Die ersten Zeilen aus meinem neuen Zuhause

In meinem Leben lernte ich, in sehr herausfordernden Zeiten meine Kräfte zu bündeln. Auch wenn diese Situationen noch so kräftezehrend waren, packte ich diese an und meisterete sie. Und diese Herausforderungen gab es reichlich.

Ich möchte es nicht gern wahrhaben, aber es scheint die Zeit gekommen zu sein, in der auch ich mit meinen in die Jahre gekommenen Ressourcen haushalten muss. Wer gibt das schon gern zu?

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass es genau der richtige Zeitpunkt war, diesen großen Umzug selbstbestimmt zu realisieren. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ein paar wenige Jahre später aussehen könnte.

Wir sind unendlich dankbar, dass wir so große Unterstützung an unserem bisherigen und hiesigen Wohnort erfuhren. Wir wohnen nun seit gestern zwei Wochen in unserem neuen Zuhause, im wunderschönen Erzgebirge. Unsere Wohnung ist noch nicht fertig eingerichtet. Zwei Drittel des Inhaltes der Umzugskisten sind noch an ihre neuen Plätze zu sortieren und es ist so einiges zu bohren, zu sägen,zu schrauben und auch zu besorgen.

Eine kleine Herausforderung ist der „trockene Höllensommer“ mit seinen permament nassen und kalten Tagen. Unsere Notlösung ist dieses Partyzelt, das wir kurzentschlossen in einem Baumarkt günstig erwarben, um diverse Arbeiten im Freien erledigen zu können.

Ich gestehe: Diese Unordnung stresst mich ziemlich. Die Erkenntnis, dass es dieses Mal länger als je ein Umzug zuvor, dauern wird, bis es wieder ein gemütliches Zuause ist, muss ich akzeptieren. Was bleibt mir auch anderes übrig 😉

Am Samstag war die Puste raus. Ich legte mich am Nachmittag total erschöpft auf das Bett, um ein paar Minuten auszuruhen. Kurz vor zwanzig Uhr weckte mich Holger. Aus den wenigen Minuten wurden nämlich ein paar Stunden, in denen ich fest schlief. Er sagte: „Wenn Du es schaffst: Einundzwanzig Uhr ist Küchenschluss. Lass uns fix etwas essen gehen.“

Noch benebelt vom langen Schlaf machte ich mich frisch, schlüpfte in ein Kleid, das ich erst amt Nachmittag auspackte und in den Schrank hängte, richtete meine Haare, zog den Kajal nach, etwas Puder, Rouge, Deo und einen Hauch meines Lieblingsparfüms und los ging es.

Wir fuhren mit dem Auto, obwohl es nicht weit entfernt ist. Perspektivisch ist es mit dem Fahrrad eine schöne Strecke.

Die Wirtschaft liegt eingekuschelt hinter vielem Grün. Wie wir später erfuhren, war es einst tatsächlich für über einhundertfünfzig Jahre die Apotheke des Ortes, deshalb der Name „Gasthaus Alte Apotheke“.

Sämtliche Parkplätze waren belegt. Wir stellten das Auto am Hang in einer Nebenstraße ab, und liefen das Stück zurück.

Die kleine urige Gaststätte war sehr gut besucht. Wir fragten, ob wir noch ein Abendessen bekommen. Der Wirt überlegte kurz: „Wenn Sie das Menue essen möchten, das die Gesellschaft speist, ist es kein Problem. Es sind zwei Leute nicht gekommen. Es gibt in der Hauptspeise Lachs.“ Wir schauten uns kurz an, nickten und nahmen das Angebot gern an.

Wir wurden an einen Tisch mit weiteren sechs Gästen platziert, an dem noch zwei Stühle frei waren. Im ersten Augenblick verwirrte es mich. Denn fast fünfzehn Jahre Leben im südlichsten Süden Deutschlands prägen natürlich.

Meine Erfahrungen: Es galt als unhöflich, Fremde gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Ich erinnere mich insbesondere an eine Situation, wo an einem großen runden Tisch zwei Personen allein saßen und noch mindestens vier Plätze frei waren. Wir waren nur zu zweit. Die beiden Gäste lehnten es ab, weitere Leute an den Tisch zu lassen. Hier ist es ganz anders. Ich hatte es schon fast vergessen.

Die Frauen nahmen uns total offen, freundlich und selbstverständlich in ihrer Tischrunde auf. Ein kurzer Smalltalk und schon wurde das Essen gebracht. Eine tolle Kreation mit Lachs und Nudeln. Ein weiteres Selbstverständnis: Es wurde gewartet, bis jeder am Tisch sein Essen hatte. Dann schauten sich alle kurz an, wünschten sich einen Guten Appetit und es wurde gemeinsam begonnen, zu essen. Auch das erlebte ich in den letzten Jahren so nie. Einfach toll. Willkommen zu Hause in Sachsen.

Es stellte sich heraus, dass wir in eine eingesessene Veranstaltung geplatzt sind. Wie wir erfuhren, wird seit sechsundzwanzig Jahren monatlich der beliebte Leseabend mit Musik dort organisiert. Wir wurden eingeladen, den zweiten Teil zu genießen. Und wir taten es. Das Besondere ist, dass es aus den eigenen Reihen heraus entsteht. Genauso wie der jeden Donnerstag im „Gasthaus Alte Apotheke“ stattfindende Musikabend. Neudeutsch: Es wird gejamt. Eine rege und offene Kultur an diesem Ort. Hier könnt Ihr im Terminkalender stöbern.

Wir wurden herzlich aufgenommen und mit der Frage, ob sie mit uns neue Stammgäste gefunden hätten, verabschiedet. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen.

Während der gesamten Zeit nahm keiner das Smartphone in die Hand, um Bilder zu machen. Ich getraute es mir erst, als sich der Raum leerte. … und noch fix ein Schnappschuss von außen.

