Erst neulich hörte ich einen Vortrag, in dem der Politiker erläuterte, welche Vorstellungen er und seine Partei haben, dem demografischen Desaster unseres Landes sinnvoll entgegenzuwirken. Er sprach unter anderem davon, dass man jungen Familien einen Kredit für den Start in eine gesicherte Zukunft gewähren könne. Mit der Geburt jedes Kindes in diese Familie könne dem Kredit dann eine großzügige Summe erlassen werden.
Diese Idee ist nicht neu. Denn ich, wie viele, viele andere, die in der DDR aufgewachsen sind, nahmen den zinslosen Kredit, den es seit 1972 bis zum Ende der DDR gab, in Anspruch. Alle jungen Ehepaare, die nicht älter als sechsundzwanzig Jahre alt waren und bei der Eheschließung kein höheres gemeinsames Einkommen als eintausendvierhundert Mark hatten (Das durchschnittliche Einkommen lag damals etwa in diesem Bereich.), erhielten diesen Ehekredit in Höhe von fünftausend Mark, später siebentausend. Für das erste geborene Kind wurden eintausdend, für das zweite eintausendfünfhundert Mark der Kreditsumme erlassen und mit der Geburt des dritten Kindes wurde der Kredit gelöscht. Die Abzahlung waren fünfzig Mark monatlich. Ich selbst zahlte damals die Hälfte zurück.
Diese Unterstützung von staatlicher Seite für junge Familien ist auch aus meiner Sicht eine gute Lösung, dem Überaltern und dem derzeit (unkontrollierten) künstlichen Fremdübervölkern entgegenzuwirken.
Einen Haken hat die Sache. In der Regel wird in dem heutigen Deutschland spät geheiratet. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa fünfunddreißig Jahren. In der DDR lag es bei etwa dreiundzwanzig Jahren. Die Deutschen bekommen im Durchschnitt ihr erstes Kind mit knapp dreißig Jahren. In der DDR lag das Alter der jungen Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes im Durchschnitt bei dreiundzwanzig Jahren.
War in der DDR die Familie und das gesellschaftliche Leben die Priorität Nummer eins, ist die Situation heute eine andere. Erst selbst das Leben auskosten, dann Ausbildung, Studium und der eigene Karriereweg, möglichst viel Geld verdienen, dann Haus, Auto und anderes Konsumgut und so weiter. Dann bemerken viele, das etwas fehlt und bekommen spät, oftmals unter Schwierigkeiten und mit medizinischer Hilfe, ihr erstes Kind. Wenn die Kinder erwachsen sind und das Haus verlassen, sind die Eltern meistens zwischen fünfzig und sechszig Jahre alt.
In der erst beschriebenen Situation sind die Eltern etwas über vierzig Jahre alt, wenn die Kinder ihre eigenen Wege gehen. Genügend Zeit, noch jung genug (auch als Großeltern) und dennoch lebenserfahren können sie nun all das wahrnehmen, worauf sie zu Gunsten ihrer Wunschkinder „verzichteten“, weil das ihre Priorität Nummer eins war.
Ich erwähnte noch nicht, dass dieser zu Beginn genannte Politiker Björn Höcke ist. Er ist aus meiner Sicht ein sehr gebildeter, kluger und weltoffener Mensch.
Aus Prinzip generell „dagegen!“ schreien ist die dümmste und undemokratischste Strategie, die in unserer Regierung betrieben wird, weil das Parteibuch ein blaues und nicht grün, rot, bunt oder sonst etwas ist. Die Droge Macht ist ein teuflisches Spiel und die Verlustangst treibt zu absurden Handlungen.
Ich wünsche mir, die Menschen würden sich selbst eine Meinung zu den Dingen bilden, über die Situationen nachdenken und sich nicht, wie es leider noch immer ist, die Meinung bilden lassen und als gegeben hinnehmen.
Für heute genug. Wie immer freue ich mich über Deine Meinung, über das, wie Du die Dinge siehst.
Vor vierzehn Tagen war ich auf einem Kurztrip in Sachsen. In meinen Beiträgen berichtete ich kurz davon. Diese nur drei Tage berührten mich emotional sehr stark.
