Youcef Louaar – Künstler

Vor ein paar Monaten sah ich einen Videoclip, der mich emotional sehr berührte. Ein Atelier, die Hand des Künstlers, Kunstwerke, Geräusche der Bewegung, Berührung, Schritte. Mehr nicht.

Die Künstlerhand streicht liebevoll über die erschaffenen Werke, nimmt sie auf, lässt sie mit einer fast resignierten Bewegung zurückfallen. Unendlich viele Werke chaotisch über viele Jahre angehäuft, irgendwie abgelegt. Erschaffen für den Augenblick.

Die Schritte klopfen bedächtig durch den Raum. Ein Atelier, das nie eine ordnende Hand berührte. Die Materialien immer griffbereit und nur für den Künstler selbst in seiner perfekten Ordnung.

Die Künstlerhand greift in die Kreiden, tastet die erschaffenen Werke, Studien und Skizzen. Verwischt etwas Pastell, öffnet Pappen, alte Kalender, Schachteln … Fast jedes erdenkliche Material dient als Malgrund.

Dieses Video hinterließ bei mir ein bittersüßes Gefühl. Zum einen der Drang des Künstlers, immer wieder Neues erschaffen zu müssen. Zum anderen eine Resignation. Um den Film zu sehen, klickt bitte einfach hier.

Der 47jährige Algerische Künstler Youcef Louaar erhielt nach einem vierjährigen Studium an dem renommierten Institut of Art Constantine 1998 sein Diplom.

Bis Ende 2019 arbeitete er als Kunstlehrer und hatte sein Atelier, in dem unendlich viele seiner Werke entstanden, an dieser Schule.

Gestern, in Vorbereitung dieses Blogs,  interviewte ich Youcef. Wir lernten uns vor gut zwei Jahren kennen. Die Kunst führte uns zusammen und wir hatten seit dem viele interessante Gespräche. Ich erzählte ihm im Herbst, dass mich dieses Video emotional bewegt hat und dass ich gern einen Blog über ihn schreiben wolle. Er stimmte sofort zu. Aber es sollten noch einige Monate ins Land gehen.

Nun spielt uns die weltweite Corona-Isolation Zeit in die Arme. Youcef sitzt in Algier in seiner Wohnung fest und ich hier im Süden Deutschlands. Und so verabredeten wir uns gestern zu einem Gespräch.

Youcef ist Künstler mit Herzblut. Er ist und lebt Kunst. Er erschafft permanent Kunstwerke, bevorzugt Stilleben, Portraits und Landschaft.

2019 absolvierte er ein einjähriges Zusatzstudium, um eine Arbeit im Zentrum für Berufliche Bildung aufzunehmen. Wie in der ganzen Welt, können Künstler in der Regel nicht von ihrer Kunst leben. Somit gab er sein Atelier in der Schule auf, arbeitet an verantwortlichen Aufgaben in der Bildung und macht seine Kunst im Atelier seines engsten Lebensraumes, zu Hause.

Von seinen Freunden wird er oftmals als Professore, benannt. Mit einem unterhielt ich mich einst kurz, als es um die Ausstellung einer Gruppe sehr engagierter Künstler und Künstlerinnen in Algerien ging. Es war die „Art Plastique“ im Dezember 2019. Dieser Freund sagte mir, das Youcef unwahrscheinlich engagiert ist, ein guter Organisator mit Weitblick, bescheiden und einem goldenen Herz.

Youcef erzählte mir, dass er schon immer malt, bereits als kleiner Junge. Seit er denken kann, ist malen und Kunst sein Lebensthema. Ob Kreide, Öl, Acryl oder Pastell … vollkommen egal. Er habe alles ausprobiert und switcht zwischen den Medien.

Zuletzt fragte ich ihn, welchen Traum er habe. Er sagte mir, dass er bis zum Lebensende malen werde. „Ich kümmere mich nicht um Geld. Ich interessiere mich mehr für Kunst, als für Geld. Es ist nur leider notwendig.“

Seine großen Träume sind:

  • Ausstellungen in Europa
  • ein großes Fresko zu malen
  • Gemälde mit verschiedenen Medien erstellen
  • städische Kunststraßen
  • Kalligraphische Projekte

Euch gefällt seine Kunst und Ihr wollt mehr über ihn erfahren? Scheut Euch nicht, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Diese Zeichnung links hat er für mich gefertigt. Heute soll sie hier statt eines Fotos ihren Platz finden.

Ich freue mich sehr, dass ich Euch heute einen lieben Kollegen vorstellen durfte.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Haptik

Eigentlich wollte ich ja nur mal ganz schnell für zwei, drei Stunden vier Bilder ausleihen. Die hängen unter anderem zur Zeit in der Galerie im Gasthaus Anker in Ravensburg. Diese vier Werke hatten noch kein Foto-Shooting. Und heute ergab sich die Möglichkeit. So musste ich die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Ich eilte also in die Galerie, klemmte mir die vier Bilder unter den Arm und stürzte im Foyer an einer Gruppe von Menschen vorbei, die diskutierend vor meinen Assemblagen standen. Im Vorbeigehen hörte ich: „Das ist sie! Doch, doch, das muss sie sein!“

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Ich drehte mich um und musste Grienen. Ein Mann stand vor vor der Assemblage „Vivaldi II“. Er strich mit seinen Fingern über die Drumsticks und befühlte diese selbstvergessen.
Mir ist sehr oft aufgefallen, dass die Betrachter dieser Werke, ganz gleich welchen Alters, immer wieder die Teile der verwendeten Musikinstrumente berühren und anfassen müssen. Kurz überlegte ich, ein Schildchen mit den Worten „Bitte nicht anfassen“ anzubringen. Aber letztendlich ist es eine wunderbare Botschaft, die meine Bilder übertragen. Es verbindet die Kunst mit den Menschen.

