Musstest Du über obige Frage lange nachdenken? Ich denke, dann gehörst Du wahrscheinlich zu denen, die sich selbst zu wenig gönnen. Was war das Letzte, das Du aus reinem Vergnügen nur für Dich selbst getan hast?
Erst gestern am Abend gönnte ich mir Zeit, in der ich etwas nur für mich selbst tat. So ließ ich mich doch von einem Beitrag, den ich im Internet fand, einfangen. Ihr kennt das sicherlich. Uns werden immer wieder Vorschläge auf dem Bildschirm präsentiert, die für uns spannend sein könnten. Meistens sind sie es nicht. Aber dieses Mal fesselte mich ein Beitrag des indischen Künstlers Suraj Patel. Er war mir bis dahin völlig unbekannt. Es wurde ein abstraktes Bild von ihm vorgestellt, das mich in den Bann zog. Ich las mich fest. Nach dem Artikel wurde ich neugierig und ich interessierte mich für weitere Werke dieses Künstlers. Einige wenige fesselten mich, die meisten eher nicht.
Meine Neugierde zum Thema abstrakte Malerei war geweckt. Vor längerer Zeit befasste ich mich bereits damit. Jedoch hatte ich damals festgestellt, dass unendlich viele Künstler und deren Werke in diesem Metier ihr Zuhause finden, die sich irgendwie künstlerisch betätigen wollen, jedoch nicht so recht wissen wie. Abstrakt kann alles oder nichts sein und somit glauben sie, sich in diesem Feld wiederzuerkennen. Ich denke, dass abstrakte Kunst inzwischen ein Sammelbecken für alles mögliche an Experimenten mit Farben, sonstigen Werkstoffen und eigenen Ideen ist. Es gelingt mal mehr und mal weniger.
Mit dramatischen Performances versuchen einige Künstler ihre Werke und Installationen in Szene zu setzen. Ich verstehe nicht, warum sich Künstler so wichtig nehmen und dem Publikum eine derart schlechte Show als Kunst vorgaukeln. Und das Verrückte ist, dass die Zuschauer bewundernd Beifall klatschen. Nun, vielleicht auch deshalb, um nicht als Kunst-Nichtversteher aufzufallen. Hinter diesem Link verbergen sich die zehn extremsten künstlerischen Performances.
Damals fand ich keinen Zugang zu derartigen simplen modernen Werken. Ich kann bis heute nicht verstehen, wenn ein Bild flüchtig mit drei Grünnuancen bepinselt und ein schwarzbrauner großer Klecks daraufgekliert wird, den Namen „Mensch auf der grünen Wiese“ erhält. Die Künstlerin hält strahlend und selbstbewusst ihr großes Bild in die Kamera. Sie bewundert ihr eigenes Ego und bietet ihr Werke zu utopischen Preisen an.
Wenn Maurizio Cattelan seine an die Wand geklebte Banane für schlappe sechs Millionen Dollar verkauft, erregt das Verwunderung und viele fragen sich, ob das Kunst ist oder eben nur eine Idee, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Der Künstler sieht das als Kunst, wie er selbst sagt. Es sei eine Reflexion über das, was wir wertschätzen.
Auch Joseph Beuys ist bis heute ein viel diskutierter Künstler. Vor ein paar Jahren sah ich einen dokumentarischen Film über ihn. Hier habe ich für Dich den Trailer dazu herausgesucht. Es ist ein sehenswerter Film, der mir Beuys definitiv näher brachte und ich sein Handeln wesentlich besser nachvollziehen kann. Uns allen ist seine Fettecke oder die missbrauchte und entwertete mistige Badewanne aus den Mitte der 1970er bekannt. Hier verlinke ich für Euch einen Beitrag des Spiegels zu dem Thema.
Zwei ganz typische Sätze, die wir immer wieder im Rahmen der abstrakten Kunst hören, sind:
- Ist das Kunst? Oder kann das weg?
- Was will uns der Künstler damit sagen?
Und ich denke, das sagt ziemlich genau, was abstrakte Kunst sein kann, andererseits nicht sein sollte.
Ich habe jetzt einen großen Bogen geschlagen. Deshalb ganz schnell zurück zum Thema.
Ich erzählte, dass ich im Internet mit der Nase auf die abstrakte Malerei gestupst wurde. Das Thema nahm mich gefangen und ich recherchierte fast vier Stunden zu den verschiedenen Bereichen der abstrakten Kunst. In mir keimt die Lust auf, etwas mehr in dieser Richtung zu arbeiten. Einige Werke schuf ich in diesem Stil. Jedoch trieb es mich immer wieder zurück zu pop art und Art déco.
Mein Anspruch ist, jedes Kunstwerk erklären zu können. Warum ich es schuf und welche Gedanken mich im Prozess des Arbeitens dazu trieben. So ist es auch bei sämtlichen meiner abstrakten Arbeiten. Wenn ich nicht sagen kann, warum und wie es entstand, was mich dazu bewogen hat, es zu erschaffen, ist es aus meiner Sicht nur eine hübsche Dekoration, eine Farben- und Materialspielerei.
Natürlich ist es, wie bei jedem Bild oder bei jedem Werk, dem jeweiligen Betrachter überlassen, zu sehen und zu fühlen, was er selbst in diesem Kunstwerk wahrnimmt, womit er sich verbunden fühlt, welche eigene Geschichte er damit verbindet.
Ich war einst auf einer kleinen Ausstellung. Eine Installation trieb mir große Fragezeichen ins Gesicht. Ich konnte damit wirklich nichts anfangen. Das Werk hinterließ in mir ein düsteres, bedrohliches und ungutes Gefühl. Ich fragte mich, was das ganze Ding bedeuten solle. Der Künstler war vor Ort, so nutzte ich die Gelegenheit und fragte ihn. Was tat er? Er warf den Ball an mich zurück. „Was sehen sie darin?“ Ich sagte es ihm. Er war so entsetzt, dass er nur noch sagen konnte, dass er diesem Objekt den Namen „Das Haus des Geistes“ gegeben habe. Ich sagte, dass ich jetzt verstehen könne, warum es in mir dieses mulmige Gefühl auslöst. Es könne nur ein böser Geist sein. Er guckte mich an, drehte sich um und ging. Er konnte es mir nicht erklären.
Den Betrachtern den Job des Erkundens zukommen zu lassen, finde ich nicht gut. Deshalb mag ich es nicht, wenn Bilder in Ausstellungen mit „o. T.“, also „ohne Titel“, ausgewiesen sind. Ich meine, dass es die Aufgabe von uns Künstlern ist, die eigenen Werke erklären zu können, warum es so ist, wie es ist.

Letztendlich war mein fast vierstündiger Bummel durch das weltweite Netz das, was ich zuletzt ganz allein für mich gemacht habe. Es gab mir einen Anstoß, mich mal wieder mit einer abstrakten Arbeit zu beschäftigen. Es hat meine Fantasie beflügelt. Ich freue mich darauf 🙂
Was war es, was Du zuletzt für Dich getan hast? Schreibe es einfach ins Kommentarfeld.
Bis morgen, herzlich, Eure Petra Kolossa.