Unsere deutsche Sprache ist wunderbar. Sie ist klar, rein und deutlich. Mich faszinieren die kleinen Nuancen in Texten, die das Lesen würzen und spannend machen. Das ist der Grund, weshalb ich gute Texte sehr langsam lese. Ich genieße die Virtualität der Autoren, die ihre Zeilen bewusst setzen und uns nicht schlampig vor die Füße werfen.
Neulich stolperte ich über einen Satz, den ich zuvor nie hörte beziehungsweis las: „Alles bleibt anders.“ Ich las diese Zeile und ich konnte diese künstlich zusammengepackten Worte inhaltlich nicht erfassen. Kannst Du es?
Ich gab diese Zeile bei Google ein und musste feststellen, dass es dazu einige Einträge gibt. Zum Beispiel hat Herbert Grönemeyer einen Song veröffentlicht „Bleibt alles anders“. Es gibt etliche Bücher zu verschiedenen Themen unterschiedlicher Autoren mit gleichnamiger Wortzeile. Und bereits im Jahr 2006 erschien ein Film in schweizer Produktion „Alles bleibt anders“.
Mich verwundert sehr, dass ich bisher nie darüber gestolpert bin. Es sind kunstvoll aneinandergereihte Worte, die sich gegenseitig ausschließen, ein Paradoxon, wie auch „zurück in die Zukunft“. Wenn man den Film nicht kennt, die Bücher nicht gelesen hat, welchen Sinn lesen wir aus solchen Sätzen?
Die Konstruktion dieser Worte ist genial. Zum einen kennen wir jedes Wort. Bringen wir es jedoch in einen sinnigen Kontext, fällt es schwer, einen zu finden. Hier sind Fantasie und Vorstellungsgabe gefragt. Und das wiederum begegeistert mich. Welch eine großartige Diskussionsgrundlage.
Kennst auch Du eine solche Wortkombination, die Du genial fandest und nicht vergessen konntest?
So lass es uns wissen. Ich bin sehr neugierig.
Herzliche Grüße schickt Euch aus dem ziemlich heißen südlichsten Süden Deutschlands,
Mein morgentlicher Blick in die elektronischen Postfächer lässt heute einen riesengroßen Koller in mir aufkommen. Es nervt mich seit längerer Zeit und irgendwie schaukelte sich das Ganze Dilemma in mir auf.
Geschätzte fünfundzwanzig Prozent, also nur ein kleines Viertel der massenhaft eingehenden Emails erwecken in der Regel mein Interesse. Jede Firma, mit der ich einmal via Email in Kontakt getreten bin, jedes Unternehmen, bei dem ich einmal Produkte bestellt habe, fühlen sich aufgefordert, mich mit deren Angeboten und Informationen in kurzen Abständen zu überschütten. Hinzu kommen die Schlaumeier, die sich Email-Adressen von sonstwoher besorgen und glauben, dass der Adressat dieses und jenes dringend benötige, Dinge erledigen lassen, sich beraten, coachen und sich total glücklich machen lassen wolle. Newsletter, die ich einst abonnierte, später nicht mehr spannnd fand, das Abo beendete, was leider nicht immer akzeptiert wird. … und so weiter und so fort.
Vor ein paar Monaten nahm ich mir die Zeit, um einen Großteil dieser Emails „loszuwerden“, also zu stornieren oder mit einer kurzen Email den Absender zu bitten, auf weitere Emails zu verzichten. Das Ergebnis war unbefriedigend. Geht der eine, kommt ein neuer.
Inzwischen haste ich über meine Emails, lese den Betreff und den Absender. Was interessant sein könnte, bekommt ein Sternchen, um es später zu lesen. Alles andere ruck-zuck-weg-gelöscht. Natürlich könnte dabei so einiges im Nirwana verschwinden, jedoch habe ich bisher noch nie eine Email vermisst, die wichtig gewesen wäre.
Im gleichen Zuge dieser Email-Flut scheinen die praktischen, einfachen, zeitsparenden Telefongespräche zu verschwinden. Wenn ich eine Firma via Telefon kontaktieren möchte, geschieht es immer häufiger, dass auf den Webseiten der Unternehmen keinerlei Telefonnummern zu finden sind. Der Kontakt ist ausschließlich via Email möglich. Wenn doch eine Telefonnummer notiert wurde und ich dort anrufe, läuft oftmals eine Bandansage, wo mir eine Email-Adresse angesagt wird, über die ich mein Anliegen äußern kann. Ich erlebte auch, dass ich in einer Firma anrief, wo sich die Zentrale oder der Empfang meldete. Diese Mitarbeiter erklärten mir, dass es Firmenphilosophie sei, ausschließlich über eine Email in Kontakt treten zu können. Meine Email würde dann an den passenden Mitarbeiter weitergeleitet. Und dieser würde sich dann bei mir melden. Zu den entsprechenden Mitarbeitern dürfe nicht durchgestellt werden.
In der Kommunikation zwischen uns Menschen ist das aus meiner Sicht eine gefährliche Entwicklung. Das Wort beinhaltet neben der sachlichen Information Emotionen, Gefühle, die ein klitzekleines Stück Seele des anderen freigeben. In einem Gespräch können Fragen gestellt und Antworten sofort gegeben werden.
Das gesprochene Wort ist spontan, aus der Situation heraus formuliert. Das geschriebene Wort in einer Email ist überlegt, korrigiert, mehrfach gelesen und überdacht, bevor der Senden-Button von uns gedrückt wird. Wir lesen und schreiben diese Emails schweigend, für uns allein. Wir tippen die Fragen, tippen die Antworten. Allein in unserem Kämmerlein.
Das Telefon ansich scheint lästig, unangenehm, out. Schreibe eine WhatsApp, schreibe eine Email, nimm die Messenger von Facebook, Signal, Telegram oder weiß der Kuckuck was.
Wir bestellen online, googeln unser Wissen, daten im Web, bewerben uns online, senden Formulare an die Ämter, arbeiten im home office … und so weiter und so fort.
Ich muss lächeln. In meinem Job telefoniere und spreche ich unendlich viel. Und irgendwie ist die Puste danach raus. Ich bin dann meistens zu erschöpft, auch in meinen freien Stunden zu telefonieren. „Petra!“, schelte ich mich selbst und bemerke, dass ich mich herausrede und nehme mir fest vor, öfter zum Hörer zu greifen. Vielleicht gleich? Mache mir nur fix ein Käffchen …