Dunkellila und Augustäpfel

Heute ist der 13. August. Was mir am Morgen als erstes spontan in den Kopf kam: „Augustäpfel“. Ein Buch von Günter Striegler.

13.08.1961: Mauerbau in Deutschland. Das Verrückte ist, dass ich mich noch an ein Erlebnis erinnern kann. Ich war noch sehr klein, drei Jahre alt. Damals lebte ich bei meinen Großeltern in Rathenow. Bis Berlin war es nicht weit, cirka fünfundachtzig Kilometer. Es muss in dieser Zeit gewesen sein, als es noch einen Ost- und Westsektor gab.

Auf jeden Fall kam meine Mutti mit ihrer Schwester und ihrer Mutter aus dem „Sektor“ zurück. Ich weiß nicht, ob noch jemand dabei war. Aber sie debattierten, lachten und reflektierten ihre Erlebnisse. Sie sprachen gedämpft. Es sollte wohl kein Fremder von ihrem Abenteuer erfahren. Meine Mutter freute sich über ihre Errungenschaft, eine Strickjacke in tiefem dunklen Lila. Sie war grob gestrickt, ohne Knöpfe, fluffig und federleicht. Ich habe diese Jacke geliebt.

Als ich neun war, starb meine Mama. Zehn Jahre später, es war 1977, schenkte mir meine Omi diese Jacke. Bis heute weiß ich nicht, wie sie in ihre Hände kam. Egal, ich war unendlich glücklich, diese zu besitzen und trug sie unglaublich gern. Die Farbe war wirklich einmalig und stand mir gut.

Irgendwann, ich glaube, es war ein gutes Jahr später, kaufte ich meine erste Waschmaschine. Die Jacke gab ich zur Wäsche. Ich weiß es wie heute. Sie murmelte mit den anderen Wollsachen bei dreißig Grad. Als ich sie entnahm, war sie so groß, wie ein Babystrampler. Ich war so unglücklich darüber.

13. August 1961 – „Augustäpfel“. Das Buch kaufte ich wegen des Titels. Ich fand den schön. Damals, 1984 oder so, las ich es an der Haltestelle, als ich auf die Straßenbahn wartete. Es ging um den Mauerbau 1961. (Ihr wisst schon: „Keiner hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“, so Walter Ulbricht damals. Kurz darauf geschah es.) Mit diesem Buch musste ich an die Geschichte mit der lila Jacke denken.

Heute am Morgen schaute ich im Netz und fragte die KI nach dem Autor Günter Striegler.  Ich konnte so gut wie nichts finden. Zwei Bücher habe er geschrieben, 1930 geboren, kein sicheres Todesdatum. In einem Klappentext fand ich die Bemerkung, dass er Major gewesen sei. In dem Zusammenhang wurden mir immer wieder Seiten zur Stasi anezeigt. – Nun, es sei, wie es ist. Dieses Buch habe ich sogar aufgehoben. Aus irgendeiner Bücher-Umzugskiste werde ich es noch auspacken. Es ist relativ klein und hat nur etwas über einhundertsechszig Seiten. Das Papier dieses Büchleins ist vergilbt und wirklich nicht schön. Aber es ist irgendwie ein typisches DDR-Buch.

Sicher, es sind nur Banalitäten. Keine heroischen Berichte über wesentliche Dinge. Jedoch ist es ein geschichtliches Mosaiksteinchen.

Dieses Bild zeigt eine Herzschale mit einem Zip -„Öffne Dein Herz“. Ich fertigte sie im Rahmen meiner homepART-Serie.

Das Foto fand ich noch in der Bildergalerie meines Smartphones.

Diese Schale ist noch zu haben. Wenn Du interessiert bist, nimm bitte einfach mit mir Kontakt auf 😊

Habt einen wunderbaren Augusttag.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Warum tun sie das?

Seit längerer Zeit tapste ich durch Leipzig; und zum ersten Mal durch Leipzig Alt-West.

Meine Enkelin und ihr Partner waren der Grund unseres Besuches.

Beide erhielten ihr Staatsexamen. Und man darf es mit großmütterlichem Stolz erwähnen, mit einem „eins-Komma-und-Durchschnitt“. Beide kamen wegen des Studiums nach Leipzig, verliebten sich in die Stadt, um letztendlich, wie viele Studenten es tun, zu bleiben.

Ich möchte heute nicht von der Messe- und Bücherstadt Leipzig, von der Agrar- und Industriestadt, der irgendwie immer weltmännischen und modernen Stadt Sachsens sprechen. Ich genoss die Stunden ganz in unserer kleinen Familie, das Essen und den Spaziergang durch die Straßen des alten Leipzigs.

Mein Smartphone ließ ich in der Tasche und packte es erst sehr spät aus. Nämlich dann, als ich unbedingt noch einige Eindrücke im Bild festhalten musste. Ich wusste, dass ich ein paar Zeilen zu dem, was ich sah, schreiben werde.