Ich wurde gebeten, die Bilder zu erklären. Ich tat es gern. Es ist selten in unserem Ländle, dasss Menschen so unbekümmert auf uns Künstler zugehen und mehr wissen wollen. Diese kleine spontane Führung durch die Galerie bereitete mir Vergnügen.
Als ich mich verabschiedete sprach mich der Mann, der immer noch fasziniert das Bild mit den Drumsticks bestaunte, an:
„Sie wissen nicht, wer diese Sticks gespielt hat?“
Ich lächle: „Doch, ich weiß es.“
Er strahlt mich an: „Können sie es mir sagen?“
„Ja, naklar.“
Ferri Warnucz von SoulCake aus Bonn.“ … Er strahlte und notierte sich den Namen.

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Vivaldi II, 2016, 120 cm x 80 cm, Assemblage, gespachtelt, Petra Kolossa

Als ich diese vier Assemblagen fertigte, schrieb ich dazu bereits in diesem im Blog. Hier findet Ihr die Texte dazu und auch hier.

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Von Herzen wünsche ich mir diese Nähe, die ich erleben durfte. Es bestätigt uns Künstlern den Sinn unseres Tuns, unseres Schaffens.

Jetzt wird es aber Zeit! Ich muss weiter …

Einen guten Start in die neue Augustwoche wünscht Euch, Eure Petra Kolossa.

06. April 2018 – Treffen Sie „Künstler vor Ort“

Zum ersten Mal lud ich unter dem Thema „Künstler vor Ort“ in Bad Waldsee während meiner Ausstellung „Inspiriert“ zum Jahresanfang ein.
Mich begeisterte, wie viele Besucher sich für das, was hinter meinen Kunstwerken steht, interessierten,  wie aufmerksam meinen Worten gefolgt wurde und die unendlich vielen Fragen, die ich beantworten durfte.

Diese fantastische Erfahrung nahm ich mit in unsere fx-Künstlergruppe Ravensburg bis Bodensee.  Treffen Sie „Künstler vor Ort“ soll während unserer Ausstellungen ein fester Bestandteil werden.

Somit trefft Ihr mich und meine Künstlerkollegen das nächste Mal am

06. April 2018, 17:00 bis 20:00 Uhr

in der Bodensee-Galerie Salem
Gewerbepark
In Oberwiesen 16
88682 Salem

Dort stellen wir bis zum 19. Juni 2018 unter dem Thema „Frühling“ aus.

… und Ihr dürft mir Löcher in den Bauch fragen zu meinen zwei neuen Bildern aus der Werkgruppe „Caligari“.

Für Euch ein kleiner Clip, den ich am Vortag zur Vernissage machte:

Ausstellende Künstler/innen:
Claudia Bode, Theresia Hillebrand, Galyna Schäfer, Peter Hutschenreuter, Walter Steenblock, Greta Floor, Kati Sparberg, Buttafly, Petra Kolossa

Und hier der offizielle Flyer für diese Ausstellung

Sehen wir uns am kommenden Freitag zu „Künstler vor Ort“? Super!

Herzlich, Eure Petra Kolossa.

Ein Clown! Wie lustig!

Wie gebannt starre ich das Bild dieses Clowns an. Für mich ein vollkommenes Abbild eines solchen, geschlüpft in eine Rolle, in eine (seine) Sehnsucht geflüchtet.

Schon als Kind sah ich in einem Clown meistens einen traurigen Menschen. Keine Maske verhalf, die innere Zerrissenheit, Nöte und Ängste zu verstecken. Solch ein Clown wirkte auf mich arm, das Kostüm meistens alt und das Gesicht mit einem Ausdruck, der mich zum Lächeln zwang, um ihm einen Gefallen zu tun. Solch ein Clown stimmte mich eher traurig, als lustig.

Aber, sind wir nicht alle irgendwie Clown? Selbstdarsteller und Kreative beim Erschaffen von Identitäten in unseren Arenen und auf unseren Bühnen?
Wer bist Du? Wer bin ich?

„Clown“ – Tusche, Aquarell, Salz auf Aquarellpapier – 36 x 48 cm – verkäuflich
Gemälde von Sabine Grötzbach

Ich bedanke mich herzlich bei der großartigen Künstlerin Sabine Grötzbach. Sie erlaubte mir ohne Zögern, dieses Blog zu schreiben und sandte mir die obigen Bilder für diesen Zweck.
Das Gemälde ist verkäuflich. Bei Interesse nehmt bitte einfach Kontakt mit Sabine auf.

Herzlich, Eure Petra Kolossa.