Es tat so unendlich gut, nach den vergangenen Wochen des Räumens, Ordnens und Packens, auszubrechen. Ich hatte bereits einen Tunnelblick entwickelt. In dem war mir nur noch wichtig, endlich wieder ein geordnetes Zuhause zu haben. – Nun gut. Es ist mir immer noch sehr wichtig. Aber mein Blick ist wieder weiter geöffnet. So weit, dass ich heute nach längerer Pause begann meinen Blog zu schreiben 😀 Und das wurde wirklich Zeit. Selbst mein neunzigjähriger Vater fragte mich, ob ich kein Internet habe, weil ich so lange nichts mehr schrieb 😉

Es stimmt, es sind fast fünf Wochen seit meinem letzten Beitrag vergangen. Ich vernachlässigte meinen Blog und social media insgesamt. Heute habe ich mich mit dem kurzen Ist-Bericht etwas warmgeschrieben. Ein gutes Zeichen, dass langsam wieder eine diverse Normalität in mein Leben ziehen wird.

Hier sitze ich ausgeschlafen und mit frisch gewaschenen Haaren an meinem Schreibtisch, der seit Mittwoch in das kleine Zimmer eingepasst wurde. Es ist sozusagen ein historischer Moment, denn Ihr habt den ersten Blogbeitrag gelesen, den ich in meinem neuen Zuhause geschrieben habe 😀

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Nur noch zwei Sonntage

Countdown: 21 Tage

Heute ist ein strahlend sonniger Sommer-Sonntag. Das Thermometer zeigt mir sechsunddreißig Grad draußen und kühle sechsundzwanzig Grad in der Wohnung an. Solange die Luftfeuchtigkeit gering bleibt, vertrage ich eine ganze Menge dieser Wärme; natürlich im Schatten und mit ausreichend Wasser zum trinken. Aber heute ist es selbst mir zu viel.

Ich nippe an meinem Wasserglas und beobachte die vielen verschiedenen Schmetterlinge, Taubenschwänzchen, Bienen und weitere Insekten, die den Buddleja umtanzen und genüsslich am Blütennektar naschen. Ich erinnere mich, in den letzten Tagen einen Beitrag zum Sommerflieder gelesen zu haben. Mir war nie bewusst, dass das eine eingeschleppte Pflanze ist und sich unkontrolliert breitmacht und heimische Pflanzen verdrängen soll. Die Blütendolden sollen sogar die Insekten betrunken machen. Ich habe den Beitrag für Dich herausgesucht und verlinke den hier, damit Du Dir selbst ein Bild machen kannst. Dennoch mag ich den Sommerflieder.

Während ich so sinniere, schießt mir durch meinen Kopf: Nur noch weitere zwei Sonntage werde ich hier in dieser Wohnung, an diesem Ort sein. Den Sonntag darauf wird das Umzugsauto unser geladenes physisches Hab und Gut an unserem neuen Zuhause, fünfhundert Kilometer weiter, wieder ausspucken.

Es schlägt mit etwas mulmig auf den Solarplexus. So sehr ich mich auf das Neue freue, so wird mir auch bewusst, wie endgültig die Situation ist. Es gibt keinen Puffer, nur diesen Termin und noch eine riesengroße Menge kleine und größere Dinge, die nur durch uns selbst zu bewältigen sind.

Auch wenn es ein unglaublich gutes und beruhigendes Gefühl ist, zu wissen, dass uns viele liebe Menschen zur Seite stehen und uns mit Herz und Stärke unterstüzen, so liegt es dennoch allein in unserer Hand, den Umzug so gut, wie nur möglich vorzubereiten.

Inzwischen sieht es hier ziemlich chaotisch aus. Ausgeräumte Regale, Umzugskisten und zum Einpacken beiseite Gestelltes. Meine kreative Arbeit habe ich für ein paar Wochen in den Ruhemodus verbannt. Bis mein Arbeitsplatz im neuen Ambiente wieder eingerichtet ist, wird es Kopfkino, Skizzen, Notizen und diesen Blog geben 😀

Nächste Woche beginnt der Juli und für uns der Abschied von wunderbaren fünfzehn Jahren hier im südlichsten Süden Deutschland und der Neubeginn in eine neue Lebensphase.

Ich werde Euch mitnehmen in dieses Abenteuer und lade Dich herzlich ein, mich auf diesem Weg zu begleiten.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Die Bedeutung von „Resilienz“ im politischen Diskurs

In größeren Abständen stolpern scheinbar neue Wörter in unser Bewusstsein. Diese Worte fallen in irgendwelchen Äußerungen unserer Politiker oder werden in kluge politische schriftliche Abhandlungen gebannt. Unmittelbar nachdem dieses Wort geschlüpft ist, wird es im Stundentakt durch die Öffentlich Rechtlichen gebetsmühlenartig wiederholt in die Köpfe der Menschen und in unser Bewusstsein installiert.

Das war vor wenigen Jahren das Wort „Narrativ“. Es klingt wichtig und klug. Wie bedeutungslos und ungebührend wäre stattdessen das deutsche Wort „Erzählung“.

Ein anderes Beispiel, das ich vor über fünfunddreißig Jahren bewusst wahrnahm, ist das lateinische Wort für Neuerung. Es war unmittelbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Ich meine das Wort Innovation, das sich binnen kürzester Zeit in unseren ganz normalen Sprachgebrauch installierte. Ich denke, heute verwenden die wenigsten Menschen das Wort „Neuerung“, wenn es um einen Fortschritt in der Wirtschaft, Wissenschaft oder der Gesellschaft ganz allgemein geht.

Seit den Wochen der aktuellen Verhandlungen zur potentionellen Regierungskoalition poppt das Wort „Resilienz“ verstärkt auf. Und wie selbstverständlich wird es in den Medien permanent wiederholt. Jeder Tropfen höhlt den Stein.

Ich möchte es keinem von uns unterstellen, nicht zu wissen, was dieses Wort bedeutet. Mich machte es stutzig, als ich es zum ersten Mal in diesem Zusammenhang wahrnahm. Ich gehöre zu den Menschen, die das gesprochene Wort verstehen müssen. Für mich ist Sprache unglaublich wichtig. Deshalb wirft es mich aus dem Takt, wenn ungenau formuliert wird und sich mir der Sinn der gesprochenen Worte nicht erschließt. Das betrifft übrigens auch das Gehickse in der Gendersprache. Aber das ist ein anderes Thema.