Die Straßenzüge in Leipzig sind großzügig angelegt und einige erinnern mich an Dresden, die zum Teil fast zum Verwechseln ähnlich sind. Die Stadt hat viel Grün und was ich sehr mag, so etliches Gewässer.

Leipzig hat eine beeindruckende Architektur. Die einst fantastischen Fassaden sind zur Zeit komplett dilletantisch im links-grün-woken Ästhetikempfinden künstlerisch verziert. Ich bezeichne das als mutwillige Schmiererei, als Vandalismus. Und ich frage mich, wahrscheinlich sehr naiv, warum tun sie das?!

Es gibt tatsächlich sehr gute Graffiti-Kunst, dort, wo Flächen explizit dafür freigegeben werden. Ein einstiger Besuch des Wynwood Miami in Florida zeigte mir, was alles möglich ist. Keine Schmierereien, die Akteure haben etwas mitzuteilen. Jedes Graffiti ist eine Botschaft, ein in sich geschlossenes Kunstwerk.

In Leipzig Alt-West, wie auch in den meisten größeren Städten unseres Landes, ist das leider nicht der Fall:

Es wird beschmiert und bekleistert, was das Zeug hält und irgendwie mit der eigenen Armlänge erreichbar ist.

In diesem Stadtbezirk gibt es einige Galerien, Kunst- und Kunsthandwerkerateliers. Man findet kleine individuelle Einkaufsgelegenheiten und besondere Gastronomie. Diesen Akteuren, die meistens mit künstlerischem Feingefühl ausgestattet sind, muss es doch in der Seele schmerzen, in diesem rudimentären Umfeld zu agieren.

Ich kann es nicht beurteilen. Dennoch macht sich in mir das Gefühl breit, dass sich die Leute daran gewöhnt haben, dass es ganz normal sei, wie es ist.

Stimmt nicht ganz. Denn die Philippuskirche blieb davon verschont. Dieses erst 1907 bis 1910 erschaffenen Bauwerk scheint so etwas wie einen Hauch Respekt und Ehrfurcht einzuflößen.

Interessant ist auch, dass 2018 im einstigen Pfarrhaus durch das Leipziger Berufsbildungswerk das Inklusionshotel „Philippus“ errichtet wurde.

Meine Tochter hat es bereits einige Male genutzt und berichtete ganz begeistert davon.

Das Bild ist etws dunkel, weil es bereits früher Abend war, als ich es aufnahm.

Und sonst so? Auch wenn wir schon so einiges in unserem neuen Zuhause gerückt und geräumt haben, warten noch etliche Kisten, ausgepackt zu werden. Aaaber: Es ist ein kleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen 😄

Habt einen guten Wochenstart ☀️

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Wie informierst Du Dich?

Auf welche Weise konsumierst Du die täglichen Nachrichten? Liest Du Zeitung digital oder physisch? Hörst Du Radio, schaust Du Fernsehen? Liest Du im weltweiten Netz?  … Wie informierst Du Dich?

Meine Stammleser wissen, dass ich seit fünfundzwanzig Jahren kein Fernsehen schaue. Darüber schrieb ich etliche Male. Viele Jahre holte ich mir die Informationen ausschließlich aus der Tagespresse, diversen Zeitschriften und natürlich aus dem Radio. Ich war tatsächlich absoluter Radio-Fan.

Inzwischen ist es so, dass ich die Nachrichten und politischen Sendungen auch aus dem Radio nicht mehr ertragen kann. In mir wächst das gleiche Gefühl, das ich damals hatte, als ich von jetzt auf jetzt den TV-Stecker zog. Ein- bis maximal zweimal täglich tue ich mir das an, um zu wissen, was der Öffentlich Rechtliche Funk verbreitet. Ich bin also informiert.

Heute am Morgen dachte ich daran, Dich zu diesem Thema zu fragen, wie Du Dich informierst. Schreibe es doch einfach in die Kommentare.

Wie läuft mein morgentliches Ritual nach dem Aufstehen ab?

Ich tapse in die Küche. Starte die Kaffeemaschine. Versorge das Kätz. Schalte mein Smartphone ein. Suche meine bevorzugten nationalen und internationalen digitalen Morgennachrichten. Stopfe meinen Kopfhörer ins Ohr. Ich benutze immer nur einen, um dennoch das Leben um mich herum wahrnehmen zu können. Ich starte den ersten Podcast. Inzwischen ist mein Kaffee fertig. Ich nehme meine Tasse Kaffee und das Smartphone und gehe ins Bad. Während ich Zähne putze und mich zurecht mache höre ich den Informationen zu.

Das Gleiche dann in der Küche, wenn ich das Frühstück bereite, später den Haushalt oder Sonstiges erledige. Ich nutze die Zeit, mir eine Meinung zu bilden. 

