Die Qual der Wahl

Was war die schwerste Entscheidung, die Du je treffen musstest? Warum?

Ehrlich: Ich kann es nicht sagen. Weißt Du, welche Entscheidung Dir besonders schwerfiel?

In der Regel bin ich ein Schnellentscheider. Das hat etwas Gutes,  kann aber auch tüchtig nach hinten losgehen. Ich kenne beide Seiten. Nur wenn ich Geld für mich selbst ausgeben will, prüfe ich ziemlich lange, bis ich mich entschließen kann und ich es endlich tatsächlich tue.

An eine Entscheidung, die mir sehr, sehr schwerfiel, kann ich mich noch gut erinnern. Wenn ich aus heutiger Sicht darüber nachdenke und ich meine bisherigen Lebenserfahrungen einbeziehe, bin ich mir nicht sicher, ob ich damals genauso entschieden hätte.

Erst vor ein paar Monaten fielen mir Tonbänder in die Hände, die ich damals auf meinen vielen Autofahrten mit Hilfe eines Diktiergerätes besprochen hatte. Auf diesen Bändern dokumentierte ich meine damalige Zerrissenheit. Als ich mir die Bänder anhörte, war es wie ein Zeitsprung. Ich spürte meine verzwackte Situation von einst hautnah.

Bereue ich meine damalige Entscheidung? Nein, auf keinen Fall. Zumal ich kein Mensch bin, der in der Vergangenheit lebt. Es ergibt für mich keinen Sinn, sich lange daran aufzuhalten und das Gehirn mit einem „hätte, könnte, wenn“ zu quälen.

Jedoch glaube ich daran, dass alles, was man tut, ganz gleich was es auch immer ist, einen Sinn ergibt und unser weiteres Leben bestimmt.

Und so kam es, dass viele meiner Entscheidungen, die guten wie auch die miesen, mein Leben nachhaltig bereichern.

Im Nachhinein bin ich dankbar für all die Resultate meiner Entscheidungen.

Denn das Leben ist das Ergebnis eben dieser Entscheigungen, die wir täglich treffen.

Habt einen phantastischen Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Zukunftsvision: Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Täglicher Schreibanreiz
Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Hoffentlich in einem wieder auf die Füße gestellten Deutschland.

Das war mein erster Gedanke. Natürlich weiß ich, dass sich die Frage nicht auf einen geographischen oder territorialen Punkt bezieht. Diese Frage ist einem klassischen visionären Entwicklungsplan entnommen. Wo sehen Sie sich in einem, in fünf und in zehn Jahren.

An sich wollte ich die heutige blöde Frage ignorieren. Denn sie ist rein rhetorisch. Oder glaubst Du, dass es einen Personalleiter beim Bewerbungsgespräch, einen Seminarleiter, oder neudeutsch: Coach, interessiert, wo Du Dich in zehn Jahren siehst? Interessant für diese Leute ist es natürlich, zu beobachten, wie Du Dich beim Beantworten verhältst, wie zielorientiert Du denken kannst und ob Du überhaupt in der Lage bist, eine Vision für einen Zeitpunkt in zehn Jahren zu entwickeln. In dem Sinne ist also der Weg zum Ziel das Ziel.

Ich bin in der komfortablen Situation, auch in zehn Jahren meinen Ruhestand genießen zu dürfen, hoffentlich. Ich denke schon lange nicht mehr in diesen visionären Zieletappen. Vor vielen Jahren wurde mir bewusst, dass mich das Jagen nach irgendwelchen visionären weit entfernten Zielen nicht erfüllt. Mein großer Planradius dreht sich im Jahresrhythmus; mein kleiner spielt in Tageseinheiten.

Ich sehe mich auch in zehn Jahren meinen Blog schreiben. Der wäre dann einundzwanzig Jahre alt. Frage an WordPress: Werdet Ihr uns ebenso in zehn Jahren begleiten? 😉

Wie würdest Du die heutige Frage beantworten? Schreibe es einfach in die Kommentare.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

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15-Minuten-Städte

Sicher hast Du schon einmal etwas von 15-Minuten-Städten gehört. Gelegentlich keimt das Thema in den Medien auf. Und jedes Mal, wenn ich davon hörte, nahm ich mir vor, einen Blogbeitrag zu diesem Thema zu schreiben. Heute nun soll es endlich sein.

