Dresden, 13. Februar

Heute ist wieder ein 13. Februar. Der Tag in jedem Jahr, an dem mein Herz und meine Gedanken ganz besonders in dieser wunderschönen Stadt, meiner Heimatstadt Dresden, verweilen. Auch heute, werde ich um 22 Uhr innehalten und meine Gedanken nach Hause tragen.

Inzwischen bin ich leider viel zu selten dort. Mit jedem weiteren Jahr, das seit meinem Fortgang durchs Land zieht, spüre ich immer mehr, wie stark die Verwurzelung mit dem Ort, an dem man geboren wurde, tatsächlich ist. Ich denke, er hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Wesenzüge.

Fotos: Willy Holger Wagner

In zehn Tagen wählen wir in Deutschland eine neue Bundesregierung. Ich denke, es war noch nie so wichtig wie in diesem Jahr, sich die Zeit zu nehmen, die Wahlprogrogramme gewissenhaft zu lesen und dann zu entscheiden, mit welcher Partei die eigenen Überzeugungen und Wünsche für unsere, für Deine und meine Heimat am ehesten übereinstimmen. Welche Partei wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keinem Kriegsbündnis beitreten oder gar Kriegsdrohungen aussprechen? Mit welcher Partei wird es am ehesten Frieden, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Handel auf internatioanaler Ebene geben? Mit welcher Partei wird die Wahrscheinlichkeit der illegalen Einwanderung am ehesten eingeschränkt? Mit welcher Partei wird die in unser Land hineingetragene Kriminalität am ehesten und konsequentesten minimiert? Schaut in die Punkte Bildung, Familie, und so weiter und so weiter. Es ist so wichtig für unser Heimatland, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

„Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ (Zitat: Gerhard Hauptmann, Deutscher Schriftsteller)

Vor nunmehr neun Jahren schrieb ich den folgenden Beitrag. Der heutige Tag soll Anlass sein, ihn wiederholt auf Euren Weg zu geben. Diese Zeilen sind nach wie vor aktuell, deshalb möchte ich sie nicht verändern, auch, wenn sich die politische Situation inzwischen verschärft hat.

Möge sich das, was damals in dieser Welt geschah, niemals, niemals! wiederholen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.


„Ich will euch etwas erzählen. Etwas, das wir niemals vergessen dürfen. Ihr habt es zum Glück nicht erlebt und sollt das niemals erleben. Aber ihr sollt dafür sorgen, dass so etwas niemals mehr geschehen wird. Hört zu. Ich war mittendrin. … „, so begann Frau Kunath, meine damalige Klassenlehrerin.
Es war in der ersten oder zweiten Klasse vor über fünfzig Jahren. Die dunklen Augen in dem sonst so fröhlichen runden Gesicht der kleinen Frau füllten sich mit Tränen und sie sah so sehr traurig aus. Diese Situation hat sich in mir eingebrannt, weil ich zu diesem Zeitpunkt davon das erste Mal erfuhr. Jedes Wort saugte ich in mir auf. Sie schilderte uns kindgerecht, wie schrecklich die Bombennacht auf Dresden war. Erzählte uns von den Ängsten der Menschen, der wahnsinnigen Hitze der brennenden Stadt und den folgenden zwei weiteren sinnlosen Bombenabwürfen auf das bereits in Trümmern liegende, brennende Dresden. Sie erinnerte sich, wie sie mit ihrer Mutter durch die kaputten Straßenzüge ging und sich wunderte, weshalb die Leute in dem entgleisten Straßenbahnwagen schliefen. Die starken Druckwellen nahmen den Menschen das Leben. … Sie erzählte uns auch, wie stark die Dresdner waren, wie sie mit ihren Händen und dem Wenigen, was noch war, ihre Stadt Stein um Stein aufbauten. Wie vor allem Frauen, die Trümmerfrauen, schufteten, weil viele Männer nicht aus dem Krieg zurückkamen und mit anpacken konnten …

Jedes Jahr, wenn sich der 13. Februar nähert, denke ich an diese Episode, die sich in mein Bewusstsein bis heute eingebrannt hat. Jedes Jahr, solange ich in Dresden lebte, ging ich, wie so viele andere Dresdner, zur Ruine der Frauenkirche, ein Symbol, ein Mahnmal an diese Bombennacht.
Lange konnte ich den Neuaufbau der Frauenkirche nicht akzeptieren, ich war zerrissen eben aus diesem Grund. Im Jahr 2003 hatte ich die Gelegenheit noch während der Bauphase die Kirche von innen zu sehen. Als meine Hände über das helle, warme Holz im Inneren glitten, versöhnte ich mich allmählich. Heute ist diese Kirche für mich ein wunderbares Kunstobjekt, hell, warm, positiv und einladend.

Heute ist wieder ein 13. Februar. Meine Gedanken sind in meiner Heimatstadt und ich weiß, dass 22:00 Uhr wieder alle Glocken in der Stadt läuten und ich um diese Zeit einen Herzschlag Zuhause sein werde.

