Schöne Post. Es gibt sie.

Die Post brachte ihn in der letzten Woche. Ich halte diesen großen Brief in den Händen und ich muss lächeln. Bereits an seinem Umschlag erkenne ich, von wem er ist und ich weiß, dass ich ihn erst später öffnen werde. Es ist ein Ritual, irgendwie etwas Besonderes.

Der heutige Sonntagmorgen ist ruhig. Nur die Nachbarn, die  diagonal über die Straße ihr Häuschen haben, sitzen auf ihrer Terrase. Wahrscheinlich frühstücken sie gemeinsam mit ihren Kindern, die kürzlich in ihr eigenes Haus direkt neben ihren Eltern zogen. Rein theoretisch könnte ich ihren Gesprächen lauschen. Sie fühlen sich ungezwungen und schwatzen laut. Schließlich sieht sie keiner. Der Wind trägt ihre Worte direkt zu mir auf den Balkon. Mein Hirn will jedoch das genuschelte Schwäbisch nicht verarbeiten. Es gleicht einer Dolmetscheraufgabe. Dazu habe ich keine Lust. Wieviele Leute sind das, überlege ich. Den Stimmen der immer lauter werdenden Unterhaltung nach zu urteilen, vielleicht vier Erwachsene und zwei kleine fröhliche Kinder. Weshalb interessiert mich das, frage ich mich. Es interessiert mich nicht wirklich. Es stört nur meine morgendliche Sonntagsruhe, die ich erhoffte, auf unserem schön blühenden Balkon bei sommerlich warmen siebenundzwanzig Grad vorzufinden. Es ist nur meine Befindlichkeit, wahrscheinlich ein kleiner egoistischer Groll. Und ganz sicher ist ihnen nicht bewusst, dass der Geräuschpegel von deren Grundstück immer sehr intensiv den Hang nach oben transportiert wird. Es  ist ein Luxusproblem, also überhaupt kein Problem, wenn ich das auf eine Stadt übertrage. Hier im ländlichen Raum ticken die Uhren eben etwas anders, rechtfertige ich mich.

Ich lehne mich zurück, nehme den großen Umschlag und öffne den. Er ist von einer italienischen Kunstakademie. Sie laden mich ein- bis zweimal jährlich ein, an Ausstellungen teilzunehmen. In Italien stellte ich vor ein paar Jahren einige male aus. Ich denke, in diesem Zusammenhang erhalte ich diese Briefe.

Deren Briefe sind eine Wohltat. Es ist eine Wertschätzung. Bereits die Gestaltung des Briefumschlages und die höfliche Anrede lassen mich einige Sekunden verweilen. Ich werde als Frau angesprochen. Mein Vorname ist in Italien ebenso ein Männername. Es wäre also nicht verwunderlich, würde der Absender es neutral behandeln. In Deutschland wird inzwischen oftmals die Anrede komplett ignoriert und genderneutral agiert. War ich gestern noch eine Frau, könnte ich mich schließlich heute umorientieren und morgen vielleicht wieder und überhaupt ist das schließlich der heutige Zeitgeist. Und bevor sich irgendjemand der wenigen diskriminiert fühlt, machen wir die deutsche Sprache und die ach so fossilen Umgangsformen besser platt. Was sollˋs!

Ich öffne den Umschlag und entnehme die liebevoll gestaltete Einladung. Ein dreiseitiges Leporello, A4, sechs bedruckte Seiten, farbig, hochglanz. Auf der Deckseite ist der Grafiker und Gestalter genannt. Wo wird das schon bei derartigen Dingen noch getan. Eine Erläuterung über das Prozedere liegt bei. Es ist eine lange bedruckte Seite, die zwei A4-Seiten entsprechen.

Warum erwähne ich das alles? Es ist eine wertschätzende Einladung an den Adressaten. Keine hingeschluderte an unendlich viele willkürliche Emailadressen gesandte digitale Einladung. Es ist ein Willkommen, ein Geschenk. Eine Aufmerksamkeit in meinem Briefkasten zwischen den amtlichen Benachrichtigungn und den massenhaften auf hässlichem Papier gedruckten Werbeheftchen der Einkaufsmärkte mit ihren besten, billigsten und dennoch immer teurer werdenden Produkten.