Auslöser dieser Reise war eine Einladung zum neunzigsten Geburtstag. Ebenso wird mein Vater im Spätherbst dieses Jahres seinen neunzigsten Geburtstag feiern und natürlich schaute ich auch bei ihm vorbei.
In diesen wenigen Tagen prasselten derart viele Eindrücke auf mich ein, die ich im Nachhinein zunächst einmal verdauen musste.
Mein heutiger Beitrag soll sich jedoch nur auf ein Thema beziehen. Das Altern.
Dem Anlass gegeben, treffen sich bei einem neunzigsten Geburtstag in der Regel vier Generationen. Die Gastgeberin lud ein und tatsächlich folgten alle achtunddreißig der Einladung.
Bis ich Siglinde vor zwanzig Jahren traf, kannte ich derartige Menschen nur aus Büchern oder Filmen. Sie ist eine Frau, die bis ins hohe Alter von nun neunzig Jahren ihre große Familie mit viel Liebe, Verständnis, Humor und Loyalität zusammenhält. Sie hat immer ein offenes Ohr und die passenden Worte, ganz gleich, ob ihr Gegenüber noch ganz klein ist oder selbst schon im Rentenalter. Sie ist beliebt und jeder, der der Feier beiwohnte, mag sie sehr und zeigt seinen vollen Respekt und seine Dankbarkeit.
Warum schreibe ich das? Siglinde ist, auch wenn sie es nie nach außen trägt, schwer krank und ich machte mir Sorgen, dass dieses für sie großes Ereignis zu anstrengend sein könnte. Aber sie wollte es unbedingt. Sie freute sich darauf, ihre zwei Jahre jüngere und vier Jahre ältere Schwester zu treffen und alle lieben Menschen, mit denen sie sich eng verbunden fühlt.
Um es vorweg zu nehmen: Es war eine wunderschöne Feier für Siglinde und für uns Gäste. Natürlich war es anstrengend und sie brauchte im Anschluss ein paar Tage, um sich zu erholen. Aber die ganze Anstrengung war für sie wichtig. Es gab ihr in ihrem Zirkel, in dem sie ihr ganzes Leben lang einen großen Einfluss hatte, Herzenswärme und Geborgenheit. Sie wird niemals allein sein.
In den Stunden während des Zusammenseins kam ich mit vielen der Gäste ins Gespräch. Ich musste unter anderem immer wieder lächeln, wie die vierundneunzig Jahre jung gebliebene ältere Schwester mit unglaublich viel Witz und Charme immer noch ihrer bereits pensionierten Tochter, die sie begleitete, sagte, wo der Hase langzulaufen hat.
Ich unterhielt mich mit den Kindern der jüngeren, achtundachtzigjährigen Schwester. So erfuhr ich die näheren Umstände ihres Weges in ein Pflegeheim. Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Umso mehr, nachdem die RKI-Files aus der Corona-Zeit seit wenigen Tagen ungeschwärzt zu lesen sind und die Absurdität, der Machtmissbrauch und die ganzen Lügen endlich offen vor aller Augen liegen. Aber der Reihe nach:
Mich kitzelt irgendwie alles mit Neugierde, bei dem ich eines der großen „W“-Fragezeichen vor meine Gedanken setzen kann. Ich frage mich nur, ob das Neugierde ist oder eher Interessiertheit. Ich bin nicht gierig nach Neuheiten. Nein, ich hinterfrage nur tausend Dinge, die mich täglich frequentieren. Große und kleine.
Ich denke gerade über das rechts-links-Phänomen nach und frage mich, „w“ie das möglich ist, „w“as dahinter steckt, „w“arum die Menschen so sind, wie sie sind. Vor vier, fünf oder sechs Jahren war es total verpönt zu sagen, dass die eigenen Gedanken politisch links orientiert sind. Es gehörte sich wohl einfach nicht. Wer es wagte, dazu zu stehen, war eine rote Socke. Wie schrecklich! Wie können sie nur?! In wenigen Jahren drehte sich der Spieß und plötzlich glauben die Leute, der linke Sektor sei der salongfähige. Alles, was den linken Bereich verlässt, wer deren Ideologie in Frage stellt, ist Nazi. Verdammt! „W“arum nur? „W“eshalb haben die Medien eine derart große Macht? Und „w“ieso lassen sich so unendlich viele Menschen berieseln und nehmen diese staatlich glattgebügelten suggestiven Informationen als gegeben und ungefragt hin. Von der Göppelsschnauze zu smarten digitalen Frequenzen, nonstop, rollende Woche, täglich, vierundzwanzig Stunden. Tropfen für Tropfen …
Das ist ein Beispiel der großen Dinge.