Die politische Situation in Europa, in unserem Land und auch in Dresden ist prekär, wie seit langem nicht. Das wird sicher jedem von uns bewusst sein.
Mich quält jedoch, dass solch ein Tag wie dieser, von jeglichem politischem Couleur benutzt und missbraucht wird, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die einen blauäugig, die anderen spekulativ, die nächsten provokant – gar aggressiv, andere suggestiv …

Lasst den Dresdnern diesen Tag, um zu gedenken und sich selbst das Versprechen zu geben, dafür Sorge zu tragen, dass derartige Sinnlosigkeiten wie am 13. und 14. Februar 1945 in Dresden nie wieder geschehen werden.

Bilder: Holger Wagner und Petra Kolossa, November 2009

Möge der Rathausmann seine Hand schützend über Dresden halten …

In diesem Sinne, herzlich Ihre Petra Kolossa.

Petitesse – Randnotiz – 2024-12-19

In fünf Tagen ist Weihnachten. Die Zeit zwischen dem letzten und diesem verging so unglaublich schnell, dass es mir fast surreal erscheint. Hoffentlich wird die kommende Zeitspanne an Geschwindigkeit verlieren und uns wieder etwas mehr erden.

In fünf Tagen ist Weihnachten. Unsere degenerierten Weihnachtsmärkte dürfen endlich schließen. Ich wünsche mir von Herzen, dass diese im kommenden Jahr wieder solche sein dürfen, eben einfach Weihnachtsmärkte. Gemütlich, mit Weihnachtsmusik, tollen Düften, strahlenden Kinderaugen, Treffs mit Freunden und Verwandten und voller Vorfreude auf die ruhigen und besinnlichen Weihnachtsfeiertage.

Keine Poller, keine Taschen- und Körperkontrollen nach Messern durch die beauftragten Polizisten zum Beispiel bei älteren deutschen Frauen und bratwurstessenden deutschen reifen Paaren. Also genau der Zielgruppe, die in den Innenstädten Messerangriffe planen und begehen könnte, weswegen diese Messerverbote eingeführt wurden. Keine Poller, keinen Zwang, keine „aluabakti“ (auf deutsch: Allah ist groß. Allah ist größer. Allah ist am größten.) rufenden Demonstrantenzüge durch die aufgebauten Marktstände auf unseren Weihnachts-, Christkindl- oder Striezelmärkten. Welch eine Missachtung unserer Gastfreundschaft!

In fünf Tagen ist Weihnachten. Die Adventszeit ist eine Zeit, in der wir etwas milder gestimmt sind. Wir haben Träume und Wünsche. Wir verzeihen und wir vergeben. Ich kann viele Dinge verzeihen, auch solche, die bewusst unbewusst getan wurden, also von Menschen, die es nicht besser können, weil ihr Wesen eben so ist.

Was ich nicht verzeihen kann ist das, was derzeit in unserem Land geschieht. Das, was aus unserem hohen Haus in Berlin machtbesoffen nach unten durchregiert wird.

Am 23. Februar 2025 ist die Neuwahl unserer Bundesregierung. Ich denke, noch nie war eine Wahl so wichtig, wie diese. Möge auch das Jahr 2025 friedlich bleiben 💙

In fünf Tagen ist Weihnachten. Traditionsgemäß darf sich jeder etwas wünschen. Ich hoffe so sehr, dass es uns gelingen wird, eine Weitsicht zu entwickeln, um den Spalt, der unser Land durchzieht, zu kitten.

Herzlich, Eure Petra Kolossa

Petitesse – Randnotiz – 2024-09-03

Vor zwei Tagen war der erste September. Unglaublich, schon gleich Herbst. Außerdem ist es der „Antikriegstag“ in Deutschland. Ein Wort, das mich kurz innehalten lässt. Nur ein Wort? Es scheint im Augenblick etwas abgenutzt, benutzt, dahingeplappert, ohne den tiefen Sinn dahinter in aktiven Handlungen zu untermauern. Wir brauchen nur vor unsere eigene Haustür schauen. Den Blick in die große weite Welt können wir uns sparen.

Ich hätte es mir nicht träumen lasssen, dass Deutschland eines Tages wieder mit den Sebeln rasseln könnte. Und noch weniger hätte ich  jemals geglaubt, dass die, die am stärksten mit den Hufen scharren, ausgerechnet die „Peace-Parteien“ aus den 1960ern und Siebzigern sein könnten. Die Ernüchterung kam bei mir erst vor etwa sieben, acht Jahren. Und als ich in der Vorbereitungszeit der Bundestagswahlen 2021 sagte, dass die Grünen die Wölfe im Schaftspelz seien, erhielt ich so einigen Shitstorm. Meine Meinung hat sich nicht geändert. Das Schafsmäntelchen legten sie schneller ab, als ich dachte. Mit einem lächerlichen Wahlergebnis von nur 14,7 Prozent rissen sie selbstüberschätzend großmäulig die Macht an sich, die sie nie ohne der anderen zwei Parteien mit ähnlichen Wahlergebnissen hätten.

Waren sie damals die Blümchen- und Bienchenpartei, die sich unter anderem um den Schutz der Umwelt und die artgerechte Haltung von Tieren einsetzte und vehement gegen jegliche Kriegs- und Militäraktivitäten demonstrierten, sind sie heute sehr weit davon entfernt.