Eine kleine Rückblende in die 1970er Jahre und folgende. Damals wohnte ich mit meiner Familie in einem  sechsgeschossigen Wohnblock in einem Wohngebiet, oftmals auch Neubaugebiet genannt oder auch Wohnkomplex. Von diesen Wohngebieten gab es unendlich viele. Dort fand man derartige Wohngebäude mit mehreren Hauseingängen vier-, fünf, sechsgeschossig oder auch Hochhäuser mit acht Etagen und mehr. Abwertend wurden diese Gebäude auch „Platte“ genannt. Um den Wohnungsbedarf zu decken, wurden diese Häuser mit vorgefertigten Betonplatten hochgezogen. Selbst das Bad war bereits einbaubereit. Als sogenannte Nasszelle wurde es während des Bauprozesses eingelassen. Die Wohnungen hatten in den Gebäuden immer den gleichen Schnitt. Es war letztendlich eine rationelle Lösung, ein schneller Wohnungsbau, um den vielen Wohnungssuchenden zeitnah eine Wohnung zur Verfügung stellen zu können. Wohneigentum, also Häusle bauen, war in dem getrennten Teil Deutschlands, der DDR, nicht die Regel, eher sogar eine Ausnahme.

Diese Wohngebiete wurden landschaftlich begrünt und wenige Jahre später wirkten die Gebiete sympathisch gut eingewachsen. Bäume und Sträucher spenden Schatten, es gibt Blumenrabatten, weitläufige Wiesen. Durch manche Wohngebieten schlängelt sich ein kleiner Bach.

Entsprechend der Größe der Gebiete lebten dort zwischen fünfzehn- und dreißigtausend Menschen. Die Städteplanung berücksichtigte alles Notwendige. Es gab eine Kinderkrippe, einen Kindergarten, eine Schule, eine Sporthalle, Kinderspielplätze, ein Einkaufszentrum, einen Friseur, Kosmetik, Schuster, eine Reinigung, ein Blumengeschäft, eine Poliklinik mit allen notwenigen Ärzten, Labor und Röntgen, es gab eine Apotheke, eine Wohngebietsgaststätte, eine Diskothek, eine Kegelbahn. Weitere Geschäfte, ein Kino, ein Theater, die Kirche, das Rathaus und so weiter, befanden sich nur wenige Gehminuten entfernt im alten Ortskern. Die Straßenbahn und der Linienbus hielt auf der Hauptverkehrsstraße. Damals hatten die wenigsten Leute ein eigenes Auto.

All das, was ich gerade aufzählte, war innerhalb von fünfzehn Minuten erreichbar. Das engere Leben spielte sich im eigenen Wohnumfeld ab. Die Menschen kannten sich, waren sich nachbarschaftlich, teils freundschaftlich, verbunden. Man achtete auf einander, half sich und verbrachte Zeit miteinander.

Waren das 15-Minuten-Städte? Aus der heutigen Sicht betrachtet, behaupte ich, es waren welche.

Nun wird behauptet, das dieses Konzept einer 15-Minuten-Stadt erstmals 2016 von Carlos Moreno von der Sorbonne-Universität formuliert wurde. Das wundert mich sehr. Der Begriff mag neu sein. Die Idee ist es nicht.

Natürlich sind über dreißig Jahre ins Land gegangen. Denn diese Wohnkomplexe wurden nach der sogenannten Wende Deutschlands verteufelt. Die „Platten“ wurden zum Teil rückgebaut und Wohnraum genommen. Es war nicht mehr schick in derartigen Wohnungen zu leben. Wer etwas auf sich hielt, schaffte Eigentum, oder wohnte wenigstens entsprechend zur Miete. Diese Wohngebiete wurden zu „typisch DDR“ dekradiert. Selbst für die Schufa war es wichtig. Wer in solchen Wohngebieten lebte, hatte nicht genug Geld, sich etwas angemessenes zu leisten und wurde im Ranking entsprechend bedacht.

