Digitales Tagebuch, der Blog

Seit über zwölf Jahren schreibe ich meinen Blog. Seit dem März 2014, das ist zwanzig Jahre später, als der allererste Blog, ein digitales Tagebuch, in die Welt gesendet wurde. Ein Student gestaltete eine persönliche Webseite und schrieb seine täglichen Zeilen, die online gingen.

Schon zwei, drei Jahre später griffen diese Idee viele andere auf und schickten ihre Gedanken und ihr ganz normales Leben in derartigen Tagebüchern um die Welt. Welch eine Bereicherung! Wir alle konnten daran teilhaben und das Leben auf unserem Globus aus der Sicht von Menschen wie Du und ich kennenlernen. Auch dadurch lernten wir, die vorab eingeordneten und glattgeschliffenen Reportagen und Beiträge der Journalisten besser zu verstehen, können es hinterfragen und unser eigenes Bild dazu machen.

Diese Tagebücher nannte man Weblog, später dann gekürzt in Blog.

Es dauerte keine fünf Jahre und es wurden Plattformen entwickelt. Somit wurde es den Schreiberlingen, also den Bloggern einfacher gemacht, solche digitalen Tagebücher, Weblogs oder eben heute Blogs, ohne Programmierkenntnisse zu führen.

Das jedoch war auch der Startschuss für den Kommerz. Leider. Nur zehn Jahre später, nachdem das erste digitale Tagebuch in die Welt ging, vereinnahmten die, die diese Plattform rein kommerziell nutzen, die Idee der Blogs.

Blogs sind inzwischen zum großen Teil reine Verkaufsseiten, oder Sammelbecken für zusammengetragene Informationen von anderen kommerziellen Seiten zu einem Thema, sei es Elektronik, Pharma, Politik oder sonst etwas. Ach, und nicht zu vergessen die gefühlt Tausende Blogs, die uns ihr Superwissen überstülpen wollen. Ich meine die Berater, also die Coaches.

Ich bin eine „Old-School-Bloggerin“. Zum Warum schrieb ich vor zwei Jahren einen Beitrag. Da mich WordPress täglich daran erinnert, was ich am laufenden Tag in den vergangenen Jahren schrieb, fiel mir dieser heute in die Hände.

Hier ist der Link zu dem damaligen Beitrag. Klicke den einfach an, so kannst Du es lesen.

https://petra-kolossa.com/2024/08/09/unsere-blogosphaere/

Mich interessiert die Entwicklung des Bloggens. Deshalb lese ich immer wieder Artikel dazu oder höre ausgesuchte Podcasts. Die Grundidee, regelmäßig zu bloggen, ob täglich, einmal in der Woche oder im Monat, ist geblieben. Jedoch wird derzeit empfohlen, zu wissen, worüber ich bloggen will und unbedingt eine Nische finden muss, die ich als Experte bedienen will. Es wird empfohlen, sich in der Nische aufzuhalten und qualitativ hochwertige Beiträge zu schreiben, die dem potentiellen Leser einen Mehrwert geben, damit er dann wiederum das angebotene Produkt erwirbt oder zum Beispiel ein Abo abschließt, um noch tiefgreifendere Blogbeiträge zu kaufen.

Die neuesten Empfehlungen gehen dahin, die Arbeit einer KI zu übergeben, die sich um alles kümmert. Das heißt, die Recherche vornimmt, die optimierten Blogbeiträge schreibt, die passenden Bilder erstellt, die potentiellen Interessenten prüft und so weiter.

Das heißt, man überrgibt die Themen, Details, Umfang, Zeitrahmen an die KI, überprüft das Ganze nach Fertigstellung und die KI kümmert sich um alles Weitere.

Wer Kunde bei einer Onlinebank ist, weiß, wovon ich spreche. Die KI ist unglaublich ausgeklügelt und die KI-Maschine Kundenservice unbestechlich. Es gibt keine Grauzonen. Das kann einen lebendigen noch nicht komplett abgestumpften Menschen in den Wahnsinn treiben.

Nö. Das will ich nicht. Und es freut mich umso mehr zu sehen, dass inzwischen immer mehr Blogger zum Ursprung zurückkehren. So, wie die Menschen wieder beginnen, Bücher zu lesen, so entwickelt sich das Bloggeschehen. Langsam, aber hoffentlich stetig.

Lasst uns unbedingt die Blogosphäre mit Herz, Verstand und viel Empathie füllen.