Und nein, die Deutschen wollen nicht den Kitt aus den Fenstern fressen, um unterwürfig den Staatenverbund fernab über dem großen Teich ihr kriegerisches Spiel um die Weltherrschaft und das Sanieren deren flauter Wirtschaft zu finanzieren. Und nein, sie wollen augenblicklich auch keine Radwege in Peru oder irgendwelche LGBT-Projekte in Afrika oder ähnliches finanzieren. Die Deutschen sind ein friedliebendes, ruhiges, intelligentes, etwas pragmatisches und bis zu einem bestimmten Punkt auch ein phlegmatisches Volk. Sie haben keinen Bock auf das Verbrennen von Milliarden Euro für von vornherein sinnlose Sanktionen und schon gar nicht auf diese aktive Kriegsbeteiligung durch das Liefern von Waffen und Kriegszeug sowie das Ausbilden von zum Beispiel ukrainischen Soldaten auf deutschem Boden.  Das bringt außer einem transatlantischen Geldfluss weder unserem eigenen Land noch einem anderen europäischen Staat irgendeinen Nutzen; weder wirtschaftlich, noch bilateral. Das Einmischen in die Weltpolitik kann nur mit großem Fingerspitzengefühl und diplomatischem Sachverstand, wenn überhaupt, erfolgen, das Deutschland leider derzeit in keiner Weise leisten kann. Welch eine Überheblichkeit der aktuell agierenden Politiker!

Deutscher Antikriegstag. Die meisten der Deutschen, davon bin ich überzeugt, wollen keinen Krieg. Sie wollen keine amerikanischen Atomwaffenstützpunkte der USA auf deutschem Boden. Die Deutschen wollen weder eine Knautschzone zwischen Ost und West, noch ein Bauernopfer sein. Die meisten Deutschen wollen Friedensgespräche und ein Ende der sinnlosen Kriegsaktivitäten.

Das ist elementar, jedoch scheint das mit Rot-Grün-Gelb unmöglich.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Des lieben Frieden willen

Auf was könntest du um der Harmonie willen verzichten?

Bei dieser Frage musste ich ein wenig lächeln, weil sie im Konjunktiv gestellt wurde. Denn ich denke, dass wir alle bereits regelmäßig des lieben Frieden willen auf etwas „verzichten“. Letztendlich ist es kein Verzicht. Es ist eine weise tolerante Entscheidung, die wir situationsbedingt treffen. Manches Mal sind es nur klitzekleine Dinge, wie Marotten, die uns stören, aber wir übersehen es großzügig. Dann gibt es so etwas, dass uns eigentlich zur Weißglut bringen würde, wir aber darauf verzichten, auf unsere Meinung zu beharren, weil wir den anderem damit vielleicht vorführen würden, oder ihn unglücklch machen würden. Wir überlegen dabei, was geschieht mir, wenn ich darauf verzichte? Wahrscheinlich nichts.

Nun gut, ich bin wahrscheinlich extrem harmoniesüchtig. Das soll ja auch nicht so gesund sein. Aber ich mag keinen, aus meiner Sicht, sinnlosen Stress.

Ich kenne natürlich auch eine ganze Menge Menschen, die stolz darauf sind, ihre Meinung oder ihr Anliegen prinzipiell durchboxen zu müssen. Schließlich habe man lange genug auf weiß der Kuckuck was, verzichtet. Man habe nun gelernt, das nicht mehr zu tun. Na gut, wenn es den Leuten damit jetzt besser geht, sollen sie es tun. Ich beobachte derlei immer mit etwas Mitleid. Welch eine sinnlose Kraftanstrengung!

Auch kenne ich welche, die auf Krawall gebürstet sind, die das einfach brauchen, auf nichts zu verzichten. Irgendeiner wird schon nachgeben. Auch die Leute fahren gut damit. Denn es ist tatsächlich so. Die Menschen, die der Harmonie willen verzichten, gibt es irgendwie immer.

Ich kann da nichts genauer definieren, auf was ich verzichten könnte. Es ist der Fluss des Lebens. Im entsprechenden Moment entscheide ich das situationsbedingt.

Wie ist es bei Dir? Hast Du darauf eine konkrete Antwort?

Schreibe es doch einfach ins Kommentarfeld 🙂

Herzlich, Eure Petra Kolossa

Kamminke

Es weckt mich ein gleichmäßiger Landregen. Wie beruhigend, denke ich. Mir wird bewusst, dass heute Samstag ist und ich bin nicht bereit, mich zu disziplinieren. Die letzten Wochen waren herausfordernd, spannend, inspirierend schön und auch erfolgreich. Dennoch haben sie mich gefordert und ich fühle mich erschöpft.

Kater Flo lockt mich in die Küche. Er verlangt nach seinem Frühstück. Ich nutze die Gelegenheit und bereite in gleichem Zuge meinen Morgenkaffee.

Das herrlich duftende Getränk nehme ich mit in mein Atelier. Öffne weit die Balkontür und lasse die frische Kühle des Morgens herein. Es regnet noch immer gleichmäßig. Die Pflanzen wirken stark in dem nass glänzendem satten Grün.

Ich muss lächeln. Denn neulich legte ich in die Blumentöpfe ein begonnenes Kunstwerk, das ich 2005, also vor fast zwanzig Jahren, fertigte. Das alte Glas glänzt genauso, wie damals, als ich es aus dem Wasser fischte.

Ich mache davon ein paar Fotos und werde Euch etwas zu diesem halbfertigen Kunstobjekt erzählen.

