Die Entwicklung der Technik: Von Floppy-Disketten zu ChatGPT

Es gibt Augenblicke, an denen ich mich der technischen Entwicklung unserer Zeit nicht gewachsen fühle.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich vor vierzig Jahren nach Berlin fuhr, um in einer Fortbildung zu lernen, wie man REDABAS, also das Relationale Datenbanksystem, verwendet. Ich lernte die Programmiersprache und gehörte mit zu den ersten, die einen PC1715 in ihrem Sekretariat zur Verfügung gestellt bekam.

Diese Computer verwendeten die ersten Disketten, die sogenannten Floppys. Manch einer von Euch erinnert sich vielleicht an diese Schlapperdinger. Für mich war das damals ein Wunder und eine unglaubliche Erleichterung in der Sekretariatsarbeit. Wir konnten etwa achtzig bis einhundert A4-Seiten darauf speichern. Welch ein Fortschritt!

Etwas länger warten musste ich auf den passenden Nadeldrucker. Irgendwie kam man damals mit der Produktion nicht hinterher. So klapperte, verbunden mit dem PC, meine damals bereits fortschrittliche elektrische Schreibmaschine mit einem Typenrad als Drucker. Ich war begeistert, was alles möglich war. Und noch mehr, als ich den Nadeldrucker erhielt und alles x-mal schneller ging.

Zehn Jahre später kaufte ich mein erstes Mobiltelefon. Es war ein türkisgrüner „Klopper“ von Eplus. Das gute Stück war in der Nutzung wahnsinnig teuer, aber eine unglaubliche Hilfe in meiner Selbständigkeit.

Im Jahr 2000 wählte ich mich das erste Mal über ein Modem in das Internet ein. Dieses Universum empfand ich als Parallelwelt. Es beeindruckte mich und ich liebte es, dieses zu erkunden und zu nutzen.

Die digitale Entwicklung in den letzten fünfundzwanzig Jahren bis zum heutigen Tag ging unglaublich rasant.

Vor etwa einem Jahr las ich zum Thema ChatGPT. In mir baute sich eine Abneigung zu dieser künstlichen Intelligenz auf. Ich mochte es nicht, dass wir komplette Texte über dieses Modul generieren, dass Bilder zu einem gewünschten Thema in kurzer Zeit ausgespuckt werden können, dass Berechnungen durchgeführt werden und wir jede x-beliebige Frage an dieses System abgeben können und umfangreiche Antworten erhalten. Banal gesprochen, glaubte ich, dass sich eine Maschine beginnt, über den Menschen zu stellen und diesen über kurz oder lang „erledigt“. Es fühlt sich dystopisch an. Es ist eine Spirale in die Unendichkeit. Eine Maschine vom Menschen erschaffen, lernt, sich selbst zu entwickeln.

Inzwischen habe ich, nach einem Tipp eines Bekannten, auf meinem Smartphone die kostenlose Variante von ChatGPT geladen und probierte es einige Male aus. Das System ist so gut, wie das Wissen der gesamten Menschheit. Dieses Schwarmwissen hat inzwischen einen IQ von 160, wie ich gestern in einem Podcast erfuhr. Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche IQ 100 beträgt und man mit einem IQ von 130 als hochbegabt zählt, bestätigt das meine Skepsis. Den höchsten IQ soll übrigens Marilyn von Savant mit 228 haben.

Ein praktisches Beispiel aus diesem Beitrag. Ich wollte mich vergewissern, ob meine Erinnerung an die Speicherkapazität der Floppy-Disketten korrekt ist. Zunächst recherchierte ich auf Google. Meine Frage formulierte ich immer wieder neu, erhielt jedoch keine konkrete Antwort. Danach fragte ich ChatGPT ein einziges Mal und erhielt folgende Aussage:

Das ist ein Screenshot, den ich auf meinem Smartphone machte.