„Resilienz“, gemeint ist Widerstandskraft, Zähigkeit, Standhaftigkeit. Das ist ein Wort, das ganz sicher noch nicht zum gängigen Sprachgebrauch eines jeden von uns gehört. Ich schaute auf den Seiten unserer Bundesregierung und fand doch tatsächlich unendlich viele Beiträge, in denen uns die Resilienz, deren Sinn und Strategien dazu erklärt werden. Ich verlinke es für Dich hier, oder hier, auch hier und hier und hier und so weiter und so fort.

Nun, eigentlich kommt Resilienz vom lateinischen Wort resiliren und das bedeutet abprallen, zurückspringen. Wenn man das großzügig und frei übersetzt, könnte man annehmen, dass man beim Anwenden dieses „Resilienz“ meint, dass man standhaft bleibt und die Dinge abprallen lässt und einen Schritt zurückgeht.

Das Anwenden des Wortes „Resilienz“ in politschen oder gesellschaftspolitischen Texten ist aus meiner Sicht völlig schwammig und ungenau. Deshalb macht es mich beim Lesen solcher total kirre.

Nunja, das ist ja auch nur meine Meinung. Tst, tst – wer bin ich schon 😀

Habt einen wunderbaren Tag. Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

… von Blogbeiträgen, Alphawellen und so

Es ist zeitig am Morgen. Das aufgeregte Gezwitscher der Vögel dringt durch die weit geöffneten Fenster. Man spürt bereits jetzt den sonnig werdenden Frühlingstag. Ich fühle mich seit langer Zeit wunderbar ausgeschlafen. Mit frisch gewaschenen noch feuchten Haaren sitze ich an meinem Laptop und tippe diese Zeilen.

Vor ein paar Tagen löschte ich zum ersten Mal einen bereits von mir veröffentlichten Beitrag in meinem Blog. Nur meine Abonnenten fanden diese Petitesse in ihrem E-Mailpostfach, weil er automatisiert zeitgleich mit der Veröffentlichung in den Versand ging.

In den letzten fünf Jahren ließ ich mich von den gesellschaftspolitischen Geschehnissen, die mich frequentieren, unglaublich auslaugen. So schrieb ich am Mittwoch in der vergangenen Woche, nachdem ich mir am Vortag die komplette Bundestagssitzungd live antat, einen Blogbeitrag. Ich hatte mich also bereits wirklich etwas beruhigt und meine Worte waren aus meiner Sicht ziemlich gemäßigt.

Als ich damit fertig war und den Punkt setzte, lehnte ich mich in meinem Schreibtischsessel zurück und schlief erschöpft ein. Erst etwa zwei Stunden später wurde ich wieder wach. Ich fühlte mich leer, müde und machtlos; mir war kalt. Mein geschriebener Beitrag stand noch auf dem Bildschirm. Ich drückte den Button „veröffentlichen“ und schloss das Notebook.

Zum Abendessen sprach mich Holger an: „Du hast Dich heute in deinem Blog weit rausgelehnt.“ Ich stutzte einen Augenblick. Jedoch wurde mir in diesem Moment bewusst, dass ich meine eigens gezogene rote Linie überschritten hatte. Meine geschriebenen Zeilen waren zu deutlich. Auch wenn ich hinter jedem meiner Worte stehe, das ich schrieb, ergibt es keinen Sinn, von der Künstlichen Intelligenz der „Vertrauenswürdigen Hinweisgeber“ herausgefiltert zu werden, beziehungsweise potentielle Angriffspunkte zu liefern. Nicht nur ich weiß es, dass wir inzwischen mit unseren in Worte gefassten Gedanken sehr vorsichtig sein müssen, wenn diese abseits des aktuellen politischen Narrativs liegen. So stand ich auf, ging an meinen Schreibtisch und löschte diesen Beitrag.

In den nachfolgenden Stunden hörte ich Musik, die ich mag, las ein paar Seiten, machte einige Notizen, ging duschen und zeitig schlafen. Als ich am darauffolgenden Tag aufwachte, lag Kater Flo auf meinem Brustkorb und schnurrte leise. Das Kerlchen tat mir unglaublich gut. Man sagt, Katzen hätten die Fähigkeit, zu spüren, wenn sie ihren Zweibeinern etwas Gutes tun können. Auch deshalb suchen sie gern die Nähe ihres Lieblingsmenschen und legen sich dann an die Stelle des Körpers, wo es etwas zu richten gibt. Sie nehmen unsere miesen Energien auf und schenken uns neue wohltuende.

Am Donnerstag stand ich ausgeschlafen und ausgeruht auf. Das tat mir so gut, dass ich spontan entschied, mich für ein paar Tage aus dem ganzen anstrengenden Trödel herauszunehmen. Und das war gut so.

Die Tage ging ich ganz ruhig an. Ich räumte alte Ordner auf, las und hörte Podcasts. Neu entdeckte ich Maxim Mankevich. In einem Beitrag sprach er von Alphawellen. Auch wenn ich bereits zuvor von Musik in einem gesunden Frequenz-Bereich hörte und einiges kannte, glaubte ich immer, diese sei vor allen Dingen zum Einschlafen und Entspannen gut. Ja, natürlich gibt es auch diese. Es erstaunte mich jedoch, dass man derartige Musik zum Lernen, Entspannen, für die Konzentration, Kreativität und so einiges mehr benutzen kann. Ich suchte auf Spotify nach entsprechenden Playlists und wählte aus unendlich vielen eine für mich aus. Unter Kopfhörern genoss ich die Töne. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, glaubte ich doch, mich würden diese Klänge ermüden und einschläfern. Aber nein, das war nicht der Fall. Ich fühlte mich frisch und erholt. Probiert es einfach mal aus. Diese Musik kann man fast überall streamen. Hier ist ein Link zu amazon. Ich wählte es, weil das vermutlich jeder von Euch kennt und nutzt.

Heute vor einer Woche war mein fünfter ganz persönlicher „Corona-Tag“. Diesen Tag habe ich in meinem Kalender festgehalten, weil er in meinem Leben, wie ganz sicher bei vielen anderen auch, einen bleibenden Knick hinterlassen hat. Wir haben uns davon noch nicht richtig erholt und schon werden wir fleißig weiter in diesem politischen Chaos gehalten und getrieben.