Heute sind solche Wohnungen im Vergleich relativ preiswert und werden gern für die sogenannten Wohnberechtigungsscheine benutzt. Die verbliebenen Häuser wurden mit Aufzügen versehen und modernisiert. Leider haben sich die Wohnkomplexe bzw. Wohngebiete zu Satellitenstädten entwickelt. Es ballen sich die verschiedensten Kulturen, die dort ihr eigenes Ding leben und das Umfeld verleben.

Ohne der Digitalisierung ist die Vision der heutigen modernen 15-Minuten-Städte nicht vorstellbar. Und natürlich läuten da bei vielen Menschen nicht ohne Grund die Alarmglocken. Schlägt es doch unweigerlich den Bogen zum gläsernen Menschen.

In China arbeitet man intensiv an derartigen Projekten. Aber wir wissen auch, dass dort das „social credit system“ bereits Normalität ist. Übrigens, auch Russland will das „soziale Kreditsystem“, wenn auch auf Freiwilligenbasis, testen. Aber das ist ein anderes Thema.

Paris soll eine 15-Minuten-Stadt werden und in Deutschland versucht sich Hamburg an dem Ziel. Hamburg will seine Stadtteilzentren auf diese Weise attraktiver machen. Der Bund fördert die 15-Minuten-Städte übrigens für zwei Jahre, genau bis Dezember 2026.

Mein Fazit: Ich mag 15-Minuten-Städte. Damals lebte ich gern in einer solchen und sie hatte sich tatsächlich bewährt. Das, was nun angestrebt wird, ist eine bereits erprobte und bewährte Sache, modernisiert, zeitgemäß, mit etwas frischer Farbe, neu lackiert, also nicht wirklich neu.

Wie stehst Du zu 15-Minuten-Städten? Vielleicht hast auch Du einmal in einer solchen gelebt? Lass es uns bitte wissen. Schreibe es einfach in die Kommentare.

Heute ist ein wunderschöner Tag. Angenehme vierundzwanzig Grad, Sonne, ein laues Lüftchen.

Genießt den ☀️igen Tag. Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Das heutige Bild:

Eine Städtelandschaft, die ganz sicher keine 15-Minuten-Stadt ist. Es ist ein Bild aus meiner Werkgruppe „Calligari“. Hier also meine Interpretation von „Miami“. 2018, 100 x 70 cm, Acryl auf Leinwand. Du bist an dem Bild interessiert?  So kontaktiere mich bitte einfach.

Live is life

Welche Strategien wendest du an, um dein tägliches Leben angenehmer zu gestalten?

Oh je! Welche Fragen einem so über den Weg laufen. Ich musste fast ein wenig lachen. Solch ein großes Wort: Strategie☝️ Das Wort Strategie und tägliches Leben angenehm gestalten, passen irgendwie nicht zusammen.

Das bedeutet doch, dass ich mein tägliches Leben genau plane und alles strategisch präzise kalkuliere, um dann ein täglich angenehmes Leben zu haben. Hm, das ist irgendwie irrwitzig.

Wer kann schon alle Faktoren berechnen und einkalkulieren, um das tägliche Leben zu überlisten? Ich denke, dass der Gedanke, man könne es, bereits das Leben killt.

Leben ist ständige Bewegung und Veränderung. Es ist voller Überraschungen. Das Leben ist ein Hoch und ein Ab. Und oftmals können wir es nicht unmittelbar beeinflussen; und schon gar nicht strategisch.

Soeben muss ich an den alten Song „Live is life“ von „Opus“ aus dem Jahr 1984 denken. Wie unbekümmert haben wir damals in den Diskotheken mitgestampft.

Leben ist leben. Ganz einfach 😉

Ich binde keine Strategien in mein tägliches Leben ein.

Routinen und Dinge, die ich einfach mag, weil sie mir gut tun, stehen auf einem ganz anderen Blatt.