Ist das Neu-gier? Nein, das ist Interesse.
Ein anderes Beispiel:
Die Familie, sei die kleinste Zelle der Gesellschaft, sagt man. „W“o funktionieren diese Zellen wirklich? „W“ie ist das? Wenn die Gesellschaft so gut ist, wie diese vielen kleinen Zellen? Das macht mir große Sorgen. Hat rot-gelb-grün tatsächlich Interesse an diesen kleinen Zellen unserer Gesellschaft?
„W“arum forciert die Ampel das Thema LGBT & Co., Queer, Geschlechtsumwandlung … und trägt es lehrend beeinflussend in die Schulen und Kindergärten. „Herr Ingeborg“ flimmert als Transfrau durch das Kinderfernsehen und spiegelt den Kleinen im Traumsand des Sandmännchens die politisierte Realität wider.
Nichts, überhaupt nichts spricht gegen gleichgeschlechtliche Liebe. Nämlich dort, wo sie echt ist und gelebt wird. Wo mir der Kamm schwillt, ist der bunte, perverse, zur Schau getragene Sexismus und all das unter Queer, woke, LGBTQ, Sternchen, Regenbogen und sonst etwas.
Wenn bereits den Kindern eingetrichtert wird, dass sie selbst über ihr biologisches Geschlecht entscheiden könnten und ein klein wenig Schnipp-Schnapp hier und da alles in Ordnung bringt, dann sollten wir ganz schnell wach werden. Denn die Form der Familie, wie wir sie noch kennen, könnte in nicht allzuweiter Zeit Geschichte sein. Es ist schon blöd, wie es die Natur eingefädelt hat. Ein Fortbestand der Lebewesen ist eben nur mittels Paarung möglich. OK, nicht ausschließlch. Das funktioniert natürlich auch aus dem Labor oder dem Klonen.
Es sind Fragen über Fragen. Es sind Gedanken über Gedanken. Gedankenschleifen und so viele „W’s“. Es sind vage Spekulationen.
Wir alle sind durch die Schulen gegangen, die in unserem Lebensraum ansässig waren. Uns allen wurden die Ideologien des jeweils zu dieser Zeit aktiven politischen Regims eingetrichtert und wir wurden im Rahmen des Bildungsauftrages zu willigen Bürgern erzogen. Wer später von der Linie abweicht, ist dann eben eine rote Socke oder Nazi. Es kommt darauf an, wer zu dieser Zeit glaubt, die politische Macht über die Menschen im Land ausüben zu können.
Ist das Neugierde? Nein, ganz sicher nicht.
Natürlich gibt es Dinge, die mich neugierig machen. Aber das ist etwas Flüchtiges, wie etwas im Rahmen eines Smalltalks zum Beispiel. Etwas, das man hört und bald wieder vergisst. Das Klatschen und Tratschen ist eine besondere Form der Kommunikation, die mir nicht besonders liegt.
Was macht Dich neugierig? Schreibe es doch einfach unten in die Kommentare.
Noch überlege ich, ob meine heutigen Zeilen tatsächlich den Weg ins Web nehmen werden.
Ich mache noch ein Foto an diesem zwölf Grad kühlen und verregneten Augustsonntag.
… und schlafe einfach weiter! Das funktioniert bei mir nicht. Kurz nach vier Uhr war für mich die Nacht vorbei. Ich wollte das nicht, jedoch ist es immer das Gleiche. Werde ich wach, beginnt mein Hirn seine Arbeit und trägt mich von einem Gedanken zum anderen. Noch ein oder zwei Stunden weiterschlafen zu wollen, enden in zähem Hin- und Herwalzen. Und das ist alles andere als erholsam. Also stehe ich auf.