Deshalb ist es unglaublich wichtig, dass wir mental für uns sorgen, auf uns achten und uns nicht selbst aufreiben.

Ausgeruht und innerlich sortiert starte ich also in die erste Frühlingswoche. Habt eine wunderbare.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Gardasee im Februar

Was assoziierst Du beim Gedanken an den Gardasee? Vielleicht denkst Du, wie ich, an Sonne, warme mediterrane Tage, an Orangen und Zitronen, an bunte leuchtende Blüten, an Cafés, an italienisches Eis und Espresso, an frische italienische Musik und temperamentvolle Menschen, an einen fantastisch gelegenen See, der eingebettet von der Bergkette des Monte Baldo ruhig liegt.

Bisher verschlug es mich noch nie an den Gardasee. Es ist mein erster Besuch für nur fünf Tage. Nein, es ist kein Urlaub, aber es sind äußerst ruhige und entspannte Tage.

Hoch oben auf dem Monte Baldo mit Blick auf den Gardasee halte ich mich derzeit auf. Es ist Februar, kalt, feucht, diesig. Schnee, der dem Ambiente eine diverse Romantik verleihen würde, fiel so gut wie keiner. Die Natur ist im Tiefschlaf. Es ist eine unglaublich beruhigende Atmosphäre. Schaue ich morgens auf den Gardasee, kann ich diesen nur erahnen. Er liegt unter einem dicken Nebel, der es nicht schafft, sich bis zum Sonnenuntergang aufzulösen. An warmen und sonnigen Tagen muss es hier wunderschön, fast erhebend sein.

Für Euch habe ich ein paar Bilder aufgenommen. Die ersten drei sind auf der Herfahrt entstanden und spiegeln bereits den kalten und feuchten Februar wider.

Der Blick von der Küche auf die Hänge. Ich stelle mir vor, dass diese im frischen Frühjahr und warmen Sommer wunderschön sind und man sich bei diesem Ausblick verlieren kann.

Ich bin völlig im Trödel-Modus. Mit den Hunden spielen, sie versorgen, schreiben, lesen, Podcast hören … Kaffee trinken 😉

Es ist schön, ein paar Tage einfach „nix“ zu tun.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Dresden, 13. Februar

Heute ist wieder ein 13. Februar. Der Tag in jedem Jahr, an dem mein Herz und meine Gedanken ganz besonders in dieser wunderschönen Stadt, meiner Heimatstadt Dresden, verweilen. Auch heute, werde ich um 22 Uhr innehalten und meine Gedanken nach Hause tragen.

Inzwischen bin ich leider viel zu selten dort. Mit jedem weiteren Jahr, das seit meinem Fortgang durchs Land zieht, spüre ich immer mehr, wie stark die Verwurzelung mit dem Ort, an dem man geboren wurde, tatsächlich ist. Ich denke, er hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Wesenzüge.

Fotos: Willy Holger Wagner

In zehn Tagen wählen wir in Deutschland eine neue Bundesregierung. Ich denke, es war noch nie so wichtig wie in diesem Jahr, sich die Zeit zu nehmen, die Wahlprogrogramme gewissenhaft zu lesen und dann zu entscheiden, mit welcher Partei die eigenen Überzeugungen und Wünsche für unsere, für Deine und meine Heimat am ehesten übereinstimmen. Welche Partei wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keinem Kriegsbündnis beitreten oder gar Kriegsdrohungen aussprechen? Mit welcher Partei wird es am ehesten Frieden, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Handel auf internatioanaler Ebene geben? Mit welcher Partei wird die Wahrscheinlichkeit der illegalen Einwanderung am ehesten eingeschränkt? Mit welcher Partei wird die in unser Land hineingetragene Kriminalität am ehesten und konsequentesten minimiert? Schaut in die Punkte Bildung, Familie, und so weiter und so weiter. Es ist so wichtig für unser Heimatland, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

„Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ (Zitat: Gerhard Hauptmann, Deutscher Schriftsteller)

Vor nunmehr neun Jahren schrieb ich den folgenden Beitrag. Der heutige Tag soll Anlass sein, ihn wiederholt auf Euren Weg zu geben. Diese Zeilen sind nach wie vor aktuell, deshalb möchte ich sie nicht verändern, auch, wenn sich die politische Situation inzwischen verschärft hat.

Möge sich das, was damals in dieser Welt geschah, niemals, niemals! wiederholen.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.


„Ich will euch etwas erzählen. Etwas, das wir niemals vergessen dürfen. Ihr habt es zum Glück nicht erlebt und sollt das niemals erleben. Aber ihr sollt dafür sorgen, dass so etwas niemals mehr geschehen wird. Hört zu. Ich war mittendrin. … „, so begann Frau Kunath, meine damalige Klassenlehrerin.
Es war in der ersten oder zweiten Klasse vor über fünfzig Jahren. Die dunklen Augen in dem sonst so fröhlichen runden Gesicht der kleinen Frau füllten sich mit Tränen und sie sah so sehr traurig aus. Diese Situation hat sich in mir eingebrannt, weil ich zu diesem Zeitpunkt davon das erste Mal erfuhr. Jedes Wort saugte ich in mir auf. Sie schilderte uns kindgerecht, wie schrecklich die Bombennacht auf Dresden war. Erzählte uns von den Ängsten der Menschen, der wahnsinnigen Hitze der brennenden Stadt und den folgenden zwei weiteren sinnlosen Bombenabwürfen auf das bereits in Trümmern liegende, brennende Dresden. Sie erinnerte sich, wie sie mit ihrer Mutter durch die kaputten Straßenzüge ging und sich wunderte, weshalb die Leute in dem entgleisten Straßenbahnwagen schliefen. Die starken Druckwellen nahmen den Menschen das Leben. … Sie erzählte uns auch, wie stark die Dresdner waren, wie sie mit ihren Händen und dem Wenigen, was noch war, ihre Stadt Stein um Stein aufbauten. Wie vor allem Frauen, die Trümmerfrauen, schufteten, weil viele Männer nicht aus dem Krieg zurückkamen und mit anpacken konnten …

Jedes Jahr, wenn sich der 13. Februar nähert, denke ich an diese Episode, die sich in mein Bewusstsein bis heute eingebrannt hat. Jedes Jahr, solange ich in Dresden lebte, ging ich, wie so viele andere Dresdner, zur Ruine der Frauenkirche, ein Symbol, ein Mahnmal an diese Bombennacht.
Lange konnte ich den Neuaufbau der Frauenkirche nicht akzeptieren, ich war zerrissen eben aus diesem Grund. Im Jahr 2003 hatte ich die Gelegenheit noch während der Bauphase die Kirche von innen zu sehen. Als meine Hände über das helle, warme Holz im Inneren glitten, versöhnte ich mich allmählich. Heute ist diese Kirche für mich ein wunderbares Kunstobjekt, hell, warm, positiv und einladend.