Also, darum geht es:

Ich liebe die Ostsee. Sie liegt mir näher am Herzen, als Mittelmeer, Pazifik oder die Nordsee, die kommt und geht. Die Ostsee ist klar, kühl, sanft und rauh. Ich liebe den Geruch und das Geräusch, wenn sich die Wellen brechen, ich mag die kreischenden Möwen und die frechen Komorane. Ich mag die Einheimischen, die nicht viel babeln; die mit wenigen Worten viel sagen können. Kurz und gut: Bin ich an der Ostsee, fühle ich mich aufgefangen.

Im Oktober 2005 machten wir einen Trip entlang der Ostsee. Unter anderem verschlug es uns auf die Insel Usedom. Bis dahin kannte ich einige Orte und Seebäder der Insel, jedoch verschlug es mich noch nie bis in den letzten Zipfel von Usedem, also bis zur heutigen Grenze nach Polen. Mich begeisterten die kleinen grünen idyllischen Orte, die wir zum großen Teil zu Fuß erkundeten.

Wir besichtigten den kleinen Flugplatz in Heringsdorf und nahmen von dort den Weg nach Kamminke. Uns empfing mitten im goldenen Oktober ein unglaublich schönes kleines Fischerdorf, das sich mir nachhaltig ins Herz gelegt hat. Wir liefen an der Steilküste entlang und entdeckten alte zerfallene Offiziershäuser. Inzwischen sollen dort moderne Gebäude stehen. Das kann ich gut verstehen. Denn von dieser Höhe gibt es einen fantastischen Blick über das Stettiner Haff.

Noch immer, fünfzig Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, gibt es Details, die an die Kriegszeit erinnern. Wir liefen über Straßen und Wege, die nach wie vor mit alten Rollbahnen für Flugzeuge belegt waren. An vielen Grundstücken wurden immer wieder ähnliche Metallplatten, aus denen einst Teile für irgendeine Massenproduktion (wir nehmen an für Kriegsgerät) herausgestanzt wurden, als Zaunersatz benutzt.

Aus den Erzählungen von damals wissen wir, dass noch im März 1945 ein schlimmer amerikanischer Bombenangriff auf das nahe gelegene Swinemünde (heute Polen) erfolgte. Unendlich viele vertriebene Menschen aus Ostpreußen waren auf dem Weg ins Innere Deutschlands. Es sollen dabei über dreiundzwanzigtausend Menschen ums Leben gekommen sein und in der größten Kriegsgräberstätte Deutschlands, dem Golm, beigesetzt worden sein.

Während unserer Ortserkundung entlang der Steilküste fanden wir alte Flugzeugteile. Mich berührte es sehr, diese Relikte von vor fünf Jahrzehnten in den Händen zu halten.

Eines nahm ich mit.

Wir kamen zum  kleinen Hafen, vernaschten einen Fischsnack und bummelten weiter über den Strand am Stettiner Haff. (Da ich bis vor ein paar Jahren immer wieder über den Unterschied Haff und Bodden gestolpert bin, habe ich für Euch diesen Link gesetzt. Vielleicht ergeht es Euch ebenso.)

Tja, und was macht man so, wenn man am Strand entlang bummelt? Man bückt sich hier und da und sammelt die schönsten Dinge in seine Jackentasche, die einem vor die Füße geraten. Und so hatte ich in der einen Jackentasche die schönsen geschliffenen Glasstücke und in der anderen feine von Wasser und Sand gerundete Porzellanstückchen, die ich nach Hause trug.

Es war Oktober, die Tage wurden kürzer und wir machten uns auf den Weg zurück zum Auto.

Ich beschloss, bald zurückzukehren, um zu erkunden, was es mit diesen ausgestanzten Metallplatten auf sich hat. Bis heute ist es nicht dazu gekommen. Leider.

Wieder zu Hause angekommen, packte ich ein paar Tage später meine kleinen Schätze aus. Ich nahm einen Silberdraht und verband die Glasstücke, die Sand und Wasser in einigen Jahren zu kleinen Handschmeichlern schliff und verband das Ganze mit dem gefundenen Metallstück aus Kriegszeiten.

Im kommenden Jahr wird es siebzig Jahre her sein, dass der furchtbare zweite Weltkrieg beendet wurde. Und heute scharren die Möchtegerne der politischen Diplomatie wieder mit den Hufen. Das Traurige am Ganzen: Deutschland mit seiner Chamäleon-Ampel schreitet laut voraus.

Ich hatte damals keine Lösung, wie es final aussehen sollte. Legte es beiseite und ließ es irgendwann in einer Kiste verschwinden. Erst in den letzten Wochen begann ich damit, aus- und aufzuräumen und mich von Unnötigem zu trennen. Dabei entdeckte ich dieses Teil und erinnerte mich an daran, wie es dazu kam. Trennen wollte ich mich nicht davon und legte es nach draußen auf den Balkon in die kleine Natur. Erst der Regen, der das Objekt zum Strahlen brachte, motivierte mich, es zu Ende zu bringen.

Inzwischen habe ich einige Zeit darüber nachdenken können und glaube, eine Lösung gefunden zu haben.

Zu gegebener Zeit werde ich hier darüber berichten ☺️

Für heute aber genug. Habt einen wunderbaren Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Dresden, 13. Februar

Heute ist wieder ein 13. Februar. Der Tag in jedem Jahr, an dem mein Herz und meine Gedanken ganz besonders in dieser wunderschönen Stadt verweilen, meiner Heimatstadt Dresden.