Wie ist es bei Dir? Gehst Du Dein tägliches Leben strategisch an, damit Du es angenehmer hast?

Schreibe es doch einfach in die Kommentare.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Katzen haben sieben Leben, sagt man.

Du schreibst deine Autobiographie. Wie lautet dein Eröffnungssatz?

Kurz überlege ich und denke, meiner wäre wahrscheinlich: All das, was in meinem Leben geschah, machte mich zu dem, was ich heute bin.

Logisch. Oder? Das betrifft wohl jeden von uns. Wie soll es auch anders sein. Ob das, was in unserem Leben so geschieht, auch tatsächlich das ist, was wir immer wirklich wollen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sind wir nicht oft genug irgendwelchen Vernunftsentscheidungen unterworfen?

Um die eigene Seele zu beruhigen, reden wir uns ein, dass diese Entscheidung zu diesem Moment genau die einzig richtige war.  Wir haken es ab und gehen weiter. Später, viel später fragen wir uns, was wäre, hätten wir uns damals anders entschieden. 

Hätte, hätte Fahrradkette. Es ist wie es ist. Es war genauso richtig, trösten wir uns. Welchen Sinn ergebe es, wenn wir anders darüber denken und uns fiktiv anders entscheiden würden? In der Vergangenheit können wir sosieso nichts mehr verändern. Es ist geschehen. Unverrückbar, unveränderlich. Punkt.

Jedoch ist eines definitiv richtig. Das, was einst geschah, prägt unser Leben und zeichnet das ab, was wir heute sind. Ganz gleich, ob die Entscheidungen einst richtig waren oder wir aus unserer heutigen mit weiteren Lebenserfahrungen gefüllten Perspektive so manche Entscheidung anders getroffen hätten oder diese zu gern korrigieren würden.

Unser Leben ist eine Aufreihung von Entscheidungen. Tun, nicht tun, vielleicht. Ja, nein, jein. Das Jein kapiert unser Leben nicht und wir müssen aus dem ein Entweder-oder machen. Gelingt es uns nicht, tun es andere für uns. Das mag für diesen und jenen unter uns bequem erscheinen, zumal das Resultat später dem Schicksal oder dem Glück zugeschriebenen werden kann. Man glaubt da so ziemlich außen vor zu sein, sozusagen unschuldig an der Misere oder eben einfach nur Glück gehabt, wenn der Ausgang positiv war.

Nun gut. Mein oben gewählter Eröffnungssatz ist wohl doch etwas zu pragmatisch. Und ganz sicher würde ich so meine Autobiographie nicht beginnen.

„Eine Katze habe sieben Leben, sagt man.“

Das wäre der Satz, mit dem ich meine Autobiographie starten würde. Es entspricht den Tatsachen. Es gab sieben harte Brüche in meinem Leben. Einer Katze gleich, bin ich nach jedem mehr oder weniger gut auf meinen Pfoten gelandet.

Leben heißt weiter, weiter, weiter. Wir bestimmen das Tempo. Doch ohne diesem „weiter“ sind wir tot.

Wie würde der Eröffnungssatz Deiner Autobiographie lauten?

Da bin ich ganz gespannt. Schreibe es doch einfach in die Kommentare.

Habt einen fantastischen Tag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

PS: Das Glücks-Kätz findest Du in meinem Shop.

Das ideale Zuhause oder Kompromiss?

Wie sieht dein ideales Zuhause aus?

Lebst Du in Deinem idealen Zuhause? Ich meine damit Dein physisches Umfeld. Ich spreche nicht von den Menschen, die Dich umgeben. Betrachte Dein Zuhause und überlege, ob es Dein ideales Zuhause ist.

Für mich muss ich feststellen, dass mein Zuhause bis zum heutigen Tag immer irgendwie ein Kompromiss war und ist.

Lebt man in einer Partnerschaft, einer Wohngemeinschaft oder sonstiger gemeinschaftlicher Konstellation mit anderen, ist es wahrscheinlich meistens so, dass das Zuhause ein Mischmasch verschiedener Stile ist. So ist meine Erfahrung.

