Aufgepickt in einer Raststätte

Ein warmer und unangenehm schwüler Tag ist heute. Die Hälfte der Strecke liegt hinter uns. Wir entscheiden uns, einen Boxenstopp in einer Autobahnraststätte zu machen.

Ich sitze mit meinem viel zu süßen Cappuccino auf der sonnigen Terrasse in zigarettengeschwängerter Schwüle. Abkühlen kann ich mich etwas später im klimatisierten Auto, denke ich.

Ein rüstiges Pärchen im fortgeschrittenen Alter erregt meine Aufmerksamkeit.

Sie kommen ganz entspannt auf die Terrasse der Raststätte, wählen einen Tisch für zwei. Er stellt eine große hellblaue Kühltasche auf den Tisch und öffnet diese. Sie entnimmt einen weißen Tischläufer und legt diesen über den Tisch. Stellt zwei Teller gegenüber darauf, drapiert Besteck und stellt Tassen und Gläser dazu. Sie entnimmt der Tasche Schüsseln, Thermosbehälter und diverse Schachteln; richtet alles ansehnlich in Schüsseln und auf kleinen Platten an. Er geht um den Tisch herum, zieht ihren Stuhl ein Stück zurück, damit sie sich gut und bequem setzen kann, geht zurück und nimmt Platz auf seinem Stuhl. Sie legt sich eine große weiße Serviette auf den Rock ihres Kleides. Sie schicken sich gegenseitig einen Handkuss und einen liebevollen Blick und beginnen zu speisen.

Einen kurzen Moment glaubte ich, bei „versteckter Kamera“ zu sein. Aber das war wohl nicht der Fall.

Als sie ihr Speisen beendeten, räumte sie alles wieder auf. In einen Beutel packte sie das, was zu entsorgen war. Er brachte es in den Mülleimer der Raststätte. Sie rollte den Tischläufer zusammen, legte den als letztes in die Kühltasche. Er nahm den Behälter und sie gingen zu ihrem Auto. Zufällig stand das Fahrzeug neben unserem. Es hatte ein spanisches Kennzeichen.

Alles geschah in einem völligen Selbstverständnis.

Mich begeisterte der Stil, den sie ganz bewusst lebten.

Ich selbst käme nie auf die Idee, in eine Raststätte oder ein Restaurant zu gehen, um dort mein Ding zu machen, ohne etwas zum Verzehr zu kaufen und letztendlich sogar noch meinen Müll dort zu entsorgen.

Vielleicht bin ich zu deutsch?  Das gehört sich nicht, das tut man nicht! Wie peinlich, wenn da jemand käme und mich vor den anderen darauf anspricht. Ich würde mich in Grund und Boden schämen. Und so weiter.

Andererseits haben mich die Beiden beeindruckt. Ich finde das absolut klasse, wie sie ihr Leben leben.

Wie stehst Du dazu?

Noch dreihundert Kilometer und dann sind wir am Ziel.

Bis morgen, herzlich, Eure Petra Kolossa.

Kurztrip

Wenn die Nichte 18 wird … Genau kann ich mich daran erinnern, wie wichtig mir mein achtzehnter Geburtstag war. Ich sehnte diesen Tag herbei und stellte mein Leben tatsächlich sofort auf eigene Beine.

Nun feiern wir morgen Laras achtzehnten Geburtstag. Sie wächst sehr liebevoll und wohlbehüet auf. Ich bin sehr gespannt, wie sich ihr Leben weiterentwickeln wird. Ganz egal wie. Ich bin mir sicher, dass sie ihren eigenen Weg zielgerichtet gehen wird.

Für die fünfhundertzwanzig Kilometer haben wir acht Stunden gebraucht. Die Autofahrt war zäh. Nichts ermüdet mehr, als „stop and go“ und Staus. Ein Freitag mit seinen in der Regel überfüllten Straßen. Hoffentlich ist die Rückreise übermorgen entspannter.

Ein Boxenstop in der Ratstätte „Fränkische Schweiz“ kurz vor zwanzig Uhr. Der Abend ist unglaublich warm, einundzwanzig Grad. Es geht ein leichter lauer Wind. Wir wählen für den Abendsnack einen Platz auf der im Grünen eingebetteten Terrasse. Ich mag den kleinen Teich mit seinem Schilf, blende die Geräusche der Autobahn und die der laufenden Motoren der LKW auf dem Parkplatz aus und genieße den Augenblick der so geschaffenen Ruhe nach dieser anstrengenden Autofahrt.

Der Cappuccino war übrigens absolut lecker.

Kurz vor zehn am Abend erreichen wir endlich Chemnitz.

Und es gibt tatsächlich ein Hotel mit der Zimmernummer „13“. Ich kann es kaum glauben. Möge es Glück bringen 😀

Einen schönen Freitagabend wünscht Euch,

Eure Petra Kolossa.