Meine politischen Ansichten haben sich nicht geändert. Haben sich Deine verändert?
Geändert hat sich mein Blick auf die politischen Geschehnisse. Geändert hat sich mein Verständnis für die politischen Zusammenhänge, mein Wissen um die globale politische Matrix.
Verändert hat sich die politische Begrifflichkeit insgesamt. Die Inhalte der deutschen Parteien haben sich regelrecht verschoben. Das, was vor noch drei oder vier Jahren salonfähig rechts war, nämlich die CDU und CSU, ist heute eher links. Was einst die Linken waren, sind heute eher dem extrem linken Spektrum zuzuordnen. Rechts ist inzwischen ein Schimpfwort, es gehört nicht ins derzeitige Narrativ. Diese Jacke will sich keine der Altparteien anziehen. Das politische Coleur ist inzwischen ein verschwommener Zweckgemeinschafts-Brei. Die historisch gewachsenen „alten“ Parteien strampeln sich gegen eine einzige alternative Partei ab. Demokratie in Deutschland: Alle gegen einen.
Mein wichtigster Schritt, den ich vor fast fünfundzwanzig Jahren tat, war den Stecker an meinem Fernsehgerät zu ziehen. Es war mein Not-Aus. Ich fühlte mich unglaublich manipuliert. Den letzten Beitrag den ich sah, war ein Bericht aus einem afrikanischen Land. Es wurden Nahaufnahmen eingeblendet, in denen zu sehen war, wie Fliegen in den großen hungrigen Kinderaugen saßen, es wurden dicke, aufgeblasene Kinderbäuche herangezoomt und zu deren dürren, knochigen Beinchen geschwenkt, um an den im staubigen Schmutz tapsenden Kinderfüßen zu verharren.
Zuvor sah ich Kommentare, Meinungen und eine Diskussion zu irgendeinem Thema, bei dem offensichtlich war, wessen Meinung die als „richtige“ zu gelten hatte. Ich erinnere mich, wie mich das alles aufregte. Und dann kam dieser Bericht aus Afrika. Mir liefen die Tränen. Ich konnte sie nicht stoppen. Und das machte mir unglaublich Angst. Ich spürte, dass meine Reaktion nicht normal war.
Dann lief ein Spielfilm. Ich weiß heute nicht mehr, welcher das gewesen ist. Letztendlich ist es auch egal, denn ich wachte auf, als das Ende bereits lange gewesen ist. Ich konnte mich nicht auf den Film konzentrieren und schlief erschöpft ein.
Ich ging zu meinem kleinen Fernsehgerät, zog den Stecker und schaltete bis heute nie wieder ein solches Gerät ein.
Eine etwas robustere, abgebrühtere Seele hätte das lässig weggesteckt. Dieses Erlebnis erzählte ich nur einigen wenigen Menschen. Die meisten konnten mich nicht verstehen. Einige lachten mich aus, andere nannten mich zu empfindlich, schließlich sei das nun mal die heutige Zeit und es gäbe ja noch viele schöne Sender, Filme und Dokumentationen, die man sich anschauen könne. Heute kenne ich sehr viele Menschen, die sich ebenso vom Fernsehgucken verabschiedet haben.
Ich kann es nicht erklären, aber in den übertragenen Sendungen schwang immer etwas mit, das mich lange Zeit beschäftigte, mich erschöpfte und auslaugte. Meine Informationen holte ich seit dem aus der Tagespresse und aus dem Hörfunkt. Es tat mir gut, diesen Weg gewählt zu haben. Ich habe es keinen einzigen Tag bereut.
Heute sehe ich ab und zu Beiträge des Öffentlich Rechtlichen verpackt in Dokumentationen und Beiträgen auf YouTube zum Beispiel. Und jedes Mal muss ich feststellen: Nur gut, dass ich mir das nicht mehr antue.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen, die sich den ständigen argumentierten Nachrichten, Informationen, Diskussionen, den permanent wiederholten Schlagworten, Satzstellungen, eindringlichen Warnungen und so weiter und so fort, unterwerfen, ihre politischen Ansichten entsprechend den Narrativen ändern. Es ist deren Erkenntnis, geformt aus dem Gesehenen und Gehörten. Es ist letztendlich der Erziehungsauftrag des Öffentlich Rechtlichen.
Erwähnen möchte ich noch, dass die politische Ansicht nicht zwingend etwas mit dem Kreuzchen auf einem Wahlzettel zu tun hat.

Das Bild machte ich während der Weihnachtstage in unserer Nähe am Höchsten. Ich wählte es aus, weil es symbolisch ist für die Zeit, die Phase, in der wir uns augenblicklich bewegen.
Haben sich Deine politischen Ansichten geändert? Erzähle uns doch davon und schreibe es einfach ins Kommentarfeld.
Bis zum nächsten Mal,
herzlich, Eure Petra Kolossa.
Also ich empfinde deine damalige Reaktion als vollkommen normal! Und überhaupt nicht als zu empfindlich. Weinen zu müssen, weil man dieses Leid selbst aus der Ferne spürt und vielleicht auch Hilflosigkeit mitgespielt hat? Das passiert mir sehr oft. Hier in Berlin kann man sich dem kaum entziehen 😉
Ja, die Welt ist, wie sie ist…. leider. Für mich auch so oft ermüdend. Aber ich empfinde es als Geschenk, dass du so fühlst, und andere so fühlen. Nur dieses Bewusstsein kann etwas verändern in der Welt. Solche Gefühle sind menschlich und echt!
Lieben Gruß 🔆