In meinem Leben lernte ich, in sehr herausfordernden Zeiten meine Kräfte zu bündeln. Auch wenn diese Situationen noch so kräftezehrend waren, packte ich diese an und meisterete sie. Und diese Herausforderungen gab es reichlich.
Ich möchte es nicht gern wahrhaben, aber es scheint die Zeit gekommen zu sein, in der auch ich mit meinen in die Jahre gekommenen Ressourcen haushalten muss. Wer gibt das schon gern zu?
Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass es genau der richtige Zeitpunkt war, diesen großen Umzug selbstbestimmt zu realisieren. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ein paar wenige Jahre später aussehen könnte.



Wir sind unendlich dankbar, dass wir so große Unterstützung an unserem bisherigen und hiesigen Wohnort erfuhren. Wir wohnen nun seit gestern zwei Wochen in unserem neuen Zuhause, im wunderschönen Erzgebirge. Unsere Wohnung ist noch nicht fertig eingerichtet. Zwei Drittel des Inhaltes der Umzugskisten sind noch an ihre neuen Plätze zu sortieren und es ist so einiges zu bohren, zu sägen,zu schrauben und auch zu besorgen.



Eine kleine Herausforderung ist der „trockene Höllensommer“ mit seinen permament nassen und kalten Tagen. Unsere Notlösung ist dieses Partyzelt, das wir kurzentschlossen in einem Baumarkt günstig erwarben, um diverse Arbeiten im Freien erledigen zu können.
Ich gestehe: Diese Unordnung stresst mich ziemlich. Die Erkenntnis, dass es dieses Mal länger als je ein Umzug zuvor, dauern wird, bis es wieder ein gemütliches Zuause ist, muss ich akzeptieren. Was bleibt mir auch anderes übrig 😉


Am Samstag war die Puste raus. Ich legte mich am Nachmittag total erschöpft auf das Bett, um ein paar Minuten auszuruhen. Kurz vor zwanzig Uhr weckte mich Holger. Aus den wenigen Minuten wurden nämlich ein paar Stunden, in denen ich fest schlief. Er sagte: „Wenn Du es schaffst: Einundzwanzig Uhr ist Küchenschluss. Lass uns fix etwas essen gehen.“
Noch benebelt vom langen Schlaf machte ich mich frisch, schlüpfte in ein Kleid, das ich erst amt Nachmittag auspackte und in den Schrank hängte, richtete meine Haare, zog den Kajal nach, etwas Puder, Rouge, Deo und einen Hauch meines Lieblingsparfüms und los ging es.
Wir fuhren mit dem Auto, obwohl es nicht weit entfernt ist. Perspektivisch ist es mit dem Fahrrad eine schöne Strecke.
Die Wirtschaft liegt eingekuschelt hinter vielem Grün. Wie wir später erfuhren, war es einst tatsächlich für über einhundertfünfzig Jahre die Apotheke des Ortes, deshalb der Name „Gasthaus Alte Apotheke“.
Sämtliche Parkplätze waren belegt. Wir stellten das Auto am Hang in einer Nebenstraße ab, und liefen das Stück zurück.
Die kleine urige Gaststätte war sehr gut besucht. Wir fragten, ob wir noch ein Abendessen bekommen. Der Wirt überlegte kurz: „Wenn Sie das Menue essen möchten, das die Gesellschaft speist, ist es kein Problem. Es sind zwei Leute nicht gekommen. Es gibt in der Hauptspeise Lachs.“ Wir schauten uns kurz an, nickten und nahmen das Angebot gern an.
Wir wurden an einen Tisch mit weiteren sechs Gästen platziert, an dem noch zwei Stühle frei waren. Im ersten Augenblick verwirrte es mich. Denn fast fünfzehn Jahre Leben im südlichsten Süden Deutschlands prägen natürlich.
Meine Erfahrungen: Es galt als unhöflich, Fremde gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Ich erinnere mich insbesondere an eine Situation, wo an einem großen runden Tisch zwei Personen allein saßen und noch mindestens vier Plätze frei waren. Wir waren nur zu zweit. Die beiden Gäste lehnten es ab, weitere Leute an den Tisch zu lassen. Hier ist es ganz anders. Ich hatte es schon fast vergessen.
Die Frauen nahmen uns total offen, freundlich und selbstverständlich in ihrer Tischrunde auf. Ein kurzer Smalltalk und schon wurde das Essen gebracht. Eine tolle Kreation mit Lachs und Nudeln. Ein weiteres Selbstverständnis: Es wurde gewartet, bis jeder am Tisch sein Essen hatte. Dann schauten sich alle kurz an, wünschten sich einen Guten Appetit und es wurde gemeinsam begonnen, zu essen. Auch das erlebte ich in den letzten Jahren so nie. Einfach toll. Willkommen zu Hause in Sachsen.
Es stellte sich heraus, dass wir in eine eingesessene Veranstaltung geplatzt sind. Wie wir erfuhren, wird seit sechsundzwanzig Jahren monatlich der beliebte Leseabend mit Musik dort organisiert. Wir wurden eingeladen, den zweiten Teil zu genießen. Und wir taten es. Das Besondere ist, dass es aus den eigenen Reihen heraus entsteht. Genauso wie der jeden Donnerstag im „Gasthaus Alte Apotheke“ stattfindende Musikabend. Neudeutsch: Es wird gejamt. Eine rege und offene Kultur an diesem Ort. Hier könnt Ihr im Terminkalender stöbern.
Wir wurden herzlich aufgenommen und mit der Frage, ob sie mit uns neue Stammgäste gefunden hätten, verabschiedet. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen.



Während der gesamten Zeit nahm keiner das Smartphone in die Hand, um Bilder zu machen. Ich getraute es mir erst, als sich der Raum leerte. … und noch fix ein Schnappschuss von außen.
Es tat so unendlich gut, nach den vergangenen Wochen des Räumens, Ordnens und Packens, auszubrechen. Ich hatte bereits einen Tunnelblick entwickelt. In dem war mir nur noch wichtig, endlich wieder ein geordnetes Zuhause zu haben. – Nun gut. Es ist mir immer noch sehr wichtig. Aber mein Blick ist wieder weiter geöffnet. So weit, dass ich heute nach längerer Pause begann meinen Blog zu schreiben 😀 Und das wurde wirklich Zeit. Selbst mein neunzigjähriger Vater fragte mich, ob ich kein Internet habe, weil ich so lange nichts mehr schrieb 😉
Es stimmt, es sind fast fünf Wochen seit meinem letzten Beitrag vergangen. Ich vernachlässigte meinen Blog und social media insgesamt. Heute habe ich mich mit dem kurzen Ist-Bericht etwas warmgeschrieben. Ein gutes Zeichen, dass langsam wieder eine diverse Normalität in mein Leben ziehen wird.

Hier sitze ich ausgeschlafen und mit frisch gewaschenen Haaren an meinem Schreibtisch, der seit Mittwoch in das kleine Zimmer eingepasst wurde. Es ist sozusagen ein historischer Moment, denn Ihr habt den ersten Blogbeitrag gelesen, den ich in meinem neuen Zuhause geschrieben habe 😀
Bis zum nächsten Mal,
herzlich, Eure Petra Kolossa.





