Wir Blogger sind jeder einzelne für sich ein Rädchen im Ganzen. Wir sind Zeitzeugen. Wir halten das ganz normale Leben mit unserer Tastatur fest, bevor es die KI verfrühstücken und weiter verarbeiten kann. Jeder an seinem Platz und an seinem Ort irgendwo auf diesem Planeten.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

von Tagebüchern, Morgenseiten und so

Es gibt Leute, die schreiben Tagebücher. Das habe ich so einige Male in meinem Leben ausprobiert. Klargekommen bin ich damit nicht. Letztendlich hat es mich immer wieder gelangweilt, meinem Büchlein zu erzählen, was geschehen und was meine Meinung zu dem Gewesenen ist oder war. Ich fragte mich, was ich damit wohl eines Tages tun werde und weshalb die Menschen solche Tagebücher schreiben. Es ist nur meine Vermutung. Ich denke, sie wollen etwas hinterlassen, wenn sie eines Tages gehen. Tagebücher werden für die nahen Angehörigen, die irgendwann Hinterbliebenen, geschrieben. Sicher kann man sich in den Seiten erklären, warum dieses und jenes aus der Sicht des Schreiberlings so oder so zu verstehen sei und man es doch verstehen müsse. Damit ist das Thema abgehakt. Irgendwann werden es schließlich die Nachkommen wissen, die Seele ist befreit und man kann nun weitergehen.

Ergibt das Sinn? Ich denke nicht. Wenn ich ein solches Tagebuch vererbt bekäme, es in den Händen halten würde, wäre ich sauer, so etwas zum Beispiel zu lesen. Ich würde in einem Gefühlschaos versinken, schlechtem Gewissen, ein wenig Wut, Verzweiflung, Traurigkeit und Hilfslosigkeit. Mir würde bewusst, dass nichts mehr an der Situation verändert werden kann. Mir würde bewusst, dass dieser Mensch in einer Einsamkeit seine Gedanken zu Papier brachte, um zu reden. Warum suchte dieser nicht das Gespräch? Wollte er nicht stören, nicht belasten? Fürchtete er die Diskussion, vielleicht nicht verstanden zu werden, Vorwürfe, korrigiert und zurechtgewiesen zu werden, nicht ernst genommen, belächelt zu werden? Und ich würde mir selbst Vorwürfe machen, nicht für diesen Menschen dagewesen zu sein. Ich hätte das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein, zu wenig für diese Person getan zu haben, ganz gleich, was mir selbst von dieser im Leben gegeben wurde.

Würde ich von Geschichten lesen, die spannend und amüsant sind, von denen ich zuvor nie etwas hörte, wäre ich genauso traurig. Enttäuscht darüber, dass diese Person es zu Lebzeiten nicht fertig brachte, davon zu erzählen. Um das nicht mit ins Grab zu schleppen, dennoch auf Papier brachte.  Kurz und gut: Tagebücher sind mir in der heutigen Zeit suspekt.

In den vergangenen Jahrhunderten gab es weniger die Möglichkeit, sich zu äußern, weil die gesellschaftliche Akzeptanz, vor allen Dingen von Frauen, eine offene Unterhaltung oder gar Meinungsäußerung kaum möglich machte. So waren Tagebücher oftmals das Sprachrohr von klugen Frauen.

Nicht zu vergessen: Da gibt es noch die Teenies, die temporär Tagebuch schreiben. Für sie eine Möglichkeit, sich mit dem eigenen Gefühlschaos zwischen Kind und Jugendlichem zu ordnen. Mit den „Alten“ wollen sie nicht so gern darüber sprechen und bei den Gleichaltrigen fühlen sie sich unsicher, vielleicht von Angst behaftet, sich zu blamieren.

Derartige Tagebücher werden später noch einmal gelesen und meistens mit einem Lächeln entsorgt. Ich weiß von einigen Eltern, die die Tagebücher ihrer Kinder gelesen haben. Sie hatten kein Verständnis dafür, dass ich es nicht tat, obwohl ich wusste, dass meine Tochter ebenso eins schrieb. Sie meinten, es sei wichtig, zu wissen, was die Kinder denken. Ich meine, es ist wichtig, den Kindern eine Sicherheit, ein Vertrauen zu geben, dass sie es tatsächlich nur für sich tun, weil es in diesem Augenblick sehr wichtig für sie ist.

Ich schreibe Morgenseiten. Davon hatte ich hier bereits einige Male berichtet. Drei Seiten werden ohne Nachzudenken hintereinanderweg am Morgen geschrieben. Der Kopf, die Gedanken werden dadurch fokussiert. Es schafft Klarheit. Der Tag bekommt Linie. Oftmals sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Morgenseiten zwingen den Kopf zu arbeiten und oft blitzt die Lösung auf.  Alles!, was am Morgen durch den Kopf schwirrt wird aufgeschrieben. Nach drei Seiten ist Stopp. Und ich kann nur sagen, das ist ganz sicher nicht für die Nachwelt bestimmt. Das tue ich für keinen anderen Menschen, als nur für mich. Es hilft mir unter anderem beim Schreiben meiner Texte und ist Impulsgeber.

