Zu eitel?

Verdammt! Ist heute Mittwoch oder Donnerstag? Ich quäle kurz mein Gehirn und konzentriere mich. Mittwoch! Es ist Mittwoch, bestätige ich mir erleichtert, das ohne einen Blick auf mein Smartphone herausgefunden zu haben.

Diese Corona-Isolation macht mich langsam verrückt. Es ist ziemlich alles aus dem Gleichgewicht geraten. Global bis ins kleinste Zimmer jedes Einzelnen von uns.

Ich trabe ins Bad, um mein Make up aufzulegen. Schaue in den Spiegel und denke: Mein Gott, warum tust du das? Für wen? Machst du dir nicht selbst etwas vor? Wen interessiert das, ob Make up oder nicht? Das ist doch eh nur Clownerie, Eine Maske, hinter der die Blässe und Müdigkeit versteckt wird.

Ein breites Grinsen legt sich in mein Gesicht. Ich weiß genau, dass ich das für mich selbst tue. Meine Eitelkeit lässt es nicht anders zu. Selbst der Müllcontainer vor dem Haus sah mich noch nie ohne.

Mir ist jedoch auch bewusst, dass das bei vielen Menschen zweitrangig ist und ich wiederum belächelt werde. Ich toleriere das. Ohne Frage. Auch wenn mit einem klitzekleinen Zähneknirschen.

Für mich ist das eine entsetzliche Nachlässigeit. Und ich kann das kleine Hochziehen meiner Augenbraue nicht verhindern, wenn sich mir die Vorstellung auftut, zu Hause als Schlumpf durch die Wohnung zu springen. Schlampige Klamotten, die Haare am Hinterkopf von der Nacht platt gelegen und schlecht frisiert, unrasierte Männer, umwabert vom undefinierbaren Duft des nächtlichen Bettes …

Und tatsächlich gibt es Leute, die man in diesem Erscheinungsbild am Vormittag beim Bäcker oder im Supermarkt antrifft. Eine absolute Respektlosigkeit in meinen Augen.

Manch einer wird mir jetzt Arroganz und zu viel Stolz vorwerfen. Das mag sein.

Nur was spiegeln diese Leute wider? Sie sind es sich selbst nicht wert, schön und gepflegt zu sein. Und sie sagen den anderen Menschen, denen sie begegnen, dass diese ihnen komplett egal sind. – Kurz: Es ist ihnen wurscht.

Zu meinem Job gehört es, viel zu telefonieren. Glaubt mir, ich bin wesentlich erfolgreicher, wenn ich weiß, dass ich einfach gut aussehe, wenn ich mit meinen Gesprächspartnern kommuniziere. Derjenige am anderen Ende der „Strippe“ kann hören, wie Du aussiehst 😉 Es mag paradox klingen. Wer von Euch diese Erfahrung noch nicht machte, probiert es einfach aus!

Ich bin etwas provokativ. Ich weiß das. Dennoch will ich das heute einfach mal so im Raum stehen lassen. Mich interessiert nämlich, wie Ihr dazu steht.

Was meint Ihr? Ist es lohnenswert in dieser momentanen Situation Zeit und Mühe zu investieren und sich zurecht zu machen? Oder meint Ihr, eine bequeme Jogginhose ohne viel Pipapó tuen es auch?

Ganz in Erwartung auf Eure Meinungen,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

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