Inzwischen bin ich leider viel zu selten dort. Mit jedem weiteren Jahr, das seit meinem Fortgang durchs Land zieht, spüre ich immer mehr, wie stark die Verwurzelung mit dem Ort, an dem man geboren wurde, tatsächlich ist. Ich denke, er hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Wesenzüge.

Gestern lagen diese Bilder in meinem Postfach. Minutenlang verharrte mein Blick. Ich liebe dieses, mein, Dresden.

Fotos: Willy Holger Wagner

Vor acht Jahren schrieb ich den folgenden Beitrag. Der heutige Tag soll Anlass sein, ihn wiederholt auf Euren Weg zu geben. Diese Zeilen sind nach wie vor aktuell, deshalb möchte ich sie nicht verändern, auch, wenn sich die politische Situation inzwischen verschärft hat.

„Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ (Zitat: Gerhard Hauptmann, Deutscher Schriftsteller)

Möge sich das, was damals in dieser Welt geschah, niemals, niemals! wiederholen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.


„Ich will euch etwas erzählen. Etwas, das wir niemals vergessen dürfen. Ihr habt es zum Glück nicht erlebt und sollt das niemals erleben. Aber ihr sollt dafür sorgen, dass so etwas niemals mehr geschehen wird. Hört zu. Ich war mittendrin. … „, so begann Frau Kunath, meine damalige Klassenlehrerin.
Es war in der ersten oder zweiten Klasse vor über fünfzig Jahren. Die dunklen Augen in dem sonst so fröhlichen runden Gesicht der kleinen Frau füllten sich mit Tränen und sie sah so sehr traurig aus. Diese Situation hat sich in mir eingebrannt, weil ich zu diesem Zeitpunkt davon das erste Mal erfuhr. Jedes Wort saugte ich in mir auf. Sie schilderte uns kindgerecht, wie schrecklich die Bombennacht auf Dresden war. Erzählte uns von den Ängsten der Menschen, der wahnsinnigen Hitze der brennenden Stadt und den folgenden zwei weiteren sinnlosen Bombenabwürfen auf das bereits in Trümmern liegende, brennende Dresden. Sie erinnerte sich, wie sie mit ihrer Mutter durch die kaputten Straßenzüge ging und sich wunderte, weshalb die Leute in dem entgleisten Straßenbahnwagen schliefen. Die starken Druckwellen nahmen den Menschen das Leben. … Sie erzählte uns auch, wie stark die Dresdner waren, wie sie mit ihren Händen und dem Wenigen, was noch war, ihre Stadt Stein um Stein aufbauten. Wie vor allem Frauen, die Trümmerfrauen, schufteten, weil viele Männer nicht aus dem Krieg zurückkamen und mit anpacken konnten …

Jedes Jahr, wenn sich der 13. Februar nähert, denke ich an diese Episode, die sich in mein Bewusstsein bis heute eingebrannt hat. Jedes Jahr, solange ich in Dresden lebte, ging ich, wie so viele andere Dresdner, zur Ruine der Frauenkirche, ein Symbol, ein Mahnmal an diese Bombennacht.
Lange konnte ich den Neuaufbau der Frauenkirche nicht akzeptieren, ich war zerrissen eben aus diesem Grund. Im Jahr 2003 hatte ich die Gelegenheit noch während der Bauphase die Kirche von innen zu sehen. Als meine Hände über das helle, warme Holz im Inneren glitten, versöhnte ich mich allmählich. Heute ist diese Kirche für mich ein wunderbares Kunstobjekt, hell, warm, positiv und einladend.

Heute ist wieder ein 13. Februar. Meine Gedanken sind in meiner Heimatstadt und ich weiß, dass 22:00 Uhr wieder alle Glocken in der Stadt läuten und ich um diese Zeit einen Herzschlag Zuhause sein werde.

Die politische Situation in Europa, in unserem Land und auch in Dresden ist prekär, wie seit langem nicht. Das wird sicher jedem von uns bewusst sein.
Mich quält jedoch, dass solch ein Tag wie dieser, von jeglichem politischem Couleur benutzt und missbraucht wird, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die einen blauäugig, die anderen spekulativ, die nächsten provokant – gar aggressiv, andere suggestiv …

Lasst den Dresdnern diesen Tag, um zu gedenken und sich selbst das Versprechen zu geben, dafür Sorge zu tragen, dass derartige Sinnlosigkeiten wie am 13. und 14. Februar 1945 in Dresden nie wieder geschehen werden.

Bilder: Holger Wagner und Petra Kolossa, November 2009

Möge der Rathausmann seine Hand schützend über Dresden halten …

In diesem Sinne, herzlich Ihre Petra Kolossa.

DD, 13. Februar

Heute ist wieder ein 13. Februar. Der Tag in jedem Jahr, an dem mein Herz und meine Gedanken ganz besonders in dieser wunderschönen Stadt verweilen, meiner Heimatstadt Dresden.

Vor sieben Jahren schrieb ich diesen Beitrag. Der heutige Tag soll Anlass sein, ihn nochmals auf Euren Weg zu geben.

Möge sich das, was damals in dieser Welt geschah, niemals, niemals! wiederholen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.