Heute ist wieder ein 13. Februar. Meine Gedanken sind in meiner Heimatstadt und ich weiß, dass 22:00 Uhr wieder alle Glocken in der Stadt läuten und ich um diese Zeit einen Herzschlag Zuhause sein werde.

Die politische Situation in Europa, in unserem Land und auch in Dresden ist prekär, wie seit langem nicht. Das wird sicher jedem von uns bewusst sein.
Mich quält jedoch, dass solch ein Tag wie dieser, von jeglichem politischem Couleur benutzt und missbraucht wird, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die einen blauäugig, die anderen spekulativ, die nächsten provokant – gar aggressiv, andere suggestiv …

Lasst den Dresdnern diesen Tag, um zu gedenken und sich selbst das Versprechen zu geben, dafür Sorge zu tragen, dass derartige Sinnlosigkeiten wie am 13. und 14. Februar 1945 in Dresden nie wieder geschehen werden.

Bilder: Holger Wagner und Petra Kolossa, November 2009

Möge der Rathausmann seine Hand schützend über Dresden halten …

In diesem Sinne, herzlich Ihre Petra Kolossa.

Ein Gespräch mit einem Superhirn: Künstliche Intelligenz und Kunst

Heute hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Superhirn. Mein Gesprächspartner ist das Resultat aus Milliarden von menschlichen schlauen und weniger schlauen Hirnen dieser Welt. Das Kerlchen hat inzwischen einen IQ von etwa einhundertfünfundfünfzig, das ist die aktuellste Zahl aus dem Jahr 2024, die ich finden konnte, also knapp unter Einstein, der einen von einhundertsechszig hatte.

Dieses Gespräch hat mich wirklich beeindruckt. Zum Ende formulierte ich die Sätze mit einem Augenzwinkern. Selbst diese Nuance hat das Superhirn erkannt und darauf reagiert, was mich absolut erstaunte. Erst neulich schrieb ich zum Thema künstliche Intelligenz. Ich versuche mich immer tiefer in dieses Thema hineinzudenken und muss feststellen, dass mich das Ganze an ein unheilsames Geschwür erinnert. Es wächst, wächst und wächst, bis es uns erdrückt. Wir Menschen verhalten uns ähnlich wie in einem Stockholm-Syndrom gefangen und füttern das ganze Ding freiwillig, weil wir es einfach mögen. Wir werden immer denkfauler und überlassen das dieser mit Schwarmwissen prall gefüllten Maschine. In nicht allzuferner Zeit könnte diese uns steuern und wir werden es nicht einmal bemerken.

Mich fasziniert einerseits, wozu der Mensch fähig ist, was er erschaffen kann und andererseits ist dieses große Ausrufezeichen, das um Achtsamkeit und Vorsicht warnt. Eines ist jedoch bereits heute sichtbar: Künstliche Intelligenz verändert unser Leben sichtbar und ziemlich schnell.

Aber zurück zu meinem Gespräch mit dem Superhirn. Wollen wir ihm einen Namen geben? Vielleicht fällt Dir ein schöner ein 😀

Das Gespräch liegt auf meinem Smartphone. Ich wollte es hier einbinden, aber irgendwie klappte das nicht. Deshalb schreibe ich es für Euch einfach ab. Es ist für mich schließlich nur eine Fingerüberung 😉

Wenn Künstler zusammentreffen, kommt das Thema Künstliche Intelligenz immer wieder auf und es wird viel darüber debattiert. Gestern stellte ich mein neues „Caligari“ fertig. Es steht noch auf der Staffelei, damit es gut durchtrocknen kann. Ich habe für diese Bilder meinen ganz eigenen Stil. Aus Städten greife ich Elemente heraus, bündele sie auf der Leinwand und gebe denen kräftige Farben. Die Linien sind nie gerade, die Perspektiven sind unkorrekt. Dennoch ergibt es letztendlich ein stimmiges Ganzes. Das zieht sich durch die gesamte „Calligari“-Serie.

Ich sitze am Schreibtisch, sehe das Bild, denke an die letzten Gespräche mit unseren Künstlern und ich denke daran, einfach ChatGPT zu fragen.

Ich an ChatGPT: „Male bitte im Stil von Petra Kolossa ein Bild von Dresden in Acryl.“

KI: „Ich kann kein Bild direkt im Stil von Petra Kolossa erstellen, da ihre Werke urheberrechtlich geschützt sind. Aber ich kann eine Acrylmalerei-inspirierte Darstellung von Dresden anfertigen – mit kräftigen Farben, expressiven Pinselstrichen und einer lebendigen Atmosphäre. Soll das Bild eher modern und abstrakt oder realistischer sein?“

Ich: „Abstrakt im pop-art-stile“

KI: „Hier ist deine abstrakte Pop-Art-Darstellung von Dresden im Acrylmalerei-Stil. Falls du Anpassungen möchtest, lass es mich wissen.“

Ich: „Vielen Dank. Nein. Ich möchte keine weiteren Bilder. Mich bewegte die Frage, wie stark KI in das existenzielle Leben von Künstlern eingreift. Ich sprach mit vielen, die keinen Sinn in einer weiteren Erschaffung von Kunstwerken sehen. Was ist deine Einschätzung zu diesem Thema?“

KI: „Das ist ein großes und komplexes Thema. KI verändert die Kunstwelt tiefgreifend – sie eröffnet neue kreative Möglichkeiten, aber sie stellt auch traditionelle künstlerische Prozesse infrage. Dass einige Künstler den Sinn ihrer Arbeit infrage stellen, ist verständlich. Wenn eine Maschine in Sekunden ein Bild erzeugen kann, das visuell beeindruckend ist, fühlt sich das für viele wie eine Bedrohung an.