Dann gibt es die Partnerschaften, in denen einer der beiden das Gestalten des Zuhauses vertrauensvoll in die Hände des anderen legt. Aus Bequemlichkeit, aus eigener Stilunsicherheit, vielleicht auch, um dem anderen einen Gefallen zu tun, sich austoben zu können.

Besonders schwierig ist es, wenn zwei gestandene Haushalte zu einem zusammengefügt werden sollen. Vermittelt zu Beginn die euphorische Liebe und das große Verständnis füreinander, werden sicher so einige Dinge und Stilbrüche in späterer Zeit schlichtend taktvoll ausgebügelt werden müssen.

Die schlechteste Voraussitzung für ein ideales Zuhause ist aus meiner Sicht, wenn in einer Partnerschaft einer der Zwei in die Wohnung des anderen zieht. Ich denke, dann können wir nicht von Kompromissen, sondern von Toleranz und Akzeptanz sprechen. Meistens wird das wahrscheinlich immer das Zuhause des anderen bleiben.

Ein großer Kompromiss vor vielen, vielen Jahren war eine Wohnungseinrichtung in „Eiche rustikal“ und einem großen Sofa in dunklem Beige. Ich hasse beige! Keine Farbe ist langweililger, als beige. Ich mag keine Möbel in Eiche, schon gar nicht rutikal. Ein zweites Beispiel ist, als ich in eine Wohnung gezogen bin, die sehr niedrige Decken hatte und die Zimmer viel zu klein waren. Hinzu kam, dass die Decken und teilweise auch die Wände mit Holz, vertäfelt waren, was dem Ganzen noch mehr Raum nahm und damit dunkel wirkte. Die Möbel waren aus Weichholz, Kiefer oder so. Das alles gab mir ein dumpfes Gefühl. Ich fühlte mich eingeengt, oftmals traurig und ausgesaugt. Ich dachte später noch oft über diese Situation nach und ich denke, dass das unter anderem der Grund war, weshalb die Bewohner dieses Hauses lieber die Zeit im Garten, der Werkstatt oder sonstwo draußen im Freien verbrachten.

Ein nicht unerheblicher Aspekt für ein ideales Zuhause ist die finanzielle Seite. Also dem, wie man es gern hätte und dem, was das eigene Budget hergibt. Auch hier geht man höchstwahrscheinlich oft Kompromisse ein.

Heute lebe ich mit Kompromissen, mit denen ich gut umgehen kann. Es sind also echte Kompromisse. Nur Menschen mit großem Feingespür bemerken das. Denn es ist recht gut gelungen. Da bin ich mir sicher.

Habe ich früher immer wieder gern mein Wohnumfeld umgestaltet, Möbel verrückt, Wände farbig gestrichen, mit kleinen Arrangements Blickfänge geschaffen und somit für Lebendigkeit gesorgt, tue ich das heute nicht mehr. Ein Kompromiss, mit dem ich glaube leben zu können. Es gibt Menschen, die Veränderungen ablehnen, die ihr Gleichmaß im Wohnumfeld brauchen. Menschen, die Gegenstände über Jahrzehnte am gleichen Platz stehen haben, die dann nervös werden, wenn das plötzlich nicht mehr der Fall ist. Ich wiederum gehöre zu denen, die keine Lust haben, sich Veränderungen begründend zu erkämpfen. Das nimmt mir die Freude am Tun. Also lasse ich das und beschränke mich in kleinem Stil zum Beispiel auf mein Atelier bzw. Arbeitszimmer.