Ich lasse den ersten Kaffee aus der Maschine und hole den letzten Gedanken zurück, den ich hatte, bevor ich die Bettdecke zurückschlug, um aufzustehen.
Schon vor zwei Tagen hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Mann, das mich etwas nachdenklich stimmte.
Ein junger Vater, Mitte oder Ende dreißig, studierter Apotheker, arbeite nebenbei an seiner Doktorarbeit, wie er sagte. Erst in der Nacht sei er aus dem Erdbebengebiet aus Syrien zurückgekehrt. Er sei für drei Tage dort gewesen, mit notwendigen Medikamenten im Gepäck. Ich fragte ihn, ob er keine Angst hatte. Er meinte, dass er nie Angst habe. Wer Angst hat, habe bereits verloren. Das Wichtigste, das jeder Mensch von beginn an lernen sollte ist, keine Angst zu haben. Angst sei eine Illusion. Ein Kind habe von Grund auf keine Angst, es sei denn, ihm wird Angst gelehrt. Es sei ein Verbrechen, das zu tun. Damit wird der Mensch gebeugt, seine Seele gebrochen.
Er spricht ruhig mit Akzent und warmer Stimme. Seit fast drei Jahren lebe er in Deutschland. Ich fragte ihn, ob er hier Freunde gefunden habe. Er lächelt. Nein, es sei ihm nicht wichtig, nicht jetzt. Wichtig ist es, dass die Familie gut ankommt, die Sprache lernt und mit der tatsächlich für sie sehr fremden Kultur lernt, zu leben. Er wisse nicht, wie lange ihre Zeit hier sein wird. Irgendwann, wenn die Familile zurückkehren wird, werden sie und vor allem die Kinder einen großen Schatz an Wissen mit nach Hause nehmen. Er sinniert. Freunde? In Deutschland sei es so: Erst die Arbeit, dann die Freunde, dann die Bekannten und dann die Familie. Das wichtigste sei hier der Eindruck nach außen. Was könnten die anderen denken, wenn ich dieses oder jenes tue? In seiner Kultur und Religion sei es so: Erst die Familie, dann die Arbeit, die die Familie und die Gesellschaft nährt und stärkt. Dann die Freunde. Freundschaften wachsen, man sucht sie nicht.
Seit ich mit dem jungen Mann sprach, gingen mir seine Worte immer wieder durch den Kopf. Ich reflektierte mich selbst und fühlte mich hier und da ertappt. Schaute aus meinem Dunstkreis in mein Umfeld und ich denke, der Syrer hat irgendwie recht. Die Familie hat in Deutschland einen völlig anderen Stellenwert und eine andere Wertigkeit als in anderen Ländern und Kulturen. Und je „moderner“ wir glauben zu werden, desto mehr verflüchtigt sich das Konstrukt „Familie“.
Ist das so? Wie siehst Du das?
Schreibe Deine Meinung doch einfach in das Kommentarfeld.
Diesen Blogeintrag schrieb ich über mehrere Tage. Am ersten Weihnachtsfeiertag begann ich damit und heute, am 29. Dezember werde ich ihn beenden. Der Infekt hat mich unglaublich im Griff. Ich war so sehr erschöpft, immer wieder fiebrig und müde, müde, müde. Um mich selbst zu überlisten, begann ich mit dem Schreiben. Leider schaffte ich nicht viel. Es war einfach zu anstrengend. Seit gestern habe ich nur erhöhte Temperatur. Aber irgendwie fühlt es sich fiebrig an. Dennoch begann ich, die ersten Handgriffe zu tun. Es war der zehnte Tag meines Infektes. Wenn ich diesen ganzen Mist endgültig bewältigt habe, hoffe ich sehr, dass ich wieder für die nächsten zwanzig, dreißig Jahre immun sein werde.
Inzwischen hörte ich von sehr vielen anderen Menschen, die derzeit genauso aus dem Rennen genommen wurden, die die gleichen Erfahrungen sammeln. Es ist einfach eine verdammt langwierige, sehr stark erschöpfende und unangenehme Sache.