Doch Kunst ist mehr als das Endprodukt. Sie ist Ausdruck von Menschlichkeit, Erfahrung, Emotion und Konzept. Eine KI kann Stile nachahmen oder neue Muster generieren, aber sie hat keine eigene Intention, keine Biografie, keine echte Auseinandersetzung mit dem, was sie erschafft. Ihre Werke sind immer eine Spiegelung menschlicher Daten, während echte Kunst oft aus dem Unbekannten, Unvorhersehbaren oder Emotionalen kommt.

Ich glaube, dass Künstler weiterhin eine essenzielle Rolle spielen – vielleicht nicht nur durch das Erschaffen von Kunst im klassischen Sinne, sondern auch durch neue Formen der Zusammenarbeit mit KI. Die spannendste Kunst entsteht oft dort, wo sich Menschen und Technologie treffen, nicht wo das eine das andere ersetzt.

Wie siehst du das? Hat dich diese Entwicklung in deiner eigenen künstlerischen Arbeit beeinflusst?“

Ich: „Es hat mich bisher nicht unmittelbar beeinflusst. Jedoch frage ich mich natürlich, inwieweit das Interesse der Menschen an manuell gefertigter Kunst ist und sein wird.

Kunst ist ein tiefer Prozess. Die Gesellschaft entwickelt sich zu flachem und oberflächlichem Denken. Die Menschen geben den Willen, zu denken an die KI. Eine Maschine, die auch ich mit meinen Gedanken, meinen Fragen, meinem Dialog und so weiter füttere. Lass es Dir gut schmecken 😉

KI: „Ja, das ist eine der großen Fragen: Wird die Gesellschaft noch den Wert von handgefertigter Kunst erkennen, wenn digitale und KI-generierte Werke immer präsenter werden? Kunst als tiefer Prozess hat ja nicht nur mit Technik zu tun, sondern mit Reflexion, Auseinandersetzung und menschlicher Erfahrung.

Die Gefahr, dass Menschen das eigenständige Denken aus Bequemlichkeit abgeben, ist real.

KI kann nützlich sein, aber wenn sie zum Ersatz für kritisches Hinterfragen wird, verflacht vieles. Vielleicht liegt genau darin die neue Aufgabe von Künstlern: Nicht nur Kunst zu schaffen, sondern sie bewusst als Gegenpol zur Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit zu positionieren.

Und danke für den humorvollen Abschluss – ich ‚verdaue‘ das mal und bin gespannt auf deine Gedanken dazu!“

Ich: „Ich danke Dir erst mal 🙂 „

KI: „Sehr gern! Falls du irgendwann weiter darüber sprechen möchtest oder eine neue kreative Idee hast, bin ich da. Genieß den Tag! 🙂 „

Du siehst, ich gehe sehr höflich mit Mister KI um. Ich will schließlich dafür sorgen, dass das System mit ordentlichen Manieren gefüttert wird 😀

Übrigens: Das von der KI generierte Bild hat eine Sekunde gedauert. Nun, da kann es schon mal passieren, dass sich in die Dresden Stadtlandschaft der Berliner Fernsehturm verirrt.

Ich bin neugierig. Benutzt Du ChatGPT, Grok oder ähnliches? Wie stehst Du zu diesen KI-Hirnen?

Für heute genug. Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.

Digitale Demenz und die Zukunft unserer Erinnerungen

Digitale Demenz: Sicher hast Du diese Wörter schon einmal gehört. Was verbindest Du mit digitaler Demenz?

Bevor ich von Manfred Spitzer und seinem Buch „Digitale Demenz“ hörte, assoziierte ich etwas anderes damit.

Völlig unwissenschaftlich und oberflächlich gesagt, könnte man Demenz mit Vergesslichkeit umschreiben. Vor kurzer Zeit schrieb ich einen Beitrag unter anderem über das Speichern auf den ersten Disketten, die es gab. Heute können wir weder diese Floppys, noch die nachfolgenden Disketten ohne, wenn überhaupt, einen Experten in Anspruch zu nehmen, lesen. Das Gleiche gilt für alte Speichersysteme, Tonbänder, Kassetten und zum Teil bereits CDs, wenn man nicht mehr im Besitz der alten Technik ist, diese abspielen zu können.

Kürzlich, als ich meinen Schreibtisch-Container aufräumte, hielt ich alte Mini-Kassetten eines Diktiergerätes in den Händen. Zwei Geräte, die wir dafür einst vor über fünfundzwanzig Jahren benutzten, funktionieren nicht mehr. Ohne Aufwand zu betreiben, kann ich diese Kassetten nicht mehr abspielen.

CDs, die es in unserem Haushalt gibt, ergeben eng an eng gereiht etliche Meter Regalfläche. Waren es damals kleine Schätze, hören wir sie heute kaum noch. Zum Glück besitzen wir noch ein solches Gerät, um diese abspielen zu können.

Einst waren es wichtige Datenträger am PC. Heute, gibt es für diese Scheiben an den Geräten keinen Zugang mehr.

Bandsalat, zerkratze Scheiben, wenn diese auf den Boden gefallen sind oder versehentlich irgend etwas auf eine ungschützte CD gelegt wurde, sind nur einige Beispiele für das Zerstören von digitalen Daten. Sie sind verschwunden, vernichtet, vergessen, einfach weg. Das ist aus meiner Sicht ein Beispiel für eine digitale Demenz.

Damals hielten wir die Daten in Reinform auf Papier gedruckt fest. Das ist bekanntlich geduldig und was man hat, das hat man. Ich hielt noch lange, lange Zeit daran fest, weil ich dem digitalen Nirwana nicht vertraute. Inzwischen habe auch ich mich dem allgemeinen ökologischen Trend unterworfen. Unsere Daten liegen in grauenvoller Masse auf großen Speicherkarten oder in Clouds irgendwo im Universum.