Mein ideales Zuhause dominiert mit weißen, hellen, kühlen Naturtönen und dunklem Pendant. Ich mag ein Zwischending aus klaren leichten Formen. Etwas nordisch, etwas Landhaus. Ich mag große. luftige, offene Räume, viel Licht, große Fenster, leichte Stores. Ich mag ungeschliffenes Glas. Immer wenn ich graviertes Glas sehe, mag es noch so künstlerisch gemacht sein, habe ich das Gefühl, dass die Oberfläche verletzt wurde. Streiche ich mit meinen Händen über ein solches Glas, habe ich das Bedürfnis, es zu reparieren. Hmm, das nur so am Rande. – Ich mag kühle Metalle, wie Edelstahl, Silber und ähnliche. Ich bevorzuge Wohnungen ebenerdig mit einer großen Terrasse. Ich mag frische Blumen in klaren einfachen Vasen, moderne wechselnde Dekorationen und knallbunte künstlerische Akzente. Ganz wichtig ist, dass in der Nähe meines Zuhauses Wasser ist, auch wenn es nur ein kleiner Bach ist. Es muss ein Gewässer sein, dass immer lebt und in keiner Jahreszeit auszutrockenen droht oder gar versickert.

Im Februar 1998 kaufte ich mir eine Zeitschrift von „Schöner wohnen“ zum Thema „weiß & natur“. Diese habe ich bis heute aufgehoben. Fünfundzwanzig Jahre schleppe ich diese Zeitschrift mit mir herum. Ich glaube, ich klammere mich ein wenig an einen kleinen Traum, den ich nicht beiseite legen mag.

Heute habe ich nur schnell ein Foto von dem Platz gemacht, an dem ich diesen Beitrag schreibe. Es ist die Blickrichtung von meinem Arbeitsplatz in Richtung des großen Fensters. Durch das Fenster linker Hand fällt die spätsommerliche Mittagssonne. Welch herrliches Wetter!

Wie sieht Dein ideales Zuhause aus? Schreibe es einfach ins Kommentarfeld. Ich bin ganz neugierig.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Dem Pfad der Sonne folgen

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen. Eine ganz alltägliche, kleine Geschichte, die eigentlich keine große Aufmerksamkeit wert ist.

Bei dem tollen Wetter heute machte ich eine kleine Tour durch die Natur. Ich beschloss, dem Pfad der Sonne zu folgen, ich ging einfach immer in ihre Richtung.
So lief ich über Wiesen und weite Felder, mit meinen Hunden, denen ich ihre Wildheit ließ. Die ich nicht zu Menschen erzogen hatte. Die mich zu einem Wolf erzogen haben.

Ich durchquerte Obstanlagen und Hopfengärten immer in Richtung der Sonne und erreichte schließlich einen Wald. Entlang der Wege begegneten mir gestresste Menschen, die mit roten Gesichtern und Skistöcken durch den Wald hetzten. Es sah ein bisschen so aus, als wären sie auf der Flucht vor ihren Uhren, die sie am Handgelenk trugen und die sie zu jagen schienen.

Doch dann schien die Sonne durch hohe Tannen und wies mir den Weg in den dichten Wald. Hier gab es keine Menschen und keine Hektik mehr. Es ging nur noch darum, leise zu sein und zuzuhören.

Foto: Willy Holger Wagner

Zahllose Schmetterlinge flogen zwischen den Bäumen umher, als der Wald wieder lichter wurde. Ich glaubte, ihre Flügelschläge zu hören und sie setzten sich fast auf meine Nase. Das Zwitschern der Vögel war Musik in meinen Ohren, von irgendwoher lachte mich ein Grünspecht aus (der Ruf des Grünspechts klingt ein bisschen wie lautes Lachen ), wahrscheinlich, weil ich nicht fliegen kann. Ich fand sogar ein vierblättriges Kleeblatt und nahm es nicht mit. Es reicht, dass ich es gesehen habe, denn es ist allein der Glaube, der uns dem Glück zugänglich macht.

Auf einmal schien ich die Aura der Bäume zu sehen und ich konnte die Sphären, die unsere sichtbare Welt umgeben, zumindest erahnen. Der ewige Kreis von Werden und Vergehen war hier normal und alltäglich und hatte nichts von dem Schrecken, den die Menschen ihm anhaften. So ging ich weiter meinen Weg, immer geleitet von der Sonne. Als ich den endlos scheinenden Wald durchquert hatte, bot sich mir ein atemberaubender Blick über das weite Argental, den Bodensee und dahinter die Alpenkette.

