Dunkellila und Augustäpfel

Heute ist der 13. August. Was mir am Morgen als erstes spontan in den Kopf kam: „Augustäpfel“. Ein Buch von Günter Striegler.

13.08.1961: Mauerbau in Deutschland. Das Verrückte ist, dass ich mich noch an ein Erlebnis erinnern kann. Ich war noch sehr klein, drei Jahre alt. Damals lebte ich bei meinen Großeltern in Rathenow. Bis Berlin war es nicht weit, cirka fünfundachtzig Kilometer. Es muss in dieser Zeit gewesen sein, als es noch einen Ost- und Westsektor gab.

Auf jeden Fall kam meine Mutti mit ihrer Schwester und ihrer Mutter aus dem „Sektor“ zurück. Ich weiß nicht, ob noch jemand dabei war. Aber sie debattierten, lachten und reflektierten ihre Erlebnisse. Sie sprachen gedämpft. Es sollte wohl kein Fremder von ihrem Abenteuer erfahren. Meine Mutter freute sich über ihre Errungenschaft, eine Strickjacke in tiefem dunklen Lila. Sie war grob gestrickt, ohne Knöpfe, fluffig und federleicht. Ich habe diese Jacke geliebt.

Als ich neun war, starb meine Mama. Zehn Jahre später, es war 1977, schenkte mir meine Omi diese Jacke. Bis heute weiß ich nicht, wie sie in ihre Hände kam. Egal, ich war unendlich glücklich, diese zu besitzen und trug sie unglaublich gern. Die Farbe war wirklich einmalig und stand mir gut.

Irgendwann, ich glaube, es war ein gutes Jahr später, kaufte ich meine erste Waschmaschine. Die Jacke gab ich zur Wäsche. Ich weiß es wie heute. Sie murmelte mit den anderen Wollsachen bei dreißig Grad. Als ich sie entnahm, war sie so groß, wie ein Babystrampler. Ich war so unglücklich darüber.

13. August 1961 – „Augustäpfel“. Das Buch kaufte ich wegen des Titels. Ich fand den schön. Damals, 1984 oder so, las ich es an der Haltestelle, als ich auf die Straßenbahn wartete. Es ging um den Mauerbau 1961. (Ihr wisst schon: „Keiner hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“, so Walter Ulbricht damals. Kurz darauf geschah es.) Mit diesem Buch musste ich an die Geschichte mit der lila Jacke denken.

Heute am Morgen schaute ich im Netz und fragte die KI nach dem Autor Günter Striegler.  Ich konnte so gut wie nichts finden. Zwei Bücher habe er geschrieben, 1930 geboren, kein sicheres Todesdatum. In einem Klappentext fand ich die Bemerkung, dass er Major gewesen sei. In dem Zusammenhang wurden mir immer wieder Seiten zur Stasi anezeigt. – Nun, es sei, wie es ist. Dieses Buch habe ich sogar aufgehoben. Aus irgendeiner Bücher-Umzugskiste werde ich es noch auspacken. Es ist relativ klein und hat nur etwas über einhundertsechszig Seiten. Das Papier dieses Büchleins ist vergilbt und wirklich nicht schön. Aber es ist irgendwie ein typisches DDR-Buch.

Sicher, es sind nur Banalitäten. Keine heroischen Berichte über wesentliche Dinge. Jedoch ist es ein geschichtliches Mosaiksteinchen.

Dieses Bild zeigt eine Herzschale mit einem Zip -„Öffne Dein Herz“. Ich fertigte sie im Rahmen meiner homepART-Serie.

Das Foto fand ich noch in der Bildergalerie meines Smartphones.

Diese Schale ist noch zu haben. Wenn Du interessiert bist, nimm bitte einfach mit mir Kontakt auf 😊

Habt einen wunderbaren Augusttag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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