„Ich will euch etwas erzählen. Etwas, das wir niemals vergessen dürfen. Ihr habt es zum Glück nicht erlebt und sollt das niemals erleben. Aber ihr sollt dafür sorgen, dass so etwas niemals mehr geschehen wird. Hört zu. Ich war mittendrin. … „, so begann Frau Kunath, meine damalige Klassenlehrerin.
Es war in der ersten oder zweiten Klasse vor über fünfzig Jahren. Die dunklen Augen in dem sonst so fröhlichen runden Gesicht der kleinen Frau füllten sich mit Tränen und sie sah so sehr traurig aus. Diese Situation hat sich in mir eingebrannt, weil ich zu diesem Zeitpunkt davon das erste Mal erfuhr. Jedes Wort saugte ich in mir auf. Sie schilderte uns kindgerecht, wie schrecklich die Bombennacht auf Dresden war. Erzählte uns von den Ängsten der Menschen, der wahnsinnigen Hitze der brennenden Stadt und den folgenden zwei weiteren sinnlosen Bombenabwürfen auf das bereits in Trümmern liegende, brennende Dresden. Sie erinnerte sich, wie sie mit ihrer Mutter durch die kaputten Straßenzüge ging und sich wunderte, weshalb die Leute in dem entgleisten Straßenbahnwagen schliefen. Die starken Druckwellen nahmen den Menschen das Leben. … Sie erzählte uns auch, wie stark die Dresdner waren, wie sie mit ihren Händen und dem Wenigen, was noch war, ihre Stadt Stein um Stein aufbauten. Wie vor allem Frauen, die Trümmerfrauen, schufteten, weil viele Männer nicht aus dem Krieg zurückkamen und mit anpacken konnten …

Jedes Jahr, wenn sich der 13. Februar nähert, denke ich an diese Episode, die sich in mein Bewusstsein bis heute eingebrannt hat. Jedes Jahr, solange ich in Dresden lebte, ging ich, wie so viele andere Dresdner, zur Ruine der Frauenkirche, ein Symbol, ein Mahnmal an diese Bombennacht.
Lange konnte ich den Neuaufbau der Frauenkirche nicht akzeptieren, ich war zerrissen eben aus diesem Grund. Im Jahr 2003 hatte ich die Gelegenheit noch während der Bauphase die Kirche von innen zu sehen. Als meine Hände über das helle, warme Holz im Inneren glitten, versöhnte ich mich allmählich. Heute ist diese Kirche für mich ein wunderbares Kunstobjekt, hell, warm, positiv und einladend.

Heute ist wieder ein 13. Februar. Meine Gedanken sind in meiner Heimatstadt und ich weiß, dass 22:00 Uhr wieder alle Glocken in der Stadt läuten und ich um diese Zeit einen Herzschlag Zuhause sein werde.

Die politische Situation in Europa, in unserem Land und auch in Dresden ist prekär, wie seit langem nicht. Das wird sicher jedem von uns bewusst sein.
Mich quält jedoch, dass solch ein Tag wie dieser, von jeglichem politischem Couleur benutzt und missbraucht wird, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die einen blauäugig, die anderen spekulativ, die nächsten provokant – gar aggressiv, andere suggestiv …

Lasst den Dresdnern diesen Tag, um zu gedenken und sich selbst das Versprechen zu geben, dafür Sorge zu tragen, dass derartige Sinnlosigkeiten wie am 13. und 14. Februar 1945 in Dresden nie wieder geschehen werden.

Bilder: Holger Wagner und Petra Kolossa, November 2009

Möge der Rathausmann seine Hand schützend über Dresden halten …

In diesem Sinne, herzlich Ihre Petra Kolossa.

Paloma – die Taube

Unter der Sonne sind alle Wesen gleich

Neulich saß ich auf einer Bank etwas abseits eines Gartencafés. Die Sonne lockte trotz der kalten Temperaturen kurz über Null die Leute, ihre Nase in die Sonne zu strecken. Sie bekamen ihre Kaffees mal mit, mal ohne Schaum serviert. Wie Sonnenblumen, die ihre Köpfe der Sonne entgegenrecken, saßen sie auf ihren harten Stühlen ausgerichtet. Die Beine ausgestreckt , die große Tasse wärmend in beiden Händen haltend, genossen sie die wärmenden Strahlen mit geschlossenen Augen. 

Zwei, drei Tauben hüpften um die Tische und Stühle herum und erhofften hier und da einen Leckerbissen aufpicken zu können. Ich dachte, irgendwie gehören auch sie zu den Verlierern der letzten zwei Jahre. Waren doch die Orte, an denen Menschen ihre Speisereste hinterließen, die diesen größeren Stadtvögeln Nahrung geben, von heute auf morgen verschwunden. Tauben, meistens unerwünscht, irgendwie geduldet.

Und ich musste an einen kurzen Beitrag denken, den ich neulich in den sozialen Medien las. Die duale, fast rationale und sehr ehrliche Betrachtung beeindruckte und berührte mich. Alfons Müller schrieb diese Zeilen. Ihr kennt Alfons bereits. Er veröffentliche hier auf meinem Blog als Gastautor. Kurzentschlossen kontaktierte ich ihn und fragte, ob er seinen Beitrag hier mit meinen Lesern teilen möchte. „Gib mir zwei Tage, Petra. Ich schicke Dir den Text und die Bilder. Ich freue mich!“  Gestern Nacht erhielt ich seine Email. 

