Alma, das alte Ding – Ende –

„Hach, wer hätte das gedacht! Du erinnerst dich also wieder.“, murmelt Alma. „Mein schöner Bauch war ruiniert!“ und etwas wehmütig erhärtet sie: „Bis heute.“


„Sage das nicht, Vater hat dich mit einem Holzklötzchen schön ausgebeult damals. Ist doch fast nix mehr zu sehen davon.“, tröste ich die Blechkanne und komme mir ziemlich blöd dabei vor.


„Dein Fury haben deine Eltern ja nur über die Wintermonate weggesperrt. Aber mich habt ihr bis heute achtlos in irgendeinem Schub verkramt.“, brubbelt Alma vorwurfsvoll.

Ja, das stimmt. Irgendwie war Alma nicht mehr schick. Einfach nur ein verbeultes altes Ding. Aber wegwerfen wollte sie keiner. So, wie das nach dem Krieg in den Köpfen verankert war. Schließlich war das Teil noch funktionstüchtig, irgendwie noch gut. Nur eben etwas hässlich.

Aber bald kamen die ersten wirklich großartigen Plastikmilchkannen auf. Vater brachte eine mit. Eine hellgrüne mit einem weißen Deckel zum reindrücken.
Wenn die Kanne mit Milch gefüllt war, musste man schön aufpassen. Der Henkel dehnte sich, der Körper der Kanne verformte sich, der Deckel schnipste von der Öffnung. Aber keiner von uns kam auf die Idee, diese moderne, jedoch für diesen Zweck völlig ungeeignete Kanne gegen die alte verbeulte, aber stabile, zu tauschen.

Nicht viel später erübrigte sich das Thema. Denn wir konnten die Milch im Laden in Flaschen kaufen. Das Milchauto kam nicht mehr, nur noch der Eismann mit den gefrorenen Wasserblöcken für den Eisschrank. Die einst neue Milchkanne aus dem weichen Kunststoff wurde hin- und hergeräumt, für nutzlos erklärt und weggeworfen. Von Alma konnte sich keiner trennen. Alma war schon immer in diesem Haushalt und blieb auch da.

Es klingelt an der Tür. Ich lege das Geschirrtuch beiseite und stelle die Kanne auf dem Tisch ab.

„Oh Resi! Welch eine Überraschung!“, begrüße ich meine Freundin.
„Ich war in deiner Nähe und dachte mir, ich klingele einfach bei dir.“ Sie hält einen großen bunten Strauß Tulpen in der Hand. „Schau, die sind für dich. Ich weiß, dass du Tulpen so sehr liebst.“
Ich nehme den wunderschönen Strauß und schnuppere daran. Tulpen haben nur einen zarten, kaum wahrnehmbaren Duft.
„Lass uns in die Küche gehen Resi. Ich mache einen Kaffee.“

„Ohhhh wow! Was hast du denn hier?!“, ruft sie begeistert und nimmt die Blechkanne bewundernd in ihre Hände.
„Ach, du meinst die alte Milchkanne?“
„Jaaaa! Das ist ein Schätzchen. Ein absolutes Deko-Objekt! Weißt du, dass die Dinger inzwischen richtig teuer sind? Wo hast du die her?“

Ich muss lächeln und sage ihr, dass das alte Ding schon immer bei uns ist. Sie muss schon während der Kriegszeit bei uns eingezogen sein.
Resi nimmt die Tulpen aus meinen Händen. Lässt Wasser in die Blechkanne, und stellt die Blumen hinein. Sie ordnet diese liebevoll und stellt die nun dekorative Vase auf den Küchentisch.

„Na endlich hat jemand begriffen, wie schön ich bin!“, meldet sich Alma und ich kann hören, wie erleichtert und glücklich sie ist.
„Du hast recht. Du siehst mit dieser Blütenpracht fantastisch aus. Ich werde dich mit etwas Farbe wunderschön machen.“, antworte ich ihr.

„Wie meinst du das, du wirst mich mit etwas Farbe wunderschön machen?“, fragt mich Resi.
„Nicht dich, Resi! Alma natürlich.“, sage ich.
„Ähhhm, wer ist Alma?“ …

◇ Das ist nun das Ende unserer ersten Ping-Pong-Story.

Ich bedanke mich herzlich bei Alfons. Es war mir ein Vergnügen, mit Dir die „Lebensgeschichte“ einer alten Milchkanne zu spinnen.

Ihr hattet Spaß beim Lesen? Ihr möchtet wieder einmal eine Ping-Pong-Story?

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Bild: „Alma II“, 2020, Petra Kolossa, Aquarell auf Karton, 21 x 29 cm

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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2 Gedanken zu “Alma, das alte Ding – Ende –

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