Meine Emails mit solchen Einladungen überfliege ich. Lege sie beiseite, um sie später noch einmal genauer anzusehen. Das geschieht meistens nicht. Denn die tägliche Flut an derartigen flüchtigen Sendungen zum Nulltarif überfordern meine Aufmerksamkeit und ermüden mich. Sehr oft ist der Button des Papierkorbs schnell gedrückt. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Meine Finger gleiten über diese physische Einladung. Und ich muss gestehen, dass ich das schwere, hochwertige Papier mit dem Glanzdruck mag. In mir regt sich der erhobene Finger wegen meines versnobten Gedankens. Schließlich drückt diese hochwertige Einladung doch nur aus, dass dem Absender total egal ist, wie er die Ressourcen unseres blauen Planeten verpulvert. Wie kann er nur! Teures Papier, hochwertiger Druck, viel zu groß das alles, die Erläuterungen auf zwei Seiten geschrieben, statt Vorder- und Rückseite zu bedrucken. Unverschämt! Wo doch in Deutschland die Unternehmen fast alles digital erledigen. Wer das nicht kann, weil zu alt, zu krank, zu irgendetwas, hat seine Post, die ihm unnötiger Weise zugestellt werden muss, zu bezahlen.

Nein! Nicht alles funktioniert pauschalisiert digital. Der Mensch ist mit vielen Sinnen ausgestattet. Die physische Wahrnehmung ist unglaublich wichtig und löst Gefühle, Gedanken, Reaktionen und Entscheidungen in vielen Sphären und Richtungen aus.

Auch wenn ich bisher einer dieser Einladung nicht gefolgt bin, so habe ich es mir für das Jahr 2023 vorgenommen, es zu tun.

Kater Flo hat sich zu mir gesellt, sich einfach auf den Tisch gelegt und lässt sich den lauen Wind ins Fell pusten.

Die Sonne kommt ums Haus und lässt die Gloxinien in den leuchtendsten Farben strahlen. Bald werde ich die Markise nach unten lassen, um die Wohnung in angenehmer Kühle zu halten.

Es ist Ruhe eingezogen. Nur aus der Ferne erklingen die Motoren der rasenden Motorräder auf der Landstraße …

Einen fantstischen, wenn auch heißen, Junisonntag wünscht Euch,

Eure Petra Kolossa.

24 Stunden an sieben Tagen geöffnet: www.petra-kolossa.shop

Gendern Sie auch noch nicht?

Diesen Beitrag fand ich heute in meinem Email-Postfach. Zeilen, zu dem Thema, die man nicht besser sagen kann.

Ich teile gern diesen Artikel mit Euch. Hier findet Ihr den Link zu diesem Beitrag.

Viel Spaß beim Lesen 😊

und einen schönen Sonntag für alle.

Herzlich, Eure Petra Kolossa

„Gendern“ – nicht in meinem Blog

Als ich meinen Blog im Jahr 2014 startete, habe ich darauf bereits hingwiesen, dass ich mich diesem „Gendern“ in meinen Texten nicht unterwerfen werde.

Heute am Morgen las ich einen Fachbeitrag. In den wenigen drei Absätzen bin ich beim Lesen fast verrückt geworden. Mein Gehirn erfasst das, was hinter dem Sternchen zu lesen ist, nicht. Ich ignoriere das komplett.

In den wenigen Sätzen stolperte ich über Nutzer*innen, Follower*innen, Autor*innen, Macher*innen, Eventteilnehmer*innen, Veranstalter*innen und der Hammer war: Follower*innenziele – Dieses Wort musste ich zweimal lesen.

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs. Ich möchte an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass es mir keine Mühe macht, in altmodischer Form zu verfahren. Es wird also in meinen Texten keine Leser*innen oder LerserInnen oder gar Lesenden geben.

Wenn ich in manchen journalistischen Beiträgen dieses „Gendern“ im gesprochenen Wort höre, spüre ich deren Anstrengung, diese verbogene deutsche Sprache über die Lippen zu bekommen.

Und eines sei Euch versichert. Ich akzeptiere jede geschlechtliche Gesinnung. Und das tat die deutsche Sprache bisher auch. Sprache ist ein Entwicklungsprozess. Natürlich verändert sie sich im Laufe der vielen Jahre. Aber das, was uns hier übergestülpt wird, ist rein politischer Natur.

Ich wünsche mir sehr, dass Ihr mit meiner Entscheidung gut umgehen könnt und meinem Blog in altbewährter Weise treu bleibt.

Apropos Blog: Wer es noch nicht getan hat, mit Eurer Email-Adresse könnt Ihr ihn einfach mit dem Button auf der rechten Seite abonnieren.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.