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Symbol des Friedens

Ein Beitrag von Alfons Müller

Aus aktuell gegebenen Anlass habe ich hier zwei grundverschiedene Versionen von Tauben. Das eine ist eine Friedenstaube, wie man sie aktuell zu hunderten in den sozialen Medien bewundern kann.

Ein willkürliches Beispiel, wie es uns täglich mehrfach aus den sozialen Medien übermittelt wird.

Die andere ist eine Stadttaube, also Ungeziefer, eine Ratte der Lüfte, die die ganze Großzügigkeit und Güte der menschlichen Rasse zu spüren bekam. Eine Friedenstaube, die versucht hat, sich irgendwo niederzulassen.

Foto privat: von Alfons Müller

Einst wurden diese Vögel von den Menschen gezüchtet, um ihnen als Brieftauben oder auch als Nahrung zu dienen. Einige von ihnen sind ausgebüchst und haben sich in den Städten vermehrt. Und jetzt sind sie dem Menschen überflüssig und lästig. Man verordnet gesetzlich ihren Hungertod, sie werden gejagt, getreten und überfahren.

Aber das Schlimmste daran ist, dass der Mensch die heuchlerische Falschheit besitzt, diese von ihm gehassten Kreaturen, die selbst keinen Frieden von ihm erfahren dürfen, zu seinem Friedenssymbol zu machen. Eine derart falsche und hinterhältige Spezies sollte jeden Tag dankbar dafür sein, dass sie solche Vertreter ihrer Art wie Wladimir Putin hat. Auf solche Typen kann die Menschheit all ihre Bösartigkeit projizieren. Das ist ein bisschen wie im Knast, wenn der Vergewaltiger mit dem Finger auf den Mörder zeigt. Einer glaubt, weniger schlecht als der andere zu sein, doch am Ende sind beide gleich verdorben.
Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich diese beiden Bilder sehe und wenn ich auf die aktuellen Ereignisse in der Welt schaue, und ich komme nicht umhin, mich für die Falschheit der verdorbenen Menschheit zu schämen.

Es mag ja sein, dass die Großen und Mächtigen dieser Welt Kriege anzetteln. Aber wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass auch der mächtigste Tyrann alleine keinen Krieg führen kann.
Der Feuerzunder dafür liefern genau solche Menschen, die in ihrem Hochmut und ihrer Ignoranz dafür Sorge tragen, dass Friedenstauben sich nirgends niederlassen können, ohne zu enden wie der bedauernswerte Vogel auf dem Bild.

Ich sage nicht, dass alle Menschen verdorben sind. Aber es sind
auch nicht nur ein paar wenige in den Kreisen der Reichen und Mächtigen, denn die könnten den Weltfrieden alleine auch nicht gefährden. Man hat eher den Eindruck, dass die menschliche Rasse von einer immer größer werdenden Zahl an heuchlerischen und durch und durch verdorbenen Vertretern
durchsträhnt wird, die in allen Ethnien, in allen Nationen und in allen Religionen sitzen wie die Flöhe im Fell eines Hundes.

Wir können für den Frieden beten, wenn der Krieg ausgebrochen ist und können hoffen, dass irgend
eine Gottheit unsere Gebete erhört und den Krieg beendet.

🔸️Oder wir können dafür sorgen, dass kein Krieg ausbricht, indem wir alle jeden Tag Frieden
leben und dafür sorgen, dass unsere Friedenstauben sich gefahrlos niederlassen können.

Dann werden Gebete genauso wenig notwendig sein wie die Gunst eines barmherzigen Gottes.

Foto privat: Alfons Müller

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PS: Pablo Picasso zeichnete für den Weltfriedenskongress 1949 in Paris eine Taube. Am Abend dieses Kongresses wurde seine Tochter geboren. Er nannte sie daraufhin Paloma – Taube. 1955 erhielt Picasso für diese von ihm entworfene Taube den Friedenspreis. Seitdem ist sie das Symbol der Friedensbewegung.

DD, 13. Februar

Heute ist wieder ein 13. Februar. Der Tag in jedem Jahr, an dem mein Herz und meine Gedanken ganz besonders in dieser wunderschönen Stadt verweilen. Meiner Heimatstadt Dresden

Vor sieben Jahren schrieb ich diesen Beitrag. Der heutige Tag soll Anlass sein, ihn nochmals auf Euren Weg zu geben.

Möge sich das, was damals in dieser Welt geschah, niemals, niemals! wiederholen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.