Manchmal höre ich mir eine Bundestagssitzung an. Ich muss eigentlich sagen, ich tue es mir an. Wenn man diesen Reden folgt, weiß man, weshalb unser Land ist, wie es ist.

Würde ich ausschließlich lesen, müsste ich mich dazu hinsetzen. Klar, das machte ich einst so. Aber auch weiß ich, dass das sehr, sehr zeitintensiv ist. Deshalb bin ich mit der für mich gewählten Lösung sehr zufrieden. Es gibt mir einen allumfassenden Einbick in das gesellschaftlich-politische Leben. Ich darf und muss selbst denken. Und das ist gut so. Eben nicht einseitig, vorgeformt, ideologisiert, und übergestülpt.

Und sonst so? Ein paar Umzugskisten habe ich ausgeräumt. Marcel unterstützte uns beim Anbringen eines Dusch-Spritzschutzes, der Abzugshaube in der Küche und der Bücherregale im Arbeitszimmer. Vielen, vielen lieben Dank 🫶

Ich arbeite noch zehn Stunden, also zwei mal fünf, pro Woche für meinen einstigen Auftraggeber und jetzt Arbeitgeber. Heute ist solch ein Tag.

Gestern noch strömender Regen, heute ein herrlich durchwachsener Sonnentag um zwanzig Grad.

Bevor ich mir die Kopfhörer aufsetze und meinen Job beginne, gönne ich mir ein paar Minuten Ruhe und einen guten Kaffee ☕️

… bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Meldeamt

Heute musste ich mich auf die Füße zum Meldeamt machen. Es schüttete den ganzen Tag das Nass aus den Wolken und das bei sommerlichen sechszehn Grad. Dieses Amt hat hier nur dienstags geöffnet und der erhobene Zeigefinger mahnte mich, die Meldefrist einzuhalten. Also nahm ich den ganz großen Regenschirm auf vier Rädern und fuhr zum Amt.

Idyllisch hinter dem Rathaus in zweiter Reihe findet man das Meldeamt. Trotz des starken Regens musste ich fix diese Schnappschüsse machen.

Eine Mitarbeiterin, die amtlich, stoisch, emotionsbefreit die Wohnadresse in meinem Ausweis änderte, die wohl notwendigen Daten erfasste und mich auf einem Tablet mit einem digitalen Stift unterschreiben ließ, übergab mir letztendlich eine für „Neulinge“ vorbereitete Mappe mit dem Hinweis, dass alles Wichtige darin zu finden sei.

So nahm ich das Mäppchen, verabschiedete mich und sauste durch den Regen zum Auto.

Jetzt bin ich also ganz offiziell eingemeindete Sächsin 😄

.. bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Koloss

Die ersten Zeilen aus meinem neuen Zuhause

In meinem Leben lernte ich, in sehr herausfordernden Zeiten meine Kräfte zu bündeln. Auch wenn diese Situationen noch so kräftezehrend waren, packte ich diese an und meisterete sie. Und diese Herausforderungen gab es reichlich.

Ich möchte es nicht gern wahrhaben, aber es scheint die Zeit gekommen zu sein, in der auch ich mit meinen in die Jahre gekommenen Ressourcen haushalten muss. Wer gibt das schon gern zu?

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass es genau der richtige Zeitpunkt war, diesen großen Umzug selbstbestimmt zu realisieren. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ein paar wenige Jahre später aussehen könnte.

Wir sind unendlich dankbar, dass wir so große Unterstützung an unserem bisherigen und hiesigen Wohnort erfuhren. Wir wohnen nun seit gestern zwei Wochen in unserem neuen Zuhause, im wunderschönen Erzgebirge. Unsere Wohnung ist noch nicht fertig eingerichtet. Zwei Drittel des Inhaltes der Umzugskisten sind noch an ihre neuen Plätze zu sortieren und es ist so einiges zu bohren, zu sägen,zu schrauben und auch zu besorgen.

Eine kleine Herausforderung ist der „trockene Höllensommer“ mit seinen permament nassen und kalten Tagen. Unsere Notlösung ist dieses Partyzelt, das wir kurzentschlossen in einem Baumarkt günstig erwarben, um diverse Arbeiten im Freien erledigen zu können.

Ich gestehe: Diese Unordnung stresst mich ziemlich. Die Erkenntnis, dass es dieses Mal länger als je ein Umzug zuvor, dauern wird, bis es wieder ein gemütliches Zuause ist, muss ich akzeptieren. Was bleibt mir auch anderes übrig 😉

Am Samstag war die Puste raus. Ich legte mich am Nachmittag total erschöpft auf das Bett, um ein paar Minuten auszuruhen. Kurz vor zwanzig Uhr weckte mich Holger. Aus den wenigen Minuten wurden nämlich ein paar Stunden, in denen ich fest schlief. Er sagte: „Wenn Du es schaffst: Einundzwanzig Uhr ist Küchenschluss. Lass uns fix etwas essen gehen.“

Noch benebelt vom langen Schlaf machte ich mich frisch, schlüpfte in ein Kleid, das ich erst amt Nachmittag auspackte und in den Schrank hängte, richtete meine Haare, zog den Kajal nach, etwas Puder, Rouge, Deo und einen Hauch meines Lieblingsparfüms und los ging es.