Seit gestern schlafe ich am Tage nicht mehr. Ich will unbedingt wieder in einen guten Rhythmus kommen. Aaaaaber ich schone mich und tue fast nix. Haha, was soll ich auch machen? Bin nach zwanzig Treppenstufen praktisch tod 🙈
Aber genug gejammert. Auf geht’s! Hier also mein Blog, geschrieben in Etappen …
Die strahlende Sonne suggeriert Wärme. Es ist Mittag, mein Kopf schmerzt, das Fieber, das sich gestern wieder einstellte, ist gesunken und hält sich im Bereich „erhöhte Temperatur“. Ich öffne das Fenster, um frische Luft und die Wärme hereinzulassen, atme tief durch. Die gereinigte Luft tut mir gut. Nur die Wärme erweist sich als verdammt kühl. Nur fünf Grad, stelle ich fest. Mich fröstelt es, ob mit geöffnetem Fenster oder ohne. Es ist völlig egal. Am liebsten würde ich mich wieder in meine Decken einkuscheln und warten, bis der ganze Spuk ein Ende hat.
Ich zwinge mich, es nicht zu tun. Trinke Wasser, Wasser, Wasser und baue darauf, dass dieses den ganzen Mist aus meinem Körper spülen mag. Hoffentlich.
Es ist Sonntag. Nicht irgendein Sonntag, es ist der erste Weihnachtsfeiertag. Es ist also Weihnachten. Gestern war Heiligabend und wir alle packten liebevoll verpackte und gesandte Geschenke aus, auch ich. Während ich es tat, freute ich mich über diese Gaben, bekam jedoch gleichzeitigt schlechtes Gewissen, weil ich in diesem Jahr keine Kraft hatte, mich auf das Besorgen von Geschenken zu konzentrieren und als es dann fünf vor zwölf war, bremste mich der Infekt aus. Außer liebe Grüße per Post in einem Briefumschlag ging in diesem Jahr nichts auf die Reise.
Je weiter der Abstand zu den zu Beschenkenden ist, desto schwieriger ist es, ein Präsent auszuwählen, das wirklich Freude bereiten wird. Wir sind nicht nah genug, um zu erleben, wie deren Leben tatsächlich verläuft, welche Vorlieben und Wünsche sie haben. Oftmals mündet es in einem Gutschein oder Geld, das auf ein Konto überwiesen wird. Wie oft ist es so, dass wir Geschenke machen, weil wir glauben, es würde von uns erwartet. Täten wir es nicht, welch schlechter Ruf würde auf uns fallen. Ist es tatsächlich so?
Jahr für Jahr machte ich eine Liste mit all den Liebsten, die zu Weihnachten bedacht werden sollen. Und diese Liste ist sehr, sehr lang. Eine Patchworkfamilie bringt das so mit sich. Peinlich wurde darauf geachtet, dass der geldliche Wert für jeden gleich ist, damit sich keiner benachteiligt fühle. Welch ein Unfug, den ich nie verstand. Jahr für Jahr transformierten wir zu Weihnachten mehr als ein komplettes Monatseinkommen in Geschenke und Versandkosten.
In diesem Jahr funktionierte es einfach nicht. Zu Beginn hatte ich wahnsinnig schlechtes Gewissen. Inzwischen nicht mehr. Seit einigen Jahren denke ich immer wieder über diese Weihnachtsgeschenke nach. Jedoch hatte ich nun, durch meine Zwangspause bedingt, die mir die Infektion bescherte, sehr viel Zeit, darüber nachzudenken.
Als ich Kind war, bekamen wir von unseren Großeltern zu Weihnachten ein kleines Geschenk mit der Post geschickt. Sie wohnten knapp dreihundert Kilometer entfernt. Es war immer ein Buch enthalten. Ich habe die Auswahl geliebt. Eine Tafel Schokolade oder etwas ähnlich Süßes lag dabei und eine Kleinigkeit selbstgemachtes. Wie zum Beispiel drei Taschentücher oder eine genähte Schürze mit liebevoll bestickten Schmetterlingen. Opa bastelte einmal eine Puppenstube mit „echtem Licht“, als wir noch etwas kleiner waren. Die war total goldig. Hm, was ist eigentlich daraus geworden? Ich weiß es nicht. Die meisten Spielsachen „verschwanden“ ganz unauffällig … Ich habe nie darüber nachgedacht, ob diese Geschenke klein oder groß seien. Sie waren von meinen Großeltern und ich freute mich riesig darüber. Sonst schickte keiner etwas hin und her.
