorbilder oder?“ Hilfloser Blick von ihr.
„Es ist alles gut“, tröste ich sie. „Mir war das bisher nie bewusst, dass es so sein könnte. Es hat mir auch noch nie jemand gesagt und ganz ehrlich: So recht sehe ich keine Parallelen.“
Sichtbar peinlich quasselt sie los. „Rosina, wie heißt sie gleich? Wachtmeister? Die malt ja auch Katzen. Ihre erste war schwarz. Bestimmt!“ Sie redet und redet. „Ich bin bestimmt kein Kunstkenner. Aber ich liebe Miró., Klimt und Hundertwasser … und ich habe alles von Rosina. Auch das erste Bild. Das war eine schwarze Katze von hinten. Bestimmt. Die hatte kein Gesicht. Ich bin mir sicher. Und das hier, das ist wie bei Klimt.“ Sie zeigt auf eine meiner Assemblagen, die ich aus alten Büchern fertigte. Ich sagte ihr, dass das eine Materialassemblage ist, kein Gemälde. Sie guckt mich an und meint: „Egal, was das ist, das ist so ähnlich, wie bei Klimt. Und die Kreise hier, da habe ich früher schon mal in Kunst darüber geschrieben. Weiß jetzt nicht genau woher ich das kenne …“

Ich habe mich zurückgelehnt, halte mich an meinem Kaffee fest und beobachte fasziniert, wie sich die lebhafte, hagere, kleine Frau gestikulierend erklärt.

„Und was nehmen sie dafür?“
„Acryl“, sage ich.
„Nein! Was die Bilder kosten, meine ich.“
Ich sage es ihr.
„Oh“, schlüpft es aus ihrem Mund.
„Ein Schnäpperle“, sage ich. „Es sind nur etwa 0,006 % eines Miró.“

 2013 hatte ich das Glück, diese Ausstellung in Lindau sehen zu können.
Hier eine Kopie des Flyers.

Und hier die Ursache des Ganzen 😀

Mir sitzt das Grienen noch im Gesicht.

Einen schönen Abend wünscht Eure Petra Kolossa.

 

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