Wir fuhren mit dem Auto, obwohl es nicht weit entfernt ist. Perspektivisch ist es mit dem Fahrrad eine schöne Strecke.

Die Wirtschaft liegt eingekuschelt hinter vielem Grün. Wie wir später erfuhren, war es einst tatsächlich für über einhundertfünfzig Jahre die Apotheke des Ortes, deshalb der Name „Gasthaus Alte Apotheke“.

Sämtliche Parkplätze waren belegt. Wir stellten das Auto am Hang in einer Nebenstraße ab, und liefen das Stück zurück.

Die kleine urige Gaststätte war sehr gut besucht. Wir fragten, ob wir noch ein Abendessen bekommen. Der Wirt überlegte kurz: „Wenn Sie das Menue essen möchten, das die Gesellschaft speist, ist es kein Problem. Es sind zwei Leute nicht gekommen. Es gibt in der Hauptspeise Lachs.“ Wir schauten uns kurz an, nickten und nahmen das Angebot gern an.

Wir wurden an einen Tisch mit weiteren sechs Gästen platziert, an dem noch zwei Stühle frei waren. Im ersten Augenblick verwirrte es mich. Denn fast fünfzehn Jahre Leben im südlichsten Süden Deutschlands prägen natürlich.

Meine Erfahrungen: Es galt als unhöflich, Fremde gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Ich erinnere mich insbesondere an eine Situation, wo an einem großen runden Tisch zwei Personen allein saßen und noch mindestens vier Plätze frei waren. Wir waren nur zu zweit. Die beiden Gäste lehnten es ab, weitere Leute an den Tisch zu lassen. Hier ist es ganz anders. Ich hatte es schon fast vergessen.

Die Frauen nahmen uns total offen, freundlich und selbstverständlich in ihrer Tischrunde auf. Ein kurzer Smalltalk und schon wurde das Essen gebracht. Eine tolle Kreation mit Lachs und Nudeln. Ein weiteres Selbstverständnis: Es wurde gewartet, bis jeder am Tisch sein Essen hatte. Dann schauten sich alle kurz an, wünschten sich einen Guten Appetit und es wurde gemeinsam begonnen, zu essen. Auch das erlebte ich in den letzten Jahren so nie. Einfach toll. Willkommen zu Hause in Sachsen.

Es stellte sich heraus, dass wir in eine eingesessene Veranstaltung geplatzt sind. Wie wir erfuhren, wird seit sechsundzwanzig Jahren monatlich der beliebte Leseabend mit Musik dort organisiert. Wir wurden eingeladen, den zweiten Teil zu genießen. Und wir taten es. Das Besondere ist, dass es aus den eigenen Reihen heraus entsteht. Genauso wie der jeden Donnerstag im „Gasthaus Alte Apotheke“ stattfindende Musikabend. Neudeutsch: Es wird gejamt. Eine rege und offene Kultur an diesem Ort. Hier könnt Ihr im Terminkalender stöbern.

Wir wurden herzlich aufgenommen und mit der Frage, ob sie mit uns neue Stammgäste gefunden hätten, verabschiedet. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen.

Während der gesamten Zeit nahm keiner das Smartphone in die Hand, um Bilder zu machen. Ich getraute es mir erst, als sich der Raum leerte. … und noch fix ein Schnappschuss von außen.

Es tat so unendlich gut, nach den vergangenen Wochen des Räumens, Ordnens und Packens, auszubrechen. Ich hatte bereits einen Tunnelblick entwickelt. In dem war mir nur noch wichtig, endlich wieder ein geordnetes Zuhause zu haben. – Nun gut. Es ist mir immer noch sehr wichtig. Aber mein Blick ist wieder weiter geöffnet. So weit, dass ich heute nach längerer Pause begann meinen Blog zu schreiben 😀 Und das wurde wirklich Zeit. Selbst mein neunzigjähriger Vater fragte mich, ob ich kein Internet habe, weil ich so lange nichts mehr schrieb 😉

Es stimmt, es sind fast fünf Wochen seit meinem letzten Beitrag vergangen. Ich vernachlässigte meinen Blog und social media insgesamt. Heute habe ich mich mit dem kurzen Ist-Bericht etwas warmgeschrieben. Ein gutes Zeichen, dass langsam wieder eine diverse Normalität in mein Leben ziehen wird.

