von Tagebüchern, Morgenseiten und so

Es gibt Leute, die schreiben Tagebücher. Das habe ich so einige Male in meinem Leben ausprobiert. Klargekommen bin ich damit nicht. Letztendlich hat es mich immer wieder gelangweilt, meinem Büchlein zu erzählen, was geschehen und was meine Meinung zu dem Gewesenen ist oder war. Ich fragte mich, was ich damit wohl eines Tages tun werde und weshalb die Menschen solche Tagebücher schreiben. Es ist nur meine Vermutung. Ich denke, sie wollen etwas hinterlassen, wenn sie eines Tages gehen. Tagebücher werden für die nahen Angehörigen, die irgendwann Hinterbliebenen, geschrieben. Sicher kann man sich in den Seiten erklären, warum dieses und jenes aus der Sicht des Schreiberlings so oder so zu verstehen sei und man es doch verstehen müsse. Damit ist das Thema abgehakt. Irgendwann werden es schließlich die Nachkommen wissen, die Seele ist befreit und man kann nun weitergehen.

Ergibt das Sinn? Ich denke nicht. Wenn ich ein solches Tagebuch vererbt bekäme, es in den Händen halten würde, wäre ich sauer, so etwas zum Beispiel zu lesen. Ich würde in einem Gefühlschaos versinken, schlechtem Gewissen, ein wenig Wut, Verzweiflung, Traurigkeit und Hilfslosigkeit. Mir würde bewusst, dass nichts mehr an der Situation verändert werden kann. Mir würde bewusst, dass dieser Mensch in einer Einsamkeit seine Gedanken zu Papier brachte, um zu reden. Warum suchte dieser nicht das Gespräch? Wollte er nicht stören, nicht belasten? Fürchtete er die Diskussion, vielleicht nicht verstanden zu werden, Vorwürfe, korrigiert und zurechtgewiesen zu werden, nicht ernst genommen, belächelt zu werden? Und ich würde mir selbst Vorwürfe machen, nicht für diesen Menschen dagewesen zu sein. Ich hätte das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein, zu wenig für diese Person getan zu haben, ganz gleich, was mir selbst von dieser im Leben gegeben wurde.

Würde ich von Geschichten lesen, die spannend und amüsant sind, von denen ich zuvor nie etwas hörte, wäre ich genauso traurig. Enttäuscht darüber, dass diese Person es zu Lebzeiten nicht fertig brachte, davon zu erzählen. Um das nicht mit ins Grab zu schleppen, dennoch auf Papier brachte.  Kurz und gut: Tagebücher sind mir in der heutigen Zeit suspekt.

In den vergangenen Jahrhunderten gab es weniger die Möglichkeit, sich zu äußern, weil die gesellschaftliche Akzeptanz, vor allen Dingen von Frauen, eine offene Unterhaltung oder gar Meinungsäußerung kaum möglich machte. So waren Tagebücher oftmals das Sprachrohr von klugen Frauen.

Nicht zu vergessen: Da gibt es noch die Teenies, die temporär Tagebuch schreiben. Für sie eine Möglichkeit, sich mit dem eigenen Gefühlschaos zwischen Kind und Jugendlichem zu ordnen. Mit den „Alten“ wollen sie nicht so gern darüber sprechen und bei den Gleichaltrigen fühlen sie sich unsicher, vielleicht von Angst behaftet, sich zu blamieren.

Derartige Tagebücher werden später noch einmal gelesen und meistens mit einem Lächeln entsorgt. Ich weiß von einigen Eltern, die die Tagebücher ihrer Kinder gelesen haben. Sie hatten kein Verständnis dafür, dass ich es nicht tat, obwohl ich wusste, dass meine Tochter ebenso eins schrieb. Sie meinten, es sei wichtig, zu wissen, was die Kinder denken. Ich meine, es ist wichtig, den Kindern eine Sicherheit, ein Vertrauen zu geben, dass sie es tatsächlich nur für sich tun, weil es in diesem Augenblick sehr wichtig für sie ist.

Ich schreibe Morgenseiten. Davon hatte ich hier bereits einige Male berichtet. Drei Seiten werden ohne Nachzudenken hintereinanderweg am Morgen geschrieben. Der Kopf, die Gedanken werden dadurch fokussiert. Es schafft Klarheit. Der Tag bekommt Linie. Oftmals sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Morgenseiten zwingen den Kopf zu arbeiten und oft blitzt die Lösung auf.  Alles!, was am Morgen durch den Kopf schwirrt wird aufgeschrieben. Nach drei Seiten ist Stopp. Und ich kann nur sagen, das ist ganz sicher nicht für die Nachwelt bestimmt. Das tue ich für keinen anderen Menschen, als nur für mich. Es hilft mir unter anderem beim Schreiben meiner Texte und ist Impulsgeber.

Vor einigen Wochen stellte ich von jetzt auf jetzt das Schreiben meiner Morgenseiten ein. Der Grund? Ein Gespräch mit einer Freundin öffnete mir die Augen. Denn sie erzählte von den Aufzeichnungen und Tagebüchern eines Hinterbliebenen. Ich dachte an die unendlich vielen Dinge, die ich schriftlich festhalte. Die Vorstellung, dass diese von neugierigen Augen verschlungen werden, ließ mich in diese Blockade fallen. Damit will ich nicht sagen, dass ich morgen schon diese verrrückte Welt verlassen will. Das Blöde ist nur, keiner weiß, wann das geschehen wird.

Also beschloss ich, nach einer Lösung zu suchen und das, was bereits vorhanden ist, bei Gelegenheit aufzuarbeiten.

Heute am zeitigen Morgen saß ich wie immer ein paar Minuten auf dem Bett. Das tue ich immer, bevor ich aufstehe. Manche Leute nennen es vielleicht meditieren. Es ist sicher so etwas ähnliches, nur, dass ich es völlig intuitiv mache. Ich dachte an meine Morgenseiten und daran, dass mir dieses Schreibritual guttat. Und in diesem Augenblick hatte ich die Lösung.

Schrieb ich bisher diese Seiten mit dem Füllfederhalter auf Papier, so tue ich es ab jetzt mit meinen zehn Fingern auf einem passwortgeschützten USB-Stick. Hach, ich freue mich, wieder mit meinen, nur meinen! Morgenseiten zu starten. Ein gutes Gefühl 🙂

Nun kann der Tag beginnen. Der Morgen ist noch nebelig, grau und kühl.

Ich wünsche Euch einen guten Start in den besonderen Monat Dezember.

Ich werde in den nächsten Tagen immer wieder etwas Neues in meinen Online-Shop einstellen.

Für Dich,  habe ich ein Dankeschön, ein kleines Geschenk für den gesamten Monat Dezember 💛 😀

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Einen wunderschönen ersten Dezember für Euch.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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