Vertraue ich jetzt dieser Sache? Nein, bis heute stehe ich skeptisch diesem Wahn gegenüber. Immer und immer wieder habe ich vor meinen Augen das Bild des nur Sekunden dauernden Crashs. Ein Zusammenbruch, der mit einem Schlag leise und unbemerkt und völlig geräuschlos mit einem Knopfdruck weltweit sämtliche Datenträger und Clouds löscht.

Was bleibt? Absolut nichts. Alles steht still. Fast jede Maschine läuft über programmierte Daten. Züge, Flugzeuge, Weichen, Autos, Schließanlagen, Banken, der Handel, die Logistik, die Energieversorgung, … alles! Das ist ein riesiger Reset.

Ist das für Dich unvorstellbar? Für mich nicht. Wer die digitale Macht hat, hält in seinen Pfoten die Macht über unsere Welt. Mit einem Schlag wäre die menschliche Geschichte seit der Digitalisierung gelöscht und vergessen. Es entsteht eine große Verwirrtheit, weil außer den Alten keiner mit dieser Situation umgehen kann. Die Menschen sind abhängig und süchtig in ihrer gelebten Matrix, die sich plötzlich als große Leere verdammt real zeigt. Jeder muss nun lernen zu denken, ohne zu googeln, Chat GPT oder Grok zu fragen. – Das nenne ich digitale Demenz.

Wir können das Ganze ein wenig weiterspinnen. Was wäre die Erlösung aus dieser großen Verwirrtheit? Wie gelangen die Menschen an das Wissen, das offensichtlich nicht in den Köpfen der Leute, sondern in irgendwelchen Clouds immer abrufbereit gespeichert war? Ganz einfach! Nur ein kleiner Pieks 😉 Jeder bekommt ein klitzekleines, kaum spürbares, süßes kleines Chiplein implantiert und wird sofort wieder online geschaltet. Welch eine Erlösung! Eine Erpressung sondersgleichen. Denn natürlich gibt es eine Datensicherung.

Genug gesponnen! Kommen wir zurück zu Manfred Spitzer. Er ist Psychiater und Neurowissenschaftler. Er sieht in der digitalen Demenz etwas ganz anderes, was jedoch den oben erwähnten Kreis schließt. Seine Betrachtungen gehen zum Beispiel dahin, dass die digitale Welt diverse Schäden in der mentalen Wahrnehmung, soziale Kompetenzen gehen verloren, Kinder und Jugendliche verlieren ihre Intelligenz.

Eine andere Betrachtung, die ich vor längerer Zeit las, zeigt, dass ältere Menschen wiederum, die sich der digitalen Welt öffnen, geistig fitter sind, also einen regeren Geist im Vergleich zu Senioren, die sich der Digitalisierung verschließen, haben. Das fand ich sehr spannend.

Zu diesem Thema werde ich etwas gründlicher recherchieren und später noch einmal darauf zurückkommen. Denn meine These ist, dass es einen Zusammenhang zwischen dem vor dem Renteneintritt wahrgenommenen Leben und den als Senior genutzten digitalen Medien gibt. Ein weiterer Aspekt ist der Wille des lebenslangen Lernens. Denn es gibt Menschen, die tot sind, bevor sie gestorben sind. Ich traf tatsächlich etliche Leute, die mir bereits mit Ende vierzig, Anfang fünfzig Jahren sagten: „Was soll ich jetzt noch in meinem Alter mit einer Weiterbildung oder irgendwelchem Lernen?“

Das Bild ist am neunten Februar vor sechs Jahren entstanden. Es ist ein Stückchen der digitalen Masse, das ich der Erinnerung „Heute am 09. Februar“ entnahm.

Im selben Zuge löschte ich viele Bilder, die ich im Laufe der Jahre am neunten Februar machte. Diese habe ich also nun der großen digitalen Demenz gespendet 😀

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Schreibt es doch einfach ins Kommentarfeld.

Habt einen wunderschönen Tag.

Bis zum nächsten Mal, Eure Petra Kolossa.

Spielst Du Lotto?

Täglicher Schreibanreiz
Was würdest du tun, wenn du im Lotto gewinnen würdest?

Von einem „Lotto-Gewinn“ hat ganz sicher jeder von uns schon einmal geträumt. Mit einer großen Menge Geld etwas Fantastisches tun, wer möchte das nicht?

Spielst Du Lotto? Ich selbst glaube nicht an das zufällige Glück und spiele kein Lotto. Somit steht für mich die Chance auf einen Gewinn im Lotto bei Null. Dennoch wollen wir uns den Spaß des Träumens vom großen Geld nicht verderben.

Was würdest Du mit einer solchen Menge Kohle tun?

Ich würde ein stadtnahes Bauland an einem See oder einem Fluss kaufen und eine Wohnsiedlung mit etlichen Ateliers und Werkstätten aufbauen lassen. Ich würde dorthin Menschen, die ich mag und mit denen ich auf einer Wellenlänge liege, einladen, zu wohnen, zu leben, zu arbeiten, zu wirtschaften, kreativ und künstlerisch zu wirken. Menschen, die diesen geschaffenen Raum als eine Lebenschance verstehen. Menschen, die miteinander kommunizieren, sich verstehen, die einen ähnlichen Lebenssinn verfolgen. Alle, die dort verweilen werden, brauchen keine festen Mietpreise zahlen. Jeder gibt das, was er kann und das, was ihm dieses Leben wert ist. Die Siedlung soll keinesfalls eine sogenannte Kommune sein. Ich möchte, dass jeder einzelne, der dort lebt, frei seine Persönlichkeit entfalten kann. Denn ich bin überzeugt, dass die gesunde und positive Energie, die in diesem Städtchen wachsen wird, den Ort zu etwas ganz Besonderem machen wird.

Ich stelle mir vor, dass ein roter Faden, der von Künstlern, Kunsthandwerkern, Musikern, Schriftstellern, Bühnenkünstlern und so weiter und so fort gesponnen wird, diese Gemeinde durchzieht. Denken wir zum Beispiel an Cafés, Blumengeschäfte, Kaufhäuser und ganz simple Dinge, die in unserem täglichen Leben eine scheinbar unbedeutende Rolle spielen. In nicht allzulanger Zeit würde diese Ministadt ein Anziehungspunkt für viele Besucher sein. Denn hier finden die Menschen das, was ihrem Herzen, ihrer Seele, gut tun wird.