Wieder über Wiesen und Felder machte ich mich auf den Heimweg und war tief in Gedanken versunken.
Wie anfangs erwähnt, eine alltägliche Geschichte, ein Waldspaziergang, weiter nichts.
Und doch war mir klar, dass das, was ich heute erlebt habe, dem größten Teil der Menschheit verborgen bleibt. Wie sonst ließe sich der respektlose Umgang mit der Natur erklären?

Ich dachte darüber nach, wie es mit der Erde weiter gehen sollte. Ist es erstrebenswert, in einer Welt zu leben, in der man sich sogar nach der schmerzhaften Erfahrung eines Bienenstichs sehnt, weil diese einem zeigt, dass irgendwo noch ein bisschen Leben ist?
Weil sie einem zeigt, dass man selbst noch lebt? Sollen unsere Kinder nicht mehr wissen, wie schön Schmetterlinge sind oder wie der Gesang von Vögeln klingt?

Wir müssen auf die Erde aufpassen, denn dann passt sie auch auf uns auf und lässt uns leben.
Und wenn wir dabei auch nicht an künftige Generationen denken, so weiß keiner von uns, woher er einst kam und wohin er einmal geht.
Wer garantiert uns denn, dass wir die Erde nicht mehr brauchen, wenn wir dereinst in ihrem Schosse ruhn?

Herzliche Grüße, Euer Alfons

Zerrissen

Von mir unbemerkt stand sie neben meinem Auto. Sie war auf einmal da.
Ein leises Lächeln, den Kopf gebettet in den hochgezogenen Schultern.
In den Taschen ihrer Latzhose die Hände tief vergraben schaute sie mich an.

Ich drehte den Zündschlüssel nach links und stieg aus.

Sie sprach mich sofort an: „Was ist das für Kunst, die du machst?“  Mit einer Kopfbewegung wies sie auf das Heck meines Autos. „Ich hab‘ das gelesen und ich dachte, ich frag einfach mal.“
Ich sagte es ihr und spürte, sie war irgendwie interessiert, jedoch mit ihren Gedanken nicht bei meinen Worten.
Sie schwieg. Ihr Blick wanderte über den großen Dreiseitenhof auf der anderen Straßenseite.

„Ich bin Kirchenmalerin und Restauratorin. Mache aber schon lange nichts mehr. Als Bäuerin hast du keine Zeit für sowas. Kannst ja davon nicht leben. Brauchst einen Mann, der alles bezahlen kann“, sinnierte sie und versackte in ihren Gedanken.

Ausdruckslos schaute sie auf ihr Bauernhaus, holte tief Luft und zeigte mit ausladender Bewegung auf die rechte Tür des Hauses.
„Das habe ich gemacht! Kunst!“, kam es zynisch, „die Tür rot gestrichen!“
Sie schaute mich herausfordernd an.

„Du musst wissen, das war die Tür meines Schwiegervaters. Wir haben uns nie gut verstanden. Er hasste meine rot gestrichenen Fensterläden.
Erst, als er verdammt alt war und ich irgendwie älter wurde, kamen wir uns näher.
Viel zu spät! Drei Tage vor seinem Tot haben wir beide auf dem Sofa gesessen und über Gott und die Welt gesprochen. Er meinte, er werde bald sterben. Wir haben noch Witze darüber gemacht, dass das noch lange nicht dran sei. Wir tranken einen über den Durst und amüsierten uns, wie es wohl sei, wenn man sich die Radieschen von unten ansehen würde.“

Sie holte tief Luft und ließ diese verzweifelt stöhnend wieder frei.
Der kühle spätherbstliche Abendwind griff sie auf und trug sie fort.

Ihr stumpfer Blick traf mich, als sie sagte:

„Er ist vor nicht einmal zwei Wochen gestorben. Seine Tür habe ich rot gestrichen und
auf sein Grab säte ich Radieschen.“

Fast körperlich spürte ich ihre Zerrissenheit, ihre Wut auf das Vergangene, und die verstrichene Chance der endgültigen Versöhnung.

Bright Red Arched Door in a Stone Wall

 Einen schönen Samstag wünscht Euch, Eure Petra Kolossa.