„Ich will euch etwas erzählen. Etwas, das wir niemals vergessen dürfen. Ihr habt es zum Glück nicht erlebt und sollt das niemals erleben. Aber ihr sollt dafür sorgen, dass so etwas niemals mehr geschehen wird. Hört zu. Ich war mittendrin. … „, so begann Frau Kunath, meine damalige Klassenlehrerin.
Es war in der ersten oder zweiten Klasse vor über fünfzig Jahren. Die dunklen Augen in dem sonst so fröhlichen runden Gesicht der kleinen Frau füllten sich mit Tränen und sie sah so sehr traurig aus. Diese Situation hat sich in mir eingebrannt, weil ich zu diesem Zeitpunkt davon das erste Mal erfuhr. Jedes Wort saugte ich in mir auf. Sie schilderte uns kindgerecht, wie schrecklich die Bombennacht auf Dresden war. Erzählte uns von den Ängsten der Menschen, der wahnsinnigen Hitze der brennenden Stadt und den folgenden zwei weiteren sinnlosen Bombenabwürfen auf das bereits in Trümmern liegende, brennende Dresden. Sie erinnerte sich, wie sie mit ihrer Mutter durch die kaputten Straßenzüge ging und sich wunderte, weshalb die Leute in dem entgleisten Straßenbahnwagen schliefen. Die starken Druckwellen nahmen den Menschen das Leben. … Sie erzählte uns auch, wie stark die Dresdner waren, wie sie mit ihren Händen und dem Wenigen, was noch war, ihre Stadt Stein um Stein aufbauten. Wie vor allem Frauen, die Trümmerfrauen, schufteten, weil viele Männer nicht aus dem Krieg zurückkamen und mit anpacken konnten …

Jedes Jahr, wenn sich der 13. Februar nähert, denke ich an diese Episode, die sich in mein Bewusstsein bis heute eingebrannt hat. Jedes Jahr, solange ich in Dresden lebte, ging ich, wie so viele andere Dresdner, zur Ruine der Frauenkirche, ein Symbol, ein Mahnmal an diese Bombennacht.
Lange konnte ich den Neuaufbau der Frauenkirche nicht akzeptieren, ich war zerrissen eben aus diesem Grund. Im Jahr 2003 hatte ich die Gelegenheit noch während der Bauphase die Kirche von innen zu sehen. Als meine Hände über das helle, warme Holz im Inneren glitten, versöhnte ich mich allmählich. Heute ist diese Kirche für mich ein wunderbares Kunstobjekt, hell, warm, positiv und einladend.

Heute ist wieder ein 13. Februar. Meine Gedanken sind in meiner Heimatstadt und ich weiß, dass 22:00 Uhr wieder alle Glocken in der Stadt läuten und ich um diese Zeit einen Herzschlag Zuhause sein werde.

Die politische Situation in Europa, in unserem Land und auch in Dresden ist prekär, wie seit langem nicht. Das wird sicher jedem von uns bewusst sein.
Mich quält jedoch, dass solch ein Tag wie dieser, von jeglichem politischem Couleur benutzt und missbraucht wird, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die einen blauäugig, die anderen spekulativ, die nächsten provokant – gar aggressiv, andere suggestiv …

Lasst den Dresdnern diesen Tag, um zu gedenken und sich selbst das Versprechen zu geben, dafür Sorge zu tragen, dass derartige Sinnlosigkeiten wie am 13. und 14. Februar 1945 in Dresden nie wieder geschehen werden.

Bilder: Holger Wagner und Petra Kolossa, November 2009

Möge der Rathausmann seine Hand schützend über Dresden halten …

In diesem Sinne, herzlich Ihre Petra Kolossa.

So viel Zeit muss sein

… bremse ich mich. Den Mantel, den ich bereits vom Kleiderbügel nahm, lege ich über einen Stuhl und gehe in die Küche zurück. Ich ziehe mir den Stuhl an den Tisch und angele nach meiner Tasse Kaffee, die bereits auf der Küchenspüle abgestellt steht. Noch halb gefüllt mit lauwarmem starkem Kaffee. Ich nehme einen Schluck davon und rüge mich selbst, ständig in Eile sein zu müssen.

Des öfteren bereiste ich vor vielen Jahren die damalige Sowjetunion. Ganz gleich in welchem der Unionsländer ich mich aufhielt, ob Russland, die Ukraine, Weißrussland … überall traf ich auf den gleichen Brauch.

„Petra, bevor du davonrennst“, wurde ich am Handgelenk festgehalten. „setze dich bitte zu uns für fünf Minuten.“ Ich wurde auf einen Stuhl gedrückt. Es war damals die erste Begegnung mit dieser schönen Geste. Ich besuchte eine Familie in Leningrad – heute Sankt Petersburg. Die gesamte Familie meines jahrelangen Brieffreundes Sergej saß am Tisch. Seine Frau erklärte mir, dass es gut sei, bevor einer das Haus verlässt, sich in Ruhe ein paar Minuten hinzusetzen und alles Liebe auf den Weg in den Tag in Empfang zu nehmen.

Ich schaute sie erstaunt an. Sie sagte mir, es sei sehr wichtig, selbst zur Ruhe zu kommen und entspannt zu gehen. Hinzu käme, dass keiner weiß, was da draußen an diesem Tag auf jeden einzelnen warte. Jeder soll in Frieden gehen, ohne schlechte Gedanken im Kopf und gesund zurück kehren.

… mein Smartphone liegt auf dem Tisch. Ich öffne WhatsApp und tippe:

„… ich habe noch fünf Minuten, bis ich in den Job gehen muss. Verbringst Du die Zeit mit mir?“ …

Welcher Typ seid Ihr? Wie handhabt Ihr es am Morgen?

Geht Ihr in Ruhe? Oder seid Ihr, wie meistens auch ich, immer nur in Eile?

Für Euch alle einen ruhigen und friedlichen Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

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Ich schnappe jetzt meine Tasche und auf geht’s in den Tag 🙂

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