Gibt es einen Gegenstand, zu dem Du als Jugendlicher eine unglaubliche Bindung hattest? Was ist daraus geworden?
Ich denke, dass uns zu jeder Lebensphase ein Gegenstand begleitet, der uns unglaublich wichtig ist, so etwas wie ein Seelenschmeichler.
Von klein an schleppte ich meinen Affen Bimbo mit mir herum. Das mit Holzwolle gestopfte Wesen mit seinen braunen Glaskulleraugen durfte niemals fehlen. Irgendwann war er dermaßen abgeknuddelt, dass meine Omi dem Kerlchen die Filznase stopfte und hier und da diverse lebenserhaltende Reparaturen vornahm. Als ich etwas älter wurde häkelte ich ihm natürlich auch modische Accessoires. Teeny und Kuscheläffchen passte nicht mehr so gut zusammen. Also durfte er zwar in meinem Bett schlafen, war aber für die Welt da draußen zu uncool.
Was später aus ihm wurde weiß ich leider nicht. Er ist seit meinem zeitigen Fortzug aus dem Elternhaus im Nirwana verschwunden. Heute fragte ich meine Schwester, ober er vielleicht bei ihr geblieben ist und ob sie ein paar Fotos für meinen heutigen Blog machen könne.
Das Äffchen ist nicht bei ihr, aber sie hat einen ähnlichen, nur etwas heller und mit einer spitzeren Nase. Sie holte den extra aus dem Verborgenen, um ein paar Fotos dieses über sechszig Jahre alten Kerlchens für Euch zu machen und schickte mir diese. Vielen lieben Dank, Schwesterlein 🫶



Aus heutiger Sicht war es ein kleiner Zeitsprung vom Kind zum Jugendlichen. Ich liebte meine Gitarre.
Zu meinem sechszehnten Geburtstag bekam ich sie von meinen Eltern geschenkt. Eine Konzertgitarre, zwölf Zentimeter hoher Körper, mit weichen Saiten. Sie hatte einen warmen Klang. Diese war immer dabei, wo es nur ging. Mein Vater legte mir damals ein Büchlein mit Gitarrengriffen auf den Tisch und brachte eine Stimmgabel mit. Alles weitere war mein Bier. Und das war nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich konnte die Gitarre nicht stimmen. Das bekam ich allein nicht hin. Somit konnte ich auch nicht die Grifftabelle ausprobieren. Ich wusste nicht, wie und wo ich anfangen sollte. Eine Freundin nahm mich mit in eine Songgruppe. Dort lernte ich von den anderen, wie das geht. Learning by doing im wahrsten Sinne des Wortes. Später spielte ich in einer anderen Gruppe und lernte wiederum von anderen Neues. Letztendlich war das, was ich konnte ausreichend für das, was ich tat, jedoch aus heutiger Sicht entsprach es eher der Qualität einer Begleitung am Lagerfeuer.
Wie ging es weiter mit dem Gegenstand, mit dem ich so sehr verbunden war?
Meine Gitarre kam mit auf Reisen, begleitete mich bei allen möglichen Treffen. Immer dort, wo ein paar Töne erklingen, zieht es Menschen an und es schafft eine ganz besondere Stimmung, eine unvergessliche Atmosphäre. Ein zwei Stunden, die man gemeinsam verbringt, es genießt und glücklich ist, um zufrieden auseinanderzugehen.
Vier Jahre später sah ich mein so sehr lieb gewordenes Stück das letzte Mal. Ein vermeintlicher Freund hinterließ meine Gitarre bei seiner jüngeren Schwester als Pfand für seine Schulden bei ihr. Sie ließ ihm einige Zeit, um seine Schulden zu begleich. Er tat es nicht. Sie verkaufte meine Gitarre …

Danach spielte ich nur noch sehr selten, nämlich dann, wenn ich eine Klampfe in die Hände bekam. Inzwischen behaupte ich, dass ich fast nie in die Saiten greife, weil ich es nicht mehr beherrsche. Es ist eine sympathische Erinnerung an die Zeit zwischen Jugendlichesein und dem Frauwerden.
Das Bild hier habe ich soeben fix für Euch gemacht. Ja, na klar, ich habe eine Gitarre, die über einen ganz besonderen Weg zu mir fand. Irgendwann werde ich Euch davon erzählen 😉
Welcher Gegenstand war es bei Dir? Schreibe es einfach in das Kommentarfeld.
Für heute aber genug!
Herzlich, Eure Petra Kolossa.