Ein anderes Beispiel: Ich sagte ChatGPT: Male ein Bild in Acryl des Medienhafens im Stil von Hundertwasser.

Es hat keine zehn Sekunden gedauert, bis dieses Bild auf meinem Smartphone war.

Auch das ist ein Screenshot.

In diesem System müssen wahnsinnig viele Daten eines jeden Menschen von uns gesammelt worden sein.

Ein letztes Beispiel soll unsere Nebenkostenabrechnung sein. Das war übrigens der Grund, weshalb ich ChatGPT auf meinem Smartphone habe. Ich fotografierte die Abrechnung und stellte meine Frage. Daraufhin überprüfte das System das Ganze. Hier habe ich nur zwei Screenshots eingefügt. Die ausgeworfene Prüfung ist detaillierter und umfangreicher. In unserem Haus wohnen drei Parteien.

Es ist wirklich erstaunlich, in welch hohem Niveau diese Maschine arbeitet. Sie versteht sofort. Wenn sie noch Informationen benötigt, hinterfragt sie es in einem höflichen „menschlichen“ Ton.

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits steht ein riesiges Ausrufezeichen im Raum. Andererseits ist es gigantisch, das globale Wissen der Menschheit nutzen zu dürfen. Nur führt das nicht auch dahin, dass wir Menschen immer weniger selbst nachdenken? Ist es doch immerhin sehr bequem, diese App zu befragen und alles ist gut? Dann könnte sich die Maschine in kurzer Zeit über den Menschen stellen.

Nutzt Du ChatGPT? Wie denkst Du darüber? Ist es vielleicht doch einfach ein „Ding der Zeit“, wobei wir nicht lange herumgrübeln, sondern es dankbar annehmen sollten? Schreibe es doch einfach in das Kommentarfeld.

Für heute genug sinniert.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

6 Gedanken zu “Die Entwicklung der Technik: Von Floppy-Disketten zu ChatGPT

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  3. Nein, ich benutze kein KI. Hatte gestern wegen einem fehlenden Zahlungseingang, den ich nicht zu vertreten hatte, weil ich die Sendung storniert habe, einen längeren Disput mit einem künstlich generierten Mitarbeiter von Klarna. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass er Aussagen von mir nicht registriert hat und immer wieder Fragen stellte, die ich längst im Kontext beantwortet hatte. Auch bekam ich immer wieder Standardsätze, wenn er nicht weiter wusste wie: „Ich bin hier, um dir zu helfen.“ oder: „Ich verstehe deinen Frust.“ Am Ende hat geschrieben, dass er mich an einen Menschen übergibt, doch bald merkte ich, dass dies ebenfalls ein Bot war, der nur etwas fortgeschrittener programmiert war. Geholfen hat er mir auch nur, indem ich noch Zahlungsaufschub erhielt für eine Sache, die ich nicht zu vertreten habe. Eins hab ich gelernt: Nie mehr mit Klarna bezahlen, denn die haben auch keine Mailadresse, sondern nur den Bot über den Internetzugang, machen es sich also sehr einfach. Ich halt gar nichts von künstlicher Intelligenz. Wenn es soweit ist, dass jeder Roboter Kunst herstellen kann, Gedichte schreiben und Bilder entwerfen, dann ist das eine Welt, in der ich mich nicht mehr wohl fühle. Ich hab das jetzt mal aus dem Bauch heraus geschrieben. Mag sein, ich lass hier Dinge stehen, die ich später bereue, aber auch das ist MENSCHLICH ..