Auch wenn wir als Kinder Wunschzettel schrieben, wie das alle taten, gingen diese nicht so, wie wir uns das vorstellten in Erfüllung. Ich muss gerade daran denken, wie sich meine Schwester und ich einen Schlitten wünschten, solch einen mit Hörnern. Wir wollten auch wie die anderen Kinder schnell den Berg runtersausen und spielend diesen den Berg wieder hinaufbekommen. Nun, der Weihnachtsmann brachte einen Schlitten. Einen großen, auf dem drei Kinder Platz hatten und der keine Hörner hatte. Wir konnten mit dem großen Monster nichts anfangen. Es machte ja auch keinen Spaß, als Geschwister immer gemeinsam den Berg runterzurutschen und das große Ding zu zweit wieder hochzubuchsieren. Irgendwann benutzten die Eltern diesen, um damit die Wäsche in die Wäscherei zu bringen und wieder abzuholen. – Nur so am Rande: Ihr seht, Winter waren damals ganz normal, als wir Kinder waren. –
Eine Puppennähmaschine, die ich mir als Elfjährige wünschte, brachte der Weihnachtsmann, als ich fünfzehn, fast sechszehn war. Inzwischen strickte ich mir meine Klamotten selbst. Ich hielt dieses praktische Kinderspielzeug, von dem ich vor einigen Jahren träumte, meine Puppen zu beglücken, in den Händen und wusste nicht wirklich, was ich nun damit tun sollte.
Ich wurde nie großartig beschenkt und demzufolge habe ich irgendwie bis heute keine Erwartungshaltung. Und ganz ehrlich: Ich musste in meinem späteren Leben lernen, Geschenke anzunehmen und mich einfach nur zu freuen.
Wann ist das eigentlich geschehen, dass die Menschen zu Weihnachten diesem Kaufrausch verfallen sind und die ganzen Dinge quer durchs Land schicken? Ich weiß es nicht. Es scheint ein schleichender Prozess gewesen zu sein. Der immer mehr Fahrt aufnahm und durch die manipulativen Marketingstrategien der Wirtschaft und des Handels für ein mächtiges Umsatzplus sorgten. Irgendwann wurde das eine feste, planbare Wirtschaftsgröße, das man Weihnachtsgeschäft nannte.
Ich bin diesem ganzen Wahn so sehr müde. Statt irgendwelche Geschenke zu kaufen, teuer zu verschicken, Geld zu überweisen, Gutscheine zu produzieren … wünsche ich mir ein Zurück zu den Wurzeln. Weihnachten zum Beispiel gemeinsam zu verbringen. So könnte das Geschenk eine Übernachtung in einer Pension sein, kleine Aufmerksamkeiten, gemeinsames Kochen, quatschen, spielen, lachen, an die Frische Luft gehen, an den See fahren, was auch immer – einfach qualitativ wertvolle Zeit miteinander zu verbringen. – „Ihr wohnt sooo weit weg“, höre ich immer wieder. Ja, natürlich. Genauso weit weg, wie Du 😉 Schenke uns nichts, bezahle einfach die Tankfüllung oder das Bahnticket stattdessen und sei mit offenem Herzen da. Wer, wenn nicht wir, wissen, wie teuer ein solcher Tripp ist, den wir immer wieder unternehmen, um die Familie wenigstens ab und an zu treffen. Das nächste Mal bereits in zwei Wochen, sofern es die Gesundheit zulässt.
Ich bin ziemlich abgeschweift. Als ich soeben den Text durchlese muss ich wirklich lächeln. Das ist einfach nur geschrieben, geschrieben, geschrieben. Ohne, dass ich ein genaues Ziel vor Augen hatte. Es ist geplappert. Eins folgte dem nächsten. Kurz überlege ich, ob es Sinn ergibt, oder ob ich einfach die Delete-Taste drücke.