Vor einigen Wochen stellte ich von jetzt auf jetzt das Schreiben meiner Morgenseiten ein. Der Grund? Ein Gespräch mit einer Freundin öffnete mir die Augen. Denn sie erzählte von den Aufzeichnungen und Tagebüchern eines Hinterbliebenen. Ich dachte an die unendlich vielen Dinge, die ich schriftlich festhalte. Die Vorstellung, dass diese von neugierigen Augen verschlungen werden, ließ mich in diese Blockade fallen. Damit will ich nicht sagen, dass ich morgen schon diese verrrückte Welt verlassen will. Das Blöde ist nur, keiner weiß, wann das geschehen wird.

Also beschloss ich, nach einer Lösung zu suchen und das, was bereits vorhanden ist, bei Gelegenheit aufzuarbeiten.

Heute am zeitigen Morgen saß ich wie immer ein paar Minuten auf dem Bett. Das tue ich immer, bevor ich aufstehe. Manche Leute nennen es vielleicht meditieren. Es ist sicher so etwas ähnliches, nur, dass ich es völlig intuitiv mache. Ich dachte an meine Morgenseiten und daran, dass mir dieses Schreibritual guttat. Und in diesem Augenblick hatte ich die Lösung.

Schrieb ich bisher diese Seiten mit dem Füllfederhalter auf Papier, so tue ich es ab jetzt mit meinen zehn Fingern auf einem passwortgeschützten USB-Stick. Hach, ich freue mich, wieder mit meinen, nur meinen! Morgenseiten zu starten. Ein gutes Gefühl 🙂

Nun kann der Tag beginnen. Der Morgen ist noch nebelig, grau und kühl.

Ich wünsche Euch einen guten Start in den besonderen Monat Dezember.

Ich werde in den nächsten Tagen immer wieder etwas Neues in meinen Online-Shop einstellen.

Für Dich,  habe ich ein Dankeschön, ein kleines Geschenk für den gesamten Monat Dezember 💛 😀

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Einen wunderschönen ersten Dezember für Euch.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Realität hat eigene Regeln

Ein Tag hat nur ein paar Stunden. Stunden, die gefüllt mit unendlich vielen Gedanken, Geschehnissen, Gefühlen, Emotionen, Kämpfen, Plänen, nicht Bewältigtem, Gewonnenem und Verlorenem  … sind.

Plakative Formulierungen tanzen in meinem Hirn. Gedanken schaffen Realität. Denke positiv! Carpe diem! Lebe den Tag! Nutze Deine Zeit, sie ist unwiederbringlich! Behandele jeden so, wie du selbst behandelt werden willst. Achte dein Gegenüber, verletze ihn nicht. Liebe die, die immer für dich da sind. Prüfe, mit wem du dich umgibst. Dein Leben ist dein Spiegel, gefällt es dir nicht, so ändere es. Lebe jeden Tag so, als sei es dein letzter …

Alles schön und gut. Es mag einleuchtend klingen. So einleuchtend, dass diese zu Kalendersprüchen mutierten. Die Realität hat oftmals eigene Regeln. Leider zu oft.

Mein heutiger Tag war wieder ein solcher. Eine perfekte Sinuskurve der Emotionen.

In solchen Momenten treibt es mich an die Tasten. Ich muss schreiben. Wenn die Gefühle durch meine zehn Finger verdaut wurden, fühle ich mich leichter. OK, etwas leichter.

Wollte ich heute am Morgen noch einen Blog schreiben über Heinz Strunk, Wenzel Hablik, Fleisch ist mein Gemüse, Tapeten und was das alles mit Itzehoe zu tun hat, sah es ein paar Stunden später schon ganz anders aus. Es beschäftigten mich zwei Cent und die Kunstnacht in Ravensburg. Dann erlebte ich schöne neunzig Minuten am Bodensee in Sipplingen, um mich kurze Zeit später verletzt in meiner Seele zurückzuziehen.

Den Verdauungsprozess habe ich in einem Text beendet. Und ich denke daran, dass ich heute noch immer keinen Blogbeitrag geschrieben habe. Mein Blog, also mein Tagebuch, mein web-log. Dafür bin ich vor vielen Jahren hier angetreten. Ich streue Asche auf mein Haupt und verspreche mir, nun wieder häufiger mit meinem Tun und dem, was sich in meinem Dunstfeld tummelt, präsent zu sein.

Am Abend soll man an die schönen Dinge des Tages denken. Das tue ich jetzt und nehme Euch mit nach Sipplingen. Ich liebe diesen kleinen Ort am Bodensee. Gestern wurde mir bewusst, dass ich in diesem Jahr kein einziges Mal einen Eisbecher vernascht habe. Das sollte unbedingt noch 2022 geschehen. So fuhren wir also nach Sipplingen.

… so sieht es aus, wenn ich ein Objekt unbedingt im Bild festhalten will 😀 Mit diesen schönen Gedanken an den fast vergangenen Sonntag verabschiede ich mich. Wünsche eine Gute Nacht und in ein paar Stunden schon einen gelungenen Start in die neue Woche.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.