Hier sitze ich ausgeschlafen und mit frisch gewaschenen Haaren an meinem Schreibtisch, der seit Mittwoch in das kleine Zimmer eingepasst wurde. Es ist sozusagen ein historischer Moment, denn Ihr habt den ersten Blogbeitrag gelesen, den ich in meinem neuen Zuhause geschrieben habe 😀

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Nur noch zwei Sonntage

Countdown: 21 Tage

Heute ist ein strahlend sonniger Sommer-Sonntag. Das Thermometer zeigt mir sechsunddreißig Grad draußen und kühle sechsundzwanzig Grad in der Wohnung an. Solange die Luftfeuchtigkeit gering bleibt, vertrage ich eine ganze Menge dieser Wärme; natürlich im Schatten und mit ausreichend Wasser zum trinken. Aber heute ist es selbst mir zu viel.

Ich nippe an meinem Wasserglas und beobachte die vielen verschiedenen Schmetterlinge, Taubenschwänzchen, Bienen und weitere Insekten, die den Buddleja umtanzen und genüsslich am Blütennektar naschen. Ich erinnere mich, in den letzten Tagen einen Beitrag zum Sommerflieder gelesen zu haben. Mir war nie bewusst, dass das eine eingeschleppte Pflanze ist und sich unkontrolliert breitmacht und heimische Pflanzen verdrängen soll. Die Blütendolden sollen sogar die Insekten betrunken machen. Ich habe den Beitrag für Dich herausgesucht und verlinke den hier, damit Du Dir selbst ein Bild machen kannst. Dennoch mag ich den Sommerflieder.

Während ich so sinniere, schießt mir durch meinen Kopf: Nur noch weitere zwei Sonntage werde ich hier in dieser Wohnung, an diesem Ort sein. Den Sonntag darauf wird das Umzugsauto unser geladenes physisches Hab und Gut an unserem neuen Zuhause, fünfhundert Kilometer weiter, wieder ausspucken.

Es schlägt mit etwas mulmig auf den Solarplexus. So sehr ich mich auf das Neue freue, so wird mir auch bewusst, wie endgültig die Situation ist. Es gibt keinen Puffer, nur diesen Termin und noch eine riesengroße Menge kleine und größere Dinge, die nur durch uns selbst zu bewältigen sind.

Auch wenn es ein unglaublich gutes und beruhigendes Gefühl ist, zu wissen, dass uns viele liebe Menschen zur Seite stehen und uns mit Herz und Stärke unterstüzen, so liegt es dennoch allein in unserer Hand, den Umzug so gut, wie nur möglich vorzubereiten.

Inzwischen sieht es hier ziemlich chaotisch aus. Ausgeräumte Regale, Umzugskisten und zum Einpacken beiseite Gestelltes. Meine kreative Arbeit habe ich für ein paar Wochen in den Ruhemodus verbannt. Bis mein Arbeitsplatz im neuen Ambiente wieder eingerichtet ist, wird es Kopfkino, Skizzen, Notizen und diesen Blog geben 😀

Nächste Woche beginnt der Juli und für uns der Abschied von wunderbaren fünfzehn Jahren hier im südlichsten Süden Deutschland und der Neubeginn in eine neue Lebensphase.

Ich werde Euch mitnehmen in dieses Abenteuer und lade Dich herzlich ein, mich auf diesem Weg zu begleiten.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Die Bedeutung von „Resilienz“ im politischen Diskurs

In größeren Abständen stolpern scheinbar neue Wörter in unser Bewusstsein. Diese Worte fallen in irgendwelchen Äußerungen unserer Politiker oder werden in kluge politische schriftliche Abhandlungen gebannt. Unmittelbar nachdem dieses Wort geschlüpft ist, wird es im Stundentakt durch die Öffentlich Rechtlichen gebetsmühlenartig wiederholt in die Köpfe der Menschen und in unser Bewusstsein installiert.

Das war vor wenigen Jahren das Wort „Narrativ“. Es klingt wichtig und klug. Wie bedeutungslos und ungebührend wäre stattdessen das deutsche Wort „Erzählung“.

Ein anderes Beispiel, das ich vor über fünfunddreißig Jahren bewusst wahrnahm, ist das lateinische Wort für Neuerung. Es war unmittelbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Ich meine das Wort Innovation, das sich binnen kürzester Zeit in unseren ganz normalen Sprachgebrauch installierte. Ich denke, heute verwenden die wenigsten Menschen das Wort „Neuerung“, wenn es um einen Fortschritt in der Wirtschaft, Wissenschaft oder der Gesellschaft ganz allgemein geht.

Seit den Wochen der aktuellen Verhandlungen zur potentionellen Regierungskoalition poppt das Wort „Resilienz“ verstärkt auf. Und wie selbstverständlich wird es in den Medien permanent wiederholt. Jeder Tropfen höhlt den Stein.