Ich lasse es stehen. Auch deshalb, weil sich in dieser Situation ganz sicher unendlich viele Menschen wiederfinden werden. Die Zeiten, dass sich fast alle Familienmitglieder im Umkreis von einhundert Kilometern verbinden können, sind seit langer Zeit Geschichte. Meine eigene Familie ist sehr klein. Jedoch im ganz deutschsprachigen Raum verteilt. Durchschnittlich liegen zwischen jedem von uns etwa sechshundert Kilometer. Es ist eine besondere Herausforderung. Und es gehört viel Feingefühl, ein ehrliches Herz und das Vernachlässigen des eigenen Egos dazu. Den einen geht es finanziell sehr gut, die anderen haben, gerade unter der augenblicklichen Situation sehr zu knabbern. Es sind alles Dinge, über die keiner gern redet. „Über Geld spricht man nicht. Man hat es einfach.“ Mit dieser lapidar hingeworfenen Weisheit bin ich aufgewachsen. Ich denke, dass inzwischen diese arrogante Denkweise so mancher revidieren musste. Das Leben ist oftmals ein harter Lehrer.
So wie ich es in der Überschrift notierte: „Komm wie Du bist. Sei einfach da.“ Das trifft den Punkt in meinem Herzen. Ob mit einem kleinen Geschenk im Gepäck, oder ohne. Alles ist vollkommen in Ordnung!
Schreibt mir einfach, wie Ihr zu diesem Thema steht. Nutzt bequem die Kommentarfunktion dafür.
Dieses Bild ist aktuell. Ich mag mich derzeit selbst nicht anschauen. Deshalb habe ich es mit dieversen Filtern und ein paar Tricks manipuliert. Und Hocus Pocus sind Augenringe verschwunden und die Blässe wirkt plötzlich total vornehm 😅
… okay, okay! Nennen wir es schicker. Sagen wir Patchwork !
Das klingt doch nach etwas, irgendwie dazugehörig, salonfähig,Teil einer, dieser, modernen Gesellschaft.
Das Irrwitzige: Ich gehöre dazu, bin also ein solches Flickerl.
Seit drei Tagen bin ich damit beschäftigt, Weihnachtsgeschenke liebevoll zu verpacken. Und das sind schon einige! Meine Gedanken schweifen zu den einzelnen, die diese kleinen Präsente erhalten werden.
In diesem Jahr nach längerer Zeit nicht mal so einfach mit der Post auf den Weg gebracht, sondern ganz persönlich. Persönlich heißt, eine Flickerl-Tour von knapp zweitausend Weihnachtskilometern durch Deutschland.
Fast alles ist verpackt und dennoch verharre ich und denke an unser Patchwork, das sich auch in diesem Jahr verändert hat.
Mir erscheint eine Familie wie eine pulsierende Zelle, ständig in Bewegung und was nicht passt, irgendwie ungesund ist, wird abgestoßen, um früher oder später ersetzt zu werden. Klingt hart, aber so ganz unverschnörkelt betrachtet, ist es so.
Ganz gleich, wieviele Jahre die abgestoßene Zelle in dieser Familie verharrte, jetzt gehört sie nicht mehr dazu. Sie ist nicht blutsverwandt. Das wird mir immer ein Rätsel bleiben. Ich habe das vor etlichen Jahren am eigenen Leib erfahren und kann die Situation sehr genau nachfühlen. Jeder von uns, der in einer Partnerschaft lebt, steht in einem Teil der Familie mit einem Bein im potentiellen Aus.
Oh verdammt, jetzt bin ich aber abgeschweift. Ich ziehe das Schleifenband fest und lege das Päckchen zu den anderen. Nachher, so nehme ich mir vor, werde ich den beiden jungen Frauen, die ihre Kinder den Vätern zur Familienweihnachtsfeier mitgeben werden, ein paar Zeilen schreiben. Sie werden mir fehlen.
… noch ein paar Leckereien zu den Geschenktüten und dann ist alles reisebereit.
Euch allen wünsche ich schöne und erholsame Weihnachtstage im Kreise Eurer Familien.
Genießt das Fest, die Zeit und insbesondere den Augenblick.