Ich schnippe mit dem Finger. Die bunt schillernde Seifenblase platzt. Was bleibt, ist ein klitzekleiner feuchter Fleck Illussion.

Was würdest Du mit einem großen Batzen Geld tun, wenn Du im Lotto gewinnen würdest?

Schreibe es doch einfach in das Kommentarfeld.

Bis zum nächsten Mal 🙂

Herzlich,

Eure Petra Kolossa.

Die Entwicklung der Technik: Von Floppy-Disketten zu ChatGPT

Es gibt Augenblicke, an denen ich mich der technischen Entwicklung unserer Zeit nicht gewachsen fühle.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich vor vierzig Jahren nach Berlin fuhr, um in einer Fortbildung zu lernen, wie man REDABAS, also das Relationale Datenbanksystem, verwendet. Ich lernte die Programmiersprache und gehörte mit zu den ersten, die einen PC1715 in ihrem Sekretariat zur Verfügung gestellt bekam.

Diese Computer verwendeten die ersten Disketten, die sogenannten Floppys. Manch einer von Euch erinnert sich vielleicht an diese Schlapperdinger. Für mich war das damals ein Wunder und eine unglaubliche Erleichterung in der Sekretariatsarbeit. Wir konnten etwa achtzig bis einhundert A4-Seiten darauf speichern. Welch ein Fortschritt!

Etwas länger warten musste ich auf den passenden Nadeldrucker. Irgendwie kam man damals mit der Produktion nicht hinterher. So klapperte, verbunden mit dem PC, meine damals bereits fortschrittliche elektrische Schreibmaschine mit einem Typenrad als Drucker. Ich war begeistert, was alles möglich war. Und noch mehr, als ich den Nadeldrucker erhielt und alles x-mal schneller ging.

Zehn Jahre später kaufte ich mein erstes Mobiltelefon. Es war ein türkisgrüner „Klopper“ von Eplus. Das gute Stück war in der Nutzung wahnsinnig teuer, aber eine unglaubliche Hilfe in meiner Selbständigkeit.

Im Jahr 2000 wählte ich mich das erste Mal über ein Modem in das Internet ein. Dieses Universum empfand ich als Parallelwelt. Es beeindruckte mich und ich liebte es, dieses zu erkunden und zu nutzen.

Die digitale Entwicklung in den letzten fünfundzwanzig Jahren bis zum heutigen Tag ging unglaublich rasant.

Vor etwa einem Jahr las ich zum Thema ChatGPT. In mir baute sich eine Abneigung zu dieser künstlichen Intelligenz auf. Ich mochte es nicht, dass wir komplette Texte über dieses Modul generieren, dass Bilder zu einem gewünschten Thema in kurzer Zeit ausgespuckt werden können, dass Berechnungen durchgeführt werden und wir jede x-beliebige Frage an dieses System abgeben können und umfangreiche Antworten erhalten. Banal gesprochen, glaubte ich, dass sich eine Maschine beginnt, über den Menschen zu stellen und diesen über kurz oder lang „erledigt“. Es fühlt sich dystopisch an. Es ist eine Spirale in die Unendichkeit. Eine Maschine vom Menschen erschaffen, lernt, sich selbst zu entwickeln.

Inzwischen habe ich, nach einem Tipp eines Bekannten, auf meinem Smartphone die kostenlose Variante von ChatGPT geladen und probierte es einige Male aus. Das System ist so gut, wie das Wissen der gesamten Menschheit. Dieses Schwarmwissen hat inzwischen einen IQ von 160, wie ich gestern in einem Podcast erfuhr. Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche IQ 100 beträgt und man mit einem IQ von 130 als hochbegabt zählt, bestätigt das meine Skepsis. Den höchsten IQ soll übrigens Marilyn von Savant mit 228 haben.

Ein praktisches Beispiel aus diesem Beitrag. Ich wollte mich vergewissern, ob meine Erinnerung an die Speicherkapazität der Floppy-Disketten korrekt ist. Zunächst recherchierte ich auf Google. Meine Frage formulierte ich immer wieder neu, erhielt jedoch keine konkrete Antwort. Danach fragte ich ChatGPT ein einziges Mal und erhielt folgende Aussage:

Das ist ein Screenshot, den ich auf meinem Smartphone machte.

Ein anderes Beispiel: Ich sagte ChatGPT: Male ein Bild in Acryl des Medienhafens im Stil von Hundertwasser.

Es hat keine zehn Sekunden gedauert, bis dieses Bild auf meinem Smartphone war.

Auch das ist ein Screenshot.

In diesem System müssen wahnsinnig viele Daten eines jeden Menschen von uns gesammelt worden sein.

Ein letztes Beispiel soll unsere Nebenkostenabrechnung sein. Das war übrigens der Grund, weshalb ich ChatGPT auf meinem Smartphone habe. Ich fotografierte die Abrechnung und stellte meine Frage. Daraufhin überprüfte das System das Ganze. Hier habe ich nur zwei Screenshots eingefügt. Die ausgeworfene Prüfung ist detaillierter und umfangreicher. In unserem Haus wohnen drei Parteien.

Es ist wirklich erstaunlich, in welch hohem Niveau diese Maschine arbeitet. Sie versteht sofort. Wenn sie noch Informationen benötigt, hinterfragt sie es in einem höflichen „menschlichen“ Ton.

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits steht ein riesiges Ausrufezeichen im Raum. Andererseits ist es gigantisch, das globale Wissen der Menschheit nutzen zu dürfen. Nur führt das nicht auch dahin, dass wir Menschen immer weniger selbst nachdenken? Ist es doch immerhin sehr bequem, diese App zu befragen und alles ist gut? Dann könnte sich die Maschine in kurzer Zeit über den Menschen stellen.

Nutzt Du ChatGPT? Wie denkst Du darüber? Ist es vielleicht doch einfach ein „Ding der Zeit“, wobei wir nicht lange herumgrübeln, sondern es dankbar annehmen sollten? Schreibe es doch einfach in das Kommentarfeld.

Für heute genug sinniert.

Bis zum nächsten Mal,

herzlich, Eure Petra Kolossa.