Ich möchte es keinem von uns unterstellen, nicht zu wissen, was dieses Wort bedeutet. Mich machte es stutzig, als ich es zum ersten Mal in diesem Zusammenhang wahrnahm. Ich gehöre zu den Menschen, die das gesprochene Wort verstehen müssen. Für mich ist Sprache unglaublich wichtig. Deshalb wirft es mich aus dem Takt, wenn ungenau formuliert wird und sich mir der Sinn der gesprochenen Worte nicht erschließt. Das betrifft übrigens auch das Gehickse in der Gendersprache. Aber das ist ein anderes Thema.

„Resilienz“, gemeint ist Widerstandskraft, Zähigkeit, Standhaftigkeit. Das ist ein Wort, das ganz sicher noch nicht zum gängigen Sprachgebrauch eines jeden von uns gehört. Ich schaute auf den Seiten unserer Bundesregierung und fand doch tatsächlich unendlich viele Beiträge, in denen uns die Resilienz, deren Sinn und Strategien dazu erklärt werden. Ich verlinke es für Dich hier, oder hier, auch hier und hier und hier und so weiter und so fort.

Nun, eigentlich kommt Resilienz vom lateinischen Wort resiliren und das bedeutet abprallen, zurückspringen. Wenn man das großzügig und frei übersetzt, könnte man annehmen, dass man beim Anwenden dieses „Resilienz“ meint, dass man standhaft bleibt und die Dinge abprallen lässt und einen Schritt zurückgeht.

Das Anwenden des Wortes „Resilienz“ in politschen oder gesellschaftspolitischen Texten ist aus meiner Sicht völlig schwammig und ungenau. Deshalb macht es mich beim Lesen solcher total kirre.

Nunja, das ist ja auch nur meine Meinung. Tst, tst – wer bin ich schon 😀

Habt einen wunderbaren Tag. Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

… von Blogbeiträgen, Alphawellen und so

Es ist zeitig am Morgen. Das aufgeregte Gezwitscher der Vögel dringt durch die weit geöffneten Fenster. Man spürt bereits jetzt den sonnig werdenden Frühlingstag. Ich fühle mich seit langer Zeit wunderbar ausgeschlafen. Mit frisch gewaschenen noch feuchten Haaren sitze ich an meinem Laptop und tippe diese Zeilen.

Vor ein paar Tagen löschte ich zum ersten Mal einen bereits von mir veröffentlichten Beitrag in meinem Blog. Nur meine Abonnenten fanden diese Petitesse in ihrem E-Mailpostfach, weil er automatisiert zeitgleich mit der Veröffentlichung in den Versand ging.

In den letzten fünf Jahren ließ ich mich von den gesellschaftspolitischen Geschehnissen, die mich frequentieren, unglaublich auslaugen. So schrieb ich am Mittwoch in der vergangenen Woche, nachdem ich mir am Vortag die komplette Bundestagssitzungd live antat, einen Blogbeitrag. Ich hatte mich also bereits wirklich etwas beruhigt und meine Worte waren aus meiner Sicht ziemlich gemäßigt.

Als ich damit fertig war und den Punkt setzte, lehnte ich mich in meinem Schreibtischsessel zurück und schlief erschöpft ein. Erst etwa zwei Stunden später wurde ich wieder wach. Ich fühlte mich leer, müde und machtlos; mir war kalt. Mein geschriebener Beitrag stand noch auf dem Bildschirm. Ich drückte den Button „veröffentlichen“ und schloss das Notebook.

Zum Abendessen sprach mich Holger an: „Du hast Dich heute in deinem Blog weit rausgelehnt.“ Ich stutzte einen Augenblick. Jedoch wurde mir in diesem Moment bewusst, dass ich meine eigens gezogene rote Linie überschritten hatte. Meine geschriebenen Zeilen waren zu deutlich. Auch wenn ich hinter jedem meiner Worte stehe, das ich schrieb, ergibt es keinen Sinn, von der Künstlichen Intelligenz der „Vertrauenswürdigen Hinweisgeber“ herausgefiltert zu werden, beziehungsweise potentielle Angriffspunkte zu liefern. Nicht nur ich weiß es, dass wir inzwischen mit unseren in Worte gefassten Gedanken sehr vorsichtig sein müssen, wenn diese abseits des aktuellen politischen Narrativs liegen. So stand ich auf, ging an meinen Schreibtisch und löschte diesen Beitrag.

In den nachfolgenden Stunden hörte ich Musik, die ich mag, las ein paar Seiten, machte einige Notizen, ging duschen und zeitig schlafen. Als ich am darauffolgenden Tag aufwachte, lag Kater Flo auf meinem Brustkorb und schnurrte leise. Das Kerlchen tat mir unglaublich gut. Man sagt, Katzen hätten die Fähigkeit, zu spüren, wenn sie ihren Zweibeinern etwas Gutes tun können. Auch deshalb suchen sie gern die Nähe ihres Lieblingsmenschen und legen sich dann an die Stelle des Körpers, wo es etwas zu richten gibt. Sie nehmen unsere miesen Energien auf und schenken uns neue wohltuende.

