Nicht nur ein Produkt, sondern ein Gefühl

Wenn du einen Laden eröffnen würdest, was würdest du verkaufen?

Als ich so sechszehn oder siebzehn Jahre alt war, also ein Fräulein, heute sagt man Teenie, aber ich komme aus dieser Welt vor etlichen Jahrzehnten, trollte ich mich zu gern in einem Kunstgewerbegeschäft herum.

Um zu meiner damaligen Ausbildung zu kommen, musste ich knapp zehn Kilometer mit Bus und Straßenbahn aus dem Dresdener Norden ins Stadtzentrum fahren. An diesem Geschäft gab es eine Haltestelle und ich stieg oft aus der Bahn aus, um in diesem Laden zu stöbern. Ich hatte kein Geld, aber ich genoss es, die unendlich vielen mit Liebe gefertigten Kunstgegenstände zu betrachten, in die Hände zu nehmen, um diese zu fühlen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich von meinem damaligen Geld als Auszubildende, das waren knapp achtzig Mark, dort zum ersten Mal etwas kaufte. Ich entschied mich für wunderschöne kleine handbemalte Holzostereier; eine kleine Schachtel mit neun kleinen Kunstschätzen. Erst drei Jahre später hängte ich sie in meiner ersten kleinen Wohnung an meinen Osterstrauch. Das war vor fünfzig Jahren und bis heute erfreuen mich die kleinen Relikte zur Osterzeit und es erinnert mich an meine kleine ganz persönliche Episode.

Später kaufte ich dort immer wieder etwas. Zum Beispiel meinen ersten vorn durchgeknöpfter Leder-Minirock und meine superflachen chicken handgefertigten Lederschuhe. Wie habe ich die geliebt! Fühlte ich mich doch immer zu groß und kam mit derartigen Schuhen auf mein Größenminimum.

Dieses Geschäft war auf der Königsbrücker Straße in Dresden und wurde unmittelbar nach Deutschlands „Wende“ liquidiert und irgendwann, so glaube ich gesehen zu haben, zu einem „Blume 2000“-Geschäft. Sehr schade, aber Kunstgewerbe war wahrscheinlich in der Wendezeit nicht konkurrenzfähig.

Auch stöberte ich zu gern in kleinen Galerien herum. Ich denke, dass Kunstgalerien unglaublich individuell  in der Gestaltung sind. Galerien haben sich meistens auf einen oder zwei Kunststile ausgerichtet. Nimmt man sich Zeit, entdeckt man auch die klitzekleinen Details, die eine Galerie ausmachen.

Später entdeckte ich die Kombination von Galerie und kleinem Café. Und das faszinierte mich. Leider findet man das nicht so oft.

Wenn ich einen Laden eröffnen würde, wäre es eine Kombination zwischen Kunst, Kunsthandwerk und einem ganz individuellen Café. Ich würde nicht nur ein Produkt, sondern ein Gefühl verkaufen. Die Gäste würden auf handgefertigtem Mobilar sitzen, gefertigtes Geschirr aus einer Töpferei oder Porzellanmanufaktur verwenden und so weiter. Und wer mag, kann das, was sie benutzten auch kaufen und mitnehmen. Es ist keine starre Ladeneinrichtung. Ich würde liebevolle hausgemachte Leckereien anbieten und ausgesuchten Tee und Kaffee.

Mir würde unendlich viel zu dem Thema einfallen. Zum Beispiel wäre mir ein regionaler Bezug wichtig. Unser Denken ist immer global, groß und gewaltig. Wir entwurzeln und schwimmen im Irgendetwas. Ich mag es sehr, wenn ich eine Stadt, eine Region, ein Land besuche, genau das vorzufinden, was es zu entdecken gibt. Nämlich nicht das, was durch den Globalismus überall installiert wurde, sondern was Leben der Menschen ist mit ihren traditionell gewachsenen regionalen Eigenheiten.

Ich würde mir regionale Partner suchen, die meinen Laden mit ihren Produkten bereichern. Meine persönliche Vorliebe sind kraftvolle, knallige Farben und moderne Ausdrucksformen. Das wäre meine Besonderheit und das würde den Stil meines Ladens prägen. Wer meinen Laden betritt hat ein „wow“-Erlebnis.

Das wäre eine tolle Sache, wenn da nicht das große Aber wäre. Ganz ehrlich: Ich habe Null Bock, mich dem ganzen bürokratischen Muss und den unzähligen Zwängen auszusetzen und zu unterwerfen. Wenn sich einer der Sache annehmen will, bin ich gern sofort bereit, Kooperationspartner zu werden 😀

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich. Bei uns im südlichsten Süden Deutschlands sind gerade 30 Grad, es ist windstill und leicht bewölkt, also ein typischer sommerlicher Augusttag ☀️ Habt einen wunderbaren Samstag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Für diesen Beitrag passend wählte ich mein Bild „Morgen-Kaffee“, 2024, 40 x 40 cm, Acryl auf Leinwand.

Du bist an dem Bild interessiert? Nimm einfach Kontakt mit mir auf.

4 Gedanken zu “Nicht nur ein Produkt, sondern ein Gefühl

  1. Liebe Petra,
    wenn ich einen Laden eröffnen würde, wäre es ein kleiner Buchladen mit Cafè und heimischen Produkten von Menschen, die etwas herstellen. Also Menschen, die Töpfern, malen oder irgendwie kreativ sind. Anstatt wie bei z.B.Thalia ganz viel neben den Büchern anzubieten, wären es bei mir wenig Produkte, die aber mit Liebe hergestellt wurden. Es würde keine Massenproduktion in meinem kleinen Buchladen geben. Handgefertigte Stücke, aus der Region.

    In deinem Laden wäre ich auf jeden Fall sehr gerne.
    Ich mag die kleinen Läden mit regionalen Bezug. Leider gibt es davon heute nur noch sehr wenig

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    Anja

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