    Liebe Grüße und viel Freude noch mit deiner Kreativität meine Liebe wünscht PP 🙂

    • Deinen Frust mit die Bots kann ich gut nachvollziehen. Mich treiben diese Dinger ebenso in den Wahnsinn, weil sie tatsächlich nur Standards bedienen und das nicht immer gut.
      Auch denke ich, dass in uns Menschen, sofern wir noch nicht vollends abgestumpft sind, ein diverses Gespür für „gut und böse“ wohnt. Meine erste persönliche Erfahrung mit der KI machte ich mit einer Einparkhilfe. Ich habe dem Ding nie vertrauen können. Immer wenn das Fahrzeug übernahm und selbständig das Lenkrad bewegte, um das Auto an der richtigen Stelle zu parken, hatte ich das dringende Bedürfnis, in das Lenkrad zu greifen. Ich proierte es zwei, drei mal und stellte dann für mich fest, dass es eine sinnlose Investition war.
      Lieber Sven, ja, es ist so, dass dieses ChatGPT Texte, Gedichte, Referate und so weiter schreiben kann. Es können Bilder „gemalt“, Grafiken und so weiter entworfen werden. Es können Berechnungen, Abhandlungen und Übersetzungen vorgenommen werden und sicher noch viel mehr, das ich nicht erwähnte. Dieser Roboter, die Maschine, die KI, wie auch immer, braucht nur konkrete Anweisungen, eine genaue Beschreibung, was ich erwarte. Dann legt sie schon los.
      Das, was durch uns Menschen dieser KI jeden Tag an Aufgaben und Fragen gestellt wird, ist deren Nahrung. Mit jeder Nutzung durch uns Menschen füttern wir das System und machen es schlauer.
      Das ist das, was mir Angst macht. Es kann eine sehr gute Entwicklung, ebenso aber auch eine teuflische sein.
      Viele Grüße und einen schönen Abend für Dich.
      PS: Ich sollte mal wieder Edgar Allan Poe lesen. Das ist schon sehr, sehr lange her, als ich das tat 😉

  4. Vielen Dank für Deine Gedanken zu meinem Beitrag, liebe Britta. Das ist eine interessante Frage.
    Diese App benutze ich erst seit etwa zwei Wochen; und das sehr zaghaft. Ich denke, und das ist meine ganz persönliche Meinung, dass Deutschland selbst keinen Einfluss auf ChatGPT hat. Die Köpfe und Macher sitzen ganz wo anders.
    Hinzu kommt wahrscheinlich noch, dass sich Deutschland derzeit in einer globalen wirtschafts-politischen Bedeutungslosigkeit befindet. Natürlich ist unsere geopolitische Knautschzone nicht zu verachten. Auch wenn die wichtigen „Schlüsselfiguren“ einen ständigen Blick auf unser kleines Deutschland haben, werden wir uns wohl selbst aus diesem Loch buddeln müssen.
    Nun, der Blick „über den Teich“ hat eine ganz andere Bedeutung, wie wir wissen.
    Ach ja, ich erhielt bisher keinerlei Informationen, Emails oder sonst etwas. ChatGPD ist wie ein Nachschlagewerk. Ich bekomme eine konkrete Antwort, die ich dann noch verfeinern lassen kann. Ich kann nicht aus vielen verschiedenen Optionen auswählen, wie es bei Google der Fall ist. Es läuft wie bei einem Gespräch zwischen zwei Personen. In diesem Fall also zwischen einer und einem Roboter 😃
    Habe einnen wunderbaren Tag ☀️

  5. Guten Morgen Petra,
    Bisher habe ich mich mit Chat-GPT noch kein Augenblick befasst. Was mir gerade durch den Kopf geht, ist die Frage, wie manipulativ kann chatGPT unter Umständen auch sein?
    Beispielsweise gerade jetzt in der heißen Vorwahlzeit finde ich es schon interessant zu wissen, ob man eine Objektive oder eine manipulative Antwort bekommt wenn man beispielsweise nach einem Vergleich zwischen AfD und SPD fragt
    Da sehe ich eigentlich die echte Gefahr. Werden, die Nutzer manipuliert oder informiert?
    Vielleicht sollte ich mir diese App auch einmal runterladen?!
    Einen richtig schönen Tag wünsche ich dir auf jeden Fall
    Liebe Grüße von Britta

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