Wenn die Seele geht

Es gibt Momente, in denen ich mich nicht wirklich anwesend fühle; ich das Geschehen von außen betrachte. Mein Körper ist vor Ort, ich selbst nicht. Ich behaupte, es ist mein Selbstschutz und ein Schutz für die anderen, denen ich somit geerdet beiseite stehen kann.

In den letzten vier Wochen erlebte ich, wie ein naher Mensch von uns ging. Und ich erlebte hautnah die Qual und das innerliche Verzehren nach dem geliebten Menschen aus einer sechszigjähren Partnerschaft.

Es ist mir sehr bewusst, dass es unglaublich schwer ist und  auch sein wird, im zweiundneunzigsten Lebensjahr diesen Verlust zu kompensieren und das eigene Leben neu zu organisieren, auch wenn viele helfende Hände ausgestreckt zur Seite stehen.

Mich drängte es zu den Farben, Pinseln und Leinwand. Der Titel des Bildes, das ich malen wollte stand seit den frühen Morgenstunden des vergangenen Donnerstags fest: „Wenn die Seele geht“. Ich wusste auch ziemlich genau, wie der Bildaufbau sein sollte und welche Farben ich wählen wollte. Drei Tage später, also am Sonntagmorgen signierte ich das Bild.

Es ist sehr, sehr selten, dass ich in einer derart kurzen Zeit ein Bild beende. Ich habe die stressigen und anstrengenden Wochen auf diese Weise verarbeitet. Tief versunken und konzentriert. Das tat wahrlich gut.

Hier ist also mein neues Werk: „Wenn die Seele geht“

Ihr kennt nun die Entstehungsgeschichte meines Bildes. Jedoch ist es wie immer: Das Kunstwerkt spricht zu Dir. Was empfindest Du, wenn Du das Bild anschaust? Vielleicht sind es einfach nur Pusteblumen, die kurz vor dem Sonnenuntergang durch einen Windhauch in einer lauen Sommernacht davongetragen werden?

Es freut mich zu erfahren, was Du in diesem Bild siehst. Schreibe es doch einfach in die Kommentare.

In diesem Video schnitt ich aus einigen Aufnahmen den Entstehungsprozess zusammen. Es ist ein kurzer Clip. Wenn Du magst, schau einfach rein.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Nur noch zwei Sonntage

Countdown: 21 Tage

Heute ist ein strahlend sonniger Sommer-Sonntag. Das Thermometer zeigt mir sechsunddreißig Grad draußen und kühle sechsundzwanzig Grad in der Wohnung an. Solange die Luftfeuchtigkeit gering bleibt, vertrage ich eine ganze Menge dieser Wärme; natürlich im Schatten und mit ausreichend Wasser zum trinken. Aber heute ist es selbst mir zu viel.

Ich nippe an meinem Wasserglas und beobachte die vielen verschiedenen Schmetterlinge, Taubenschwänzchen, Bienen und weitere Insekten, die den Buddleja umtanzen und genüsslich am Blütennektar naschen. Ich erinnere mich, in den letzten Tagen einen Beitrag zum Sommerflieder gelesen zu haben. Mir war nie bewusst, dass das eine eingeschleppte Pflanze ist und sich unkontrolliert breitmacht und heimische Pflanzen verdrängen soll. Die Blütendolden sollen sogar die Insekten betrunken machen. Ich habe den Beitrag für Dich herausgesucht und verlinke den hier, damit Du Dir selbst ein Bild machen kannst. Dennoch mag ich den Sommerflieder.

Während ich so sinniere, schießt mir durch meinen Kopf: Nur noch weitere zwei Sonntage werde ich hier in dieser Wohnung, an diesem Ort sein. Den Sonntag darauf wird das Umzugsauto unser geladenes physisches Hab und Gut an unserem neuen Zuhause, fünfhundert Kilometer weiter, wieder ausspucken.

Es schlägt mit etwas mulmig auf den Solarplexus. So sehr ich mich auf das Neue freue, so wird mir auch bewusst, wie endgültig die Situation ist. Es gibt keinen Puffer, nur diesen Termin und noch eine riesengroße Menge kleine und größere Dinge, die nur durch uns selbst zu bewältigen sind.

Auch wenn es ein unglaublich gutes und beruhigendes Gefühl ist, zu wissen, dass uns viele liebe Menschen zur Seite stehen und uns mit Herz und Stärke unterstüzen, so liegt es dennoch allein in unserer Hand, den Umzug so gut, wie nur möglich vorzubereiten.

Inzwischen sieht es hier ziemlich chaotisch aus. Ausgeräumte Regale, Umzugskisten und zum Einpacken beiseite Gestelltes. Meine kreative Arbeit habe ich für ein paar Wochen in den Ruhemodus verbannt. Bis mein Arbeitsplatz im neuen Ambiente wieder eingerichtet ist, wird es Kopfkino, Skizzen, Notizen und diesen Blog geben 😀

Nächste Woche beginnt der Juli und für uns der Abschied von wunderbaren fünfzehn Jahren hier im südlichsten Süden Deutschland und der Neubeginn in eine neue Lebensphase.

Ich werde Euch mitnehmen in dieses Abenteuer und lade Dich herzlich ein, mich auf diesem Weg zu begleiten.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.