Am Donnerstag stand ich ausgeschlafen und ausgeruht auf. Das tat mir so gut, dass ich spontan entschied, mich für ein paar Tage aus dem ganzen anstrengenden Trödel herauszunehmen. Und das war gut so.

Die Tage ging ich ganz ruhig an. Ich räumte alte Ordner auf, las und hörte Podcasts. Neu entdeckte ich Maxim Mankevich. In einem Beitrag sprach er von Alphawellen. Auch wenn ich bereits zuvor von Musik in einem gesunden Frequenz-Bereich hörte und einiges kannte, glaubte ich immer, diese sei vor allen Dingen zum Einschlafen und Entspannen gut. Ja, natürlich gibt es auch diese. Es erstaunte mich jedoch, dass man derartige Musik zum Lernen, Entspannen, für die Konzentration, Kreativität und so einiges mehr benutzen kann. Ich suchte auf Spotify nach entsprechenden Playlists und wählte aus unendlich vielen eine für mich aus. Unter Kopfhörern genoss ich die Töne. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, glaubte ich doch, mich würden diese Klänge ermüden und einschläfern. Aber nein, das war nicht der Fall. Ich fühlte mich frisch und erholt. Probiert es einfach mal aus. Diese Musik kann man fast überall streamen. Hier ist ein Link zu amazon. Ich wählte es, weil das vermutlich jeder von Euch kennt und nutzt.

Heute vor einer Woche war mein fünfter ganz persönlicher „Corona-Tag“. Diesen Tag habe ich in meinem Kalender festgehalten, weil er in meinem Leben, wie ganz sicher bei vielen anderen auch, einen bleibenden Knick hinterlassen hat. Wir haben uns davon noch nicht richtig erholt und schon werden wir fleißig weiter in diesem politischen Chaos gehalten und getrieben.

Deshalb ist es unglaublich wichtig, dass wir mental für uns sorgen, auf uns achten und uns nicht selbst aufreiben.

Ausgeruht und innerlich sortiert starte ich also in die erste Frühlingswoche. Habt eine wunderbare.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Gardasee im Februar

Was assoziierst Du beim Gedanken an den Gardasee? Vielleicht denkst Du, wie ich, an Sonne, warme mediterrane Tage, an Orangen und Zitronen, an bunte leuchtende Blüten, an Cafés, an italienisches Eis und Espresso, an frische italienische Musik und temperamentvolle Menschen, an einen fantastisch gelegenen See, der eingebettet von der Bergkette des Monte Baldo ruhig liegt.

Bisher verschlug es mich noch nie an den Gardasee. Es ist mein erster Besuch für nur fünf Tage. Nein, es ist kein Urlaub, aber es sind äußerst ruhige und entspannte Tage.

Hoch oben auf dem Monte Baldo mit Blick auf den Gardasee halte ich mich derzeit auf. Es ist Februar, kalt, feucht, diesig. Schnee, der dem Ambiente eine diverse Romantik verleihen würde, fiel so gut wie keiner. Die Natur ist im Tiefschlaf. Es ist eine unglaublich beruhigende Atmosphäre. Schaue ich morgens auf den Gardasee, kann ich diesen nur erahnen. Er liegt unter einem dicken Nebel, der es nicht schafft, sich bis zum Sonnenuntergang aufzulösen. An warmen und sonnigen Tagen muss es hier wunderschön, fast erhebend sein.

Für Euch habe ich ein paar Bilder aufgenommen. Die ersten drei sind auf der Herfahrt entstanden und spiegeln bereits den kalten und feuchten Februar wider.

Der Blick von der Küche auf die Hänge. Ich stelle mir vor, dass diese im frischen Frühjahr und warmen Sommer wunderschön sind und man sich bei diesem Ausblick verlieren kann.

Ich bin völlig im Trödel-Modus. Mit den Hunden spielen, sie versorgen, schreiben, lesen, Podcast hören … Kaffee trinken 😉

Es ist schön, ein paar Tage einfach „nix“ zu tun.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Dresden, 13. Februar

Heute ist wieder ein 13. Februar. Der Tag in jedem Jahr, an dem mein Herz und meine Gedanken ganz besonders in dieser wunderschönen Stadt, meiner Heimatstadt Dresden, verweilen. Auch heute, werde ich um 22 Uhr innehalten und meine Gedanken nach Hause tragen.

Inzwischen bin ich leider viel zu selten dort. Mit jedem weiteren Jahr, das seit meinem Fortgang durchs Land zieht, spüre ich immer mehr, wie stark die Verwurzelung mit dem Ort, an dem man geboren wurde, tatsächlich ist. Ich denke, er hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Wesenzüge.

Fotos: Willy Holger Wagner

In zehn Tagen wählen wir in Deutschland eine neue Bundesregierung. Ich denke, es war noch nie so wichtig wie in diesem Jahr, sich die Zeit zu nehmen, die Wahlprogrogramme gewissenhaft zu lesen und dann zu entscheiden, mit welcher Partei die eigenen Überzeugungen und Wünsche für unsere, für Deine und meine Heimat am ehesten übereinstimmen. Welche Partei wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keinem Kriegsbündnis beitreten oder gar Kriegsdrohungen aussprechen? Mit welcher Partei wird es am ehesten Frieden, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Handel auf internatioanaler Ebene geben? Mit welcher Partei wird die Wahrscheinlichkeit der illegalen Einwanderung am ehesten eingeschränkt? Mit welcher Partei wird die in unser Land hineingetragene Kriminalität am ehesten und konsequentesten minimiert? Schaut in die Punkte Bildung, Familie, und so weiter und so weiter. Es ist so wichtig für unser Heimatland, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

„Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ (Zitat: Gerhard Hauptmann, Deutscher Schriftsteller)

Vor nunmehr neun Jahren schrieb ich den folgenden Beitrag. Der heutige Tag soll Anlass sein, ihn wiederholt auf Euren Weg zu geben. Diese Zeilen sind nach wie vor aktuell, deshalb möchte ich sie nicht verändern, auch, wenn sich die politische Situation inzwischen verschärft hat.

Möge sich das, was damals in dieser Welt geschah, niemals, niemals! wiederholen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.


„Ich will euch etwas erzählen. Etwas, das wir niemals vergessen dürfen. Ihr habt es zum Glück nicht erlebt und sollt das niemals erleben. Aber ihr sollt dafür sorgen, dass so etwas niemals mehr geschehen wird. Hört zu. Ich war mittendrin. … „, so begann Frau Kunath, meine damalige Klassenlehrerin.
Es war in der ersten oder zweiten Klasse vor über fünfzig Jahren. Die dunklen Augen in dem sonst so fröhlichen runden Gesicht der kleinen Frau füllten sich mit Tränen und sie sah so sehr traurig aus. Diese Situation hat sich in mir eingebrannt, weil ich zu diesem Zeitpunkt davon das erste Mal erfuhr. Jedes Wort saugte ich in mir auf. Sie schilderte uns kindgerecht, wie schrecklich die Bombennacht auf Dresden war. Erzählte uns von den Ängsten der Menschen, der wahnsinnigen Hitze der brennenden Stadt und den folgenden zwei weiteren sinnlosen Bombenabwürfen auf das bereits in Trümmern liegende, brennende Dresden. Sie erinnerte sich, wie sie mit ihrer Mutter durch die kaputten Straßenzüge ging und sich wunderte, weshalb die Leute in dem entgleisten Straßenbahnwagen schliefen. Die starken Druckwellen nahmen den Menschen das Leben. … Sie erzählte uns auch, wie stark die Dresdner waren, wie sie mit ihren Händen und dem Wenigen, was noch war, ihre Stadt Stein um Stein aufbauten. Wie vor allem Frauen, die Trümmerfrauen, schufteten, weil viele Männer nicht aus dem Krieg zurückkamen und mit anpacken konnten …

Jedes Jahr, wenn sich der 13. Februar nähert, denke ich an diese Episode, die sich in mein Bewusstsein bis heute eingebrannt hat. Jedes Jahr, solange ich in Dresden lebte, ging ich, wie so viele andere Dresdner, zur Ruine der Frauenkirche, ein Symbol, ein Mahnmal an diese Bombennacht.
Lange konnte ich den Neuaufbau der Frauenkirche nicht akzeptieren, ich war zerrissen eben aus diesem Grund. Im Jahr 2003 hatte ich die Gelegenheit noch während der Bauphase die Kirche von innen zu sehen. Als meine Hände über das helle, warme Holz im Inneren glitten, versöhnte ich mich allmählich. Heute ist diese Kirche für mich ein wunderbares Kunstobjekt, hell, warm, positiv und einladend.

Heute ist wieder ein 13. Februar. Meine Gedanken sind in meiner Heimatstadt und ich weiß, dass 22:00 Uhr wieder alle Glocken in der Stadt läuten und ich um diese Zeit einen Herzschlag Zuhause sein werde.

Die politische Situation in Europa, in unserem Land und auch in Dresden ist prekär, wie seit langem nicht. Das wird sicher jedem von uns bewusst sein.
Mich quält jedoch, dass solch ein Tag wie dieser, von jeglichem politischem Couleur benutzt und missbraucht wird, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die einen blauäugig, die anderen spekulativ, die nächsten provokant – gar aggressiv, andere suggestiv …

Lasst den Dresdnern diesen Tag, um zu gedenken und sich selbst das Versprechen zu geben, dafür Sorge zu tragen, dass derartige Sinnlosigkeiten wie am 13. und 14. Februar 1945 in Dresden nie wieder geschehen werden.

Bilder: Holger Wagner und Petra Kolossa, November 2009

Möge der Rathausmann seine Hand schützend über Dresden halten …

In diesem Sinne, herzlich Ihre Petra Kolossa.